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Sexualpädagogische Arbeit mit Einwanderinnen

Am Beispiel von muslimisch geprägten Afrikanerinnen

Title: Sexualpädagogische Arbeit mit Einwanderinnen

Bachelor Thesis , 2008 , 54 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin, B.A. Angela Wolter (Author)

Social Work
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„Migration“, „Integration“ und „interkulturelle Kompetenz“ sind immer wieder Schlagwörter, welche in der Sozialen Arbeit und somit auch in der Sexualpädagogik fallen. Das „Institut für Sexualpädagogik und Sexualtherapie (ISP)“ erläutert: „Die Gestaltung der sexuellen Identität ist ein lebenslanger Prozess. Frauen, Männer sowie Jugendliche sind immer wieder aufs Neue herausgefordert, sich mit ihrer sexuellen Entwicklung auseinanderzusetzen. Die Vielfalt von Wertvorstellungen und die unzähligen Möglichkeiten, wie Sexualität gelebt werden kann – ein Charakteristikum der Moderne – macht diese Suche für Frauen und Männer, Mädchen und Knaben sehr komplex.“ (ISP 2009)
Eben diese Wertevielfalt ist es, die im Zusammenhang mit Migration eine besondere Rolle spielt. Nicht nur die Normen und Werte der eigenen Kultur, sondern auch die der Fremdkultur bieten sowohl Möglichkeiten als auch Grenzen für sexuelles Verhalten und damit für die Ausbildung sexueller Identität. Eben hier liegt die Aufgabe der Sexualpädagogik. Sie soll Informationen und Orientierungshilfen bieten und die KlientInnen in Aufbau und Ausleben einer selbstbestimmten Sexualität unterstützen. Dazu ist es notwendig, sich mit den persönlichen Verhältnissen und der konkreten Lebenswelt des Klientels auseinanderzusetzen. Im Zusammenhang mit Sexualität spielt hierbei natürlich auch die Religionszugehörigkeit eine entscheidende Rolle.
In der vorliegenden Arbeit versuche ich, die Herausforderungen, welche sich innerhalb interkultureller sexualpädagogischer Arbeit stellen, an Hand eines Beispiels aufzuzeigen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Kontinent Afrika

3. EinwanderInnen in der Bundesrepublik Deutschland

3.1. Migration in Deutschland

3.2. Afrikanische EinwanderInnen

3.3. Vorurteile und Rassismus

4. Lebenswelt der muslimisch geprägten Afrikanerinnen

4.1. Familienalltag

4.1.1. Geschlechtsrollenverständnis

4.1.2. Ehemuster

4.2. Sexualität

4.2.1. Entwicklung weiblicher Geschlechtsidentität und Körperbewusstsein

4.2.2. Genitalverstümmelung

4.2.3. Homosexualität

4.3. HIV und Aids

5. Sexualpädagogische Arbeit

5.1. Definition

5.2. Gegenstandsbereich und Querschnitt sexualpädagogischer Tätigkeit

5.3. Zur Bedeutung der Geschlechterverhältnisse: Subjekt- und themenzentrierte Sexualpädagogik

5.4. Kultureller Wandel der Sexualmoral

5.5. Sexualpädagogik im interkulturellen Kontext

Exkurs: Interkulturalität

5.5.1. Moralische Pluralisierung

5.5.2. Umgang mit kulturellen Differenzen

Exkurs: Menschenrechte

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Bachelorthesis untersucht die spezifischen Herausforderungen sexualpädagogischer Arbeit mit muslimisch geprägten Afrikanerinnen in Deutschland. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie interkulturelle sexualpädagogische Ansätze dazu beitragen können, Frauen bei der Entwicklung einer selbstbestimmten sexuellen Identität zu unterstützen, ohne dabei die kulturelle und religiöse Lebenswelt zu ignorieren oder diskriminierende Stigmatisierungen zu verstärken.

  • Interkulturelle Kompetenz in der Sexualpädagogik
  • Stigmatisierung und Vorurteile gegenüber Afrikanerinnen und Muslimen
  • Die Rolle von Geschlechterrollen und Eheverständnis im Islam
  • Körperbewusstsein, Reinheitskonzepte und weibliche Genitalverstümmelung
  • Entwicklung einer selbstbestimmten Sexualität im interkulturellen Kontext

Auszug aus dem Buch

4.2.2 Genitalverstümmelung

Bevor ich näher auf dieses Thema eingehe, möchte ich mich ausdrücklich von dem Begriff der „weiblichen Beschneidung“ distanzieren. Dieser Ausdruck beschönigt meines Erachtens einen grausamen Akt, der daher, analog zum englischen Begriff „female genital mutilation (FGM)“ (vgl. Tereick 2005), nur als weibliche Genitalverstümmelung bezeichnet werden kann.

UNICEF zu Folge ist die weibliche Genitalverstümmelung alleine auf dem afrikanischen Kontinent in 28 Ländern verbreitet (vgl. dazu: Tereick 2005). Van Dijk (2005) erläutert dazu Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO), nach welchen weltweit ca. 100 Millionen Frauen davon betroffen seien, dazu würden allein 80 Millionen Afrikanerinnen zählen. Obgleich jedoch überwiegend islamische Länder betroffen sind, ist die weibliche Genitalverstümmelung keine islamische Sitte und hat keine religiöse Legitimation im Koran (vgl. auch: Akashe-Böhme 2006, S. 91). Allerdings werde sie, ebenso wie die Beschneidung männlicher Muslime, aus einer Sunna hergeleitet (vgl. Wehry 2007).

Im Gegensatz jedoch zu der männlichen Beschneidung, welche nach Akashe-Böhme (2006) dazu diene, einen Jungen im Alter von sieben Jahren in die Männergesellschaft aufzunehmen, habe die FGM den Sinn, die Virginität eines Mädchens zu sichern, die Lust der Frau, welche wie bereits erläutert als Quelle von Chaos betrachtet wird, zu hemmen oder ganz zu unterbinden, sowie, wegen der durch den Eingriff entstehenden Enge der Vagina, die Lust des Mannes während der Penetration zu steigern. Es solle, so auch Wehry (2007), der sexuellen Unmoral eines Mädchens vorbeugen. Gleichzeitig verdeutliche die weibliche Genitalverstümmelung, dass die diese praktizierenden MuslimInnen den weiblichen Körper nicht annehmen würden und ihn erst nach der Infibulation akzeptieren könnten (vgl. Akashe-Böhme 2006). Es stelle somit eine weitere Bekämpfung der weiblichen Natur da.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung der Relevanz von Migration und interkultureller Kompetenz für die sexualpädagogische Arbeit mit muslimischen Afrikanerinnen.

2. Der Kontinent Afrika: Darstellung der kulturellen, ethnischen und religiösen Vielfalt Afrikas, um Pauschalisierungen entgegenzuwirken.

3. EinwanderInnen in der Bundesrepublik Deutschland: Überblick über Migrationsmotive, die Situation afrikanischer Einwanderer und die Auseinandersetzung mit Rassismus.

4. Lebenswelt der muslimisch geprägten Afrikanerinnen: Detaillierte Analyse des Familienalltags, des Geschlechterrollenverständnisses, der Sexualität und der gesundheitlichen Herausforderungen.

5. Sexualpädagogische Arbeit: Erörterung sexualpädagogischer Theorien und deren Anwendung in einem interkulturellen Kontext sowie kritische Betrachtung des Wandels der Sexualmoral.

Fazit: Zusammenfassende Reflexion über die Notwendigkeit einer kultursensiblen Sexualpädagogik, die den Menschen in seiner individuellen Lebenswelt betrachtet.

Schlüsselwörter

Sexualpädagogik, Interkulturalität, Muslimische Afrikanerinnen, Genitalverstümmelung, Migration, Geschlechterrollen, Sexualität, Islam, Körperbewusstsein, Diskriminierung, Menschenrechte, Selbstbestimmung, Identitätsentwicklung, Moralische Pluralisierung, Reinheitsgebot

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der sexualpädagogischen Arbeit mit muslimisch geprägten afrikanischen Einwanderinnen und den damit verbundenen kulturellen und religiösen Anforderungen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Lebenswelt muslimischer Frauen, geschlechtergetrennte sexualpädagogische Ansätze, der Einfluss kultureller Normen und Werte sowie der Umgang mit Stigmatisierung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Herausforderungen für SexualpädagogInnen aufzuzeigen und Ansätze zu finden, um betroffene Frauen bei der Entwicklung einer selbstbestimmten sexuellen Identität zu unterstützen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender sexualpädagogischer Theorien und soziologischer sowie entwicklungspsychologischer Erkenntnisse.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil umfasst Analysen zur Lebenswelt, zum Eheverständnis, zu Reinheitskonzepten und zu spezifischen Themen wie der weiblichen Genitalverstümmelung und der Bedeutung von HIV/Aids.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Interkulturelle Kompetenz, Sexualmoral, Islam, Identitätsentwicklung und Menschenrechte.

Welche Bedeutung hat das "Reinheitsgebot" im Kontext der Sexualität für das Klientel?

Es führt oft zu einem problematischen oder gespaltenen Körperbewusstsein, da körperliche Prozesse (Menstruation, Ejakulation) als unrein gelten und Sexualität innerhalb der strengen religiösen Vorgaben kontrolliert wird.

Wie unterscheidet sich die Arbeit von herkömmlicher Sexualpädagogik?

Sie betont die Notwendigkeit, traditionelle Werte und den kulturellen Hintergrund der Klientinnen nicht durch einen rein eurozentristischen Blick zu bewerten, sondern sie als Teil der individuellen Lebenswelt zu akzeptieren.

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Details

Title
Sexualpädagogische Arbeit mit Einwanderinnen
Subtitle
Am Beispiel von muslimisch geprägten Afrikanerinnen
College
University of Applied Sciences North Rhine-Westphalia Münster
Grade
2,3
Author
Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin, B.A. Angela Wolter (Author)
Publication Year
2008
Pages
54
Catalog Number
V144808
ISBN (eBook)
9783640548880
ISBN (Book)
9783640552559
Language
German
Tags
Sexualpädagogik Sozialarbeit Sozialpädagogik Soziale Arbeit Islam Migration Afrika Sexualität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin, B.A. Angela Wolter (Author), 2008, Sexualpädagogische Arbeit mit Einwanderinnen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144808
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