Thema der vorliegenden Arbeit ist der Aufschwung der Niederlande in den Jahren 1581 bis 1660. Allerdings soll hier kein chronologischer Abriss dieses 80 Jahre dauernden Zeitabschnitts gegeben werden, sondern vielmehr die wirtschaftlichen Zusammenhänge einer der ersten vormodernen Großmächte herausgearbeitet werden. Grundlegend hierbei ist die Frage, ob es einen einzelnen Sektor oder Bereich in der Wirtschaft gab, der sich aus eigener Kraft entwickelte, so dass er in der damaligen niederländischen Wirtschaft bestehen konnte oder ob jeder einzelne Bereich in dem wirtschaftlichen System verankert war und von wechselseitigen Beziehungen profitieren konnte. Zudem wird in der allgemeinen Forschungsliteratur fast immer davon ausgegangen, dass der tertiäre Sektor der Wirtschaft, also der Handel, für die rasante wirtschaftliche Entwicklung der Niederlande verantwortlich war. Eine weitere Aufgabe dieser Untersuchung soll nun sein, zu klären, ob wirklich der große Bereich des Handels allein für die Entwicklungen verantwortlich war oder ob möglicherweise noch ein anderer Wirtschaftsbereich entscheidende Einflüsse am Anfang der Entwicklung hatte. Der Zeitraum von 1581 bis 1660 umfasst den Aufstieg der Niederlande zu einer Weltmacht; 1581 erklärten sich die sieben Provinzen der nördlichen Niederlande als unabhängig. Das Jahr 1660 wurde gewählt, da sich nach dem rasanten Aufstieg in der ersten Hälfte des 17. Jahrhundert in den 1650er Jahren eine Stagnation einsetzte, die
nicht noch einmal zu so einem Aufstieg führen sollte. Die Arbeit wird sich anfänglich mit den Bedingungen des Aufschwungs, also mit
Faktoren, die mit der wirtschaftlichen Entwicklung auf den ersten Blick wenig zu tun haben oder einfach nur den Rahmen für den Aufschwung stellten, beschäftigen. Danach wird sie auf die unterschiedlichen Wirtschaftssektoren, die nach der Drei-Sektoren-
Hypothese in Rohstoffgewinnung, also Landwirtschaft und Fischfang,
Rohstoffverarbeitung, in diesem Fall v.a. die Textilindustrie und der Schiffbau, und Dienstleistungen, hier Handel und Finanzwesen, eingeteilt wurden, eingehen. Zum Schluss werde ich versuchen auf die eingangs gestellten Fragen eine Antwort zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bedingungen des Aufschwungs
2.1 Geographische Lage
2.2 Bevölkerungswachstum und Urbanisierung
2.3 Aufschwung in Zeiten des Umbruchs
3. Der primäre Sektor: Landwirtschaft und Fischfang
3.1 Landwirtschaft: Humankapitalüberschuss durch Wandel in Technik und Organisation
3.2 Fischfang: Erfolg durch eine herausragende Innovation
4. Der sekundäre Sektor: Industrie und Gewerbe
4.1 Textilindustrie: neue Techniken und leichtere Stoffe
4.2 Schiffbau: aufgebaut auf Zulieferindustrien
4.3 Andere Industrien
4.3.1 Keramikindustrie: Importiertes Know-how und steigender Absatz
4.3.2 Nahrungs- und Genussmittelgewerbe: Erfolg durch expandierenden Handel und Schifffahrt
5. Der tertiäre Sektor: Handel und Finanzwesen
5.1 Handel und Schifffahrt
5.1.1 Der europäische Handel: Nordeuropa und der Mittelmeerraum als Handelspartner
5.1.2 Handel mit Asien und die Entstehung der Verenigden Oostindischen Compagnie
5.1.3 Handel mit Afrika und der Neuen Welt: Neue Rohstoffquellen
5.2 Finanzwesen: Die Amsterdamer Wisselbank als internationales Bankhaus
6. Die Interdependenzen der einzelnen Sektoren
7. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den wirtschaftlichen Aufschwung der Niederlande im Zeitraum von 1581 bis 1660 mit dem Ziel, die wechselseitigen Abhängigkeiten der Wirtschaftssektoren zu analysieren und zu klären, ob der Handel als alleiniger Wachstumstreiber anzusehen ist oder ob andere Sektoren, insbesondere die Landwirtschaft, eine entscheidende Rolle einnahmen.
- Interdependenzen zwischen den drei Wirtschaftssektoren (Primär-, Sekundär- und Tertiärsektor)
- Bedeutung von Rahmenbedingungen wie Geographie, Bevölkerungswachstum und Urbanisierung
- Innovationskraft im Schiffbau und deren Auswirkungen auf Handel und Industrie
- Die Rolle von Institutionen wie der VOC und der Amsterdamer Wisselbank für das wirtschaftliche System
Auszug aus dem Buch
3.2 Fischfang: Erfolg durch eine herausragende Innovation
Im zweiten Bereich des primären Sektors, der Fischerei, konnte eine große Menge der Arbeitskräfte, die zuvor in der Landwirtschaft beschäftigt waren, neue Arbeitsplätze finden. Der Fischfang war in den Niederlanden traditionell ein relativ großer Wirtschaftszweig, spielte aber für die wirtschaftliche Entwicklung bis 1500 keine besonders große Rolle, da hauptsächlich für die lokale Märkte im Inland oder an den Küsten Fisch gefangen wurde. Dies änderte sich jedoch schlagartig; noch vor dem „Goldenen Zeitalter“ der niederländischen Wirtschaft, als im 15. Jahrhundert ein neuer Schiffstyp für die Heringsfischerei entwickelt wurde: die Busse.
Diese wurde bis 1600 noch weiterentwickelt, bis sie dann in ihrer klassischen Form 200 Jahre lang die Heringsfischerei der Niederländer beherrschten. Notwendig wurde diese Erfindung durch die Qualität der Heringe, die an den Küsten gefangen werden konnten; diese war so schlecht, dass die Fische nicht zum Export oder Handel geeignet waren. Die neuartigen Schiffe bildeten die Grundlage für den andauernden Erfolg der Heringsfischerei und des –handels der Niederländer, da sie aus verschiedenen Gründen länger auf See bleiben und somit auch weiter hinausfahren konnten.
Die Bussen ermöglichten die Verarbeitung und Konservierung der frisch gefangenen Fische direkt an Bord unmittelbar nach dem Fang, da sie größer waren und weitaus mehr Seeleute als Besatzung erforderten als die klassischen Fischerboote. Der verarbeitete Fisch wurde von Transportern abgeholt und direkt an den Heimathafen gebracht, was zur Folge hatte, dass man sich nicht mehr danach richten musste, wohin sich die Heringsschulen begaben; man konnte während der gesamten Zeit auf See in ihrer Nähe bleiben und musste nicht ständig zum Hafen zurückkehren. Ein weiterer Vorteil war natürlich, dass damit auch die Qualität der Heringe stark zunahm, da die Zeit des Transportes vom Erzeuger zum Abnehmer durch die direkte Haltbarmachung auf dem Schiff wegfiel.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die wirtschaftlichen Zusammenhänge des niederländischen Aufschwungs und hinterfragt die exklusive Rolle des Handels als primäre Triebfeder.
2. Bedingungen des Aufschwungs: Es werden die geographischen, demographischen und politischen Rahmenbedingungen analysiert, die als Basis für die spätere wirtschaftliche Expansion dienten.
3. Der primäre Sektor: Landwirtschaft und Fischfang: Die Modernisierung der Landwirtschaft durch den Getreideimport und die technologischen Innovationen im Fischfang, insbesondere die Busse, werden als wesentliche Stützpfeiler dargestellt.
4. Der sekundäre Sektor: Industrie und Gewerbe: Dieses Kapitel zeigt auf, wie Textilindustrie, Schiffbau und weitere Gewerbe durch Innovationen und die Integration von Immigranten-Know-how expandierten.
5. Der tertiäre Sektor: Handel und Finanzwesen: Der europäische und globale Handel sowie die bahnbrechende Rolle der Amsterdamer Wechselbank werden im Kontext ihrer internationalen Machtstellung erörtert.
6. Die Interdependenzen der einzelnen Sektoren: Eine Synthese zeigt auf, wie eng die Wirtschaftssektoren miteinander verflochten waren und dass kein Bereich unabhängig existierte.
7. Schluss: Die Arbeit resümiert, dass die Landwirtschaft eine oftmals unterschätzte, jedoch fundamentale Rolle für die wirtschaftliche Dynamik des Goldenen Zeitalters spielte.
Schlüsselwörter
Niederlande, Goldene Zeitalter, Wirtschaftssektoren, Handel, Fischerei, Landwirtschaft, Schiffbau, Textilindustrie, Amsterdamer Wisselbank, VOC, WIC, Urbanisierung, Interdependenzen, Kapitalakkumulation, Innovation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den wirtschaftlichen Aufschwung der Niederlande im 17. Jahrhundert und analysiert, wie die verschiedenen Sektoren der Wirtschaft (Landwirtschaft, Industrie und Handel) zusammenwirkten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den zentralen Themen gehören die strukturelle Entwicklung der niederländischen Wirtschaft, der Einfluss technologischer Innovationen (z.B. Schiffbau) und die Bedeutung internationaler Handelsbeziehungen sowie Finanzinstitutionen.
Was ist die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage ist, ob ein einzelner Wirtschaftssektor den Aufschwung aus eigener Kraft ermöglichte oder ob das wirtschaftliche System auf der wechselseitigen Abhängigkeit verschiedener Bereiche basierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine wirtschaftshistorische Analyse, bei der das Wirtschaftsgeschehen in Sektoren unterteilt wird, um deren Verflechtungen und gegenseitige Abhängigkeiten aufzuzeigen.
Was ist Inhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert detailliert den primären Sektor (Landwirtschaft, Fischfang), den sekundären Sektor (Textilindustrie, Schiffbau, Keramik) und den tertiären Sektor (Handel, Bankwesen) unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Innovationskraft und Vernetzung.
Was sind die wichtigsten Schlüsselwörter der Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Drei-Sektoren-Hypothese, der Getreidehandel, die Bedeutung von Migranten für technisches Know-how sowie Institutionen wie die VOC, die WIC und die Amsterdamer Wechselbank.
Warum war der Import von Getreide aus dem Ostseeraum so entscheidend?
Der Getreideimport entlastete die niederländische Landwirtschaft von der arbeitsintensiven Getreideproduktion, sodass Ressourcen für profitablere Produkte wie Viehzucht und Gartenbau frei wurden.
Wie trugen die technologischen Innovationen im Schiffbau zum Erfolg bei?
Schiffstypen wie die Busse und die Fleute ermöglichten effizientere Fang- und Transportmethoden, eine größere Ladekapazität bei geringerem Personalaufwand und damit einen signifikanten Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Nationen.
- Quote paper
- Britta Düvelmeyer (Author), 2010, Die wirtschaftliche Entwicklung der Niederlande 1581-1660, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144942