Die Seminararbeit diskutiert die Frage, ob die Bundesregierung ein Konzept für ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) ausarbeiten und mittelfristig implementieren sollte. Sie beleuchtet die historische Entwicklung des BGEs, analysiert ökonomische, gesellschaftliche und soziale Aspekte anhand der Modelle von Götz Werner und Dieter Althaus und betrachtet die Auswirkungen auf das Sozialsystem in Deutschland. Die Arbeit schließt mit einer kritischen Bewertung der Machbarkeit und der potenziellen Auswirkungen eines BGEs.
Die Existenz jedes einzelnen Individuums würde von vornherein gesichert sein. Was wäre, wenn es genau das geben würde? Die Sinnhaftigkeit einer drastischen Änderung des sozialen Systems in Deutschland geriet immer wieder in politischen Diskussionen und spielt eine wichtige Rolle in den heutigen sozialphilosophischen Streitigkeiten. Es ist die Rede von einer unabhängigen, lebenslangen Unterstützung einzelner Bürgerinnen und Bürger in einer Volkswirtschaft, die sukzessiv versucht, den Keil zwischen Arm und Reich zu minimieren.
Der Begriff "bedingungslos" unterstreicht bereits die Intention, die sich hinter diesem sozialpolitischen Finanztransferkonzept verbirgt, nämlich für Alle, lebenslange Bezahlung und für jeden Einzelnen, unabhängig von der monetären Lage, eine vom Staat verfassungsmäßige und gleichgestellte Grundversorgung ohne jegliche Forderungen. Zahlreiche Vertreter aus allen politischen und sozialen Ebenen haben sich bereits mit dieser Thematik intensiv auseinandergesetzt, wie der ehemalige Vorsitzende der Drogeriekette dm Götz Werner und der ehemalige Ministerpräsident des Freistaats Thüringen Dieter Althaus, die im späteren Kapitel, ihre Vorstellungen eines BGEs anhand ihrer Konzepte dargestellt werden. Speziell dieses ausgesprochen komplexe Themenfeld, kann dem Leser allein nähergebracht werden, wenn die Materie aus allen Standpunkten ganzheitlich dargestellt wird. Wie sich der Grundgedanke eines BGEs im Allgemeinen etabliert hat, zeigt sich in dieser Arbeit durch die historische Entwicklung, die empirische Beobachtungen stellen und wie diese sich auf die heutige Situation übertragen. Anschließend werden die ökonomischen, die gesellschaftlichen und sozialen Aspekte anhand von den Modellen nach Werner und Althaus näher betrachtet und diskutiert, ob die Bundesregierung ein Konzept für ein BGE ausarbeiten und mittelfristig implementieren soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition
3. Das Sozialsystem in Deutschland
4. Die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens
4.1 Modell nach Werner
4.2 Modell nach Althaus
5. Analyse
5.1 Kritik
5.2 Ökonomische Aspekte
5.3 Gesellschaftliche Aspekte
5.4 Soziale Aspekte
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und praktischen Implikationen eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) vor dem Hintergrund des aktuellen deutschen Sozialsystems. Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob die Bundesregierung ein solches Konzept ausarbeiten und mittelfristig implementieren sollte, wobei insbesondere die Modelle von Götz Werner und Dieter Althaus einer detaillierten Analyse unterzogen werden.
- Historische Entwicklung der Arbeit-Einkommen-Trennung
- Strukturelle Analyse des heutigen deutschen Sozialversicherungsprinzips
- Vergleichende Untersuchung der BGE-Modelle "Werner" und "Althaus"
- Bewertung ökonomischer, gesellschaftlicher und sozialer Auswirkungen
- Reflektion der Finanzierbarkeit und gesellschaftlicher Gerechtigkeit
Auszug aus dem Buch
4 Die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens
Die erste Tradition der Trennung von Arbeit und Einkommen findet sich in der Verfassung von Sparta im sechsten Jahrhundert vor Christus ein. Es garantierte den Minderheiten den Spartanern das Lebensnotwendige, welche allein das Privileg genossen, "Vollbürger" zu sein, unabhängig von jeglicher Leistung und Notwendigkeit der Arbeit. Alle anderen Bereiche, Frauen als Geschlecht, ganz zu schweigen von Sklaven, genossen dieses Privileg nicht. Erst viel später im Jahr 1516 fordert der Sozialutopist Thomas More, dass alle Bewohner des Staates über ein Existenzminimum verfügen sollten, allein um Diebstahl vorzubeugen. Mehr zweihundert Jahre später, 1748, leitete der französische Staatstheoretiker Charles Montesquieu aus dem Selbstverständnis des Staates die Pflicht ab, seinen Bürgern einen Lebensstandard zu garantieren: "Der Staat schuldet allen seinen Einwohnern einen gesicherten Lebensunterhalt, Nahrung, geeignete Kleidung und einen Lebensstil, der ihre Gesundheit nicht beinträchtigt" (vgl. Werner, G.W. & Goehler, A., 2010:21). Im Zeitraum des 19.Jahrhunderts beschäftigt sich Reformer in England, Belgien und Frankreich mit dieser Idee. Der französische Sozialtheoretiker Charles Fourier, ein früherer Verfechter der Gleichberechtigung von Frauen und Männern, propagierte 1836 in seinem Buch "La fausse industrie" (vgl. Werner, G.W. & Goehler, A., 2010:22) ein BGE. Er begründete die Notwendigkeit damit, dass das ursprüngliche Grundrecht auf freies Jagen und Sammeln verloren ging, dass den Menschen einst die natürliche Grundversorgung gesichert hatte. Dafür musste ihnen eine Geldsumme gezahlt werden, da sie kein Land mehr hatten auf dem sie sich selbst versorgen konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die aktuelle sozialphilosophische Debatte um die Entkoppelung von Erwerbsarbeit und Existenzsicherung ein.
2. Definition: Dieses Kapitel definiert das BGE als einen radikalen Ansatz, der jedem Bürger ein autonomes Einkommen ohne Bedingung gewähren soll.
3. Das Sozialsystem in Deutschland: Hier wird der historische Kontext der deutschen Sozialversicherung seit Bismarck und deren heutige Problematik bei der Armutsbekämpfung skizziert.
4. Die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens: Das Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung des BGE-Gedankens und stellt die spezifischen Reformkonzepte von Götz Werner und Dieter Althaus vor.
5. Analyse: In diesem umfassenden Teil werden die verschiedenen Modelle einer kritischen Prüfung unterzogen, mit Fokus auf Finanzfragen sowie ökonomischen und sozialen Auswirkungen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu einer negativen Beurteilung hinsichtlich der Umsetzbarkeit und des Nutzens eines BGE gegenüber dem aktuellen System.
Schlüsselwörter
Bedingungsloses Grundeinkommen, BGE, Sozialsystem, Deutschland, Götz Werner, Dieter Althaus, Soziale Sicherheit, Arbeitsmarkt, Finanzierbarkeit, Konsumsteuer, Leistungsprinzip, Sozialversicherung, Einkommenssicherung, Umverteilung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob das Konzept eines bedingungslosen Grundeinkommens eine sinnvolle politische Alternative oder Ergänzung für das deutsche Sozialsystem darstellt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Das Spektrum reicht von der historischen Einordnung des BGE über die bestehende deutsche Sozialversicherungsstruktur bis hin zur wirtschaftlichen und ethischen Analyse konkreter BGE-Modelle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine fundierte Analyse und kritische Stellungnahme zur Frage, ob die Bundesregierung ein solches System mittelfristig implementieren sollte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und eine vergleichende methodische Bewertung existierender ökonomischer Reformmodelle.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Darstellung der Modelle von Werner und Althaus und deren Analyse in Bezug auf ökonomische, gesellschaftliche und soziale Aspekte.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit kennzeichnen?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Bedingungsloses Grundeinkommen, Finanzierbarkeit, Konsumsteuer, Leistungsprinzip und Sozialstaat.
Wie bewertet der Autor das Modell von Götz Werner?
Der Autor kritisiert insbesondere die einseitige Fixierung auf eine reine Konsumsteuer und die willkürliche Festlegung der Auszahlungshöhe, die ökonomisch nicht hinreichend untermauert sei.
Welche Schwachstellen sieht der Autor im Modell von Dieter Althaus?
Das "solidarische Bürgergeld" von Althaus wird als unzureichend kritisiert, da es die soziale Schere bzw. die Vermögenskluft nicht nachhaltig schließen könne und lediglich ein bestehendes System suboptimal verwalte.
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- Christian Moore (Author), 2021, Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE). Ausarbeitung und Implementierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1449504