Im Rahmen der Studientage, die unter dem Thema „Glaube in Vielfalt“ standen, entschied ich
mich, die Studienarbeit im Bereich Dogmatik zu schreiben.
Das übergeordnete Thema ist definitiv ein Schwammthema, innerhalb dessen es sich zu
entscheiden gilt. Deshalb war meine Intention dieser Arbeit, den christlichen Glauben, oder
zumindest die Begrifflichkeit dessen, aus verschiedenen theologischen Sichten zu betrachten. So
kann veranschaulicht werden, dass selbst der chris tliche Glaube, also eigentliche Gemeinsamkeit
der Christen, in seiner Definition unterschiedlich ist.
Bedeutende Theologen entwarfen in ihren systematisch-theologischen Gedankengängen
differenzierte und komplexe Konstrukte von Herkunft, Struktur und Charakteristika des
Glaubens. Exemplarisch werden die Glaubensbegriffe Thomas von Aquins, Philip Melanchthons
und Wolfhart Pannenbergs dargestellt, um jeweils einen Vertreter der Theologie des Mittelalters,
der Reformationszeit und der Neuzeit vorzustellen. Die Darstellung sollte möglichst so erfolgen,
dass sie auch für Laien verständlich wird.
Auch beschloss ich, im Rahmen der Beschäftigung mit den genannten Theorien, mich selbst an
einer solchen zu versuchen. Die von mir erdachte „Glaubenslehre“ ist jedoch reines
Gedankenkonstrukt. Ich sehe diese lediglich als eine Niederschrift meiner Gedanken zum
Glaubensbegriff und versuche damit eigene Überzeugungen wiederzuspiegeln.
Letztlich muss noch ein interdisziplinärer Bezug stattfinden. Dies soll über die Fragestellung
erfolgen, ob der Glaube als solcher lernbar sei, somit kann also die Brücke zur
Religionspädagogik geschlagen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Glaubenstheorien bedeutender Theologen
2.1 Thomas de Aquino
2.1.1 Der Gegenstand des Glaubens
2.1.2 Das innere Wirkgeschehen des Glaubens
2.1.3 Die äußere Glaubenshandlung
2.1.4 Die Tugend des Glaubens selbst
2.1.5 Der Besitzer des Glaubens
2.1.6 Die Ursache des Glaubens
2.1.7 Die Wirkungen des Glaubens
2.2 Philip Melanchthon
2.2.1 Der Glaubensbegriff in der Confessio Augustana
2.2.2 Der Glaubensbegriff in der Apologie des Augsburger Bekenntnisses
2.3 Wolfhart Pannenberg
2.3.1 Glaube und Wahrheit
2.3.2 Glaube und Wissen
2.3.3 Glaube als Vertrauen
2.3.4 Glaube und Kenntnisnahme
2.3.5 Glaube und historisches Wissen
2.3.6 Glaubensgrund und Glaubensgedanken
3 Eigener Entwurf einer Glaubenstheorie
3.1 Herkunft des Glaubens oder Glauben und Denken
3.2 Das Wesen des Glaubens
3.3 Die Wirkung des Glaubens
4 Ist Glaube also lernbar?
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Studienarbeit befasst sich mit der systematischen Untersuchung des christlichen Glaubensbegriffs aus unterschiedlichen theologischen Perspektiven. Ziel ist es, durch die Analyse bedeutender Theologen – Thomas von Aquin, Philipp Melanchthon und Wolfhart Pannenberg – die Vielfalt in der Definition des Glaubens aufzuzeigen und einen eigenen, reflektierten Entwurf zu entwickeln, der abschließend die Frage nach der Lehrbarkeit des Glaubens im Kontext der Religionspädagogik adressiert.
- Theologische Systematik des Glaubensbegriffs im Mittelalter, der Reformationszeit und der Neuzeit.
- Die Spannung zwischen Glauben, Vernunft und historischem Wissen.
- Die Bedeutung von Vertrauen, Zustimmung und persönlicher Gotteserfahrung als Kernaspekte.
- Untersuchung der pädagogischen Vermittelbarkeit religiöser Inhalte versus individueller Glaubensentscheidung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Herkunft des Glaubens oder Glauben und Denken
Die Fähigkeit zu glauben ist zunächst allen Menschen von Geburt an geschenkt. Der Glaube ist also wie ein Samenkorn zu betrachten, dass im Laufe der Zeit wächst. Dieses Samenkorn ist natürlich verbunden mit dem Bewusstsein vom Sein einer höheren Existenz, die für das eigene, menschliche Dasein verantwortlich ist. Um dieses Samenkorn zum Wachsen zu bringen, bedarf es einer „Nahrungsquelle“. Diese ist das Lernen.
Über das Lernen werden Inhalte vermittelt, die für den Glauben bedeutsam sind. Die Wechselwirkung aus Glauben und Lernen ist das Denken. Wenn nämlich der Glaube an etwas vorherrscht und das Individuum neues Wissen erlangt, so ist es nötig, die eigene Weltanschauung mit dem eigenen Wissenstand zu „vergleichen“. Dies kann nur durch Denken geschehen. Hieraus resultieren neue Gedankengänge, die wiederum Glauben und eigenes Wissen befruchten, ergänzen und in neuem Licht erscheinen lassen. Dies ist bisher freilich sehr neutral und noch allgemein auf das Glauben und das Wissen bezogen. Dennoch kann man abschließend feststellen, dass somit jeder Mensch glaubt. Menschen, die nicht glauben, existieren nicht. Selbst der Nihilist glaubt, dass alles Seiende nichtig ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themenkomplexes und der Motivation, den christlichen Glauben als vielschichtigen Begriff aus historisch-theologischer Sicht zu beleuchten.
2 Glaubenstheorien bedeutender Theologen: Systematische Darstellung und kritische Auseinandersetzung mit den Glaubenskonzepten von Thomas von Aquin, Philipp Melanchthon und Wolfhart Pannenberg.
3 Eigener Entwurf einer Glaubenstheorie: Reflexion über die persönliche Definition von Glauben als Prozess zwischen Lernen, Denken und vertrauensvollem Handeln.
4 Ist Glaube also lernbar?: Fazit zur Frage der religionspädagogischen Vermittelbarkeit, wobei zwischen der Wissensvermittlung und dem Akt der persönlichen Glaubensentscheidung unterschieden wird.
Schlüsselwörter
Christlicher Glaube, Dogmatik, Thomas von Aquin, Philipp Melanchthon, Wolfhart Pannenberg, Rechtfertigung, Vertrauen, Glaubensinhalt, Religionspädagogik, Vernunft, Offenbarung, Gotteserkenntnis, Glaubenslehre, historisches Wissen, christliche Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Wesen des christlichen Glaubens durch den Vergleich verschiedener theologischer Strömungen und leitet daraus einen eigenen theoretischen Ansatz ab.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Definition des Glaubens, die Rolle der Vernunft, den Stellenwert historischer Offenbarung sowie die Bedeutung von Vertrauen und Bekenntnis.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Hauptziel liegt in der Klärung, ob und inwieweit Glaube in einem pädagogischen Kontext „lernbar“ ist, indem die Grenze zwischen Wissensvermittlung und dem freien Willen zur Zustimmung ausgelotet wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematisch-theologische Analyse, die historische Quellen und theologische Konzepte reflektiert und in einen aktuellen Kontext setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Glaubenstheorien von Thomas von Aquin, Philipp Melanchthon und Wolfhart Pannenberg detailliert analysiert und deren unterschiedliche Ansätze hinsichtlich Herkunft und Wirkung des Glaubens gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Glaubensbegriff, Rechtfertigung, Vertrauen, Offenbarung, historisches Wissen und die Unterscheidung zwischen dem verstandlichen und willentlichen Teil des Glaubens.
Wie definiert der Autor das Verhältnis von Glaube und Denken?
Der Autor versteht Denken als Schlüssel zum reflektierten Glauben; Glaube und Denken stehen in ständiger Wechselwirkung, wobei das Denken hilft, das eigene Glaubensgerüst zu hinterfragen und zu festigen.
Warum spielt der „freie Wille“ eine entscheidende Rolle im Modell des Autors?
Der Autor argumentiert, dass der „willentliche“ Teil des Glaubens – also die persönliche Zustimmung zu Gott – niemals allein durch Unterricht erzwungen werden kann, sondern eine freie Entscheidung des Individuums bleiben muss.
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- Thomas Schleicher (Author), 2003, Der Christliche Glaube, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14475