Im Zuge meines Studiums im Fachbereich für Humanwissenschaften, des Faches Pädagogik
B.A. an der Technischen Universität in Darmstadt, übernahm ich als Leistungsnachweis ein
Referat mit zwei Kommilitoninnen zusammen. Es gehörte dem Wahlpflichtbereich Soziologie
an. Für das Seminar „Einführung in die Berufssoziologie“ galt es nun als Zusatz zum Referat
noch eine schriftliche Ausarbeitung anzufertigen, welche sich mit dem Referatsthema decken
sollte. Die hier vorliegende Arbeit befasst sich mit eben diesem im Vortrag behandelten Inhalt.
Meine zwei Mitreferentinnen und ich behandelten die „Sozialgeschichte des Lehrberufs“.
Um es genauer auszudrücken, also die gesellschaftliche Stellung von Lehrerinnen und
Lehrern in Deutschland und wie sich die Entwicklung zu einer Professionalisierung in diesem
Berufsstand darstellte. Ein Großteil meiner Informationen stammen aus dem Buch von Sabina
Enzelberger mit dem Titel, der ausschlaggebend für das Referat war und für diese Arbeit ist,
„Sozialgeschichte des Lehrberufs“. Da es sich um ein umfangreiches Werk handelt, werde ich
zum Teil nur marginal auf die Inhalte eingehen.
Ich habe für mich den Bearbeitungsschwerpunkt mit den Fragestellungen gesetzt, was Professionalisierung
denn überhaupt ausmacht und welche Kriterien erfüllt sein müssen, um in der
Gesellschaft ein entsprechendes Ansehen zu erlangen, welches unter dem Hauptwort „Professionalität“
landläufig bekannt ist. Hinzu kommt ein Versuch meinerseits argumentativ das
Problem zu erläutern, wieso Lehrerinnen und Lehrer im Vergleich zu den vorherrschenden
Berufen mit hoher implizierter Professionalität, wie den Ärzten und den Juristen einen wesentlich
schlechteren gesellschaftlichen Status innehaben. Bevor ich jedoch zu diesem Punkt
komme, werde ich schwerpunktmäßig den Lehrerberuf unter dem Einfluss der gesellschaftlichen
Modernisierungsprozesse seit den 1960er Jahren im geschichtlichen Werdegang der
Lehrerschaft behandeln.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Aufgabenstellung und Vorgehensweise
1.2 Ausdifferenzierung und Erläuterung der Begrifflichkeiten Professionalisierung/Profession
2. Handlungsformen der Professionalität
2.1 Kriterien, die Professionalität ausmachen
2.1.1 Berufsausübung auf wissenschaftlicher Basis
2.1.2 Lange Spezialausbildung
2.1.3 Uneigennützige Klienten bezogene Berufsausübung
2.1.4 Sorgfältige Ausbildungs- und Berufsausübungskontrolle
2.1.5 Organisierte Berufsverbände die das Berufsethos überwachen
2.1.6 Autonomie
2.1.7 Zusammenfassung der Punkte 2.1.1 – 2.1.6
3. Fokussierung auf die Tätigkeit des Lehrerberufs
3.1 Historische Entwicklung des Lehrerberufs
3.1.1 Die „Geburt“ des Lehrers
3.1.2 Der Lehrer im Zeitalter der Aufklärung
3.1.3 Werdegang des Lehrerberufs (Abstract)
3.1.4 Abstract
4. Der Lehrerberuf seit den 1960er Jahren
4.1 Auswirkungen der gesellschaftlichen Modernisierungsprozesse
4.2 Verwissenschaftlichung des Volksschullehrerberufs
4.3 Lehrerarbeitslosigkeit
4.4 Feminisierung des Lehrerberufs
4.5 Sozialprestige der Lehrerschaft
5. Abschließende Bemerkungen
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den geschichtlichen Werdegang des Lehrerberufs und analysiert diesen vor dem Hintergrund soziologischer Professionalisierungskriterien. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, warum der Lehrerberuf im Vergleich zu etablierten Professionen wie Ärzten oder Juristen ein geringeres gesellschaftliches Ansehen genießt und welche Rolle gesellschaftliche Modernisierungsprozesse seit den 1960er Jahren dabei spielen.
- Definition soziologischer Professionalitätskriterien
- Historische Genese des Lehrberufs von der Antike bis zur Moderne
- Einfluss gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse seit den 1960er Jahren
- Analyse der Statusveränderungen und der Feminisierung des Lehrberufs
- Kritische Reflexion der Semiprofessionalität und des sozialen Prestiges
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Berufsausübung auf wissenschaftlicher Basis
In der Gesellschaft gilt der Beruf, mit der höchsten wissenschaftlichen Ausprägung seit jeher schon als besonders. Diese Berufe sind mit hohem Ansehen verbunden und meist mit besonderen Privilegien ausgestattet. Um einen Beruf mit dieser dediziert wissenschaftlichen Ausprägung zu erreichen, bedarf es meist eines Hochschulstudiums. Professionelle Tätigkeiten, denen eine solche Wissenschaftlichkeit nachgesagt wird, sind fast schon seit Anfang an Anwälte, Ärzte und Geistlichen. Anwälten, denen ein hohes Abstraktionsvermögen abverlangt wird, um in den Wirren der Gesetze das Beste für den Mandanten zu erzielen, Ärzte, die eine hochgradig fundierte Kenntnis des menschlichen Körpers und der Symptomatik von Krankheiten für das Wohl des Menschen tätig sind und Geistliche, die durch ihre Nähe zu Gott und ihrer Tätigkeit als Trostspenders in harten Zeiten gekennzeichnet waren und den Menschen Rückhalt gaben. Alles in allem überaus positiv behaftete Berufe, die im Laufe der Geschichte ihren Stand stetig gefestigt haben und immer mehr verwissenschaftlicht wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Entstehung der Arbeit im Kontext eines berufssoziologischen Seminars und legt die Zielsetzung sowie das Vorgehen dar.
2. Handlungsformen der Professionalität: Dieses Kapitel definiert sechs zentrale Kriterien, anhand derer professionelles Handeln in der Gesellschaft bewertet und klassifiziert wird.
3. Fokussierung auf die Tätigkeit des Lehrerberufs: Hier wird der Lehrerberuf als soziologisches Beobachtungsobjekt eingeführt und dessen historische Entwicklung grob skizziert.
4. Der Lehrerberuf seit den 1960er Jahren: Das Kapitel analysiert die Modernisierungsprozesse, die Verwissenschaftlichung der Lehrerausbildung sowie Auswirkungen von Arbeitslosigkeit und Feminisierung auf das Berufsbild.
5. Abschließende Bemerkungen: Der Autor resümiert die Ergebnisse und ordnet den Lehrerberuf als Semiprofession ein, die durch strukturelle Abhängigkeiten vom Staat geprägt ist.
Schlüsselwörter
Lehrerberuf, Professionalisierung, Berufssoziologie, Sozialgeschichte, Professionalität, Autonomie, Lehrerausbildung, Modernisierungsprozesse, Semiprofessionalität, Sozialprestige, Bildungsreform, Volksschullehrer, Gymnasiallehrer, Status, Berufsethos.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit untersucht den sozialen Werdegang des Lehrerberufs in Deutschland und prüft, inwieweit dieser den soziologischen Kriterien einer vollwertigen Profession entspricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Definition von Professionalität, die historische Entwicklung des Lehrerberufs sowie die Auswirkungen gesellschaftlicher Modernisierungen seit den 1960er Jahren auf das Image und die Ausbildung von Lehrkräften.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den geringeren gesellschaftlichen Status von Lehrern im Vergleich zu anderen akademischen Berufsgruppen wie Ärzten oder Juristen durch eine Analyse der Professionalitätskriterien zu begründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine Literatur- und Inhaltsanalyse soziologischer Quellen, um den Lehrerberuf anhand definierter Kriterien (wie Autonomie, wissenschaftliche Basis, Spezialausbildung) zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung von Professionalitätskriterien und deren anschließende Anwendung auf die historische und gegenwärtige Entwicklung des Lehrerberufs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Typische Begriffe sind Professionalisierung, Lehrerberuf, Sozialgeschichte, Autonomie, Semiprofessionalität und gesellschaftliches Prestige.
Warum wird der Lehrerberuf als „Semiprofession“ bezeichnet?
Der Autor führt dies auf die fehlende Autonomie der Lehrkräfte zurück, da diese primär als „Exekutive“ staatlicher Bildungsministerien fungieren und sich keine eigenständigen, machtvollen Berufsverbände etablieren konnten.
Welchen Einfluss hatte die Feminisierung auf das Berufsbild?
Die Feminisierung wird im Text als Prozess beschrieben, der in der Vergangenheit oft mit Statusverlust und der Abwertung der wissenschaftlichen Anforderungen verknüpft war, während heute die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine zentralere Rolle spielt.
- Arbeit zitieren
- Rocco Rossi (Autor:in), 2009, Der Werdegang des Lehrerberufs , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144828