Perikles und die Ursachen und Anlässe des Peloponnesischen Krieges


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Literatur und Quellen
1.3 Leben und Werk des Thukydides

2. Zum Ausbruch des Peloponnesischen Krieges
2.1 Der Attische Seebund
2.2 Die Anlässe und der wahre Grund

3. Die Kriegsschuldfrage
3.1 Persönliche Motive
3.2 Finanzielle Probleme
3.3 Prestigedenken Athens und Spartas

4. Zusammenfassende Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Fragestellung

Mit dem Namen Perikles, der wohl zwischen 495 und 490 v. Chr. geboren wurde und bis 429 v. Chr. lebte, ist eine steile Aufwärtsentwicklung der Macht Athens und des Attischen Seebundes verbunden.[1] Das „Perikleische Zeitalter“ steht für demokratische Reformen, eine große Baupolitik und eine bedeutende Kulturförderung. Doch die Meinungen über die Leistungen des Perikles sind in der heutigen Geschichtsforschung teilweise sehr konträr.

Während Wolfgang Will das „Perikleische Zeitalter“ als „Konstrukt“ bezeichnet und behauptet, dass die eigentliche Dominanz des athenischen Politikers sich nur auf die Jahre 443-430 v. Chr. beziehe,[2] befand der deutsche Historiker Hermann Bengtson, dass die Außenpolitik von 461 v. Chr. bis zum Beginn des Peloponnesischen Krieges untrennbar mit Perikles verbunden sei.

„Wer die Außenpolitik Athens von 461 bis zum Beginn des Peloponnesischen Krieges betrachtet, wird in ihr unschwer die Handschrift

des Perikles wiederfinden, und mit Recht betonen die modernen Historiker, daß allein Perikles für die Erfolge, aber auch die Misserfolge verantwortlich ist. Die Geschichte Athens ist in diesem Abschnitt zugleich die Geschichte des Perikles.“[3]

Doch über die Anfänge der politischen Karriere des Perikles gibt es kaum Quellen. 462 beteiligte er sich an den Reformen des Ephialtes, doch erst das von Perikles initiierte Bürgerrechtsgesetz von 451/450 v. Chr. weist auf eine eigenständige Politik hin.[4] Nach Plutarch wurde Perikles fünfzehnmal in Folge zum Strategen gewählt - von 443 bis zu seinem Tod.[5] Andere Quellen berichten, dass er dieses Amt auch schon 455/4 und zwischen 448 und 444 ausübte.[6]

Perikles besaß Autorität, weil er häufig Stratege war und zusätzlich war er ein großer Redner.[7]

Die widersprüchliche und gleichzeitig aber auch prägende Rolle des Perikles möchte ich in dieser Hausarbeit genauer untersuchen. Was sagen die Quellen über seine politischen Tätigkeiten aus? Und welches Ansehen genoss Perikles in der athenischen Bevölkerung? Wie verändert sich dieses Verhältnis? Und einer ganz wichtigen Frage soll im 3. Kapital nachgegangen werden: War Perikles ein Kriegstreiber oder war der Peloponnesische Krieg eine unausweichliche Folge der damaligen äußeren Umstände? Diese Fragen möchte ich im Folgenden untersuchen.

1.2 Literatur und Quellen

In meiner Arbeit stütze ich mich besonders auf das Werk von Wolfgang Will:

„Perikles“, der das Leben und Wirken des Politikers kritisch beleuchtet. Des Weiteren beziehe ich mich auf das Werk von Gerhard Wirth: „Perikles und seine Zeit“, in welchem unter anderem Beiträge von Horst Braunert und Richard Klein zu finden sind.[8] Außerdem nehme ich Bezug auf das neue Werk von Gustav Adolf Lehmann: „Perikles. Staatsmann und Stratege im klassischen Athen“.[9] Für bestimmte Eckdaten und biographische Hinweise benutze ich auch Lexikonartikel aus dem „Neuen Pauly“.

Die bedeutsamste Quelle zum Peloponnesischen Krieg und auch zum Leben des Perikles ist das Werk des Thukydides aus Athen. Diese vielschichtige Darstellung beschäftigt die heutige Geschichtsforschung immer noch sehr stark. Ich benutze die deutsche Übersetzung von Helmuth Vretska und Werner Rinner.[10] Doch bevor ich im folgenden Kapitel genauer auf Thukydides und sein Werk eingehe, möchte ich noch einige Sekundärliteratur nennen. Gerade zum Stil des Thukydides und zur „thukydideischen Frage“ gibt es eine Vielzahl von Aufsätzen. So beziehe ich mich unter anderem auf zwei Aufsätze des Altphilologen Hartmut Erbse[11] und das Buch von Hartmut Leppin: „Thukydides und die Verfassung der Polis“.[12]

Dieser Beitrag zu Thukydides untersucht die politische Einstellung und die Gewichtungen des Historikers, welche im Werk sichtbar werden.

1.3 Leben und Werk des Thukydides

Über das Leben des Historikers Thukydides ist wenig bekannt. Einen großen Teil über sein Leben erfahren wir aus seinem Werk selbst.

Hier eine kurze Auflistung[13]:

I 1 Thukydides nennt sich als Verfasser und gibt an, dass er direkt bei

Ausbruch des Krieges mit seinen Aufzeichnungen begonnen hat.

I 21 f. Er gibt Rechenschaft über seine Methode.

II 48, 3 Im Jahre 430 v.Chr. wird Athen von einer Seuche heimgesucht, an der

Thukydides auch erkrankt.

IV 104 f. Thukydides in Thrakien; von seinem Vater Oloros her besitzt er dort

Goldminen.

V 26 Nach dem Fall von Amphipolis (424) wird er für zwanzig Jahre verbannt.

Thukydides Geburtsdatum lässt sich auf ca. 460 v. Chr. datieren. Sein Vater war Oloros, aus dem Demos Halimus. Die Familie unterhielt verwandtschaftliche Beziehungen nach Thrakien; auch war Thukydides entfernt mit Kimon und Miltiades verwandt. In Thrakien verfügte die Familie wahrscheinlich über ererbte Bergwerkskonzessionen.[14] Im Jahre 424 v. Chr. bekleidete er das Amt eines Strategen in der Nord-Ägäis und war in Thrakien stationiert. Als er die strategisch wichtige Stadt Amphipolis an den Spartanerkönig Brasidas verlor, wurde Thukydides zu zwanzig Jahren Verbannung verurteilt. Bei Ausbruch des Peloponnesischen Krieges zwischen Athen und Sparta 431 v. Chr. war Thukydides ca. 30 Jahre alt. Wie in der Auflistung bereits erwähnt, fing Thukydides direkt nach Kriegsbeginn mit seinen Aufzeichnungen an. Er selber hat seinem Werk keinen Titel gegeben. Es wurde in der Überlieferung nach dem ersten Satz benannt: „Der Krieg der Peloponnesier und Athener“ oder eben „Der Peloponnesische Krieg“.[15] Auch die Einteilung in acht Bücher geht nicht auf Thukydides zurück. Außerdem reißt die Darstellung im Sommer 411 abrupt ab. Dies hat in der Forschung zu Überlegungen über die mögliche Gestaltung der restlichen Aufzeichnungen geführt. Es entbrannte in der Geschichtsforschung ein regelrechter Streit über die Abfassungszeit und die Komposition des Werkes- die sogenannte „thukydideische Frage“.[16] Diese Diskussion setzt sich bis in die heutige Zeit fort, wobei sich zwei verschiedene Ansätze herausgebildet haben. Der „analytischen Ansatz“ besagt, dass der Text die innere Entwicklung seines Verfassers widerspiegelt. Mit fortschreitendem Lebensalter des Thukydides gehen also gewisse Anzeichen von „frühen“ und „später“ überarbeiteten Passagen einher.[17] Diesem „analytischem Ansatz“ steht ein „unitarischer“ gegenüber. Dessen Befürworter gehen davon aus, dass das thukydideische Werk trotz seiner Unvollständigkeit ein künstlerisch gestaltetes und einheitliches Ganzes ist, welches erst nach dem Peloponnesischen Krieg entstanden sei.[18] Alle Pro- und Kontrapunkte der verschiedenen Ansätze wiederzugeben, würde den Umfang dieser Arbeit sprengen, aber ich möchte gerne die Meinung des Altphilologen Max Pohlenz zitieren, die ich sehr passend finde:

„ Thukydides hat dauernd an seinem Werk gearbeitet und gewiß seine alten Entwürfe nicht unverändert gelassen. Das erschwert uns die Arbeit und verlangt die Erkenntnis der Grenzen, die unsrer [sic] Forschung gezogen sind. Aber die philologische Aufgabe bleibt bestehen. Wir müssen jede einzelne Erzählung und jede einzelne Rede auf ihre innere Haltung prüfen und für das Verständnis des Werkes und des Autors auswerten.“[19]

Eine besondere Rolle spielt das sogenannte „Methodenkapitel“ ( I 20 – 23) , in welchem Thukydides seine eigene Arbeitsweise reflektiert. Dieses Kapitel ist deshalb so außergewöhnlich, weil sich Thukydides - wie kein zweiter Historiker in der Antike- um Objektivität bemühte.[20]

„ Die Taten freilich, die in diesem Krieg vollbracht wurden, glaubte ich nicht nach dem Bericht des ersten Besten aufschreiben zu dürfen, auch nicht nach meinem Dafürhalten, sondern ich habe Selbsterlebtes und von anderer Seite Berichtetes mit größtmöglicher Genauigkeit in jedem einzelnen Falle erforscht. Schwierig war die Auffindung der Wahrheit,

weil die jeweiligen Augenzeugen nicht dasselbe über dasselbe berichteten, sondern je nach Gunst oder Gedächtnis.“[21]

[...]


[1] Will, Wolfgang: Perikles. In: Der Neue Pauly (DNP) Bd. 9, 2000, Sp. 567

[2] Ebd., Sp. 570

[3] Will, Wolfgang: Perikles. Hamburg 1995, S. 47

[4] Will: Perikles. In: DNP, Sp. 568

[5] Plut. 16; zit.n. Will, S. 69

[6] Will: Perikles, S. 69

[7] Thu. I 139,4

[8] Wirth, Gerhard (Hg.): Perikles und seine Zeit. Darmstadt 1979.

[9] Lehmann, Gustav Adolf: Perikles. Staatsmann und Stratege im klassischen Athen. München 2008.

[10] Thukydides. Der Peloponnesische Krieg. Übersetzt und herausgegeben von Vretska/Rinner. Stuttgart 2000.

[11] Herter, Hans (Hg.): Thukydides. Darmstadt 1968, S. 317- S. 343 und S. 594 – S. 619

[12] Leppin, Hartmut: Thukydides und die Verfassung der Polis. Ein Beitrag zur politischen Ideengeschichte des 5.Jahrhunderts v. Chr. . Berlin 1999.

[13] Thukydides, Der Peloponnesische Krieg. Vretska/Rinner, S. 784 (Nachwort)

[14] Hornblower, Simon: Thukydides. In: DNP Bd. 12/I, 2002, Sp. 506

[15] Siehe Impressum von Vretska/Rinner.

[16] Hornblower: Thukydides. In: DNP Bd. 12/I, Sp. 509

[17] Ebd., Sp. 509 f.

[18] Ebd., Sp. 509

[19] Pohlenz, Max: Die Thukydideische Frage im Lichte der Neueren Forschung. In: Herter, H.(Hg.): Thukydides. Darmstadt 1968, S. 81

[20] Will: Perikles, S. 12

[21] Thu. I 22,2

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Perikles und die Ursachen und Anlässe des Peloponnesischen Krieges
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Institut für Klassische Altertumskunde)
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V144944
ISBN (eBook)
9783640559596
ISBN (Buch)
9783640559992
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Perikles, Ursachen, Anlässe, Peloponnesischen, Krieges
Arbeit zitieren
Julia Weltersbach (Autor), 2008, Perikles und die Ursachen und Anlässe des Peloponnesischen Krieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144944

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