Diese Arbeit ist eine medienwissenschaftliche Analyse zu Social Media Memen als Zweckmittel einer globalen Protestbewegung. Insbesondere wird die Ausführung das prominente Phänomen von "Pepe the Frog" kontextualisieren und seine Entwicklung als Symbol eines Bildprotestes eingehender beleuchten.
Hierfür beschäftigt sich die Arbeit im ersten Abschnitt mit der Funktion von Bildern in Protestbewegungen und darunter insbesondere die Subkategorie der Meme-Proteste. Um ein Verständnis für Memen in ihrer Umsetzung in den sozialen Medien zu gewinnen, werden die Kernfragen zu ihrer medialen Existenz, wie etwa ihr Ursprung und ihre Funktion, beantwortet. Dazu werden alle für diese Arbeit nötigen Fachbegriffe herausgearbeitet, um die Frage zu klären, was ein Mem ist und wie es sich im transkulturellen Diskurs positioniert, vor allem unter der Berücksichtigung von Protestbewegungen im Topos der heutigen Mediennutzung. Hierfür werden einige grundlegende Theorien von Doktor Kerstin Schankweiler, Limor Shifman und Flora Hartmann ausgearbeitet, die im Anschluss unter einer kritischen Betrachtung zusammengeführt werden. Sie sollen die Bildprotestbewegung auf mehreren Ebenen ergründen und als vielschichtige Einleitung dienen.
Die weiteren Ausführungen basieren daher auf dem Fallbeispiel "Pepe the Frog". Anhand des konkreten Mediendiskurses wird herausgearbeitet, wie politisch aufgeladene Meme außerhalb ihres ursprünglichen Kontextes und ihrer ursprünglichen Bedeutung neu kontextualisiert werden können, indem die Verwendung des Mems "Pepe the Frog" in der Situation in Hongkong nach 2016 untersucht wird.
Aufgrund der Breite dieser Arbeit kann die Beschreibung der Theorieformen zu den Bildprotesten punktuell nur auf die für die Rezession notwendigen zentralen Aspekte reduziert werden, um den Rahmen nicht zu überschreiten. Ebenso werden die verschiedenen Fallbeispiele aus den sozialen Medien nur auf den englischsprachigen Raum aus den Jahren 2015 bis einschließlich 2019 begrenzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Welche Rolle spielen Bilder bei Protesten?
2. Subkategorie: Memen und Meme-Proteste
2.1 Limor Shifman – „Memes in digital Culture” (2014)
2.2 Dr. Kerstin Schankweiler – Memes als politische Bildpraxis
2.3 Flora Hartmann – „Politik - Das ›politische‹ meme zwischen Aktivismus und Sabotage, Aktivität und Passivität, ›links‹ und ›rechts‹“
2.4 Eine Zusammenführung der Theorien
3. Applikation am Fallbeispiel: Matt Furie – „Pepe the Frog“
3.1 Ursprung
3.2 Dimensionen und Evolution des Mems
3.2.1 Rechtes Hasssymbole (2016)
3.2.2 Das Ende von „Pepe the Frog“
3.2.3 Hongkong Proteste (2019)
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht medienwissenschaftlich, wie Social-Media-Meme als Zweckmittel in globalen Protestbewegungen fungieren, wobei die Entwicklung der Figur "Pepe the Frog" als zentrales Fallbeispiel dient, um deren Bedeutungswandel vom esoterischen Internet-Phänomen zum politischen Protestsymbol zu analysieren.
- Funktionsweise und mediale Existenz von Internet-Memen
- Theoretische Einordnung durch Medientheoretiker wie Shifman, Schankweiler und Hartmann
- Fallstudie: Transformation von "Pepe the Frog" (von Alt-Right-Propaganda bis zum Pro-Demokratie-Protest)
- Die Rolle visueller Kommunikation und Kameratechnologie bei Bildprotesten
- Dekontextualisierung und Re-Kontextualisierung digitaler Bildinhalte
Auszug aus dem Buch
3.2.3 Hongkong Proteste (2019)
Wie in den vorangegangenen Abschnitten erwähnt, hat die Froschfigur ihren Ursprung in einem unpolitischen Umfeld, einem Comic, und hat als Mem eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Im Jahr 2019 kehrte Pepe der Frosch als Mem eines Pro-Demokratie-Protests zurück, allerdings mit einer völlig neuen Bedeutung und Symbolik. Denn 2019 okkupierte der Frosch eine neue Funktion als kreatives Erkennungszeichen der Protestbewegung in Hongkong, wobei er als symbolisches Bild für die Staatsbürgerschaft Hongkongs verwendet wurde.
Hongkong wird heute als Teil Chinas betrachtet, obwohl es weiterhin halbautonom mit einem eigenen kapitalistischen Wirtschaftssystem und einer eigenen Verwaltung für innere Angelegenheiten funktioniert. Viele Einwohner Hongkongs seien jedoch der Meinung, dass sich die Verwaltung häufig dem Willen der chinesischen Regierung beugen würde. Die Verabschiedung von Änderungen an den geltenden Gesetzen Anfang 2019 sei daher ein Wendepunkt gewesen. Verdächtige Straftäter konnten scheinbar nun an Länder ausgeliefert werden, mit denen Hongkong kein formelles Auslieferungsabkommen hatte, nämlich an China. Die Gegner des Gesetzes behaupteten, dass dieses China erlauben würde, politische Dissidenten ins Visier zu nehmen und sie über die Grenze zu den von der kommunistischen Partei geführten Gerichten auf dem chinesischen Festland zu bringen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Welche Rolle spielen Bilder bei Protesten?: Das Kapitel beleuchtet die veränderte Bedeutung von Bildern im digitalen Zeitalter und deren wachsende Rolle als "affektive Zeugenschaft" sowie als Werkzeug politischer Akteure.
2. Subkategorie: Memen und Meme-Proteste: Hier werden theoretische Grundlagen zu Memen als virale, politisch instrumentalisierbare Einheiten durch Ansätze von Shifman, Schankweiler und Hartmann erarbeitet.
2.1 Limor Shifman – „Memes in digital Culture” (2014): Dieses Kapitel analysiert Memen als codierte Informationseinheiten und "Graswurzelaktionen", die Identitäten und politische Haltlungen verhandeln.
2.2 Dr. Kerstin Schankweiler – Memes als politische Bildpraxis: Es wird erörtert, wie Bilder durch ihre Ästhetik und Verbreitung im Cyberspace zu modernen Protestplakaten werden und Solidarität oder Opposition erzeugen.
2.3 Flora Hartmann – „Politik - Das ›politische‹ meme zwischen Aktivismus und Sabotage, Aktivität und Passivität, ›links‹ und ›rechts‹“: Das Kapitel betrachtet die propagandistische und manipulative Kehrseite memetischer Praktiken sowie deren Potenzial zur Diskursstörung.
2.4 Eine Zusammenführung der Theorien: Hier werden die unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven kritisch synthetisiert, um die Grundlage für die anschließende Fallstudie zu schaffen.
3. Applikation am Fallbeispiel: Matt Furie – „Pepe the Frog“: Das Kapitel führt in das Fallbeispiel ein und untersucht die Ursprünge der Figur „Pepe the Frog“ sowie deren Evolution innerhalb der Internetkultur.
3.1 Ursprung: Die Entstehung der Figur aus dem Comic „Boy’s Club“ von Matt Furie wird nachgezeichnet, die vom harmlosen MySpace-Posting zum ikonischen Internet-Emblem avancierte.
3.2 Dimensionen und Evolution des Mems: Das Kapitel analysiert die Dynamik der Mem-Wandlung und die Nutzung gemeinsamer kultureller, semiotischer Reservoirs durch die Nutzer.
3.2.1 Rechtes Hasssymbole (2016): Es wird die politische Aneignung von „Pepe“ durch die „alt-right“-Bewegung im US-Wahlkampf 2016 thematisiert.
3.2.2 Das Ende von „Pepe the Frog“: Die Reaktionen auf die rechtsextreme Instrumentalisierung, einschließlich der Erklärung der ADL und der Versuche von Matt Furie, seine Figur zu „töten“, werden behandelt.
3.2.3 Hongkong Proteste (2019): Dieses Kapitel analysiert die überraschende Umdeutung von „Pepe“ zum Symbol für Frieden und Demokratie während der Hongkonger Proteste.
4. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Memen mittlerweile fest als integrale Ordnung des politischen Diskurses etabliert sind, wobei ihre Bedeutung stark vom jeweiligen soziokulturellen Kontext abhängt.
Schlüsselwörter
Internet-Meme, Pepe the Frog, Bildproteste, digitale Kultur, politische Bildpraxis, Hongkong-Proteste, Graswurzelbewegungen, alt-right, Memosphäre, Medienwissenschaft, Viralität, Partizipation, Bildpolitik, Diskursanalyse, Propaganda.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie digitale Bilder, insbesondere Meme, im Internet als politisches Instrument in Protestbewegungen genutzt werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die Medientheorie, die politische Funktionalität von Memen, das Wirken von Subkulturen im Internet sowie die Transformation von Bildbedeutungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit zielt darauf ab, anhand des Falls "Pepe the Frog" zu kontextualisieren, wie sich die Bedeutung eines Symbols im Diskurs radikal verändern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Analyse, die verschiedene Kommunikationstheorien mit der Betrachtung von Fallbeispielen aus den sozialen Medien verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen und die Applikation am Fallbeispiel „Pepe the Frog“, unterteilt in dessen Ursprung, die rechtsextreme Nutzung und die spätere Umdeutung in Hongkong.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Internet-Meme, Bildproteste, politische Bildpraxis, „alt-right“ und die transkulturelle Kommunikation in sozialen Netzwerken.
Warum wurde Pepe the Frog als Fallbeispiel gewählt?
Die Figur dient als exzellentes Beispiel für ein Mem, das sowohl als rechtsextremes Hasssymbol als auch als demokratisches Protestsymbol fungieren kann.
Welche Rolle spielt die „alt-right“-Bewegung in diesem Zusammenhang?
Die Bewegung nutzte Pepe aktiv zur politischen Provokation und Delegitimierung, was maßgeblich zur Stigmatisierung der ursprünglichen Comicfigur beitrug.
Wie wurde Pepe in Hongkong neu interpretiert?
In Hongkong wurde der Frosch von Demonstranten radikal umgedeutet; er verlor seine Konnotation als Hasssymbol und wurde zum Maskottchen für Freiheit und politische Forderungen.
Was lehrt uns der Wandel von Pepe?
Das Beispiel zeigt, dass digitale Symbole nicht statisch sind, sondern stark von ihrer jeweiligen kulturellen und politischen Einbettung geprägt und permanent retextualisiert werden.
- Arbeit zitieren
- Göksu Mentese (Autor:in), 2023, "Pepe the Frog". Eine medienwissenschaftliche Analyse zur Nutzung von Social Media Memen in globalen Protestbewegungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1448903