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Lessings Trauerspiel "Miß Sara Sampson". Rollenverteilungen von Opfer und Täter

Titel: Lessings Trauerspiel "Miß Sara Sampson". Rollenverteilungen von Opfer und Täter

Hausarbeit , 2021 , 18 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Hausarbeit behandelt die folgenden Fragestellungen: Inwiefern lässt sich die Lesart, Marwood sei eine rücksichtslose Täterin mit niederer Agenda (Femme fatale), in Zweifel ziehen? Und inwieweit teilen Protagonistin Sara Sampson und die vermeintliche Femme fatale dasselbe Schicksal?

Aus Liebe zu einem Mann namens Mellefont geht Marwood Wege, die sie in einem Licht stehen lassen, das alles andere als von Tugend und Ehrbarkeit umgeben ist und sie von einer Geschädigten zur Schadenanrichtenden macht. Marwood und auch Sara Sampson sind Frauenfiguren, die dem Motiv der verführten Unschuld verfallen, das in Lessings Stück "Miß Sara Sampson" zu finden ist. Verführt von Mellefont erwartet die beiden ein Schicksal, das sich in gleichen Teilen unterscheidet und ähnelt.

Um die Fragestellungen zu beantworten, wird zu Beginn ein Einblick in die Allgemeinheiten zu Lessings Trauerspielen gegeben und herausgestellt, welche Textpassagen Leser überhaupt Anlass geben, bei der Täterfigur in die Richtung der Marwood zu denken. Im Hauptteil werden die Aspekte aufgezeigt, die Marwood in das Licht einer Femme fatale rücken, folgend von den Beziehungen, in die Mellefont verwickelt ist und welchen Einfluss er auf die beiden, einst unschuldigen und tugendhaften Frauen, nimmt; welche Eigenschaften er an sich hat, welche Entwicklung er in dem Stück durchlebt und eine Einordnung in gut oder böse. ,"Denn die Charaktere fallen fast stets unter einer dieser beiden Kategorien; alle Menschen unterscheiden sich nämlich, was ihren Charakter betrifft, durch Schlechtigkeit und Güte". Die Figur von der sich Marwood möglicherweise nicht weiter unterscheiden könnte, Sara Sampson, wird anschließend beleuchtet und mit dem Typus der Femme fragile in Bezug gesetzt, um schlussendlich die Frauenfiguren zu vergleichen und ein Fazit aus dem Herausgearbeiteten zu ziehen. Abschließend soll zu erkennen sein, welcher Akteur in diesem Trauerspiel Lessings die Zuweisung eines Täters oder einer Täterin zu Teil wird.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das bürgerliche Trauerspiel und die Wahrnehmung von Leser*innen

3 Wie Marwood passend für die Schublade der Femme fatale gemacht wurde

3.1 Marwoods Darstellung als Femme fatale

3.2 Mellefonts Pensum an Mitschuld

3.3 Die Femme fragile Sara Sampson

3.4 Marwood & Sara – Zwei Schicksalsschwestern?

4 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Rollenkonzepte von Marwood und Sara Sampson in Lessings Trauerspiel "Miß Sara Sampson", mit einem besonderen Fokus auf deren Kategorisierung durch männliche Charaktere, insbesondere Mellefont, sowie die psychologischen Auswirkungen dieser Zuschreibungen auf die Identitätsbildung der Frauen.

  • Analyse der Charaktereigenschaften von Marwood als potentielle Femme fatale.
  • Untersuchung der psychologischen Dynamik und Schuldverteilung im Beziehungsdreieck.
  • Kontrastierung von "Femme fatale" und "Femme fragile" als männliche Projektionsflächen.
  • Beleuchtung der verzerrten Selbstwahrnehmung der weiblichen Figuren durch äußere Fremdbestimmung.

Auszug aus dem Buch

3.1 Marwoods Darstellung als Femme fatale

„Marwood: [...] Er setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen (to mar, ‚schädigen‘ und would) und beschreibt die Eigenschaften seiner Trägerin überdeutlich: Marwood ist ‚die Schadenbringende‘. Leser*innen assoziieren mit Lessings Frauenfigur Marwood von Beginn des Trauerspiels an Negatives. Das Erste was in einem Dialog zu ihr gesagt wird, ist die Beschuldigung eine ‚Mörderin‘ zu sein (V. 7), dass sie ‚nicht ohne Abscheu‘ anzusehen (V. 5), eine ‚Schlange‘ (V. 24) und eine ‚Schande ihres Geschlechts‘ (V. 20f.) sei: Sie gilt somit schon vor ihrem ersten Auftritt als Femme fatale. Wie in den Aspekten des bürgerlichen Trauerspiels das Motiv der ‚schönen Leiche‘ schon angerissen wurde, ist jenes deshalb so anziehend, da die Sterblichkeit des männlichen Geschlechts der gegensätzlichen Frau zugeschrieben wird, die ihm – und möglicherweise Weiteren – den Tod bringt. Diese andere Frau ist ‚[...] ‚Schoß-Grab-Heimat‘ [...] auf ambivalente Weise ein Ort des Todes. Es ist jener Ort, dem Leben als Antithese zum Tod hervorgeht, wie es auch jener Ort, der die tödliche Einschrift des Körpers bei der Geburt erzeugt [...]‘. Mit dieser Bezeichnung drückt Schößler aus, dass sowohl Mütter und Geliebte als bildhafte Darstellung der Sterblichkeit eines Mannes fungieren; sie seien somit deren geregeltes Fatum. Aber wie genau sieht das Stereotyp einer Femme fatale eigentlich aus?

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die zentralen Frauenfiguren des Stücks, Marwood und Sara Sampson, vor und führt in die Fragestellung ein, inwiefern sie durch gesellschaftliche Zuschreibungen in spezifische Rollenmuster gedrängt werden.

2 Das bürgerliche Trauerspiel und die Wahrnehmung von Leser*innen: In diesem Kapitel wird erläutert, wie Lessing durch die Fokussierung auf den Privatbereich innerhalb des Trauerspiels moralische Konflikte und Tugendbegriffe verhandelt, welche die Wahrnehmung der Figuren durch das Publikum maßgeblich steuern.

3 Wie Marwood passend für die Schublade der Femme fatale gemacht wurde: Dieses Kapitel widmet sich der systematischen Zuschreibung von Eigenschaften, die Marwood als Femme fatale klassifizieren, und untersucht dabei die Kontraste zu Mellefont und Sara Sampson.

3.1 Marwoods Darstellung als Femme fatale: Es wird analysiert, wie Marwood durch negative Attribute, die ihr bereits vor ihrem ersten Auftritt beigelegt werden, als Verkörperung des Männlichen Verderbens konstruiert wird.

3.2 Mellefonts Pensum an Mitschuld: Der Fokus liegt hier auf Mellefonts manipulativer Rolle und seiner Unfähigkeit, Verantwortung für sein Handeln bzw. für die Situation der von ihm verführten Frauen zu übernehmen.

3.3 Die Femme fragile Sara Sampson: Kapitel 3.3 beschreibt Sara Sampson als Gegenentwurf zur Femme fatale, wobei ihre Zerbrechlichkeit und ihr Leiden als konstitutive Merkmale der "Femme fragile" herausgearbeitet werden.

3.4 Marwood & Sara – Zwei Schicksalsschwestern?: Das letzte Unterkapitel vergleicht die Parallelen im Schicksal beider Frauen und stellt die Frage, inwiefern beide trotz gegensätzlicher Typisierung letztlich Opfer ähnlicher männlicher Machtstrukturen werden.

4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Konstruktion der Figuren als "gut" oder "böse" eine Konstruktion der männlichen Protagonisten ist, an der besonders Marwood unverschuldet zerbricht.

Schlüsselwörter

Miß Sara Sampson, Gotthold Ephraim Lessing, Femme fatale, Femme fragile, Marwood, Mellefont, Sara Sampson, bürgerliches Trauerspiel, Schuld, Tugend, Gender-Rollen, Literaturanalyse, Fremdbestimmung, Identitätskrise, Schuldzuweisung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Charakterisierung der Frauenfiguren in Gotthold Ephraim Lessings Trauerspiel "Miß Sara Sampson" und beleuchtet dabei, wie diese durch männliche Fremdzuschreibungen in Rollen wie die der "Femme fatale" oder "Femme fragile" gezwungen werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen Geschlechterrollen im 18. Jahrhundert, moralische Zuschreibungen, Schuld und Verantwortung innerhalb von Liebesbeziehungen sowie die literaturtheoretische Betrachtung von Figurentypen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es zu untersuchen, inwiefern Marwood durch Mellefont und andere Figuren gezielt in die Rolle der "bösen" Femme fatale gedrängt wird und wie sich im Vergleich dazu Sara Sampson als "Femme fragile" innerhalb derselben patriarchalischen Strukturen verortet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Verwendet wird eine textnahe literaturwissenschaftliche Analyse, die den Originaltext von Lessing sowie relevante Sekundärliteratur zur Interpretation heranzieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Konstruktion der beiden Frauenfiguren durch ihre Umwelt, die Manipulation durch Mellefont sowie das in Kapitel 3.4 thematisierte Vergleichsszenario, ob die Frauen trotz ihrer Unterschiede zu "Schicksalsschwestern" werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen Femme fatale, Femme fragile, Schuld, Tugend, Lessing, sowie Identitätskonstruktion und Geschlechterdynamik.

Welchen Einfluss hat Mellefont auf die Wahrnehmung der Frauenfiguren?

Mellefont dient als Katalysator, der durch seine unentschlossene Art und manipulatives Verhalten Marwood als "Schadenbringerin" abwertet und Sara in eine Rolle drängt, die sie mit ihrer Tugenden nicht in Einklang bringen kann.

Wie unterscheidet sich die "Femme fragile" von der "Femme fatale" in diesem Stück?

Während die "Femme fatale" (Marwood) durch aktive Erotik und Aggressivität als Bedrohung wahrgenommen wird, zeichnet sich die "Femme fragile" (Sara) durch Passivität, Zerbrechlichkeit und ihre Rolle als moralisches "Opfer" aus.

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Details

Titel
Lessings Trauerspiel "Miß Sara Sampson". Rollenverteilungen von Opfer und Täter
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Deutsches Seminar)
Veranstaltung
Lessing
Note
1,7
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
18
Katalognummer
V1449971
ISBN (PDF)
9783963559310
ISBN (Buch)
9783963559327
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rollenanalyse Rollenverteilung Opfer Täter Lessing Trauerspiel Miß Sara Sampson Sara Sampson Marwood Mellefont Schicksalsvergleich Femme fragile Femme fatale Germanistik Deutsch Deutschunterricht Schule Literatur Theater
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2021, Lessings Trauerspiel "Miß Sara Sampson". Rollenverteilungen von Opfer und Täter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1449971
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Leseprobe aus  18  Seiten
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