An jedem Freitag nach Feierabend schlägt die Stunde der Fernbeziehungen. Dann starten Tausende zur Rushhour in Sachen Liebe – eine Odyssee zum geliebten Partner auf Distanz. Experten schätzen, dass jede achte Liebe heutzutage eine Fernliebe ist. Ein Grund dafür ist die Berufswelt, die vom Einzelnen immer mehr Mobilität fordert. Schnell passiert es dann, dass zwischen zwei Herzen plötzlich Hunderte von Kilometern liegen und für persönliche Gespräche, die Kinder oder Sex oft nur noch ein paar wenige Stunden bleiben.
Räumlich getrennt - Seelisch vereint
Die berufliche Mobilität der heutigen Welt drängt immer mehr Paare und auch Familien in die Lebensform einer Wochenendbeziehung. Umstrukturierungen auf dem Arbeitsmarkt, sowie steigende Berufsqualifikationen und wachsende Arbeitslosenzahlen erhöhen den Druck auf die einzelnen Arbeitnehmer, sich den daraus resultierenden Herausforderungen zu stellen. Historisch ist das Phänomen der Wochenend- oder Fernbeziehung nicht neu, allerdings fiel das Los dieser Lebensform früher überwiegend in die Berufsgruppen der Soldaten oder Seemänner. In der heutigen Zeit betrifft es allmählich alle Schichten und Berufsgruppen – Monteure, ManagerInnen, Studierende, Arbeitssuchende bilden die Avantgarde einer stillen „Revolution“. Um demzufolge die gesamte Bandbreite der Bildungs- und Berufschancen auszunutzen, stellen feste menschliche Bindungen gelegentlich sogar Hindernisse dar. Rainer Jung beschreibt den „Erfolgsmensch des ausgehenden 20. Jahrhunderts“ nicht nur als „jung und flexibel“, sondern auch als „alleinstehend – zumindest an den Werktagen“. Univ.-Prof. Dr. Norbert F. Schneider charakterisiert den mobilen Menschen als flexible, ungebundene und leistungsstarke Leitfigur der Moderne. Etwa 1,8 Millionen Ehepaare und zahllose Liebespaare pendeln mittlerweile zwischen Städten und auch Ländern, um zu ihren Lebensgefährten zu kommen, weil die Arbeit oder das Studium es verlangt. Die Konfrontation mit einer auswärtigen Beschäftigung eines Partners lässt nicht viele Möglichkeiten einer Reaktion offen. Wird die erforderliche Mobilität zurückgewiesen, können berufliche Sanktionen in Form von Verzicht auf berufliche Karriere oder sogar Arbeitslosigkeit die Folge sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Essay über das Phänomen der Wochenendbeziehungen
2. Chancen und Risiken einer beruflich motivierten Fernliebe
2.1 Räumlich getrennt - Seelisch vereint
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der beruflich motivierten Wochenendbeziehung als moderne Lebensform, beleuchtet die damit verbundenen Herausforderungen für die Partner und analysiert sowohl die belastenden Faktoren als auch die Chancen für die Beziehungsqualität.
- Soziologische Einordnung der beruflich bedingten Mobilität.
- Klassifizierung verschiedener Formen von Fernbeziehungen und Fernpendlern.
- Analyse physischer und psychischer Belastungsfaktoren im Alltag.
- Untersuchung von Autonomie und Qualität der Beziehungsgestaltung.
Auszug aus dem Buch
Räumlich getrennt - Seelisch vereint
Die berufliche Mobilität der heutigen Welt drängt immer mehr Paare und auch Familien in die Lebensform einer Wochenendbeziehung. Umstrukturierungen auf dem Arbeitsmarkt, sowie steigende Berufsqualifikationen und wachsende Arbeitslosenzahlen erhöhen den Druck auf die einzelnen Arbeitnehmer, sich den daraus resultierenden Herausforderungen zu stellen. Historisch ist das Phänomen der Wochenend- oder Fernbeziehung nicht neu, allerdings fiel das Los dieser Lebensform früher überwiegend in die Berufsgruppen der Soldaten oder Seemänner. In der heutigen Zeit betrifft es allmählich alle Schichten und Berufsgruppen – Monteure, ManagerInnen, Studierende, Arbeitssuchende bilden die Avantgarde einer stillen „Revolution“.
Um demzufolge die gesamte Bandbreite der Bildungs- und Berufschancen auszunutzen, stellen feste menschliche Bindungen gelegentlich sogar Hindernisse dar. Rainer Jung beschreibt den „Erfolgsmensch des ausgehenden 20. Jahrhunderts“ nicht nur als „jung und flexibel“, sondern auch als „alleinstehend – zumindest an den Werktagen“. Univ.-Prof. Dr. Norbert F. Schneider charakterisiert den mobilen Menschen als flexible, ungebundene und leistungsstarke Leitfigur der Moderne. Etwa 1,8 Millionen Ehepaare und zahllose Liebespaare pendeln mittlerweile zwischen Städten und auch Ländern, um zu ihren Lebensgefährten zu kommen, weil die Arbeit oder das Studium es verlangt.
Zusammenfassung der Kapitel
Essay über das Phänomen der Wochenendbeziehungen: Einleitung in die Thematik der zunehmenden Fernbeziehungen in einer mobilitätsfordernden Arbeitswelt.
Chancen und Risiken einer beruflich motivierten Fernliebe: Detaillierte Darstellung soziologischer Hintergründe, Klassifizierung der Mobilitätsformen sowie Abwägung der psychischen Belastungen gegenüber den Vorteilen individueller Autonomie.
Schlüsselwörter
Wochenendbeziehung, Fernliebe, berufliche Mobilität, Arbeitsmarkt, Pendler, Flexibilität, Lebensform, Partnerschaft, Distanz, Autonomie, Beziehungsqualität, Fernpendler, Globalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Zunahme von Fernbeziehungen als direkte Konsequenz der steigenden Anforderungen an berufliche Mobilität in der modernen Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die verschiedenen Typen der Fernbeziehung, der sozioökonomische Druck auf den Einzelnen sowie die Auswirkungen dieser Lebensform auf die psychische Gesundheit und die Paardynamik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die ambivalenten Aspekte – also die Risiken (wie Zeitmangel und Entfremdung) und die Chancen (wie bewusste Beziehungsgestaltung) – einer beruflich bedingten Fernbeziehung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine essayistische Auseinandersetzung, die auf einer Auswertung soziologischer Literatur und statistischer Daten zur Mobilität basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die soziologische Einordnung der modernen Fernbeziehung, die Definition von fünf klassischen Mobilitätstypen sowie eine kritische Analyse der emotionalen und organisatorischen Belastungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie berufliche Mobilität, Fernbeziehung, Flexibilität, Autonomie und Beziehungsqualität charakterisiert.
Welche fünf Formen von Mobilität werden unterschieden?
Die Arbeit identifiziert Fernpendler, Umzugsmobile, Wochenendpendler (Shuttles), Varimobile und Partner in "Living Apart Together" (LATs) als fünf klassische Formen der neuen Lebensweisen.
Warum wird die Wochenendbeziehung oft als "risikoreich" bezeichnet?
Sie wird als risikoreich eingestuft, da sie ständige Planung, finanzielle Ressourcen, hohe Geduld und die Fähigkeit erfordert, mit der drohenden Entfremdung und Mehrfachbelastungen umzugehen.
Kann die Fernbeziehung auch positive Aspekte haben?
Ja, als Chancen werden die Steigerung der individuellen Autonomie, eine höhere Qualität der Zeit bei Begegnungen und eine geringere Anfälligkeit für routinierte Beziehungsalltagsmüdigkeit genannt.
- Arbeit zitieren
- Betriebspädagogin M.A. Anke Kristin Bojahr (Autor:in), 2003, Chancen und Risiken einer beruflich motivierten Fernliebe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14496