Johannes der Täufer und die Taufe Jesu Christi


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Überblick über das Leben und Wirken des Johannes
a) Geburt und Kindheit
b) Zeit und Ort des Auftretens
c) Das öffentliche Wirken
d) Gefangennahme und Tod des Täufers

3. Die Johannestaufe

4. Die Taufe Jesu Christi

5. Überlegungen zum Verhältnis der beiden Gottesmänner

6. Die Darstellung des Johannes
a) in der frühen Kirche
b) heute
c) in der Ikonographie

7. Fazit

Literatur
Bildnachweise

1. Einleitung

„Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Joh. 3, 30)

Diese Worte Johannes des Täufers zeigen, dass er sich, oder zumindest die Evangelisten ihn als Vorläufer Jesu sahen. Die Geschichte Jesu beginnt in allen Evangelien mit der Geschichte des Johannes. Daran lässt sich leicht erkennen in welch engem Verhältnis die beiden Männer, zumindest nach der Aussage der Evangelien, standen.

Johannes kommen im Neuen Testament einige Aufgaben zu. Zum einen ist der Wegbereiter Jesu, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat:

„Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg und macht eben seine Steige.“ (Mt 3,3)

Er bereitet die Menschen auf Jesus vor, fordert sie zur Umkehr auf und tauft sie zum Zeichen der Umkehr. Dabei lässt er keinen Zweifel daran, dass er nicht der Messias ist:

„Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennt. Der wird nach mir kommen, und ich bin nicht wert, dass ich seine Schuhriemen löse.“ (Joh 1,26+27)

Johannes bleibt hierbei stets der Mann im Hintergrund, der sich durch sein Bild vom „Freund des Bräutigams“ (Joh 3. 28-30) ganz dicht zu Jesus stellt, jedoch nur neben ihm steht. Dies drückt gleichzeitig die enge Verbindung zu den Menschen, die er hier die Braut nennt, aus. Ihnen steht er gegenüber und für sie macht er Jesus transparent. Sobald seine Aufgabe, nämlich Jesus den Weg zu bereiten, erfüllt ist, tritt er zurück und lässt Jesus seine Sendung zu verwirklichen.

Seinen Ruf zur Umkehr fasst er in ein Gerichtsbild, das dem Menschen ein eindeutiges Zeichen und eine eindeutige Entscheidung abverlangt. Als Zeichen dieser Umkehr setzt Johannes die Taufe. Dieser Taufe unterzog sich auch Jesus Christus.

Diese Arbeit konzentriert sich vorwiegend auf Johannes in seiner Funktion als der Täufer Jesu und soll darüber hinaus die Bedeutung der Johannestaufe darstellen.

Nicht nur die Evangelisten, sondern auch die frühen Christen sahen es als theologisch und dogmatisch kritisch, Jesus Christus mit der Taufe und der damit einhergehenden Sündenvergebung in Verbindung zu sehen.

Drückt der Taufvorgang nicht ein theologisches Missverhältnis zwischen dem Gottessohn und dem Täufer aus?

Die vorliegende Arbeit versucht unter Anderem eine Antwort auf diese Frage zu finden.

2. Überblick über das Leben und Wirken des Johannes

Als Quellen, die Aufschluss über die historische Gestalt Johannes’ des Täufers geben können, steht neben den neutestamentlichen Schriften (Mk, Mt, Lk, Joh und Apg) noch ein Absatz des jüdisch-römischen Geschichtsschreibers Flavius Josephus zur Verfügung (Ant XVIII 5,2). Bei dem Versuch einer Rekonstruktion der geschichtlichen Person und Ereignisse muss beachtet werden, dass diese Quellen jeweils eigenen Tendenzen folgen: In der Darstellung des Markus erscheint Johannes beispielsweise als Vorläufer und Wegbereiter Jesu (s. Mk 1,2-15). In der Logienquelle hingegen überwiegen wort- und bildgewaltige Drohpredigten, die das nahe Gottesgericht verkünden (s. Mt 3,7-10 par Lk 3,7-9; Mt 3,11f par Lk 3,16f). Johannes ist hier vor allem Bußprediger. Im Johannesevangelium hat der Täufer hauptsächlich die Funktion des Zeugen für Jesus (s. Joh 1,7.8.15.19.32.34).

a) Geburt und Kindheit

Von geringem historischen Gewicht dürften die Erzählungen über die Geburt und Kindheit des Täufers in Lk 1-2 sein. Hier handelt es sich um Personallegenden aus dem Kreis der Täuferverehrer, die die spätere Bedeutung des Täufers schon auf die Ereignisse um die Geburt und Kindheit des Johannes übertragen und mithilfe alttestamentlicher Motive ausmalend veranschaulichen wollen.[1] Doch sind auch diese Texte für eine historische Rekonstruktion keineswegs unergiebig. Wahrscheinlich stammt Johannes aus priesterlichem Geschlecht: Nach Darstellung im Lukasevangelium war Johannes der Sohn des Priesters Zacharias aus der Priesterklasse Abija und der Elisabeth aus dem Geschlecht Aarons (Lk 1,5). Da die Priesterklasse Abija nicht gerade die bedeutendste der 24 Priesterklassen war, könnte es sich durchaus um eine zuverlässige Angabe handeln. Geboren wurde Johannes nach Lk 1,5 „zur Zeit des Herodes, des Königs von Judäa“; dieser regierte von 38 v. Chr. bis 5 v. Chr. In Lk 1,39 erfährt der Leser als Wohnort der Elisabeth: „eine Stadt im Bergland von Judäa“. Schon diese unpräzise gehaltenen Angaben weisen auf das geringe historische Interesse des Verfassers hin, dem wesentlich an einer Aussage auf der theologischen Bedeutungsebene gelegen ist.

b) Zeit und Ort des Auftretens

Nach Angaben in Lk beginnt das Auftreten des Johannes „im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius“ (Lk 3,1), was auf die Jahre 27-29 n. Chr. verweist. Die Unschärfe der Datierung resultiert aus der Unsicherheit, ob der Autor sich auf die im Orient gebräuchliche syrische oder die römische Zeitrechnung bezieht.[2]

Die biblischen Ortsangaben geben einen widersprüchlichen Befund über den Ort des Auftretens des Täufers: in der Wüste am Jordan (Mk 1,3-5); in der Wüste von Judäa (Mt 3,1); Betanien, jenseits des Jordans (Joh 1,28; 10,40); in Änon bei Salim (Joh 3,23). Reisegruppen wird in heutiger Zeit sowohl auf der israelischen wie auch auf der jordanischen Seite des Jordans die „authentische“ Taufstelle präsentiert. Die besseren Argumente dürfte aber die jordanische Ostseite für sich beanspruchen. Nur dort, im Peräa der Bibel, hatte Herodes Antipas das Recht, den Täufer gefangen zu setzen (s. Mk 6,17-29; Jos Ant XVIII 5,2).

c) Das öffentliche Wirken

Etwa um das Jahr 29/30 n. Chr. begann Johannes der Täufer sein öffentliches Wirken. Sein Hauptwirkungsgebiet war im damaligen Peräa auf der anderen Seite des Jordans gegenüber von Jericho. Er predigte im Stil der alten Propheten und taufte. Johannes rief zur Umkehr auf und kündigte das unmittelbare Kommen Gottes oder des Messias zum endzeitlichen Gericht an (vgl. Mt 3,7.10.12; Lk 3,7.9.17). Damit gilt er im Christentum als Vorbereiter und Ebner der Wege der unmittelbar bevorstehenden Ankunft des Messias. Die Anhängerschaft von Johannes war zahlreich und viele Menschen hielten ihn für einen Propheten. In der späteren Geschichte findet man sie unter dem Namen Mandäer wieder.

Auch Soldaten suchten Johannes den Täufer auf und fragten: Und wir, was sollen wir tun? Johannes gab ihnen den Rat: Tut niemandem Gewalt an, erpresst niemanden und begnügt euch mit eurem Sold. Bei diesen Soldaten handelte es sich um jüdische Volksangehörige. Sie standen im Dienste der Herodesdynastie. Viele dieser Soldaten wurden Anhänger von Johannes dem Täufer.

[...]


[1] Vgl. Müller, Ulrich: Johannes der Täufer, Jüdischer Prophet und Wegbereiter Jesu. Leipzig 2002, 13.

[2] Vgl. Ernst, Josef: Das Evangelium nach Lukas, 106f

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Johannes der Täufer und die Taufe Jesu Christi
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Theologie)
Veranstaltung
Schuld - Vergebung - Taufe
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V145008
ISBN (eBook)
9783640531776
ISBN (Buch)
9783640532063
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Johannestaufe, Ikonographie, Verhältnis der Gottesmänner, Gefangennahme und Tod des Täufers, frühe Kirche, Prophet, Jesaja, Schuhriemen, Umkehr, Feuertaufe, Wasser, Freund des Bräutigams, öffentliches Wirken, Messias, Herodes Antipas, Christentum, Nabatäer, Jesus, Christus, Taufe, Charismatiker, Umkerpredigt
Arbeit zitieren
Julia Freund (Autor), 2009, Johannes der Täufer und die Taufe Jesu Christi, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145008

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