Mediation als Möglichkeit der Konfliktlösung und ihr Verhältnis zu Beratung


Hausarbeit, 2006

18 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1 Was ist ein Konflikt?
1.1 Definition
1.2 Verschiedene Konflikttypen
1.3 Mögliche Konfliktausgänge
1.4 Gründe für zwischenmenschliche Konflikte

2 Was ist Mediation?
2.1 Definition
2.2 Grundannahmen
2.3 Regeln
2.4 Phasen
2.5 Kompetenzen und Strategien des Mediators
2.6 Ziele der Mediation
2.7 Historischer Rückblick
2.8 Anwendungsbereiche

3 Abgrenzung Mediation - Beratung

4 Schlussbemerkung

5 Quellenverzeichnis

Einleitung

Konflikte gehören, wie die Luft zum Atmen, zum alltäglichen Leben. Daher dürfen sie, wie das jedoch häufig der Fall ist, nicht ausschließlich negativ bewertet werden und es kann weder darum gehen, ob Konflikte und Streitereien existieren dürfen, noch darum, wie sie sich völlig vermeiden lassen. Viel wichtiger ist hier die Frage, auf welche Art und Weise gestritten wird und wie eine Verständigung herbeigeführt werden kann.

Eine bedeutende Möglichkeit der Konfliktlösung, die sich in den letzten Jahren zunehmend etabliert hat und neben dem pädagogischen auf nahezu alle Bereiche anwendbar ist, stellt das Verfahren der Streitschlichtung, besser bekannt als Mediation, dar, welches ich als Thema für meine Hausarbeit ausgewählt habe.

Im Folgenden werde ich mich nun zunächst mit dem Gegenstand der Mediation, dem Konflikt, näher beschäftigen, dann zum eigentlichen Thema „Mediation“ übergehen und zuletzt versuchen, Mediation von Beratung abzugrenzen.

1 Was ist ein Konflikt?

1.1 Definition

Der Begriff „Konflikt“ stammt vom lateinischen Wort „confligere“ und bedeutet aneinandergeraten, kämpfen. In der Umgangssprache bezeichnet ein Konflikt eine Auseinandersetzung bzw. einen Streit, während es für diesen Begriff als Forschungsgegenstand verschiedener Disziplinen keine einheitliche Definition gibt.

Bezogen auf die Sozialwissenschaften liegt ein Konflikt dann vor, wenn eine Gegensatzbeziehung zwischen sozialen Elementen wie Personen, Gruppen, Schichten,

Organisationen oder Institutionen besteht, welche aufgrund des Aufeinandertreffens von unterschiedlichen Bedürfnissen, Reaktionsweisen, Meinungen und Zielen zustande kommt. Konflikte stellen also Störungen des gewohnten Handlungsablaufes dar und wirken damit unter Umständen sehr belastend.

Bei der oben geschilderten Art des Konfliktes spricht man auch von einem interpersonalen bzw. zwischenmenschlichen Konflikt, da es sich dabei um eine Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen handelt und bezogen auf Organisationen bzw. Institutionen zusätzlich von einem organisatorischen Konflikt, welcher ganze Organisations - bzw. Institutionssysteme umfasst.

Da in meiner hier vorliegenden Arbeit hauptsächlich der interpersonale Konflikt von Bedeutung ist, werde ich nun auf die Bedingungen eingehen, die erfüllt sein müssen, um von einem solchen Konflikt sprechen zu können:[1]

1. Vorhandensein von mindestens zwei Konfliktparteien

Es müssen zwei oder mehrere Parteien vorhanden sein, die sich als Gegner gegenüberstehen und inhaltlich verschiedene Standpunkte einnehmen. Dabei zieht das Verhalten der einen Partei Konsequenzen für das Verhalten der anderen Partei nach sich.

2. Unvereinbarkeit der Handlungstendenzen

Konflikte sind gekennzeichnet durch Handlungsdispositionen, die unvereinbar sind oder sich sogar gegenseitig ausschließen. Bei den beiden Parteien sind unterschiedliche Sichtweisen und Beurteilungen von Sachverhalten vorhanden. Die Meinungsverschiedenheiten werden dabei von den Parteien durch verbale Äußerungen oder Handlungen wahrgenommen, wobei stets nur der eigene Standpunkt als richtig und der des Gegners als unzutreffend oder falsch beurteilt wird.

3. Unvereinbarkeit des Verhaltens

Meinungsverschiedenheiten an sich machen noch keinen Konflikt aus. Dieser liegt erst dann vor, wenn sich die Parteien negativ zueinander verhalten, sich gegenseitig angreifen oder einander bewusst Schaden zufügen wollen. Dabei spielt es keine Rolle, ob nur mit Worten oder sogar mit anderen Mitteln angegriffen wird. Auch feindseliges Schweigen oder demonstrative Passivität zählen zu einem solchen negativen Verhalten.

Neben den bereits erwähnten Konfliktarten gibt es schließlich den intrapersonalen Konflikt, bei dem widersprüchliche Handlungstendenzen innerhalb einer einzigen Person auftreten.

Dieser „innere Dialog“ findet häufig dann statt, wenn eine schwerwiegende Entscheidung, wie beispielsweise die Wahl der Studienrichtung, getroffen werden muss. Solche Konflikte können bei interpersonalen Auseinandersetzungen durchaus eine Ursache dafür sein, dass eine Lösung nur schwer oder überhaupt nicht herbeigeführt werden kann.

1.2 Verschiedene Konflikttypen

Bei einem Konflikt treffen häufig Parteien mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten und damit auch Verhaltensweisen aufeinander, welche für den Ausgang des Konfliktes maßgebend sind. Dabei sind folgende typische Konflikttypen während einer Auseinandersetzung zu unterscheiden:

1. Der Vermeider

Er ist sehr schüchtern, verhält sich innerhalb des Konfliktes zurückhaltend und bezieht zu Anschuldigungen etc. kaum Stellung, da er zunächst noch von seinen Gefühlen überwältigt ist und keinen klaren Gedanken fassen kann.

2. Der Anpasser

Der Anpasser verzichtet fast völlig auf die Umsetzung seiner eigenen Wünsche und Ziele, um den Gegner zufrieden zu stellen. Hierbei handelt es sich meist um sehr harmoniebedürftige Menschen, die stets versuchen, Konflikten aus dem Weg zu gehen, auch wenn ihre eigenen Bedürfnisse dabei vernachlässigt werden.

3. Der Ausgleicher

Auch er bezieht, ähnlich wie „der Anpasser“, selten Position, ist sehr konfliktscheu und bemüht sich toujours um einen Kompromiss.

4. Der Wettbewerber

Menschen dieser Art beharren stur auf ihrer Position, wirken oft rechthaberisch, lassen ihre Gegner kaum zu Wort kommen und versuchen, sie durch Drohungen und Beschimpfungen einzuschüchtern.

5. Der Zusammenarbeiter

Der Zusammenarbeiter verfolgt nicht nur seine eigenen Interessen, sondern auch die des Gegners. Er ist also stets um eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung bemüht.

1.3 Mögliche Konfliktausgänge

Bei einem Konflikt sind drei verschiedene Ausgänge möglich:

1. Verlierer – Verlierer

Beide Parteien sind am Ende der Auseinandersetzung mit dem Ergebnis unzufrieden und bleiben mit Wut und Enttäuschung zurück, so dass die Aggressionsbereitschaft beim nächsten Aufeinandertreffen erhöht wäre und beide Seiten nur den eigenen Sieg im Sinn hätten.

2. Verlierer – Gewinner

Eine Partei gewinnt auf Kosten der anderen. Folglich bleibt der Verlierer enttäuscht zurück und hegt unter Umständen sogar Rachegedanken, so dass der Konflikt ein zweites mal aufgegriffen wird. In dieser Situation möchte nicht nur der vorherige Sieger gewinnen,

sondern auch der Verlierer, jedoch mit erhöhter Aggressionsbereitschaft.

3. Gewinner – Gewinner

In diesem Fall gehen beide Parteien als Sieger hervor, da es ihnen gelungen ist, eine allseitig akzeptable Lösung zu finden. Sie haben verstanden, dass man nicht sich gegenseitig, sondern den Auslöser der Auseinandersetzung bekämpfen muss, um zu einer Einigung zu gelangen. Die Beziehung der Streitenden kann also weiterhin erhalten bleiben, wenn nicht sogar verbessert werden. Sollte es ein weiteres mal zu einem Konflikt zwischen diesen Parteien kommen, läge eine reduzierte Aggressionsbereitschaft vor und man wäre um einen fairen Ausgang des Konfliktes bemüht.

1.4 Gründe für zwischenmenschliche Konflikte

Im Folgenden[2] möchte ich mich auf zwei wesentliche Ursachen, nämlich die Einengung des individuellen Verhaltensspielraumes und die Verfügbarkeit über Macht und Prestige, beschränken.

Zum einen treten zwischenmenschliche Konflikte vor allem dann auf, wenn der individuelle Verhaltensspielraum eingeengt wird. Dies ist beispielsweise in beengten räumlichen Verhältnissen der Fall, in denen die Wahrscheinlichkeit für einen Konflikt besonders groß ist, da persönliche Interessen und Bedürfnisse leicht berührt werden können.

Aber auch in Institutionen und Organisationen liegt durch die Festlegung des Verhaltens der Mitglieder durch Vorschriften und Normen eine Einengung des individuellen Verhaltensspielraumes vor. Dabei ist zu beachten, dass eine zu starke Reglementierung zu Frustration und damit zu Auseinandersetzungen führen kann.

Zum anderen ist die Verfügbarkeit über Macht und Prestige eine wichtige Ursache für das Entstehen von interpersonalen Konflikten, denn wenn sich zwei oder mehrere Parteien ausschließlich um den Gebrauch dieser Mittel bemühen, ist eine Auseinandersetzung zwischen ihnen sehr naheliegend.

Die beschriebenen Gründe für das Auftreten von Konflikten treffen zum Beispiel auf die Institution „Jugendheim“ zu. Dort leben die Jugendlichen auf engem Raum miteinander, es existieren Verhaltensregeln und es kann durchaus zu Machtkämpfen, nicht nur unter den Heimbewohnern selbst, sondern auch zwischen ihnen und deren Betreuern kommen. Auseinandersetzungen sind hier also vorprogrammiert.

2 Was ist Mediation?

2.1 Definition

Mediation ist ein[3] vom Gericht unabhängiges Verfahren zur konstruktiven Konfliktlösung, das in den sechziger und siebziger Jahren in den USA entwickelt wurde und mittlerweile in vielen

Lebensbereichen, beispielsweise in Schulen, bei der Jugendarbeit, in Familien etc., Anwendung findet.

Der Begriff an sich ist abgeleitet von dem lateinischen „mediare“ und heißt wörtlich übersetzt „vermitteln“. Gemeint ist hier das Vermitteln in Konflikten durch eine unparteiische, neutrale dritte Person, dem Mediator, der von allen Seiten akzeptiert wird. Dieser führt die Konfliktparteien mit geeigneten Kommunikations – und Verhandlungstechniken durch einen klar strukturierten Klärungsprozess, der die Streitenden dazu befähigt, eigene Interessen und Gefühle in der Auseinandersetzung zu erkennen und die der gegnerischen Seite zu verstehen. Ziel der Mediation ist es, gemeinsam eine „win – win“ Situation herbeizuführen, d. h. eine Lösung zu finden, die allseitig akzeptabel ist, so dass es allen Beteiligten möglich ist, zufrieden aus dem Konflikt hervorzugehen.

Derartig gelöste Konflikte sind positiv zu bewerten und können dazu beitragen, dass eine Streitkultur entsteht, die von gewaltfreien Lösungen, Friedfertigkeit, Toleranz und Verständnis für die Probleme anderer geprägt ist.

2.2 Grundannahmen

Zunächst einmal sind Konflikte etwas ganz Natürliches, etwas, das einfach zum alltäglichen Leben gehört, denn sie entstehen überall dort, wo Menschen mit ihren unterschiedlichen Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühlen aufeinander treffen. Sie sind jedoch nicht negativ zu bewerten, da sie eine Chance zur Verbesserung von Situationen und Beziehungen darstellen.

Ziehen sich Konflikte jedoch über einen längeren Zeitraum hin, so wirken sie sehr belastend, da die Gedanken der Streitenden folglich ständig um diese noch unbearbeitete Auseinandersetzung kreisen, wodurch viel Raum und Zeit für Wichtigeres verloren geht. Es kommt dadurch also auch zu einer Beeinträchtigung von Lebensfreude und Arbeitskraft.

Die dritte Grundannahme der Mediation besagt, dass Menschen durchaus fähig sind, ihre Konflikte selbst zu lösen. Selbstbestimmung und Gestaltungsfreiheit sind Werte und Rechte unserer demokratischen Gesellschaft, die auch in Konfliktsituationen zum Ausdruck kommen sollen.

[...]


[1] Vgl. Neubauer: Konflikte in der Schule, S. 5 f.

[2] Vgl. Neubauer: Konflikte in der Schule, S. 16.

[3] Vgl. Auhagen/Bierhoff u. a.: Angewandte Sozialpsychologie. Das Praxishandbuch, S. 136.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Mediation als Möglichkeit der Konfliktlösung und ihr Verhältnis zu Beratung
Hochschule
Universität Trier
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V144883
ISBN (eBook)
9783640557042
ISBN (Buch)
9783640557882
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediation, Streitschlichtung
Arbeit zitieren
Tanja Horn (Autor), 2006, Mediation als Möglichkeit der Konfliktlösung und ihr Verhältnis zu Beratung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144883

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