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Jakob der Lügner - Charakterisierung in Literaturvorlage und Verfilmungen

Title: Jakob der Lügner - Charakterisierung in Literaturvorlage und Verfilmungen

Seminar Paper , 2002 , 45 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Teresa Hochmuth (Author)

Communications - Movies and Television
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Wie Literatur über die Vernichtung der Juden im Dritten Reich auszusehen hat, stellt seit langem ein strittiges Thema für Autoren und Literaturwissenschaftler dar. Marcel Reich-Ranicki bezeichnete 1991 die Holocaust-Thematik als „nach wie vor besonders riskant. Die wichtigsten der vielen Fallen, in die hier der Schriftsteller geraten kann, heißen einerseits Pathos, Larmoyanz und Sentimentalität und andererseits Verharmlosung und Verniedlichung.”

Ein Roman, dem diese Gratwanderung gelingt und der sich zudem durch eine unkonventionelle, fast poetische Gestaltunsweise auszeichnet, ist Jurek Beckers Jakob der Lügner.

Auffällig ist überdies die Komplexität der Figur des Jakob Heym. Im Folgenden interessiert mich, inwiefern diese Person mit filmischen Mitteln umfassend dargestellt werden kann. Im Vergleich der beiden Verfilmungen von Frank Beyer (1974) und Peter Kassovitz (1999) mit dem Roman lassen sich in der Darstellung bestimmter Charakterzüge des Protagonisten einerseits viele Gemeinsamkeiten, andererseits aber auch eklatante Unterschiede erkennen. Wie die Figur Jakob Heym von Becker, Beyer und Kassovitz charakterisiert wird, möchte ich im Folgenden genauer darstellen.

Zunächst gebe ich einen kurzen Einblick in die Theorie der Literaturverfilmung mit besonderem Hinblick auf die Problematik der Romanadaption. Des Weiteren lege ich die Entstehungsgeschichte des Romans und der beiden Filme dar, um vor allem die enge Verbundenheit von Literatur und Film bei Jakob der Lügner, durch die sich ein Buch-Film-Vergleich besonders anbietet, aufzuzeigen. Um die Charakterisierungen Jakobs in beiden Medien möglichst klar umreißen und somit eindeutig gegenüberstellen zu können, habe ich einzelne Rollen bzw. Charakteristika der Figur als Vergleichspunkte herausgearbeitet, auf die im Verlauf des Plots immer wieder eingegangen wird.

Als erstes möchte ich Jakob als Einzelperson, also sein äußeres Erscheinungsbild, seine Kennzeichnung als Jude, seine persönliche Vorgeschichte und seinen besonderen Umgang mit der aktuellen Situation als Ghettobewohner, genauer betrachten. Im Folgenden gehe ich auf sein Verhältnis zu den wichtigsten Bezugspersonen seines augenblicklichen Umfelds (die Figuren Lina, Mischa und Kowalski) ein. Außerdem werde ich darlegen, inwiefern Jakob als Lügner zu charakterisieren ist. Schließlich möchte ich seine Rolle in der Gesellschaft als Opfer einerseits, Held oder sogar Widerstandskämpfer andererseits untersuchen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Überlegungen zur Literaturverfilmung

2.1 Interdependenz von Literatur und Film

2.2 Möglichkeiten und Grenzen der Transformation

2.3 Bewertung von Adaptionen

2.4 Charakterisierung in der Filmadaption

3. Der Roman und seine Verfilmungen

3.1 Jurek Beckers Roman

3.1.1 Biografischer Hintergrund des Romans

3.1.2 Inhalt des Romans

3.2 Frank Beyers Defa-Verfilmung

3.3 Peter Kassovitzs Hollywood-Verfilmung

4. Die Charakterisierung der Figur Jakob Heym

4.1 Die Person Jakob Heym

4.1.1 Äußeres Erscheinungsbild

4.1.2 Auffassung des Judentums

4.1.3 Persönliche Vorgeschichte und Rolle der Vergangenheit

4.1.4 Umgang mit der Situation des Ghettos

4.2 Jakobs engeres persönliches Umfeld

4.2.1 Lina

4.2.2 Mischa

4.2.3 Kowalski

4.3 Jakob der Lügner

4.3.1 Beginn der Lüge und erste Zweifel

4.3.2 Die Höhepunkte der Lügen

4.3.3 Das Ende der Lügen

4.4 Jakobs Rolle in der Gesellschaft

4.4.1 Opfer des Nationalsozialismus

4.4.2 Held und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus

5. Zusammenfassung und Bewertung

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Charakterisierung der Figur Jakob Heym in Jurek Beckers Roman „Jakob der Lügner“ im Vergleich mit den beiden filmischen Adaptionen von Frank Beyer (1974) und Peter Kassovitz (1999), um zu analysieren, wie filmische Mittel die literarische Vorlage interpretieren und transformieren.

  • Theorie der Literaturverfilmung und Transformationsprozesse
  • Biografischer Kontext von Jurek Becker und Entstehungsgeschichte des Stoffes
  • Vergleich der filmischen Inszenierung von Jakobs Charakterzügen
  • Analyse der Darstellung von Hoffnung, Widerstand und Judentum im Ghetto
  • Bewertung der Angemessenheit der beiden Adaptionen im historischen Kontext

Auszug aus dem Buch

4.1.1 Äußeres Erscheinungsbild

Den ersten seiner wenigen Kommentare bezüglich des äußeren Erscheinungsbilds Jakobs gibt der Romanerzähler am Ende des einleitenden Abschnitts: Jakob erinnere „in keiner Weise an einen Baum. Es gibt doch solche Männer, von denen man sagt, ein Kerl wie ein Baum, groß, stark, ein bisschen gewaltig Jakob ist viel kleiner, er geht dem Kerl wie ein Baum höchstens bis zur Schulter.”

Die typische heldenhafte Größe des traditionellen Romanhelden fehlt Beckers Protagonisten. Später weist Becker zudem noch darauf hin, dass Jakob „gewaltig abgemagert gegen früher” sei. Auch Kassovitzs Jakob ist nicht groß, Vlastimil Brodský in der Verfilmung von 1974 wirkt noch schmaler und, laut Frank Beyer, sogar „zerbrechlich”. Williams' herunterhängende Schultern und Brodskýs gebeugter Gang verstärken zusätzlich das Bild eines wenig heroischen, an den Umständen des Ghettos gemessen durchschnittlich abgearbeiteten Mannes mittleren Alters.

Auffällig ist jedoch, dass Beyers Jakob außerhalb der Arbeitszeit, beispielsweise bei seinem Spaziergang in der zweiten Sequenz, stets einen Anzug, Hut sowie Krawatte trägt. Auch wenn seine Kleidung schlecht sitzt und bereits stark abgetragenen ist, bewahrt er sich durch diese Kontinuität doch auch in der menschenunwürdigen Umgebung des Ghettos etwas von der Würde der Zeit davor.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung erläutert das Thema der Literaturverfilmung am Beispiel von Jurek Beckers Roman und stellt die Forschungsfrage nach der filmischen Charakterisierung des Protagonisten Jakob Heym.

2. Theoretische Überlegungen zur Literaturverfilmung: Dieses Kapitel legt die wissenschaftlichen Grundlagen für den Vergleich zwischen literarischer Vorlage und filmischer Adaption dar, unter besonderer Berücksichtigung der Transformationsmöglichkeiten und -grenzen.

3. Der Roman und seine Verfilmungen: Hier wird der biographische Hintergrund des Autors Jurek Becker sowie die Entstehungsgeschichte sowohl des Romans als auch der Filme von Frank Beyer und Peter Kassovitz detailliert beleuchtet.

4. Die Charakterisierung der Figur Jakob Heym: Das Hauptkapitel analysiert die filmische Umsetzung einzelner Charakterzüge Jakobs im Vergleich zum Roman, insbesondere im Hinblick auf sein soziales Umfeld, seine Rolle als Lügner und sein Selbstverständnis.

5. Zusammenfassung und Bewertung: Das abschließende Kapitel resümiert die Analyseergebnisse und bewertet die Angemessenheit der beiden Adaptionen vor dem Hintergrund ihrer unterschiedlichen Entstehungszeiten und kulturellen Kontexte.

Schlüsselwörter

Jakob der Lügner, Jurek Becker, Literaturverfilmung, Filmadaption, Ghetto, Holocaust, Frank Beyer, Peter Kassovitz, Charakterisierung, Transformation, Widerstand, Identität, Romananalyse, Filmvergleich, Judentum

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Seminararbeit untersucht, wie die komplexe Figur Jakob Heym aus Jurek Beckers Roman „Jakob der Lügner“ in den zwei existierenden Verfilmungen von Frank Beyer und Peter Kassovitz dargestellt wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt die Theorie der Literaturverfilmung, den Vergleich von Roman und Film sowie die Themenbereiche Holocaust, Ghetto-Alltag, Hoffnung, Lüge und Widerstand.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu analysieren, wie die filmischen Mittel der Regisseure den literarischen Charakter interpretieren und inwiefern diese Adaptionen dem Geist und der Intention der Romanvorlage gerecht werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der spezifische „cardinal functions“ (wesentliche Charakterzüge und Handlungsmotive) aus der Vorlage identifiziert und mit deren Umsetzung in den Filmen verglichen werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil liegt der Fokus auf Jakobs äußerem Erscheinungsbild, seinem Verhältnis zum Judentum, seiner Vorgeschichte, dem Umgang mit der Ghetto-Situation und seiner Rolle als Lügner sowie als Held bzw. Widerstandskämpfer.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen: Jakob der Lügner, Jurek Becker, Literaturverfilmung, Filmadaption, Ghetto, Holocaust und Charakterisierung.

Wie unterscheidet sich die Darstellung in der DEFA-Verfilmung von der Hollywood-Version?

Die DDR-Verfilmung von 1974 setzt stärker auf eine poetische, indirekte Darstellung des Grauens, während die Hollywood-Version von 1999 das Grauen expliziter inszeniert und den Fokus stärker auf Hollywood-typische Handlungselemente und komödiantische Aspekte legt.

Welche Bedeutung kommt dem Motiv der Lüge zu?

Die Lüge wird sowohl im Roman als auch in den Filmen als Werkzeug zur Hoffnungserhaltung innerhalb des Ghettos thematisiert, wobei die Interpretation variiert: vom „altruistischen Betrüger“ im Roman bis zum teils heroischen Widerstandskämpfer im Remake.

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Details

Title
Jakob der Lügner - Charakterisierung in Literaturvorlage und Verfilmungen
College
University of Potsdam
Course
Verfilmungen literarischer Stoffe aus drei Jahrhunderten
Grade
1,0
Author
Teresa Hochmuth (Author)
Publication Year
2002
Pages
45
Catalog Number
V144720
ISBN (eBook)
9783640531370
ISBN (Book)
9783640531431
Language
German
Tags
Romanadaption Adaption Verfilmung Literaturadaption Literaturverfilmung Jakob der Lügner Jurek Becker Frank Beyer Peter Kassovitz Charakterisierung Holocaust Jakob Heym DEFA Ghetto Romanverfilmung Nationalsozialismus Sequenzprotokoll
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Teresa Hochmuth (Author), 2002, Jakob der Lügner - Charakterisierung in Literaturvorlage und Verfilmungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144720
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