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Warum scheiterte die Regierung Ludwig Erhard?

Untersuchung anhand der innen-, außen- und parteipolitischen Entwicklungen zwischen 1963-1966

Title: Warum scheiterte die Regierung Ludwig Erhard?

Term Paper , 2009 , 17 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Daniel Meyer (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
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Summary Excerpt Details

„Der Beitrag Ludwig Erhards zum Aufbau […] der Bundesrepublik Deutschland war
in vieler Hinsicht entscheidend. Mit seinem Namen verbindet sich der wirtschaftliche
Aufstieg nach [der] beispiellosen Katastrophe [des Zweiten Weltkrieges]. Nach dem
ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer und neben ihm war Erhard der wichtigste
Gestalter der jungen Bundesrepublik.“
Was vermittelt diese Aussage? Sie überträgt Erhards Bedeutung für die
Bundesrepublik auf sein wirtschaftliches Schaffen und stellt ihn dabei an die Seite
Konrad Adenauers. Erhards Weg in die Politik erfolgte über die Wirtschaft. Bereits
in der Weimarer Republik trat er in diesem Metier hervor und sollte darin bis in die
junge Bundesrepublik hinein brillieren. Doch seine Rolle in den Gründerjahren darf
nicht ausschließlich auf dem wirtschaftlichen Gebiet angesiedelt werden.
Unterschwellig wird dies auch im einleitenden Zitat vermittelt, in dem Erhard
indirekt als Nachfolger Adenauers dargestellt wird. Bei der Betrachtung der Person
Ludwig Erhards darf seine Zeit als Bundeskanzler jedoch nicht in einer solchen
untergeordneten; nur marginal zu erwähnenden Rolle vermutet werden. Denn
obwohl seine Kanzlerschaft nur vom 18. Oktober 1963 bis zum 30. November 1966
andauern sollte, ist sie nicht als unbedeutendes Intermezzo anzusehen. Während
seiner Rolle als Wirtschaftsminister und als „Vater des Wirtschaftswunders“ hatte
Erhard sich ein Prestige in der deutschen Bevölkerung geschaffen, das ihm seinen
Weg in das Kanzleramt ebnete. Umso überraschender erscheint es, dass Erhard
offenbar nicht imstande war, sein Amt auf Dauer zu sichern. Dies zeigt bereits die
literarische Reflexion zur Person Ludwig Erhards. So bezeichnet ihn Karlheinz
Niclauß als „Zwischenkanzler“, Hermann Schreiber versteht ihn gar als
Politikverächter und Johannes Gros glaubt, dass Erhards Charakter gar die Politik
verdorben hatte. Sind diese Einschätzungen zutreffend? Kann man Erhards
Kanzlerschaft als ein „[…] entbehrliches Accessoire“ bezeichnen? Wenn ja, stellt
sich die Frage, wie es dazu kommen konnte. Wie konnte der gemütlich wirkende Erhard, der mit seiner Erscheinung Sympathie im Volk erweckte, nach so kurzer
Zeit nur scheitern? [...] Im Fokus der
Untersuchung steht dann die Analyse der Kanzlerschaft Erhards. Hier sollen dann
bestimmte Felder – vornehmlich Innen- und Außenpolitik sowie Erhards „Distanz
zur Macht“ – herausgegriffen werden, um seinen politischen Sturz nachvollziehbar
darstellen zu können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Biografie Ludwig Erhards

3. Adenauer und Erhard

4. Die Kanzlerschaft Ludwig Erhards 1963-1966

4.1. Erhards Lavieren zwischen Außen- und Innenpolitik

4.2. Erhards Distanz zur politischen Macht

4.3. Erhards politisches Ende

5. Zusammenfassung und Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Gründe für das Scheitern der Regierung Ludwig Erhard zwischen 1963 und 1966. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern seine Kanzlerschaft eine logische Fortführung der Ära Adenauer darstellte und welche internen sowie externen Faktoren letztlich zum politischen Sturz führten.

  • Biografischer Werdegang Ludwig Erhards und seine wirtschaftliche Prägung.
  • Das spannungsreiche Verhältnis zwischen Konrad Adenauer und Ludwig Erhard.
  • Die Herausforderungen in der Innen- und Außenpolitik während der Amtszeit.
  • Erhards Distanz zu parteipolitischen Machtstrukturen und internen Netzwerken.
  • Die Auswirkungen wirtschaftlicher Schieflagen und politischer Isolierung auf den Rücktritt.

Auszug aus dem Buch

4.1. Erhards Lavieren zwischen Außen- und Innenpolitik

Erhard erklärte, dass er ein „Volkskanzler“ seien wolle, der die Bundesrepublik über die divergierenden Interessenwünsche der einzelnen Gruppierungen hinweg regieren werde. Anfänglich fand diese Erklärung sowohl in der Bevölkerung als auch in der politischen Landschaft Gehör. Man glaubte, dass nun mit Erhard ein Kanzler an der Macht sei, der auf die Entwicklungen der Zeit reagieren und nicht nur Erreichtes bewahren, sondern es stabilisieren und als Grundlage neuer Fortentwicklungen gebrauchen wollte. Niemand zweifelte daran, dass Erhard dies schaffen könnte. Immerhin hatte er „mit dem Bundeskanzleramt […] eine gut eingespielte Koordinierungszentrale der Regierungspolitik [übernommen].“ Auf Grundlage dessen konnte Erhard eine politische Ausrichtung zugunsten der Innenpolitik vornehmen, mit der er in den ersten beiden Jahren durchaus Erfolge zu erzielen vermochte. So hatte das ‚Wirtschaftswunder’ 1964/65 mit einem erneuten Konjunkturaufschwung seinen Höhepunkt erreicht, sodass – auch im Vorfeld der 1965 anstehenden Bundestagswahl – bestimmte finanzielle Zugeständnisse gemacht werden konnten. Die Regierung Erhard erhöhte die Kindergeldzahlungen, stockte die Etats für den Hochschulausbau und die Studentenförderung auf und änderte mehrmals die Steuergesetzgebung. Mit diesen Maßnahmen erhöhte sich die Sympathie der Bevölkerung für ihren Regierungschef abermals. Die „Wahllokomotive“ Erhard hatte die Erwartungen, die 1963 in ihn gesetzt wurden, also nicht enttäuscht. Durch sein „Primat der Innenpolitik“ hatte sich Erhard nicht nur den Zuspruch der Massen, sondern auch die Unterstützung seines Kabinetts gesichert. Jedoch sollte es sich im Verlauf der globalen Entwicklungen als illusorisch erweisen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Fragestellung: Diese Einführung erläutert die Ambivalenz der Kanzlerschaft Erhards und führt die zentrale Forschungsfrage nach den Ursachen seines Scheiterns ein.

2. Biografie Ludwig Erhards: Der Abschnitt skizziert den Werdegang Erhards vom Betriebswirt zum „Vater des Wirtschaftswunders“ und beleuchtet seine frühe politische Rolle als Wirtschaftsminister.

3. Adenauer und Erhard: Dieses Kapitel analysiert das anfangs symbiotische, später konfliktgeladene Verhältnis zwischen dem ersten Bundeskanzler und seinem Nachfolger.

4. Die Kanzlerschaft Ludwig Erhards 1963-1966: Das Hauptkapitel untersucht die politischen Rahmenbedingungen, die spezifischen Entscheidungsprobleme und das allmähliche Abgleiten Erhards in die Isolation.

4.1. Erhards Lavieren zwischen Außen- und Innenpolitik: Hier wird Erhards Versuch beschrieben, den Fokus auf innenpolitische Reformen zu legen, während die zunehmende Bedeutung der Außenpolitik ihn in Bedrängnis brachte.

4.2. Erhards Distanz zur politischen Macht: Der Fokus liegt auf Erhards mangelnder Parteiverankerung und seinem Unvermögen, Machtmechanismen in einer parlamentarischen Demokratie effektiv zu nutzen.

4.3. Erhards politisches Ende: Dieses Kapitel beschreibt den finalen Prozess der Isolierung durch wirtschaftliche Probleme, den Druck der US-Regierung und den Rückzug der FDP, der zum Rücktritt führte.

5. Zusammenfassung und Fazit: Die abschließende Analyse fasst die vier wesentlichen Momente des politischen Sturzes zusammen und bewertet das Wirken Erhards im historischen Kontext.

Schlüsselwörter

Ludwig Erhard, Bundeskanzler, Wirtschaftswunder, Adenauer, Innenpolitik, Außenpolitik, Parteidemokratie, Formierte Gesellschaft, politischer Sturz, Regierungsstil, Bundestagswahl, Interessenpolitik, CDU, Machtverlust, 1963-1966

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Regierungszeit von Ludwig Erhard zwischen 1963 und 1966 und untersucht die politischen Hintergründe seines Scheiterns als Bundeskanzler.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Besonders behandelt werden die Außenpolitik, die innenpolitische Reformagenda, das Verhältnis zur eigenen Partei sowie Erhards Umgang mit Machtstrukturen.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, warum Ludwig Erhard als ehemals populärer Wirtschaftsminister nach nur drei Jahren im Kanzleramt scheiterte und welche Rolle dabei innere und äußere Faktoren spielten.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Der Autor führt eine historische Analyse anhand von Literatur und zeitgeschichtlichen Quellen durch, um die politischen Entwicklungen zwischen 1963 und 1966 nachzuvollziehen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Verhältnisses zu Adenauer, die Analyse der Kanzlerschaft mit Fokus auf die Spannungen zwischen Außen- und Innenpolitik, das Autoritätsdefizit gegenüber der Partei sowie die wirtschaftlichen Faktoren des Rücktritts.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören „Volkskanzler“, „Wirtschaftswunder“, „Formierte Gesellschaft“, „Distanz zur Macht“ und „Kanzlerdemokratie“.

Was verstand Erhard unter dem Begriff „Formierte Gesellschaft“?

Erhard verstand darunter ein langfristiges Reformprogramm zur gesellschaftlichen Kooperation, das jedoch von seinen politischen Widersachern als Versuch wahrgenommen wurde, den Meinungspluralismus einzuschränken.

Warum wird Erhard in der Arbeit oft als „Zwischenkanzler“ bezeichnet?

Der Begriff spiegelt die literarische und historische Reflexion wider, die Erhard als Figur sieht, die zwar das Erbe Adenauers fortführen wollte, aber letztlich nicht in der Lage war, sich dauerhaft im Amt zu behaupten.

Welche Rolle spielte der sogenannte „Sonderkreis“ für Erhard?

Der „Sonderkreis“ war Erhards Beraterstab aus Intellektuellen, dessen Einfluss laut Arbeit dazu führte, dass sich die parteipolitische Basis übergangen fühlte und Erhard zusehends den Kontakt zur Fraktion verlor.

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Details

Title
Warum scheiterte die Regierung Ludwig Erhard?
Subtitle
Untersuchung anhand der innen-, außen- und parteipolitischen Entwicklungen zwischen 1963-1966
College
http://www.uni-jena.de/  (Historisches Institut)
Course
Wirtschaftskrisen des 19./20. Jahrhunderts
Grade
2,0
Author
Daniel Meyer (Author)
Publication Year
2009
Pages
17
Catalog Number
V144754
ISBN (eBook)
9783640541072
ISBN (Book)
9783640540709
Language
German
Tags
Ludwig Erhard Politik BRD; Wirtschaftskrise Frühe Neuzeit Konrad Adenauer Biografie Ludwig Erhard
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Meyer (Author), 2009, Warum scheiterte die Regierung Ludwig Erhard?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144754
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