Die Grounded Theory-Methodologie dient als Überbegriff für einen Kanon an Methoden der qualitativen Sozialforschung zur Konstruktion von Theorie. Dieser Artikel beleuchtet die Hauptströmungen der Methodologie und deren Vertreter, von Barney GLASER und Anselm STRAUSS über Juliet CORBIN bis Kathy CHARMAZ. Neben der Darstellung der theoretischen und epistemologischen Unterschiede wird zudem ein Überblick über verschiedene Ansätze der praktischen Umsetzungen der Grounded Theory gegeben - vom Kodieren, dem Verfassen von Memos bis zur Theorieentwicklung und der Qualitätssicherung.
Inhaltsverzeichnis
1. Grounded Theory-Methodologie – Einführung in Theorie und Praxis
2. Flexibilität: Qualitative vs. Quantitative Daten, Forschungsfrage und Vorwissen
3. Die Kodierpraxis
4. Theorieentwicklung: Vom ständigen Vergleich zur theoretischen Sättigung
5. Das Verfassen von Memos – ein Grundpfeiler der Theoriegenerierung
6. Qualitätskriterien neu definieren
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit bietet eine fundierte Einführung in die theoretischen Grundlagen und die praktische Anwendung der Grounded-Theory-Methodologie. Dabei wird das Ziel verfolgt, den Forschungsprozess von der Datenerhebung über die verschiedenen Kodierverfahren bis hin zur Theoriebildung und den Qualitätsanforderungen systematisch darzustellen.
- Grundprinzipien der Grounded Theory nach Glaser, Strauss und Charmaz
- Methoden der Kodierung: Offenes, axiales und selektives Kodieren
- Bedeutung des ständigen Vergleichs und theoretischen Samplings
- Rolle von Memos als Analyseinstrumente
- Diskussion wissenschaftlicher Qualitätskriterien in der qualitativen Forschung
Auszug aus dem Buch
Die Kodierpraxis
GLASER und STRAUSS (1967) schlugen mit der Grounded Theory-Methodologie eine „analytische Triade“ (LUEGER 2010: 221) des zeitgleichen Erhebens der Daten, deren Kodierens und der Analyse vor. Es entwickelten sich vielfältige Methoden zur Praxis des Kodierens. Bei STRAUSS und CORBIN (1996: 39) bedeutet Kodieren die Vorgehensweise, „durch die die Daten aufgebrochen, konzeptualisiert und auf neue Art zusammengesetzt werden. Es ist der zentrale Prozess, durch den aus den Daten Theorien entwickelt werden.“ Sie unterscheiden drei Arten des Kodierens, wobei die Grenzen nicht genau auszumachen sind:
1) Das offene Kodieren: Jedem Phänomen in den Daten – bei einem Interview etwa Zeile-für Zeile, pro Abschnitt oder hinsichtlich eines ganzen Dokumentes – wird eine Bezeichnung (Kode) gegeben, sodann die Daten mit anderen Daten auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede verglichen. Wenn ähnliche Phänomene dieselben Bezeichnungen erhalten haben, entstehen Konzepte, die wiederum zu Kategorien werden, sobald sie gruppiert worden sind. Diese Kategorien unterfüttert der Forscher im Laufe der Kodierarbeit mit Daten; er erarbeitet deren dimensionalisierbaren Eigenschaften.
2) Das axiale Kodieren: Auf Basis der Eigenschaften einer Kategorie wird die Beziehung zwischen ihr und ihren Subkategorien entwickelt. STRAUSS und CORBIN schlagen dazu das „paradigmatische Modell“ vor. Das „Phänomen“, auf das sich die Kategorie bezieht, steht im Mittelpunkt. Dazu stellt der Forscher Überlegungen zu den möglichen Subkategorien an:
Zusammenfassung der Kapitel
Grounded Theory-Methodologie – Einführung in Theorie und Praxis: Dieser Abschnitt erläutert die historische Entstehung und die Grundpfeiler der Methodologie nach Glaser und Strauss.
Flexibilität: Qualitative vs. Quantitative Daten, Forschungsfrage und Vorwissen: Das Kapitel diskutiert den Umgang mit verschiedenen Datenarten sowie die Herausforderungen von Vorwissen und Fachliteratur im Forschungsprozess.
Die Kodierpraxis: Hier werden die zentralen Kodierverfahren – offen, axial und selektiv – sowie deren unterschiedliche theoretische Auslegungen detailliert beschrieben.
Theorieentwicklung: Vom ständigen Vergleich zur theoretischen Sättigung: Dieses Kapitel behandelt den induktiven Prozess der Theoriegenerierung und die Bedeutung der theoretischen Sättigung für die Qualität der Ergebnisse.
Das Verfassen von Memos – ein Grundpfeiler der Theoriegenerierung: Der Text verdeutlicht die Funktion von Memos als notwendige Analyseprotokolle zur Dokumentation und Reflexion des Forschungsprozesses.
Qualitätskriterien neu definieren: Zum Abschluss werden alternative Maßstäbe zur Beurteilung qualitativer Studien im Gegensatz zu quantitativen Parametern erörtert.
Schlüsselwörter
Grounded Theory, Qualitative Forschung, Theoriegenerierung, Kodierpraxis, Offenes Kodieren, Axiales Kodieren, Selektives Kodieren, Theoretisches Sampling, Theoretische Sättigung, Ständiger Vergleich, Memos, Konstruktivismus, Sozialforschung, Analyse, Paradigmatisches Modell
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine umfassende methodologische Einführung in die Grounded Theory, von ihren Ursprüngen bis hin zu spezifischen praktischen Arbeitsschritten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Prinzipien der Datenanalyse, den verschiedenen Kodiertechniken, dem theoretischen Sampling und der Qualitätssicherung in der qualitativen Forschung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Forschenden das Handwerkszeug der Grounded Theory zu vermitteln, um aus qualitativen Daten empirisch begründete Theorien zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es wird die Methodik der Grounded Theory angewandt, die durch induktive Prozesse und den ständigen Vergleich von Daten gekennzeichnet ist.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Kodierpraxis, die Theorieentwicklung mittels Sättigung, das Verfassen von Memos und die Reflexion von Qualitätskriterien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Grounded Theory, Kodieren, Theoretische Sättigung, Memos und der ständige Vergleich.
Wie unterscheidet sich das offene vom axialen Kodieren?
Während beim offenen Kodieren Phänomene benannt und in Konzepte überführt werden, befasst sich das axiale Kodieren mit der Verknüpfung von Kategorien und deren Subkategorien mittels eines Kodierparadigmas.
Warum sind Memos für die Theoriegenerierung unverzichtbar?
Memos dienen als schriftliche Analyseprotokolle, die den Forscher dabei unterstützen, den Überblick zu behalten, induktives und deduktives Denken zu verbinden und den Fortgang der Forschung zu steuern.
- Arbeit zitieren
- Diana Klein (Autor:in), 2010, Die Grounded Theory-Methodologie - Einführung in Theorie und Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145004