Die Italienreise der Kurfürstin Sophie von Hannover

Fremdheitserfahrungen einer Fürstin des Barockzeitalters


Seminararbeit, 2004

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Wer war Sophie von Hannover? Biographische Eckdaten im Leben einer Kurfürstin des Barockzeitalters
2. zur Quellenlage: Sophie von Hannovers Memoiren
2.1.1. zur Textgattung
2.1.2. Anteil der Reisebeschreibungen an den Gesamtmemoiren
3. Die Italienreise 1664/65
3.1. Reiseanlass
3.2. Reiseroute- und Strapazen
3.3 Eine ‚Inkognito – Reise’
3.4 Unterkunft
3.5. Kunst und Kultur
3.6. Kuriositäten
3.7. Landschaft, Klima und Gesundheit
3.8. Gesellschaft
3.9. Religion
3.10. Mentalität

III. Zusammenfassung

IV.Literaturangaben
1. Primärquelleneditionen
2. Sekundärliteratur
2.1. Aufsätze
2.2. Monographien

I. Einleitung

In dieser Arbeit soll am Beispiel der Auslandsreise der Herzogin Sophie von Hannover nach Italien 1664/65, das typische Leben einer höhergestellten, aristokratischen Fürstin im absolutistischen Barockzeitalter dargestellt werden.

So möchte ich an einigen Beispielen aus von ihr gemachten Beobachtungen, z.B. die Rolle der Frau unter Berücksichtigung der spezifischen ständischen Bedingungen, dem Umfeld des europäischen Hochadels, näher beleuchtet werden. Hierfür werden unterschiedliche Aspekte wie höfische Zeremonien, das fürstliche Eheverständnis, Erziehung oder machtpolitische Zusammenhänge an der Spitze der absolutistischen Ständegesellschaft untersucht. Hierbei soll auf die damalige Verteilung der Geschlechterrollen im vorgegebenen Kontext, und den damals üblichen, standesbedingten, demonstrativen Konsum von Luxusgütern eingegangen werden.

Unter der besonderen Berücksichtigung, dass es sich bei der Reise um eine Frauenreise handelt, versuche ich die Aspekte zu analysieren, die unter Sophies ganz persönlichem Eindruck als reisende Ehegattin eines absolutistischen Fürsten, als ‚merkwürdig’ festgehalten wurden.

Auf die Reise soll im Gesamtkontext von Sophies Biographie eingegangen werden. Die Auslöser für das schriftliches Festhalten ihrer Erlebnisse in der Fremde sollen begutachtet werden, wobei die der Untersuchung zu Grunde liegenden Quellen näher beurteilt werden sollen.

Auch die rein ‚technischen’ Aspekte wie der im Einzelnen zu nennende Reiseanlass, die Reiseroute, die Wahl der Unterkünfte und ähnliches versuche ich in den Gesamtzusammen-hang mit einfließen zu lassen.

Einleitend soll beschrieben werden, wer Sophie von Hannover überhaupt war, und welche Rolle sie auf dem damaligen ‚internationalen Parkett des europäischen Hofadels’ spielte.

II. Hauptteil

II.1. Wer war Sophie von Hannover? Biographische Eckdaten im Leben einer Kurfürstin des Barockzeitalters

Die am 14.10.1630 in Den Haag geborene Sophie, das zwölfte Kind aus der Ehe zwischen dem pfälzischen Kurfürsten und späteren unglücklichen ‚Winterkönig’ von Böhmen, Friedrich V., und der englischen Königstochter Jakobs I. und Annas von Dänemark, Elisabeth Stuart[1], wuchs nach englischer Tradition von den Eltern getrennt, am ‚Prinzenhof’ im niederländischen Leiden auf.[2]

1641 kehrt sie an den Hof der Mutter nach Den Haag zurück, 1650 folgt sie ihrem Lieblingsbruder Karl Ludwig, der 1648 alten Familienbesitz zurückerhalten hatte und zum Kurfürsten von der Pfalz ernannt wurde, ans Heidelberger Schloss.

1658 wird Sophie mit Herzog Ernst August von Braunschweig - Lüneburg verheiratet.

Ihr erster Sohn, Georg Ludwig wird 1660 (+ 1727) geboren. Es folgen fünf weitere Söhne: Friedrich August (1661 - 1690), Maximilian Wilhelm (1666 - 1726), Karl Phillip (1669 - 1690), Christian Heinrich (1671 - 1703), Ernst August (1674 - 1728) und eine Tochter: Sophie Charlotte (1668 - 1705).[3]

Als ihr Gatte 1662 die Nachfolge des verstorbenen Bischofs von Osnabrück antrat, zog die junge Familie nach Bad Iburg um. Zum Tod des vormaligen Bischofs am 1. Dezember 1661 vermerkt Sophie in ihren Memoiren: „M. le duc recut la nouvelle que l’évéque d’Osnabruc estoit aussi allé en l’autre monde. J’en avois beaucoup de joie, puisque cela me feroit partir d’Hanover et m’éloigneroit de tout embarras.”[4]

In den Jahren 1664 und 1665 findet Sophies Reise nach Italien statt, wohin sie ihrem Gatten über Heidelberg folgt. Über die genaueren Umstände wird in Kapitel 3 zu berichten sein.

1667 wird mit dem Bau des Osnabrücker Schlosses begonnen, wo die Frau Bischöfin sich der Erstellung der dortigen Gartenanlage mit hohem Einsatz widmet.

1679 begibt sich Sophie zusammen mit ihrer Tochter Sophie Charlotte auf Frankreichreise.

Als Ernst August 1680 überraschend von seinem Bruder Johann Friedrich das Herzogtum Braunschweig - Lüneburg erbt, entstehen für Sophie neue Aufgaben: der Ausbau des Schlosses Herrenhausen als Sommerresidenz und die Anfertigung einer immensen Parkanlage mit Gartentheater und Opernhaus.

Tochter Sophie Charlotte heiratet 1684 Friedrich von Brandenburg, den nachmaligen Kurfürsten von Brandenburg (1688) und preußischen König Friedrich I. (1701).

Verliert Sophie in den folgenden Jahren drei ihrer nicht- erbberechtigten Söhne, die alle im Krieg fallen, so stirbt auch ihr Ehemann Ernst August 1698: „von betrübnis kann man nicht sterben, sunsten würde ich schon lange hin sein, dan mein leid hatt schon lange gedauert“ schreibt Sophie der Raugräfin Luise am 2.März 1698.[5]

Doch Sophie ließ sich von allen erlittenen Schicksalsschlägen nicht niederschmettern, und war in ihren letzten Jahren noch maßgeblich an der Vermählung ihrer beiden Enkelkinder Sophie Dorothea und Friedrich Wilhelm, Sophie Charlottes Sohn, und ebenfalls späteren preußischen König, beteiligt.

Blieb die Frage der Erbfolgeregelung im englischen Königshaus lange Zeit offen, so wurde im ‚Act of Settlement’ von 1701 endgültig festgelegt, dass Sophies Nachkommen Anspruch auf den begehrten Thron erhalten sollten. So wurde ihr Sohn Georg Ludwig kurz nach ihrem Tod am 7. Juni 1714 König von Großbritannien als Georg I.[6]

II.2. Zur Quellenlage: Sophie von Hannovers Memoiren

Als Sophie von Hannover im Jahre 1680 ihre Lebenserinnerungen niederschrieb war sie bereits 50 Jahre alt.

Von dieser Zeit kann man bei der späteren Frau Kurfürstin von Hannover getrost von einer Lebenskrise sprechen, hatte sie doch nacheinander innerhalb kürzester Zeit drei ihr Nahe stehende Verwandte verloren: zuerst ihren Schwager Johann Friedrich, der am 21. Dezember 1679 offenbar an den Folgen einer „Kolik“ starb. Da der Bruder Ihres Gemahls Ernst August keinen männlichen Nachfolger hatte, fiel das Herzogtum ihrem Mann zu, und Sophie war zum unfreiwilligen Verlassen ihres geliebten Schlosses Osnabrück gezwungen, in dessen Einrichtung und Planung der Gartenanlage sie viel Mühe gesteckt hatte.[7]

So klagt sie in einem Brief an ihren Bruder, den Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz, vom 7. Juni 1680, über den Verlust der ihr ans Herz gewachsenen Heimat: „Je me plaisois à Osnabruc avec des choses inanimées, auquelles je ne pouvois estre desagreable, comme mon jardin, mes fleurs, ma maison et mes meubles. Je me trouve privé de ce plaisir tout a la foys, car on ne peut se promener icy sans carosse.“[8]

Am 21. Februar 1680 starb schließlich ihre Schwester Elisabeth, die 62 - jährige Fürstäbtissin des Klosters Herford, nach schwerer Krankheit.

Hatte ihre Tochter Sophie Charlotte - ein neuerlicher Schock für Sophie - gerade die lebensgefährliche Pockenkrankheit folgenfrei überstanden, ereilte sie ein weiterer Schicksalsschlag: der Tod ihres verehrten Bruders Karl Ludwig am 28. August 1680, der überraschend einen Schlaganfall erlitten hatte.[9]

In dieser bedrückenden Lebensphase, in der ihr Gatte Ernst August auch keine große Hilfe war, da er selbst an Depressionen litt, sich zudem hauptsächlich mit seiner Maitresse und somit Sophies Konkurrentin Klara Elisabeth von Platen beschäftigte und schließlich eine weitere seiner häufigen Vergnügungsreisen nach Italien unternahm und Sophie somit ihrem Schmerz und ihrer Trauer selbst überließ, freundete sie sich mit dem Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz an.[10]

[...]


[1] Zur Pfälzer Kurfürstenfamilie: Vgl. Feuerstein – Prasser, Karin: Sophie von Hannover. Regensburg 2004.

S. 10, 14 - 29

[2] Zu Sophies Jugendjahren: Vgl. Feuerstein – Prasser, S. 30 - 61

[3] Stammtafel entnommen: Knoop, Mathilde: Kurfürstin Sophie von Hannover. Hildesheim 1969. Innenseite Rückumschlag.

[4] Köcher, Adolf (Hg.): Memoiren der Herzogin Sophie von Hannover. Leipzig 1879. S. 70. Lt. Feuerstein –Prasser steht hier nicht die Freude über das Ableben des Bischofs, sondern vielmehr über das Verlassen des ungeliebten Hannover im Vordergrund, Vgl. Ebd., S.91 ff.

[5] Bodemann, E. (Hg.): Briefe der Kurfürstin Sophie von Hannover an die Raugräfinnen und Raugrafen zu Pfalz. (Publik. aus den. Königlichen. Preußischen. Staatsarchiven Bd. 37, 1888), S. ?

[6] Vgl. Feuerstein – Prasser, S.218 - 243

[7] Vgl. Feuerstein – Prasser, S. 156 - 159

[8] Bodemann, Eduard: Briefwechsel der Herzogin Sophie von Hannover mit ihrem Bruder, dem Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz, und des Letzteren mit seiner Schwägerin, der Pfalzgräfin Anna. Leipzig 1885. S. 421

[9] Vgl. Feuerstein – Prasser, S. 157 - 158

[10] Ebd., S. 160

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Italienreise der Kurfürstin Sophie von Hannover
Untertitel
Fremdheitserfahrungen einer Fürstin des Barockzeitalters
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar B: Reisen in der Frühen Neuzeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V144968
ISBN (eBook)
9783640541096
ISBN (Buch)
9783640541447
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Italienreise, Kurfürstin, Sophie, Hannover, Fremdheitserfahrungen, Fürstin, Barockzeitalters
Arbeit zitieren
Ulrich Ackermann (Autor), 2004, Die Italienreise der Kurfürstin Sophie von Hannover, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144968

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