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Chatten im Netz - Sozialpsychologische Anmerkungen zum Verhältnis von Internet und Sexualität

Title: Chatten im Netz - Sozialpsychologische Anmerkungen zum Verhältnis von Internet und Sexualität

Thesis (M.A.) , 2002 , 108 Pages , Grade: gut

Autor:in: Christiane Pönitzsch (Author)

Sociology - Relationships and Family
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Wie jedes neu aufkommende Medium ist auch das Internet stark umstritten und wird eher ängstlich betrachtet. Die gute alte Briefpost wird kaum noch benötigt, man muss sich nicht mehr durch Kaufhäuser quälen, um einzukaufen, Dienstleistungen und Waren aller Art können online bestellt und Informationen im Internet abgerufen werden. Selbst zur Befriedigung unserer sexuellen Wünsche müssen wir das Haus nicht mehr verlassen. Pornografische Fotos, Videos und natürlich virtueller Sex in den Chaträumen: Ist es tatsächlich so einfach, per Mausklick zum Orgasmus zu kommen?

Als ich mich vor rund drei Jahren zum ersten Mal in einen Chat eingeloggt habe, war ich schlicht neugierig. Sich mit wildfremden Menschen unterhalten zu können, die kilometerweit entfernt ebenfalls vor dem Computer sitzen, vielleicht sogar in einem anderen Land, auf einem anderen Kontinent, war fast unvorstellbar für mich. Umso überraschter war ich, als ich die dortige Kommunikation verfolgte und feststellte, wie intim und teilweise vertraut die Chatter miteinander umgingen. Es hat keinen Unterschied gemacht, ob ich mich in einem explizit sexuell ausgerichteten oder eher „harmlosen“ Chat ohne bestimmten Themenschwerpunkt befand: Neben allgemeinen, freundschaftlichen Gesprächen wurden fast immer auch erotische geführt. Während ich bei den Unterhaltungen über Gott und die Welt das Gefühl hatte, die Chatter würden sich schon ewig kennen und eine kleine, eingeschworene Gemeinde bilden, so schockierte mich anfangs die Offenheit, die bei der sexuell ausgerichteten Kommunikation zu beobachten war. Was genau ging da vor sich?
Wie funktioniert das, Sexualität im Chat?
Diese Frage beschäftigte mich damals; in dieser Arbeit möchte ich Antworten darauf finden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sexualität und Identität

2.1 Was ist Sexualität?

2.2 Männchen oder Weibchen? – Die Frage nach der Geschlechtsidentität

2.2.1 Kern-Geschlechtsidentität

2.2.2 Geschlechtsrolle

2.2.3 Geschlechtspartner-Orientierung

2.2.4 Geschlechtsidentität

2.3 Sexualität und Gesellschaft

2.3.1 Die neosexuelle Revolution

2.3.1.1 Die Dissoziation der sexuellen Sphäre

2.3.1.2. Die Dispersion der sexuellen Fragmente

2.3.1.3 Die Diversifikation der sexuellen Beziehungen

2.3.1.4 Sigusch’s Welt

3. Medien und Identität

3.1 Die Selbstinszenierung im „real life“

3.2 Wie Medien soziale Situationen und Rollen verändern

3.3 Die Auswirkungen der Medien auf die Identität

4. Im Chatroom

4.1 Die Bewohner der Webchats

4.1.1 Zahlen, Zahlen und nochmals Zahlen

4.1.2 Die Chaträume

4.2 „Bist Du m oder w?“

4.2.1 Der Nickname

4.2.2 Gender-Switching

4.2.3 „Hallo, darf ich dich kennen lernen?“

4.3 Fantasie oder Realität?

4.3.1 90-60-90: Die Selbstbeschreibung im Chat

4.3.2 Sexuelle Skripts

4.4 So nah und doch so fern – Nähe und Distanz

4.4.1 Emotionen im Chat

4.4.2 Netzbeziehungen

5. Folgen des Chattens

5.1 Kann das Chatten Geschlechtsidentitäten verändern?

5.2 Der Chat: Gefahr oder Chance?

6. Schlusswort

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des erotischen Chattens unter sozialpsychologischen Gesichtspunkten. Ziel ist es zu ergründen, wie das Internet und die darin stattfindende Kommunikation die Sexualität, die Identitätsbildung und soziale Rollen beeinflussen, wobei insbesondere das Spannungsfeld zwischen virtueller Inszenierung und realer Identität im Fokus steht.

  • Sozialpsychologische Analyse des Chat-Verhaltens
  • Wechselwirkung zwischen Medieneinfluss und Identität
  • Die Rolle von Fantasie, Inszenierung und Geschlechtsidentität im Chat
  • Empirische Betrachtung von Chat-Interaktionen
  • Chancen und Risiken für das Individuum durch Online-Beziehungen

Auszug aus dem Buch

4.3.1 90-60-90: Die Selbstbeschreibung im Chat

Sex ohne Körper funktioniert nicht. Auch im Chatroom ist daher die Beschreibung von Körperlichkeit, sei es von äußerlichen Merkmalen oder von körperlichen Handlungen, unabdingbare Voraussetzung. Gerade bei der eigenen Beschreibung gibt es aber große Unterschiede, die ich hier an Beispielen aufzeigen möchte.

Während manche Chatteilnehmer den unsichtbaren Körper als Projektionsfläche für ihre eigenen Fantasien nutzen (vgl. Kapitel 4.2.3, Fredo und melanie) und nicht an einer detaillierten Beschreibung ihrer Chatpartner interessiert sind, liefern andere zumindest eine Rahmenbeschreibung ihrer Selbst ab (vgl. Kapitel 4.2.3, tim und andrea). Ich habe die Beobachtung gemacht, dass Äußerlichkeiten abgeklärt werden, bevor es zu gemeinsamen körperlichen Handlungen kommt. Hier einige Selbstbeschreibungen:

tim: beschreib dich mal bitte...
susi: ok, 1,65, 58 kg, dunkelblonde lange haare, graugrüne augen und du?
Tim: 190 cm, 88 kg, graublaue augen, kurze blonde haare, sportlich...
Tim: hhmmmm...klingt süß deine beschreibung......sexy ;-)
Tim: hast du ein pic von dir?
susi: ja aber ich verschiecke so schnell keines
(Quelle: Praline Erotik-Hotel, 20.05.2002, Raum Whirlpool, Auszüge)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Internet- und Chatnutzung sowie Darstellung der persönlichen Motivation der Autorin für diese Forschungsarbeit.

2. Sexualität und Identität: Theoretische Auseinandersetzung mit Begriffen wie Sexualität, Geschlechtsidentität und den gesellschaftlichen Einflüssen darauf, unter Einbeziehung psychoanalytischer und soziologischer Ansätze.

3. Medien und Identität: Untersuchung der Hypothese, dass Medien soziale Rollen verändern, basierend auf den Theorien von Erving Goffman und Joshua Meyrowitz.

4. Im Chatroom: Empirische Analyse des Chatverhaltens, inklusive Nutzerstatistiken, Gender-Aspekten und der Vermischung von Fantasie und Realität.

5. Folgen des Chattens: Hypothetische Diskussion darüber, wie sich das Chatten auf die Geschlechtsidentität auswirken kann und welche Chancen oder Risiken dies birgt.

6. Schlusswort: Fazit und Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich der Frage, ob das Chatten unser Verständnis von Identität und Sexualität tatsächlich nachhaltig verändert.

Schlüsselwörter

Chatten, Internet, Sexualität, Geschlechtsidentität, Identität, Cybersex, Rollenverhalten, soziale Interaktion, Netsex, Sozialpsychologie, virtuelle Kommunikation, Geschlechterdifferenz, Selbstdarstellung, Erotik, Medienwirkung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die sozialpsychologischen Hintergründe der Interaktion in sexuell ausgerichteten Chaträumen und deren Auswirkungen auf das Selbstverständnis der Nutzer.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind Sexualität, die Konstruktion von Geschlechtsidentität im virtuellen Raum sowie der Einfluss von Medien auf Identität und soziales Verhalten.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, ob sexuelle Inszenierungen im Chat Teil der Sexualität sind oder als Spiel mit Identitäten fungieren und welche Folgen dieses Verhalten für die Akteure hat.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse theoretischer Ansätze (Sigusch, Schmidt, Goffman, Meyrowitz, Gergen) sowie auf eigenen Beobachtungen und Analysen von Chat-Protokollen und Nutzerstatistiken.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Realität in Chaträumen, die Bedeutung von Nicknames, das Phänomen des Gender-Switchings sowie die Art und Weise, wie Nähe und Distanz trotz körperlicher Abwesenheit erzeugt werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Internet, Sexualität, Geschlechtsidentität, Chatten, Identität und Medienwirkung.

Was hat es mit dem Begriff "neosexuelle Revolution" auf sich?

Der Begriff, geprägt von Volkmar Sigusch, beschreibt den Wandel der Sexualität von einem triebgesteuerten, mystifizierten Phänomen hin zu einer durch Medien und Kommerzialisierung fragmentierten und selbstinszenierten Aktivität.

Wie verändert das Internet laut dieser Arbeit das Verhalten der Nutzer?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass das Internet neue Möglichkeiten zur Selbstinszenierung bietet, aber weitgehend den traditionellen gesellschaftlichen Verhaltensmustern folgt und keine grundlegend neuen Identitätskonzepte erzwingt.

Excerpt out of 108 pages  - scroll top

Details

Title
Chatten im Netz - Sozialpsychologische Anmerkungen zum Verhältnis von Internet und Sexualität
College
University of Hannover  (Psychologisches Institut)
Grade
gut
Author
Christiane Pönitzsch (Author)
Publication Year
2002
Pages
108
Catalog Number
V14491
ISBN (eBook)
9783638198820
Language
German
Tags
Chatten Netz Sozialpsychologische Anmerkungen Verhältnis Internet Sexualität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christiane Pönitzsch (Author), 2002, Chatten im Netz - Sozialpsychologische Anmerkungen zum Verhältnis von Internet und Sexualität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14491
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