Die Jenseitsvorstellungen von Platon und Plutarch haben, wie viele andere antike Texte, wesentlichen Anteil am Gedankengut der westlich-christliche Welt, auch wenn das heute nicht dem allgemeinen Bewusstsein gegenwärtig ist. Umso wichtiger und interessanter ist es, diese beiden mythologischen Konstrukte miteinander ins Gespräch zu bringen, miteinander zu vergleichen und auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Untersuchungsgegenstand
2. Die Autoren
2.1. Platon
2.2. Plutarch
3. Jenseitsvorstellungen bei Platon
3.1. Jenseitsvorstellungen im Gorgias
3.2. Jenseitsvortellungen im Phaidon
3.3. Jenseitsvorstellungen in der Politeia
4. Jenseitsvorstellungen bei Plutarch
5. Vergleichende Zusammenfassung
5.1. Gemeinsamkeiten
5.2. Unterschiede
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Jenseitsvorstellungen der antiken Denker Platon und Plutarch, um Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in ihren Mythen und anthropologischen Konzepten aufzuzeigen und dabei den Einfluss ihrer jeweiligen Lebensumstände zu beleuchten.
- Analyse der Jenseitsmythen Platons anhand der Werke Gorgias, Phaidon und Politeia
- Untersuchung der Jenseitskonzepte Plutarchs auf Basis von Sekundärliteratur
- Vergleich der Lehren zur Seelenwanderung und Inkarnation
- Gegenüberstellung der kosmologischen und ontologischen Menschenbilder
- Reflektion über den Zusammenhang zwischen politischer Biografie und philosophischer Jenseitsdeutung
Auszug aus dem Buch
3.1. Jenseitsvorstellungen im Gorgias
Im Gorgias wird ein Gespräch zwischen Sokrates und einem seiner Gegner, Kallikles, dargestellt, in dem Sokrates seinen Gegenüber vom richtigen, philosophischen Lebensweg überzeugen will.
Der Gorgias setzt damit, im Vergleich zu den beiden anderen Quellen in dieser Ausarbeitung zu untersuchenden Platontexten, am frühesten ein und kennt zwei Zeitstufen. Laut Platon urteilten in der früheren Zeit Lebende über Lebende, das heißt, dass die Seelen noch im Körper dessen waren, über den gerichtet werden sollte. Dadurch sei der Charakter des Menschen, sprich seine Seele, von materiellen Eigenschaften wie Kleidung überdeckt worden. Außerdem seien die Richter auf ihre menschlichen Sinnesorgane beschränkt gewesen, was dazu geführt habe, dass sehr viele Fehlurteile gefällt worden seien. Daraufhin änderte Zeus die Gerichtspraxis. Von diesem Zeitpunkt an richteten laut Platon körperlose Richter über körperlose, anonyme Seelen, wodurch gerechte Urteile gefällt worden seien.
Hier setzt der Bericht Platons in Gorgias „5.62 Zustand der Seelen“, ein. Sokrates, als Sprecher der platonischen Vorstellungen, geht davon aus, dass sich mit dem Tod einer Person Körper und Seele voneinander trennen ohne dabei ihre spezifische Form zu verändern. Sowohl der Körper als auch die Seele spiegelten dabei die Lebensweise des Verstorbenen wieder.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Untersuchungsgegenstand: Einführung in die Themenstellung und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise bei der Untersuchung der Jenseitsmythen.
2. Die Autoren: Kurze biographische Skizze von Platon und Plutarch mit Fokus auf die für die Arbeit relevanten Lebensdaten.
3. Jenseitsvorstellungen bei Platon: Detaillierte Analyse der platonischen Jenseitsauffassungen in den Dialogen Gorgias, Phaidon und der Politeia.
4. Jenseitsvorstellungen bei Plutarch: Darstellung der bei Plutarch vorherrschenden Jenseitsmotive unter Einbeziehung der Forschung von Wilfried Eisele.
5. Vergleichende Zusammenfassung: Gegenüberstellung der zentralen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Bezug auf Kosmologie und Seelenkonzept.
6. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse und Ausblick auf weiterführende Forschungsfragen zu Motiven und äußeren Einflüssen auf die Autoren.
Schlüsselwörter
Jenseitsvorstellungen, Platon, Plutarch, Seelenwanderung, Inkarnation, Unterwelt, Gorgias, Phaidon, Politeia, Dämon, Tun-Ergehen-Zusammenhang, griechische Philosophie, Hades, Kosmologie, Ethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Jenseitsmythen bei Platon und Plutarch und analysiert, wie diese Denker das Schicksal der Seele nach dem Tod sowie die damit verbundenen moralischen Konsequenzen konzipieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Seelenwanderung, der göttlichen Gerechtigkeit, die Rolle von Bestrafung und Reinigung sowie die Bedeutung einer philosophischen Lebensweise für das jenseitige Schicksal.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, durch einen Vergleich der unterschiedlichen Jenseitsentwürfe bei Platon und Plutarch Gemeinsamkeiten und Differenzen im antiken Denken über den Tod herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit nutzt die hermeneutische Textanalyse von Primärquellen (bei Platon) sowie eine kritische Auseinandersetzung mit einschlägiger Sekundärliteratur (bei Plutarch und Eisele).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Einzelbetrachtung der platonischen Schriften sowie eine Analyse der plutarchischen Texte, gefolgt von einer strukturierten vergleichenden Zusammenfassung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Jenseitsvorstellungen, Seelenwanderung, philosophische Ethik und antike Kosmologie beschreiben.
Wie unterscheidet sich der Dämonenbegriff bei Platon von dem bei Plutarch?
Während bei Platon der Dämon vor allem als Führer durch die Unterwelt fungiert, erweitert Plutarch die Ontologie um den Dämon als einen eigenständigen, unvergänglichen Teil des Menschen, der zusammen mit Seele und Körper die Individualität bildet.
Welche Rolle spielt die politische Erfahrung der Autoren für ihre Schriften?
Die Arbeit stellt die Hypothese auf, dass Platons negative politische Erfahrungen seine Forderung nach einem philosophischen Rückzug beeinflussten, während Plutarchs politische Aktivität und Kontakt zur römischen Welt möglicherweise andere philosophische Akzente in seinen Texten begünstigten.
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- Mario Westphal (Author), 2008, Jenseitsvorstellungen bei Platon und Plutarch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144813