Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Grablegen der Pfalzgrafen bei Rhein. Der Schwerpunkt liegt auf der Wahl der Grablege und ob diese aufgrund von persönlichen Vorlieben, des Zeitgeists oder um sich zu legitimieren ausgewählt wurde. Die betrachteten Grablegen sind das Zisterzienserkloster Schönau, die Stiftskirche St. Ägidius in Neustadt an der Weinstraße, die Heiliggeistkirche in Heidelberg und das Franziskanerkloster in Heidelberg.
Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen die Pfalzgrafen bei Rhein Adolf, Rudolf II., Ruprecht III. und Friedrich der Siegreiche, da sie eine neue Grablege begründeten. Auf weitere Aspekte im Zusammenhang mit dem Tod von Hochadligen wie dem Stiftungsverhalten, den Testamenten, dem Sterben, dem Begräbnis und dem Begängnis wird nur Bezug genommen, sofern sie weitere Erkenntnisse für die Wahl der Grablege bringen. Den zeitlichen Rahmen bilden die Sterbedaten der Pfalzgrafen Adolf im Jahr 1327 und Friedrich im Jahr 1476. Pfalzgraf Adolf war der erste Wittelsbacher, der sich auf dem Territorium der Pfalzgrafschaft und nicht in Bayern begraben ließ und damit ein Novum wagte. Die betrachtete Zeitspanne endet mit dem Jahr 1476, da in diesem Jahr Friedrich der Siegreiche sich in dem Franziskanerkloster Heidelberg begraben ließ. Er ist deshalb der letzte Pfalzgraf, der eine neue Grablege vor Beginn der Reformation wählte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Motive bei der Wahl der Grablege
2.1 Pfalzgraf Adolf (1300–1327)
2.2 Pfalzgraf Rudolf II. (1306–1353)
2.3 Pfalzgraf Ruprecht III. (1352–1410)
2.4 Pfalzgraf Friedrich der Siegreiche (1425–1476)
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Beweggründe der Pfalzgrafen bei Rhein für die Wahl ihrer jeweiligen Grablegen im Spätmittelalter. Dabei wird analysiert, inwieweit persönliche Vorlieben, der Zeitgeist oder politische Legitimationsstrategien zur Etablierung neuer Bestattungsorte führten.
- Analyse der Grabwahl von Pfalzgraf Adolf bis hin zu Friedrich dem Siegreichen.
- Untersuchung des Wandels von klösterlichen zu städtischen Begräbnisstätten.
- Bedeutung der Grablege als Herrschaftsinstrument und zur Repräsentation königlicher Macht.
- Die Rolle der memoria für das Stiftungsverhalten spätmittelalterlicher Herrscher.
Auszug aus dem Buch
2.3 Pfalzgraf Ruprecht III. (1352–1410)
Bis zum Begräbnis Ruprechts III. im Jahr 1410 ließen sich vier Wittelsbacher Pfalzgrafen in der Pfalzgrafschaft in zwei unterschiedlichen Grablegen – Schönau und Neustadt – bestatten. Ruprecht III., der Enkel Adolfs, entschied sich jedoch nicht für eine Grabstätte seiner Vorvorgänger, sondern begründete eine neue. Dies stellt jedoch keinen Bruch mit den Vorfahren dar, da das Grablegeverhalten der Wittelsbacher zu diesem Zeitpunkt noch nicht von beständigen dynastischen Traditionen geprägt war. Fey sieht die Ursache dafür in der komplexen dynastischen und territorialen Entwicklung bis zum Abschluss des Vertrages von Pavia im Jahr 1329. Eine Erbgrablege der rudolfinischen Wittelsbacher entstand erst durch Ruprecht III. in der Heiliggeistkirche in Heidelberg, welche bis 1686 fast alle Pfalzgrafen aufnahm.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstands, des zeitlichen Rahmens von 1327 bis 1476 und der methodischen Herangehensweise unter Einbeziehung von Testamenten und Grabinschriften.
2 Die Motive bei der Wahl der Grablege: Detaillierte Analyse der einzelnen Pfalzgrafen und ihrer individuellen Entscheidungsgründe für ihre jeweiligen Grabstätten.
2.1 Pfalzgraf Adolf (1300–1327): Untersuchung der Abkehr von der bayrischen Tradition hin zum Kloster Schönau als Akt der politischen Emanzipation.
2.2 Pfalzgraf Rudolf II. (1306–1353): Analyse der Entscheidung für die St. Ägidius-Kirche in Neustadt, motiviert durch Residenzbildung und religiöse Vorstellungen.
2.3 Pfalzgraf Ruprecht III. (1352–1410): Darstellung der Gründung der Heiliggeistkirche in Heidelberg als sakrales Zentrum und Königsgrablege.
2.4 Pfalzgraf Friedrich der Siegreiche (1425–1476): Untersuchung der Bestattung im Franziskanerkloster aufgrund familiärer Bindungen und dem Wunsch nach Selbstdarstellung.
3 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der verschiedenen Einflussfaktoren wie Politik, Legitimation und memoria, die die Wahl der Grablege im Spätmittelalter prägten.
Schlüsselwörter
Pfalzgrafen bei Rhein, Grablege, Wittelsbacher, Spätmittelalter, Heiliggeistkirche, Neustadt an der Weinstraße, Stift, Memoria, Legitimation, Testament, Grabinschrift, Residenzbildung, Politische Geschichte, Adelsforschung, Bestattungskultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Motive hinter der Wahl der Grablegen der Pfalzgrafen bei Rhein im Zeitraum von 1327 bis 1476.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die politische Emanzipation vom bayrischen Haus, der Wandel von ländlichen Klostergrablegen zu städtischen Stiftskirchen und die Repräsentation von Macht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob die Wahl einer Grablege durch Zufall, Tradition oder gezielte politische bzw. religiöse Strategien (wie der memoria) bestimmt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor stützt sich auf eine quellenkritische Analyse erhaltener Testamente, Seelbucheinträge und Grabinschriften sowie auf vorhandene Forschungsliteratur.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in Einzelanalysen der Pfalzgrafen Adolf, Rudolf II., Ruprecht III. und Friedrich der Siegreiche mit Blick auf deren spezifische Entscheidungsprozesse.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Grablege, Wittelsbacher, Heiliggeistkirche, Memoria, Legitimation und mittelalterliche Adelskultur.
Warum wählte Friedrich der Siegreiche eine andere Grablege als seine Vorgänger?
Aufgrund enger familiärer Verbindungen zum Franziskanerkloster sowie des Wunsches, sich durch seine militärischen Erfolge von der Familientradition abzuheben.
Welche Rolle spielt die Heiliggeistkirche in Heidelberg für die Pfalzgrafen?
Sie wurde unter Ruprecht III. zum neuen sakralen Zentrum und zur designierten Grablege ausgebaut, um den Status als Königsgeschlecht zu unterstreichen.
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- Anonym (Autor), 2018, Motive für die Wahl einer neuen Grablege bei den Pfalzgrafen bei Rhein (1327–1476), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1449222