Chancen und Risiken einer beruflich motivierten Fernliebe


Essay, 2003

6 Seiten, Note: unbenotet


Leseprobe

Essay über das Phänomen der Wochenendbeziehungen

Chancen und Risiken einer beruflich motivierten Fernliebe

An jedem Freitag nach Feierabend schlägt die Stunde der Fernbeziehungen. Dann starten Tausende zur Rushhour in Sachen Liebe – eine Odyssee zum geliebten Partner auf Distanz. Experten schätzen, dass jede achte Liebe heutzutage eine Fernliebe ist.[1] Ein Grund dafür ist die Berufswelt, die vom Einzelnen immer mehr Mobilität fordert. Schnell passiert es dann, dass zwischen zwei Herzen plötzlich Hunderte von Kilometern liegen und für persönliche Gespräche, die Kinder oder Sex oft nur noch ein paar wenige Stunden bleiben.

Räumlich getrennt - Seelisch vereint

Die berufliche Mobilität der heutigen Welt drängt immer mehr Paare und auch Familien in die Lebensform einer Wochenendbeziehung. Umstrukturierungen auf dem Arbeitsmarkt, sowie steigende Berufsqualifikationen und wachsende Arbeitslosenzahlen erhöhen den Druck auf die einzelnen Arbeitnehmer, sich den daraus resultierenden Herausforderungen zu stellen. Historisch ist das Phänomen der Wochenend- oder Fernbeziehung nicht neu, allerdings fiel das Los dieser Lebensform früher überwiegend in die Berufsgruppen der Soldaten oder Seemänner. In der heutigen Zeit betrifft es allmählich alle Schichten und Berufsgruppen – Monteure, ManagerInnen, Studierende, Arbeitssuchende bilden die Avantgarde einer stillen „Revolution“. Um demzufolge die gesamte Bandbreite der Bildungs- und Berufschancen auszunutzen, stellen feste menschliche Bindungen gelegentlich sogar Hindernisse dar. Rainer Jung beschreibt den „Erfolgsmensch des ausgehenden 20. Jahrhunderts“ nicht nur als „jung und flexibel“, sondern auch als „alleinstehend – zumindest an den Werktagen“.[2] Univ.-Prof. Dr. Norbert F. Schneider charakterisiert den mobilen Menschen als flexible, ungebundene und leistungsstarke Leitfigur der Moderne. Etwa 1,8 Millionen Ehepaare und zahllose Liebespaare pendeln mittlerweile zwischen Städten und auch Ländern, um zu ihren Lebensgefährten zu kommen, weil die Arbeit oder das Studium es verlangt. Die Konfrontation mit einer auswärtigen Beschäftigung eines Partners lässt nicht viele Möglichkeiten einer Reaktion offen. Wird die erforderliche Mobilität zurückgewiesen, können berufliche Sanktionen in Form von Verzicht auf berufliche Karriere oder sogar Arbeitslosigkeit die Folge sein. Gehen Paare auf die Mobilitätserfordernisse ein, entstehen in der Regel fünf „klassische“ Formen[3] dieser neuen Lebensformen mit signifikanten Merkmalen.

1. Fernpendler nehmen täglich lange Anfahrtswege in Kauf, um einen gemeinsamen Wohnort zu erhalten. Im Durchschnitt sind sie männlich und älter. Sie besitzen einen niedrigen Bildungsabschluss, sind verheiratet und haben Kinder. Durch vorhandenes Wohneigentum sind sie zum größten Teil eng an ihren Wohnort gebunden.
2. Umzugsmobile haben ihren gemeinsamen Haushalt verlagert und eine Fernumzug hinter sich. Sie sind oftmals jung, verheiratet und haben Kinder. Über Wohneigentum verfügen sie nur selten. Die Bildungsabschlüsse sind überwiegend hoch.
3. Wochenendpendler oder Shuttles gründen am Arbeitsort des Partners einen zweiten Haushalt, der nur während der Arbeitszeit auch genutzt wird. Wichtige soziale Kontakte und Wohneigentum bestehen nach wie vor am alten Wohnsitz. Der Durchschnitt ist männlich und im Besitz eines sehr hohen Bildungsabschlusses. Sie sind nicht oft verheiratet, haben kaum Kinder und kein Wohneigentum.
4. Varimobile sind an beruflich wechselnden Orten tätig und sind überwiegend in Hotels untergebracht. Diese varimobile Arbeit ist jedoch vielfach bereits bei der Berufswahl bekannt. Varimobile sind durchschnittlich männlichen Geschlechts und haben Familie. Die Bildung setzt auf einem eher niedrigeren Standard an. Wohneigentum besitzen in der Regel viele.
5. In Fernbeziehungen (Living Apart Together – LATs) existiert kein gemeinsamer Haupthaushalt. Die Partner der LATs sind jung, gut ausgebildet, selten verheiratet und haben wenig Kinder. Wohneigentum hat kaum jemand.

[...]


[1] Vgl. Freymeyer, K., Otzelberger, M., 2000: In der Ferne so nah, Lust und Last der Wochenendbeziehungen, 1.Aufl., Berlin: Christoph Links Verlag

[2] Vgl. Jung, Rainer, 1997: Königskinder auf Achse, Mobil und flexibel – auch in der Liebe? Die Wochenendbeziehung ist voller Tücken und Chancen, In: Das Sonntagsblatt, 7. Februar, Nr. 6/1997 http://www.sonntagsblatt.de/1997/6/6-ku.htm

[3] Vgl. Schneider, Norbert F., Hartmann, Kerstin, Limmer, Ruth, 2001: Berufsmobilität und Lebensform. Sind berufliche Mobilitätserfordernisse in Zeiten der Globalisierung noch mit der Familie vereinbar? Schriftenreihe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
http://www.ifb-bamberg.de/presse/Presse_ifb_berufsmobilitaet.htm

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Chancen und Risiken einer beruflich motivierten Fernliebe
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Soziologisches Institut)
Veranstaltung
Seminar: Familie in der modernen Zeit
Note
unbenotet
Autor
Jahr
2003
Seiten
6
Katalognummer
V14496
ISBN (eBook)
9783638198844
Dateigröße
339 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chancen, Risiken, Fernliebe, Seminar, Familie, Zeit
Arbeit zitieren
Betriebspädagogin M.A. Anke Kristin Bojahr (Autor), 2003, Chancen und Risiken einer beruflich motivierten Fernliebe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14496

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