Jenseitsvorstellungen bei Platon und Plutarch


Referat (Ausarbeitung), 2008
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Der Untersuchungsgegenstand

2. Die Autoren
2.1. Platon
2.2. Plutarch

3. Jenseitsvorstellungen bei Platon
3.1. Jenseitsvorstellungen im Gorgias
3.2. Jenseitsvortellungen im Phaidon
3.3. Jenseitsvorstellungen in der Politeia

4. Jenseitsvorstellungen bei Plutarch

5. Vergleichende Zusammenfassung
5.1. Gemeinsamkeiten
5.2. Unterschiede

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturliste
7.1. Primärliteratur
7.2. Sekundärliteratur

1. Der Untersuchungsgegenstand

Diese Ausarbeitung soll sich auf den Aufsatz „Jenseitsmythen bei Platon und Plutarch“ von Wilfried Eisele[1] beziehen. Da die untersuchten Platontexte leicht zugänglich sind, werden in den entsprechenden Abschnitt dieser Ausarbeitung Platons Quellentexte reflektiert. Für den Abschnitt über Plutarchs Jenseitsvorstellungen wird dann ausschließlich auf den oben genannten Text Bezug genommen.

Um dies angemessen zu bewerkstelligen, wird es nötig sein, in einem ersten Abschnitt die beiden Autoren etwas näher vorzustellen. Dabei wird es nicht darum gehen eine detaillierte Biografie von Platon beziehungsweise von Plutarch aufzuzeigen, vielmehr werden die für diese Arbeit wichtigen Lebensdaten benannt und kurz betrachtet sowie später in die Interpretation der jeweiligen Texte mit einfließen.

Anschließend werden die Jenseitsvorstellungen von Platon an Hand von drei Schriften analysiert: Gorgias, Phaidon und Politeia. Das sind auch die Quellen, auf die sich Eisele in seinem Aufsatz beschränkt, so dass für diese Ausarbeitung die Auswahl übernommen wird.

Bei Plutarch wird, wie oben bereits gesagt, auf den Text von Eisele eingegangen. Da es sich um ein zweistündiges Referat handelte, war nicht die Zeit auch bei ihm die Primärtexte zu interpretieren. Deshalb wurde sich dort, wie auch in dieser Ausarbeitung, auf die Sekundärliteratur des Seminars beschränkt.

Abschließend werden die vorgestellten Jenseitsmythen miteinander verglichen, wofür zusammenfassend die Gemeinsamkeiten und Unterschiede hervorgehoben und kommentiert werden.

2. Die Autoren

2.1. Platon

Platon wurde[2] zwischen März und Mitte Juli des Jahres 427 vor Christus als Sohn des Ariston und der Periktione in Athen geboren und hieß eigentlich Aristokles. Er war einer der bedeutendsten griechischen Philosophen der Antike und starb 348/347 vor Christus. Platon erhielt wahrscheinlich die beste athenische Bildung, unter anderem auch bestehend aus Ringkampf und Militärdienst, und schrieb in seinem siebten Brief, der wohl als echt gelten darf, dass er es vorhabe umgehend politisch aktiv zu werden. Seine eigenen, negativen politischen Erfahrungen lassen Platon diesen Wunsch sehr schnell ändern. Er erlebt das Regiment der Dreißig von 404/403 vor Christus (eine Schreckensherrschaft nach Beendigung des Peloponesischen Krieges an der auch Verwandte Platons teilnahmen[3]) ebenso mit wie den Prozess und das Todesurteil sowie dessen Vollstreckung gegen seinen Lehrer Sokrates im Jahre 399 vor Christus.

Nach seiner ersten Italienreise nach Athen zurückgekehrt gründet Platon eine Schule für Philosophie, die Akademie, die er selber über vier Jahrzehnte leiten sollte. An der Schule sollten Menschen zu Politikern ausgebildet werden, wie Platon sie sich idealtypisch vorstellte.

2.2. Plutarch

Plutarch wurde[4] um 46 nach Christus in Chaironeia als Sohn einer vornehmen Familie geboren und war griechischer Schriftsteller, Philosoph und Biograph. Er studierte Rhetorik sowie an der athenischen Akademie platonische Philosophie und lernte auf verschiedenen Reisen ganz Griechenland, Kleinasien und Ägypten kennen. Auf diesen Reisen besuchte er auch mehrfach Rom. Plutarch bekleidete in seiner Heimatstadt mehrere kommunale Ämter und hatte über mehrere Jahre eines der höchsten Priesterämter inne. Er war mit einigen Römern freundschaftlich verbunden, so zum Beispiel mit Mestrius Florus, einem Vertrauten des Kaisers Vespasian.

Da Kirchenväter wie zum Beispiel Hieronymus Plutarch auf Grund seiner tiefen Humanität oft lobend erwähnten, ist er der Autor des neutestamentlichen Jahr-hunderts, von dem das meiste Schrifttum erhalten ist. Dabei war Plutarch weder ein Historiker, noch ein eigenständiger Philosoph im eigentlichen Sinne. Vielmehr referierte er mit Interesse die Diskussionen seiner Zeit und bediente sich dabei verschiedener Denkströmungen, wenngleich Platon ihm als geradezu unfehlbar galt.

3. Jenseitsvorstellungen bei Platon

3.1. Jenseitsvorstellungen im Gorgias

Im Gorgias wird ein Gespräch zwischen Sokrates und einem seiner Gegner, Kallikles[5], dargestellt, in dem Sokrates seinen Gegenüber vom richtigen, philosophischen Lebensweg überzeugen will.

Der Gorgias setzt damit, im Vergleich zu den beiden anderen Quellen in dieser Ausarbeitung zu untersuchenden Platontexten, am frühesten ein und kennt zwei Zeitstufen. Laut Platon urteilten in der früheren Zeit Lebende über Lebende, das heißt, dass die Seelen noch im Körper dessen waren, über den gerichtet werden sollte. Dadurch sei der Charakter des Menschen, sprich seine Seele, von materiellen Eigenschaften wie Kleidung überdeckt worden. Außerdem seien die Richter auf ihre menschlichen Sinnesorgane beschränkt gewesen, was dazu geführt habe, dass sehr viele Fehlurteile gefällt worden seien. Daraufhin änderte Zeus die Gerichtspraxis. Von diesem Zeitpunkt an richteten laut Platon körperlose Richter über körperlose, anonyme Seelen, wodurch gerechte Urteile gefällt worden seien.[6]

Hier setzt der Bericht Platons in Gorgias „5.62 Zustand der Seelen“[7], ein. Sokrates, als Sprecher der platonischen Vorstellungen, geht davon aus, dass sich mit dem Tod einer Person Körper und Seele voneinander trennen ohne dabei ihre spezifische Form zu verändern[8]. Sowohl der Körper als auch die Seele spiegelten dabei die Lebensweise des Verstorbenen wieder.

„Wenn jemand von Natur oder durch seine Lebensweise oder durch beides einen großen Leib hatte, so ist auch sein Leichnam noch groß, wenn er tot ist; war er fett, ist auch der Leichnam fett, und alles andere ebenso“[9].

Der Körper verändere sich mit Eintritt des Todes nicht, gebe jedoch auch nicht den Charakter des Menschen wieder. Das könne nur die Seele, welche ebenfalls unverändert bleibe.

„Sichtbar ist alles an der Seele, wenn sie vom Leibe entkleidet ist, sowohl was ihr von Natur eignete als auch die Veränderungen, welche der Mensch durch sein Bestreben[10] um dies und jenes in der Seele bewirkt hat.“[11]

Die Bewertung der Seele erfolgt durch Rhadamanthys, der dabei nicht weiß, wessen Seele er vor sich hat.

„Oft, wenn er den großen König vor sich hat oder andere Könige und Fürsten, findet er nichts Gesundes an der Seele, sondern durchgepeitscht findet er sie und voller Schwielen von Meineid und Ungerechtigkeit und wie eben jedem seine Handlungsweise sich in der Seele ausgeprägt hat, und findet alles verrenkt von Lügen und Hochmut und nichts Gerades daran(…)“[12].

An diesem Zitat wird verschiedenes deutlich. Erstens, dass die Form der Seele das Verhalten des Menschen aufzeige. Ein ungerechter Mensch habe eine krumme, „verrenkt(e)“[13] Seele, ein gerechter Mensch weise dagegen eine gerade Seele auf. Zweitens gehe es bei der Beurteilung eines Menschen um seine „Handlungsweise“[14], also seine Taten. Erst Platons Schüler Aristoteles wird die Bewertung eines Menschen noch auf sein Bestreben, seine Wünsche erweitern, was Platon noch nicht in den Blick nimmt[15]. Drittens spielt Platon hier auf den Charakter der Herrschaft an. Es wird deutlich, dass er davon ausgeht, dass die meisten Herrscher einen schlechten Charakter hätten. Hier zeigen sich meines Erachtens seine eigenen, schlechten politischen Erfahrungen, die er auf seine Überlegungen überträgt. Dies taucht, wie sich zeigen wird, auch an anderen Stellen wieder auf.

[...]


[1] Eisele, Wilfried: Jenseitsmythen bei Platon und Plutarch. In: Labahn, Michael; Lang, Manfred (Hrsg.): Lebendige Hoffnung – Ewiger Tod ?! Jenseitsvorstellungen im Hellenismus, Judentum und Christentum; Leipzig; 2007; S.315-340.

[2] Für diesen Abschnitt werde ich mich fast ausschließlich, wo nicht wird es deutlich geamcht werden, auf folgende Quelle beschränken: Reichert, Eckhard: Platon. In: Bautz, Friedrich-Wilhelm (Hrsg.): Biografisch-Bibliografisches Kirchenlexikon; Herzberg; Bd. VII;1994; Spalten 723-726.

[3] Bordt, Michael: Platon; Freiburg/Basel/Wien; 1999; Spalte 18-19.

[4] Für diesen Abschnitt beschränke ich mich ausschließlich auf folgende Quelle: Frenschkowski, Marco: Plutarch. In: Bautz, Friedrich-Wilhelm (Hrsg.): Biografisch-Bibliografisches Kirchenlexikon; Herzberg; Bd. XIV;1998; Spalte 1363-1372.

[5] Zur Peson des Kallikles: Dalfen, Joachim: Platon. Werke; Bd. VI 3; Göttingen; 2004; S. 132-137.

[6] Eigler, Gunther (Hrsg.): Platon. Werke in acht Bänden; Bd. 2; Darmstadt; 1988; S. 491-495.

[7] Ebd.; S. 4 95.

[8] Vgl. Ebd.

[9] Ebd.

[10] Platon geht hier also von einer Strebensethik aus. Da die Ethikvorstellung Platons hier jedoch zu weit vom eigentlichen Untersuchungsgegenstand wegführen würde, muss sich hier auf diese Anmerkung beschränkt werden.

[11] Eigler, Gunther (Hrsg.): Platon. Werke in acht Bänden; Bd. 2; Darmstadt; 1988; S. 495.

[12] Ebd., S. 497.

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] Vgl., Aristoteles: Nikomachische Ethik; nach der Übersetzung von Eugen Rolfes bearbeitet von Günther Bien, Hamburg, 1995, S. 100.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Jenseitsvorstellungen bei Platon und Plutarch
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Eschatologie in den Religionen
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V144813
ISBN (eBook)
9783640540228
ISBN (Buch)
9783640540235
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jenseits, Jenseitsvorstellungen, Jenseitsideen, Jenseitsmythen, Mythos, Platon, Plutarch, Tod, Todesvorstellungen, Antike
Arbeit zitieren
Mario Westphal (Autor), 2008, Jenseitsvorstellungen bei Platon und Plutarch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144813

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