Science-Fiction - in einem Genre in dem Autoren alternative Realitäten in einer fiktiven Zukunft entstehen lassen, stellt sich die Frage, wie weit diese alternative Ausformung reicht. Geht sie gar so weit allgemein gültige Geschlechterrollen zu berwinden oder gar neue Geschlechter zu erschaffen? Der Beantwortung dieser Frage möchte ich mich in der folgenden Hausarbeit widmen, die dementsprechend den Titel „Alternative Geschlechterbilder im Star Trek-Universum – Realität oder Fiktion?“ trägt. Im Moment scheint diese Thematik noch sehr wenig erforscht, was auch Nadja Sennewald bemerkt1 und aus diesem Grund ihre Studie „Alien Gender – Die Inszenierung von Geschlecht in Science-Fiction-Serien“ verfasst hat, auf die ich mich in meiner Arbeit hauptsächlich beziehen werde. Meiner Arbeit voran gestellt ist zunächst ein kleiner Einblick in die Studie von Frau Sennewald mit einer Erörterung des zugrunde liegenden Geschlechterbildes und der methodischen Herangehensweise. Es folgt ein kleiner Exkurs in die „unendliche Weite“ des Star Trek-Universums, wo versucht wird dem Leser nötiges Grundlagenwissen zu vermitteln. Aufbauend darauf widmet sich der zweite Teil meiner Arbeit der Klärung meiner anfangs formulierten Frage. Dieses erfolgt anhand von vier verschiedenen Charakteren, die von mir nochmals in zwei Gruppen unterteilt wurden. Zum einen werden Charaktere vorgestellt, die in ihrem sozialem/kulturellem Geschlecht alternativ scheinen, zum anderen Charaktere, die in ihrem biologischem Geschlecht eine Alternativität erkennen lassen. Jeder Charakter wird dabei systematisch auf Alternativität und in einem zweiten Schritt auf eventuelle Eindämmungserscheinungen untersucht. Das Ergebnis dieser Untersuchung und die Beantwortung der Ausgangsfrage findet sich schließlich zusammengefasst im dritten Teil der Arbeit – meiner Schlussfolgerung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Studie
2.1 Methodisches Vorgehen
2.2 Zugrunde liegender Geschlechterbegriff
3. Das Star Trek-Universum
4. Beispiele für „Alternative Gender“
4.1 Captain Kathryn Janeway
4.1.1 Die Frage nach der Alternativität
4.1.2 Die Frage nach dem Haken an der Sache – Die Eindämmung
4.2 B’Elanna Torres
4.2.1 Die Frage nach der Alternativität
4.2.2 Die Frage nach dem Haken an der Sache – Die Eindämmung
5. Beispiele für „Alternative Sex“
5.1 Die J’naii
5.1.1 Die Frage nach der Alternativität
5.1.2 Die Frage nach dem Haken an der Sache – Die Eindämmung
5.2 Die Formwandler
5.2.1 Die Frage nach der Alternativität
5.2.2 Die Frage nach dem Haken an der Sache – Die Eindämmung
6. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Repräsentation von Geschlechterrollen im Star Trek-Universum und geht der Forschungsfrage nach, ob die in diesem Science-Fiction-Genre gezeigten alternativen Geschlechterbilder tatsächlich eine Abkehr von binären Geschlechternormen darstellen oder lediglich Fiktion bleiben.
- Konstruktion von Geschlecht in Science-Fiction-Serien
- Analyse von Charakteren mit „Alternative Gender“ (Janeway, Torres)
- Untersuchung von Spezies mit „Alternative Sex“ (J’naii, Formwandler)
- Mechanismen der narrativen Eindämmung von Alternativität
- Doing Gender und dekonstruktivistische Perspektiven auf Rollenbilder
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Die Frage nach der Alternativität
Die Figur der Sternenflotten-Kapitänin Kathryn Janeway stellt die erste weibliche Captainfigur im Star Trek-Universum dar. Als Captain der USS Voyager hat sie die Aufgabe ihr Schiff, welches bei einer Verfolgungsjagd in den weit entfernten Delta-Quadranten verschlagen wurde, wieder nach Hause zu fliegen. Dabei muss sie zusammen mit ihrer Besatzung unzählige Abenteuer und Prüfungen bestehen, bis schlussendlich die Heimat erreicht ist. Aufgewachsen als Tochter eines Sternenflotten-Admirals kann Janeways Aufstieg innerhalb der Sternenflotte zum Captain als wahre Bilderbuchkarriere beschrieben werden. Dementsprechend fest ist sie mit den Prinzipien der Sternenflotte verbunden und verteidigt diese auch vehement, wenn es denn sein muss. So beispielsweise geschehen in der Folge Equinox, wo sie einen ebenfalls im Delta-Quadranten gestrandeten Sternenflotten-Captain verfolgt, da dieser mit seinen Handlungen gegen die Prinzipien der Sternenflotte verstößt.
Janeways Position als Captain wird betont durch ihre oftmals ernste Mimik und vor allem durch ihre strenge Haltung und Kleidung. Gekleidet in einen hoch geschlossenen Anzug und versehen mit einer streng zurück gekämmten Hochsteckfrisur, vermittelt sie Kompetenz, Vertrauen und Gewissenhaftigkeit, alles Attribute, die ein Captain der Sternenflotte definitiv in sich vereinen sollte. Im Umgang mit ihren Crewmitgliedern bedient sich Janeway einer ausladenden und raumgreifenden Körpersprache. „Sie stützt oft Beine oder Ellenbogen auf, um sich breiter zu machen oder legt bei Besprechungen die Hand auf die Stuhllehne ihrer Crew. Durch das Eindringen in den persönlichen Raum ihrer Untergebenen markiert sie ihre Macht über sie.“ Weit weniger offensiv ist die Figur Janeway in der Auslebung sexueller Bedürfnisse oder der Knüpfung von partnerschaftlichen Beziehungen angelegt. Der Meinung verhaftet, dass ihr Status als Captain eine Beziehung und damit eine ausgelebte Sexualität ausschließt, vermeidet sie in der Regel sämtliche Affären und Beziehungen. Stattdessen sucht Janeway Ersatz auf dem Holodeck, wo sie sich in das Hologramm eines irischen Barbesitzers verliebt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung vor, inwiefern Science-Fiction-Serien in der Lage sind, allgemein gültige Geschlechterrollen zu überwinden oder alternative Geschlechterkonzepte zu etablieren.
2. Die Studie: Hier werden die theoretische Basis und die methodische Herangehensweise der zugrunde liegenden Studie von Nadja Sennewald erläutert, die den Fokus auf die visuelle Inszenierung von Geschlecht legt.
3. Das Star Trek-Universum: Dieses Kapitel liefert ein grundlegendes Verständnis über das Star Trek-Franchise als utopisches Science-Fiction-Genre, welches häufig zur Gesellschaftskritik genutzt wurde.
4. Beispiele für „Alternative Gender“: Dieser Abschnitt analysiert anhand der Charaktere Kathryn Janeway und B’Elanna Torres, wie weibliche Figuren in traditionell männlich dominierten Rollen dargestellt werden.
5. Beispiele für „Alternative Sex“: Hier wird untersucht, wie nicht-humanoide Spezies wie die J’naii oder Formwandler als Alternativen zum binären Geschlechtersystem konzipiert und anschließend narrativ eingehegt werden.
6. Schlussfolgerung: Das Fazit kommt zu dem Ergebnis, dass trotz des Potenzials für alternative Rollenentwürfe in Star Trek letztlich eine Rückkehr zur heterosexuellen Norm und zum binären Geschlechtermodell stattfindet.
Schlüsselwörter
Star Trek, Geschlechterbilder, Science-Fiction, Doing Gender, Alternative Gender, Alternative Sex, Serienanalyse, Rollenklischees, Captain Kathryn Janeway, B’Elanna Torres, J’naii, Formwandler, Geschlechterkonstruktion, Dekonstruktivismus, Fernsehserien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, ob die Science-Fiction-Serie Star Trek alternative Geschlechterkonzepte jenseits traditioneller Rollenbilder erfolgreich etablieren kann oder ob diese Ansätze in der Narration wieder aufgehoben werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die wissenschaftliche Differenzierung zwischen biologischem Geschlecht (Sex) und sozialem Geschlecht (Gender) sowie deren filmische Inszenierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu prüfen, inwieweit die Darstellung von Charakteren wie Janeway oder den Formwandlern die binäre Geschlechterordnung tatsächlich durchbrechen kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine filmische Analyse in Anlehnung an das Modell von Achs und Goffman durchgeführt, die sowohl narrative als auch visuelle Aspekte der Figurendarstellung berücksichtigt.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Charakteren mit „Alternative Gender“ und Spezies mit „Alternative Sex“, wobei jeder Charakter auf seine Alternativität und spätere Eindämmung geprüft wird.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Doing Gender, Eindämmung, alternative Rollenbilder, binäre Geschlechtersysteme und die Dekonstruktion von Geschlecht.
Warum wird Captain Janeway als Beispiel für „Alternative Gender“ gewählt?
Janeway fungiert als erste weibliche Captainfigur, die traditionell männlich kodierte Eigenschaften und Machtpositionen innehat, jedoch im Serienverlauf oft durch eine „Eindämmung“ wieder in klassische Rollenbilder zurückgeführt wird.
Was bedeutet die „Eindämmung“ bei den Formwandlern?
Die Eindämmung beschreibt den Prozess, bei dem eine ursprünglich geschlechtslose oder polygeschlechtliche Spezies durch die Wahl eines männlichen Humanoiden als Interface und durch die Aufnahme einer heterosexuellen Beziehung in das binäre Geschlechterschema gezwungen wird.
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- Katrin Wissentz (Autor), 2008, Alternative Geschlechterbilder im Star Trek-Universum – Realität oder Fiktion?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145100