Jugendsprache im Kontext der HipHop-Kultur


Seminararbeit, 2009
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Jugendsprache
2.1 Das Forschungsfeld Jugendsprache
2.2 Zwischenbilanz zum aktuellen Forschungstand

3 HipHop
3.1 Die Entstehung des HipHop
3.2 Begriffsklärungen des HipHop
3.2.1 HipHop
3.2.2 Der Rap bzw. das Rappen
3.2.3 Sonstige Begriffe

4 Die Gemeinsamkeiten zwischen HipHop und Jugendsprache
4.1 Identische Elemente
4.2 Anglizismen
4.3 Andere Gemeinsamkeiten

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis:

1 Einleitung

Jugendsprache ist ein viel diskutiertes Feld, weil sie sich unter anderem immer im Spannungsfeld zwischen Sprachbedrohung bzw. Sprachverlust und Spracherneuerung bzw. Sprachkreativität bewegt (s. Androutsopoulos 1997:10). Die Gesellschaft spricht von einer Sprache, die sie nicht mehr verstehen kann, die einen Kulturverfall hervorrufen könnte, die eine Verrohung und Verdummung der Jugend anzeigt und insgesamt als „asozial“ aufgefasst wird. Die Sorgen sind vielfältig und nicht selten überspitzt. Die Suche nach Schuldigen richtet das Hauptaugenmerk auf die Medien und somit auch auf die Darstellung und Rezeption „jugendlicher“ Musikstile in den Medien. Dabei gerät gerade der HipHop immer wieder ins Kreuzfeuer. Denn besonders dieses Genre ist voll von Anglizismen, Gewaltausdrücken und einem Slang, der sich nur denjenigen erschließt, die sich in dieser Szene bewegen. Der HipHop als Musik – Genre weist somit ein hohes Potenzial auf, sprachliche Ausdrucksweisen bestimmter Jugendlicher zu erklären, welche sich mit diesem Musik – Genre identifizieren, also dieser speziellen Mainstreamrichtung angehören.

Im Folgenden soll in der vorliegenden Hausarbeit aufgezeigt werden, welche Gemeinsamkeiten tatsächlich zwischen Jugendsprache und HipHop bestehen und welche Gründe es dafür geben könnte. Zu diesem Zweck werden zunächst die einzelnen relevanten Begriffe definiert, welche sich besonders dazu eignen den HipHop als eigenes Musik – Genre zu verstehen. Zuvor wird ein Forschungsüberblick auf den wissenschaftlichen Diskurs der Jugendsprache geliefert, um dem theoretischen Rahmen der Thematik gerecht zu werden. Ein weiterer Teil der Hausarbeit beschäftigt sich mit zwei Textbeispielen aus HipHopsongs (auch Rapsongs genannt), welche exemplarisch im Hinblick auf ihre Gemeinsamkeiten untersucht werden, bevor in Form eines Fazits die Ergebnisse der Hausarbeit gesammelt werden.

2 Jugendsprache

Jugendsprache ist in der heutigen Gesellschaft ein genauso großes Thema, wie Jugend als Sinnbild für Neues, Schönheit, Lebensfreude und Vitalität. Dementsprechend ist es wichtig, die Kommunikation eben jener Gruppe zu untersuchen, die für viele Bereiche als Vorbild, als das, was man sein möchte, gilt: die Jugend. Dennoch ist Jugend ein ungenauer Begriff: „Ihr Anfang ist einigermaßen klar, doch ihr Umfang variiert je nach individuellen Lebensumständen und kann einschließlich der Postadoleszenz bis zum Ende des dritten Lebensjahrzehnts ausgedehnt werden.“ (Androutsopoulos 2001:56). Im Weiteren soll ein Forschungsüberblick zum Thema Jugendsprache folgen, zum einen um den Begriff der Jugend zu umreißen, zum anderen um den Begriff der Jugendsprache zu klären.

2.1 Das Forschungsfeld Jugendsprache

Die Entdeckung der Jugendsprache als Forschungsfeld begann erst vor knapp 30 Jahren. Die gesellschaftlichen Umstände brachten jugendliche Verhaltensweisen zum Vorschein (sog. „Jugendrevolten“), die das Phänomen Jugend als ein Problem erscheinen ließen (s. Neuland 2008: 1f.). Die Öffentlichkeit sah in der Jugendsprache einen „Sprachverfall bis hin zur Sprachlosigkeit“ (ebd.: 3), obwohl das Auftreten von einer exklusiven Sprache von Jugendlichen nichts Neues war (so zum Beispiel die historische Studentensprache des 19. Jahrhunderts). Das Neue an der aktuellen Jugendsprache war eher die „massenmediale Verbreitung in der Öffentlichkeit“ (ebd.: 5). Diese rückte das Interesse an der Jugendsprache weiter in den Fokus der Gesellschaft und somit auch in den der Sprachforschung. Diese hat zwar in den letzten Jahren theoretische wie empirische Fortschritte erlangt, dennoch bleibt der Begriff weiterhin umstritten (s. Androutsopoulos 2001: 56). Androutsopoulos spricht von zwei „Forschungslagern“: Auf der einen Seite wird Jugendsprache als „Umgangssprache von Jugendlichen“ begriffen, also als „eine altersspezifische Varietät der informellen Kommunikation, deren Besonderheiten vor allem auf der lexikalisch- semantischen Ebene ausgeprägt sind“ (Androutsopoulos 1998: 1). Beispiele dafür sind der „Rückgang von Anredeformeln, neue Grußformeln, solidarisierende Du- Anrede, Enttabuisierung von Wörtern, gruppensymptomatische Neuwörter und Redewendungen (…)“ (ebd.). Auf der anderen Seite werden diese Phänomene als „Kern des Mythos und der Fiktion von der Jugendsprache“ gesehen, die die Kommunikation Jugendlicher als umgangssprachliche Sprechstile auffassen (ebd.). Diese beiden Positionen können aber „als zwei Pole soziolinguistischer Forschung“ (ebd.) betrachtet werden: „den system- und sprecherorientierten Ansatz, die strukturlinguistisch fundierte Beschreibung von Varietäten und die gesprächsanalytisch- ethnografische Beschreibung von Sprechstilen“ (ebd.), die sich ergänzen. Androutsopoulos selbst sieht Jugendsprache „als altersspezifische Teilmenge von Umgangssprache“ und blickt mit einer system- orientierten Perspektive auf Jugendsprache. Dabei geht er davon aus, „dass es eine allgemein gebräuchliche Jugendsprache, aber gleichzeitig regionale, schichten- und gruppenspezifische Variationen gibt“ (ebd.: 3). Gleichzeitig erwähnt er, dass Jugendsprache in der frühen Forschung oft „vortheoretisch und unscharf verwendet wurde und bloß als lexikalisch- phraseologisches Phänomen verstanden wurde“ (Androutsopoulos 2001: 3). Außerdem sei die frühe Forschung stark auf monolinguistische Zusammenhänge konzentriert gewesen und habe das Sprachverhalten von Jugendlichen in Kontaktsituationen außen vor gelassen (ebd.). Androutsopoulos schlägt vor, die Jugendsprache „als Sammelbegriff sprachlich- kommunikative(r) Muster, die in der Jugendphase habituell verwendet und in der Regel auch von der Gemeinschaft als solche anerkannt werden“ (ebd.) zu betrachten. Jugendsprache vergleicht er mit Mediensprache, die für ihn damit „keine homogene Varietät, sondern ein vielschichtiges Feld des Sprachgebrauchs“ (ebd.:4) darstellt. Das Problem liegt in der Tatsache, dass in der Forschung Jugendsprache oft als Varietät[1] begriffen wird, dadurch wird die Zuordnungsgruppe problematisch (ebd.). Denn die Vorstellung einer, der gesamten Altersgruppe gemeinsamen Varietät, ist problematisch, da sie zu viele Feinheiten und spezifische Merkmale einzelner Gruppen außer Acht lässt (ebd.). Zusätzlich wird am Varietätenkonzept kritisiert, dass es „Festigkeit und Einheitlichkeit suggeriert und tatsächlicher Variation nicht gewachsen ist“ (ebd.). Das Stilkonzept dagegen geht davon aus, „dass es auf den sozial situierten Sprachgebrauch einer spezifischen Gruppe fokussiert und auch der gruppeninternen und individuellen Sprachvariation Rechnung trägt“ (ebd.: 4f.).

Bei beiden Konzepten gleich ist die Annahme, „dass Sprechweisen, die als typisch für bestimmte soziale Gruppen (und Situationen) gelten, als Bündel (Sets) von sprachlichen Elementen beschreibbar sind“ (ebd.).

Dass Jugendsprache ein vielschichtiges Gebiet ist, in dem mehrere Positionen aufeinander treffen, zu dem es zahlreiche Untersuchungen mit unterschiedlicher Ziel- und Akzentsetzung gibt, zeigt sich auch in Neulands Arbeiten zum Thema Jugendsprache: Sie teilt die Forschung zum Thema Jugendsprache in verschiedene Forschungsrichtungen ein, die Pragmatik, die Lexiographie, die Ethnographie der Jugendsprache, Sprechstilanalysen, kulturanalytische und kontrastive Jugendsprachforschung sowie medienanalytische Forschung (Neuland 2008: 31ff). Gemeinsam ist diesen Richtungen jedoch, dass Jugendsprache als Entwicklungs-, Medien- sowie Gruppenphänomen angesehen wird. Dies schließt die Aussage mit ein, dass Jugendsprache „sprachbiografisch als Teil sozialer Lebensgeschichte angesehen“ (ebd.: 39) wird, die für die Sozialisation sowie für die Identität (insbes. die Gruppenidentität) des Heranwachsenden eine große Rolle spielt (ebd.). Wird Jugendsprache als Gruppensprache, „als Mittel gruppenspezifischer Kommunikation“ (ebd.), aufgefasst, geht es immer um das Erfassen bestimmter Sprechstile, „die in bestimmten Situationen, oft auch an bevorzugten Orten von gewissen Jugendlichen gebraucht werden“ (ebd.:40). Diese Stile gehen nicht von einer einzelnen Person aus um dann von anderen übernommen zu werden, vielmehr entstehen sie aus einer kollektiven „Stil- Bastelei“ im Vorgang der Gruppenkommunikation (ebd.:40). Grundvoraussetzungen sind dafür eine geteilte Erfahrungswelt sowie gleiche Normen und Wertsetzungen der Gruppe (ebd.). Dies ist in einen medialen Zusammenhang zu setzten: „Jugendliche nehmen in spielerischer, oft kritisch- ironisierender Weise auf ihre Medienerfahrungen Bezug“, z. B. mit Hilfe von Songtexten aus HipHop- Liedern. Somit kann die Betrachtung von Jugendsprache „als ein Medienphänomen einen wichtigen Aufschluss sowohl über die Bildung, Verbreitung als auch Vermarktung jugendlicher Sprachstile durch das Spektrum der klassischen Print- und AV- Medien geben“ (ebd.:42).

[...]


[1] Varietät wird als sozial und situativ abgegrenzte Erscheinungsform einer Sprache angesehen, „die durch das Zusammentreffen verschiedener Sprachmerkmale gekennzeichnet ist“ (Androutsopoulos: Internet, 4).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Jugendsprache im Kontext der HipHop-Kultur
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V145010
ISBN (eBook)
9783640556205
ISBN (Buch)
9783640556625
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendsprache, Kontext, HipHop-Kultur, Anglizismen, Hiphop, Forschungsfeld Jugendsprache, Rap, Rappen, Entstehung des HipHops
Arbeit zitieren
Anna Block (Autor), 2009, Jugendsprache im Kontext der HipHop-Kultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145010

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