Engel in der Weihnachtsgeschichte

Hofstaat Gottes oder Propagandisten des Himmels?


Essay, 2008

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Hövelmann neuer Schirmherr der Schutzengel Einleitung

2. Die Verkündigung des Engels: swthr - cristoj - kurioj Hauptteil

3. agalomai - stolz sein auf jemanden Fazit

4. Quellenverzeichnis

1.Hövelmann neuer Schirmherr der „Schutzengel“ Einleitung

Wie kann die Weihnachtsgeschichte medientauglich in unsere heutige Zeit übertragen werden? Diese Frage stellt sich Jungpfarrer Marcus Mockler in seiner Predigt vom 19.Dezember 2007. Wäre es denkbar von einer „Risikoschwangerschaft durch Volkszählung“ zu sprechen, sollte man die Thematik lieber als „Hotelmisere“ abtun durch die ein Kind im Stall zur Welt kam oder kann man noch heute die Menschen mit den Worten fesseln, die der Verheißungsengel laut den Evangelien verkündete1 ? „Denn euch ist heute der Heiland geboren“ (Lk 2,11) - diese Worte werden all jene kennen, die aus tief empfundenen Glauben oder aus Tradition am Heiligen Abend in den Gottesdienst gehen. Aber was wissen wir denn wirklich über diese Botschaft und ihre Bedeutung? Was wissen wir über den Absender dieser Nachricht und über den Boten selbst?

Natürlich wird jedes Schulkind in etwa wissen, dass am Heiligen Abend ein Engel vom Himmel kam, irgendwo auf Hirten traf und eben diesen von einem Kind in einer Krippe berichtete, das den Frieden auf die Erde bringen wird. Doch leider vermag diese Botschaft heute kaum mehr zu beeindrucken. Vor kurzem fragte ich den siebenjährigen Sohn eines befreundeten Ehepaares, warum wir den eigentlich Weihnachten feiern und er antworte mir darauf: „Das ist irgendwas wegen Amerika und da gibt’s Geschenke.“ Entsetzt fragte ich seine Eltern, ob sie ihm jemals etwas von der Weihnachtsgeschichte erzählt hätten und von dem Engel oder den Hirten. Und genau wie ihr Sohn begegneten sie mir mit Unverständnis. Diese Haltung findet man allzu oft in unserer heutigen Zeit. Dafür gibt es viele unterschiedliche Gründe. Am leichtesten wäre es zu sagen, dass diese Leute nicht an Gott oder Christus glauben. Aber auch viele, die sich offen zum christlichen Glauben bekennen, haben ihr Zutrauen in die weihnachtliche Verkündigung verloren. Wo ist denn der „Friede auf Erden“ (Lk 2,14), der uns versprochen wurde? Wenn man sich die weltpolitische Lage und die internationalen Konflikte vergegenwärtigt, stellt sich dies als eine berechtige Frage dar. Ein Menschleben wäre nötig, um unsere jetzigen Probleme in einem theologischen Kontext schlüssig zu erklären oder zumindest den Menschen das Vertrauen in das Weihnachtsevangelium nahe zu bringen.

Die Auseinandersetzung mit diesen Aspekten würde den Rahmen dieses Essays sprengen, weshalb im Augenmerk der folgenden Betrachtungen die Rolle der Engel in der lukanischen Weihnachtsgeschichte stehen soll.

„Sie sitzen auf Highway-Schildern, Reklametafeln und Wolkenkratzern. Sie beobachten das Treiben der Menschen, leiten und beschützen sie. Nur sehen kann man sie nicht, diejenigen, die uns täglich umgeben - Engel.“2 Gerson Wehrheim zitiert mit diesen Worten den Kinotrailer zum Film „Stadt der Engel“. Seine Absicht lag darin zu zeigen, dass Engel aus dem religiösen Kontext herausgelöst sind. Sie haben die Rolle von omnipräsenten Wesen eingenommen, die zu kommerziellen Zwecken benutzt werden und aus unserer heutigen Kultur nicht mehr wegzudenken sind. „Hövelmann neuer Schirmherr der Schutzengel“ - so überschrieb eine Lokalzeitung das Konzept mit dem Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Holger Hövelmann die Arbeit des ADAC zu unterstützen plant.3 Ob als vorweihnachtliche Dekoration oder zur Beschreibung politischer Konzepte - Engel sind überall zu finden.

Ihnen werden die Prädikate der Unschuld, der Verspieltheit, des Schutzes sowie der Wärme und Geborgenheit verliehen. Doch dies reicht bei weitem nicht aus um sie zu beschreiben und es ist wohl kaum das, was „Lukas mit seinem erbaulich-legendären Weihnachtsevangelium den modernen Menschen überhaupt […] sagen [will].“4 Ihre Rolle im Lukasevangelium (nachfolgend abgekürzt LkEv) ist sehr viel bedeutender. Nachfolgende Ausführungen orientieren sich an folgender Grundthese:

Die Engel im Lukasevangelium sind widersprüchliche Gestalten. Zwischen Autonomie und Abhängigkeit repräsentieren sie den Hofstaat Gottes als auch die Propagandisten des Himmels.

Zu Beginn ist es angebracht sich etwas genauer mit dem Evangelisten Lukas zu beschäftigen, mit den Bedingungen und Problemen, die bei der Abfassung seines Werkes sein Schreiben maßgeblich beeinflusst haben müssen. Erst dann kann man Aussagen über die Engelsgestalten in seinem Werk tätigen.

Dabei wird das Hauptaugenmerk auf Lk 2,1-20 liegen. Zur besseren Begründung wird - an Stellen, die wichtig erscheinen - Bezug auf die Vorgeschichte Lk 1,1-45 genommen. Am Ende dieses Aufsatzes wird abschließend die Grundthese erneut aufgegriffen, verifiziert oder verworfen.

2. Die Verkündigung des Engels: swthr - cristoj - kurioj Hauptteil

Es ist schwierig die genaue Funktion der Engel im lukanischen Evangelium zu bestimmen, wenn man sich im Vorfeld nicht eingedenk wird über den Autor des dritten Evangeliums und der Apostelgeschichte. Lukas, der als „Arzt, der Geliebte“ (Kol 4,14) bezeichnet wird, ist beim Abfassen seiner beiden Werke vor eine imense Aufgabe gestellt: zum einen existieren bereits zwei Evangelien, was ihn in die Position bringt, seines rechtfertigen und begründen zu müssen und zum anderen gibt es zu seiner Zeit (etwa 80 n. Chr.) bereits ein vielfältiges Jesuszeugnis in mündlicher oder schriftlicher Form. Lukas erkennt jedoch in diesem Umstand eine große Gefahr für die junge christliche Gemeinde. In ihrer bisherigen Einzelexistenz drohen die Jesusüberlieferungen verloren zu gehen und sind ausserdem in stärkerem Umfang der Fehlinterpretation und des Missbrauchs ausgesetzt. Deshalb ist es für Lukas unabdingbar die Jesusüberlieferung für die Erfordernisse seiner Gegenwart und für nachfolgende Generationen zu sichern.5 Zu seinen Lebzeiten - und dies muss bei der Betrachtung seines Werkes berücksichtigt werden - stand das Heilige Land gänzlich unter der Hegemonie des Römischen Reiches. Dieser Zustand lässt vermuten, dass Lukas sich nicht nur mit theologischen Aspekten, sondern auch mit der profanen Wirklichkeit herumschlagen musste. Um diesen problematischen Bedingungen gerecht zu werden, bedient sich Lukas einer Methode, die sehr stark an das Vorgehen des Herodot von Helikarnassos (485-425 v. Chr.) erinnert. Genau wie jener antike Historiker will er zunähst den Traditionsstoff über Jesus „von Grund auf sorgfältig sammeln [und ohne Ausnahme lückenlos und] der Reihe nach aufschreiben“.6 Das Besondere an dieser Methode ist nicht die Aufarbeitung eines biografisch-chronologischen Werdeganges Jesu, sondern die wachsende Enthüllung des endzeitlichen Propheten Jesu als Sohn Gottes. Und wo würde sich besser ein Fundament legen lassen als bei der Geburt - bei der Weihnachtsgeschichte? Im Verlauf der Beschäftigung mit dem LkEv gab es immer wieder Stimmen, die der Weihnachtsgeschichte und ihrer Verkündigung keine Bedeutung beimaßen. Als Vertreter ist hier unter anderem Hans Conzelmann zu nennen.

[...]


1 Vgl. siehe: MOCKLER, Marcus: Die Schlagzeile des Engels - Predigt zu Lk2,1. Reutlingen 2007. In: Glaube24, 19.12.2007, <http://www.glaube24.de/117

Die_Schlagzeile_des_Engels_Predigten.html?range=detailDataset&record=2276>.

2 WEHRHEIM, Gerson: Engel - Predigt zu Lk2,8. Westhofen 2001. In: Glaube24, 05.12.2001, <http://www.glaube24.de/117-Engel_Predigten.html?range=detailDataset&record=427>.

3 „Hövelmann neuer Schirmherr der Schutzengel“, In: Magdeburger Generalanzeiger, 16.März 2008, Seite 3.

4 Zit. nach: ERNST, Josef: Lukasevangelium - Stationen am Wege des Heils, Paderborn 1995, Seite 89/90.

5 Vgl. MÜLLER, Paul-Gerhard: Lukas-Evangelium, In: Paul-Gerhard MÜLLER (Hrsg.): Stuttgarter Kleiner Kommentar - Neues Testament 3, Stuttgart, Seite 23f.

6 Zit. nach ebd. Seite 26.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Engel in der Weihnachtsgeschichte
Untertitel
Hofstaat Gottes oder Propagandisten des Himmels?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Theologische Fakultät)
Veranstaltung
Grundkurs Dogmatik
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V144749
ISBN (eBook)
9783640539536
ISBN (Buch)
9783640540198
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Weihnachtsgeschichte, Engelsmotiv, Engel, Systematische Theologie, Predigt
Arbeit zitieren
Daniel Meyer (Autor:in), 2008, Engel in der Weihnachtsgeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144749

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