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Schillers Erhabenheitskonzeption in der Wallenstein-Trilogie. Eine Untersuchung aus ästhetischer und moralischer Perspektive

Titel: Schillers Erhabenheitskonzeption in der Wallenstein-Trilogie. Eine Untersuchung aus ästhetischer und moralischer Perspektive

Hausarbeit , 2015 , 20 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Elena Grosspeter-Büttner (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit untersucht die Reflexionen Friedrich Schillers über das Konzept der Erhabenheit in seiner Wallenstein-Trilogie. Dabei wird die komplexe Beziehung zwischen ästhetischer Distanz und moralischer Selbsterweiterung beleuchtet, die Schiller aus Kants philosophischen Ansätzen ableitet. Besonderes Augenmerk liegt auf der Unterscheidung von Beobachter- und Teilnehmerperspektive sowie deren Zusammenhang mit ästhetischer und moralischer Erhabenheit. Durch die Analyse ausgewählter Textstellen wird die Vielschichtigkeit der Wallenstein-Figur im Drama herausgearbeitet und die Vermittlung zwischen ästhetischer Selbstentfaltung und moralischer Selbstbestimmung aufgezeigt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Deutungsansätze des Erhabenheits-Begriffs aus Beobachter- und Teilnehmerperspektive

2. Reflexionen des Erhabenheits-Begriffs in Wallensteins Tod

3. Schillers Realismus: Moralische Erhabenheit als verfehltes Ideal

4. Die Spannung zwischen moralischer und ästhetischer Erhabenheit bei Schiller

Zielsetzung & Themen der Untersuchung

Die vorliegende Arbeit untersucht die Reflexionen von Schillers Erhabenheitskonzeption innerhalb der Wallenstein-Trilogie, um zu klären, inwiefern die Beziehung zwischen ästhetischer Selbsterweiterung und moralischer Selbstbestimmung im Drama vermittelt wird und ob Wallenstein als erhabener Charakter betrachtet werden kann.

  • Analyse der Erhabenheitskonzeption nach Schiller und Kant
  • Differenzierung zwischen Beobachter- und Teilnehmerperspektive sowie deren wirkungsästhetische Implikationen
  • Untersuchung der Wallenstein-Trilogie als Fallbeispiel für die Spannung zwischen theoretischem und praktischem Erhabenem
  • Kritische Auseinandersetzung mit Wallensteins moralischer Selbstbestimmung und seinem ästhetischen Selbstbild
  • Diskussion des Verhältnisses zwischen Idealismus und menschlicher Natur im Werk

Auszug aus dem Buch

2. Reflexionen des Erhabenheits-Begriffs in Wallensteins Tod

Es gilt zu prüfen, ob die Ausgestaltung dramatischer Gegenstände auf metaphorischer und zuweilen syntaktischer Ebene analoge Strukturen zu Erhabenheit aufweisen, wie sie Schiller in Das Patherischerhabene, Ueber das Pathetische und Ueber das Erhabene definiert. Die von Kant übernommene Binnendifferenzierung zwischen Theoretisch- und Praktischerhabenem bezieht sich auf „Fassungskraft“ und „Lebenskraft“ [UE, 327] des Menschen: Beide Kräfte werden unterschiedlichen Dimensionen der Sinnlichkeit zugeordnet. Erstere bezeichnet den von der Empirie, d.h. von der Sinneswahrnehmung abhängigen Verstand, letztere die schlichte Körperlichkeit. Der erhabene Vorstellungsgehalt bewirkt durch seine Zweckwidrigkeit und die Vergegenwärtigung einer scheiternden Sinnlichkeit das Gefühl der Unlust im Betrachter. Aus der absoluten Erniedrigung des Menschen in seiner sinnlichen und vergänglichen Natur entsteht jedoch gleichzeitig die Erfahrung einer intelligiblen Übermacht im Subjekt, das jeder anderen Demütigung widerstehen kann: „Ein erhabener Gegenstand ist also eben dadurch, daß er der Sinnlichkeit widerstreitet, zweckmäßig für die Vernunft, und ergötzt durch das höhere Vermögen, indem er durch das niedrige schmerzet.“

Das Gefühl des Betrachters besteht aus jener paradoxen Mischung aus „Wehseyn […] und Frohseyn“ [UE, 826], die der positiven Lust des Schönheitsurteils als negative Lust entgegengesetzt ist, da das Gefühl der Unlust konstitutiv ist. Dieser Zustand kann unmittelbar durch sprachliche Versinnlichung von dramatischen Gegenständen bewirkt oder durch eine Figur gespiegelt werden, was Schiller u.a. am Beispiel der erhabenen Fassung Miltons Lucifer erklärt. Dieser reagiert angesichts der Hölle, ein Lebensraum größtmöglicher Unzweckmäßigkeit, nicht mit Abstoßungsaffekten, sondern bringt seine Willensstärke durch ungebrochene Heiterkeit zum Ausdruck. Dabei versetzt sich der Zuschauer in die Teilnehmerperspektive der Figur, um auf das Vermögen zu innerer Selbstbestimmung zu schließen. Die Vorstellung des Teufels „durchdringt uns, dieser Seelenstärke wegen, mit einem Gefühl von Bewunderung.“ [UP, 440] Wenn sich aus der objektiven Beobachterperspektive jenes reine Freiheitsvermögen, das durch Willensstärke zum Vorschein kommt, als Verfehlung sittlicher Freiheit, d.h. als unzweckmäßig herausstellt, kann auch die innere freie Gemütsstimmung einer Figur insgesamt analog zur Struktur erhabener Naturphänomene und der erhabenen Wirkungsästhetik gemäß organisiert werden.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Kontext der Weimarer Klassik und die Problematik von Schillers ästhetischer Theorie, insbesondere das Spannungsfeld zwischen moralischer und ästhetischer Erhabenheit bei der Analyse der Figur Wallenstein.

1. Deutungsansätze des Erhabenheits-Begriffs aus Beobachter- und Teilnehmerperspektive: Dieses Kapitel prüft, wie ästhetische und moralische Erhabenheit in der Dramenanalyse als Gegensätze begriffen werden können und welche Rolle das Zuschauerbewusstsein dabei spielt.

2. Reflexionen des Erhabenheits-Begriffs in Wallensteins Tod: Hier wird untersucht, wie die dramatischen Gegenstände in Wallensteins Tod auf die von Schiller definierte Erhabenheit verweisen, wobei Wallensteins innere Zerrissenheit zwischen moderner Charakterstruktur und traditionellem Idealismus im Zentrum steht.

3. Schillers Realismus: Moralische Erhabenheit als verfehltes Ideal: Das Kapitel diskutiert, inwiefern das Ideal moralischer Erhabenheit in der Binnenstruktur des Dramas unerreichbar bleibt und wie Selbsttäuschung die Unverfügbarkeit der intelligiblen Freiheit unterstreicht.

4. Die Spannung zwischen moralischer und ästhetischer Erhabenheit bei Schiller: Der Abschluss erörtert die Differenz zwischen den Begriffen in den Briefen zur ästhetischen Erziehung und Schillers Skepsis gegenüber der Realisierbarkeit seines eigenen Ideals in der desaströsen Wirklichkeit.

Schlüsselwörter

Friedrich Schiller, Wallenstein, Erhabenheit, Ästhetik, moralisches Ideal, Beobachterperspektive, Teilnehmerperspektive, Freiheit, kantische Philosophie, Wirkungsästhetik, Drama, moralisches Vermögen, Selbsttäuschung, Idealismus, Sinnlichkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Anwendung der Erhabenheits-Konzeption von Friedrich Schiller auf seine Dramen-Trilogie Wallenstein unter Berücksichtigung erkenntnistheoretischer Ansätze.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die ästhetische und moralische Erhabenheit, die Unterscheidung zwischen Zuschauer- und Teilnehmerperspektive sowie Schillers Dramentheorie im Kontext des Kantischen Erbes.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, wie in der Wallenstein-Trilogie das Verhältnis von ästhetischer Selbsterweiterung und moralischer Selbstbestimmung im Drama vermittelt wird und ob die Figur Wallenstein als erhabener Charakter bezeichnet werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin kombiniert eine werkimmanente Dramenanalyse mit einer begriffsgeschichtlichen Untersuchung von Schillers ästhetischen und theoretischen Schriften sowie der Forschungsgeschichte.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Perspektivität, die Untersuchung von Metaphorik und Bühnenbild in Wallensteins Tod sowie die kritische Reflexion des Schillerschen Idealismus anhand der Figur Wallenstein.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Neben Schillers Erhabenheitsbegriff sind Wallenstein, Freiheit, die Trennung von Beobachter- und Teilnehmerperspektive sowie die ästhetische Erziehung die prägenden Kernbegriffe.

Warum wird Wallenstein im Verlauf des Dramas als "moderner Charakter" analysiert?

Er wird als modern interpretiert, da seine Entscheidungen auf der individuellen, vielschichtigen Grundhaltung basieren und nicht in einem einfachen moralischen Sieg oder einer klassischen heroischen Wandlung münden.

Welche Bedeutung kommt dem "Achsenmonolog" im 4. Auftritt zu?

Dieser bildet einen zentralen Punkt der Analyse, da er die Verschränkung von theoretisch Erhabenem (Planetenbewegung) und der tragischen Realität der physischen Bedrohung durch Wallensteins eigenes Handeln offenbart.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Schillers Erhabenheitskonzeption in der Wallenstein-Trilogie. Eine Untersuchung aus ästhetischer und moralischer Perspektive
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Deutsches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar "Natur" um 1800
Note
1,0
Autor
Elena Grosspeter-Büttner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V1448911
ISBN (PDF)
9783963557460
ISBN (Buch)
9783963557477
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ästhetische Theorie Weimarer Klassik Schiller Wallenstein Erhabenheit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Elena Grosspeter-Büttner (Autor:in), 2015, Schillers Erhabenheitskonzeption in der Wallenstein-Trilogie. Eine Untersuchung aus ästhetischer und moralischer Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1448911
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