Diese Hausarbeit beschäftigt sich vergleichend mit den politischen Ansichten von Thomas Hobbes und David Hume und soll die Frage beantworten, wie aktuell Thomas Hobbes’ Leviathan sowie die daran von Hume geübte Kritik heute noch sind. Dazu soll im ersten Teil der Arbeit der Hobbessche Grundgedanke des Vertrags anhand seiner Schrift Leviathan dargelegt werden. Anschließend wird den daraus gewonnenen Erkenntnissen Humes Kritik an der Vertragstheorie gegenübergestellt, um somit eigene Kriterien für einen Vergleich von vertragstheoretischer Begründung und Legitimation politischer Ordnung zu finden. Zum Schluss sollen ein Vergleich der Standpunkte von Hobbes und Hume nach diesen gefundenen Kriterien und eine Beurteilung der Chancen und Probleme vertragstheoretischer Begründungsmodelle die Frage nach der Aktualität und Relevanz des Kontraktualismus für die heutige Zeit beantworten. Dabei sollen weniger die modernen Gesellschaftstheorien Buchanans und Rawls’ Thema der Betrachtung sein, als vielmehr die historischen und damit für die heutigen Ansichten grundlegenden Theorien Humes und Hobbes.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Grundgedanke des Vertrags in Thomas Hobbes’ Leviathan
3. David Humes vertragstheoretische Kritik
4. Vergleich der Positionen Humes und Lockes
5. Chancen und Probleme vertragstheoretischer Begründungsmodelle
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die vertragstheoretischen Konzepte von Thomas Hobbes und David Hume, um die Legitimation politischer Ordnung zu hinterfragen und deren heutige Relevanz zu bewerten.
- Analyse des hobbesianischen Vertragsmodells im Leviathan
- Kritische Auseinandersetzung mit der Vertragstheorie durch David Hume
- Vergleichende Gegenüberstellung der anthropologischen und staatstheoretischen Ansätze
- Diskussion von Chancen und Grenzen kontradiktorischer Begründungsmodelle
- Einordnung in die aktuelle Debatte um den Kontraktualismus
Auszug aus dem Buch
3. David Humes vertragstheoretische Kritik
Den Hobbesschen Ansichten stehen die politischen Gedanken David Humes gegenüber, welche im Kapitel ‚Über den ursprünglichen Vertrag‘ der Schrift ‚Politische und ökonomische Essays‘ zum Ausdruck kommen. Darin versucht Hume zu beweisen, dass „[...] beide Systeme spekulativer Prinzipien gerecht sind [...]“ (Hume 1988: 301). Als diese zwei Systeme betrachtet er zum einen die Legitimation politischer Herrschaft durch Gottes Gnaden, zum anderen die Regierungsgewalt durch respektive mit Zustimmung des Volkes. Dabei gilt Hume als ein strikter Gegner des Kontraktualismus, einem Gedankenexperiment, welches die bestehenden Herrschaftsverhältnisse durch eine historische Entwicklung zu erklären versucht. Dem Naturzustand als Zustand eines Krieges aller gegen alle wird der Gesellschaftszustand gegenübergestellt in welchem die Menschen mittels Rechten und Gesetzen höhere Chancen auf Selbsterhalt haben. Dieser Gesellschaftszustand wird durch den Gesellschaftsvertrag beschlossen. Hume zufolge kann alles Regieren auf einen ursprünglichen Vertrag zurückgeführt werden, auf dessen Grundlage „[...] die ältesten, losen Gemeinschaften der Menschen [...]“ gebildet wurden (Hume 1988: 303). Von diesem Vertrag seien allerdings keinerlei Aufzeichnungen mehr vorhanden, da er weit vor der Erfindung der Schrift niedergeschrieben worden sei (Hume 1988: 303). Eine schriftlich nachweisbare Realität des Urvertrags ist damit nicht gegeben. Allerdings sei die durch ihn entstandene Macht auch heute noch in Form von Autorität sichtbar und im alltäglichen Leben zu beobachten (Hume 1988: 303).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Hausarbeit beschäftigt sich vergleichend mit den politischen Ansichten von Thomas Hobbes und David Hume und soll die Frage beantworten, wie aktuell Thomas Hobbes’ Leviathan sowie die daran von Hume geübte Kritik heute noch sind.
2. Der Grundgedanke des Vertrags in Thomas Hobbes’ Leviathan: In diesem Teil wird erläutert, wie Hobbes den Vertrag als notwendige Grundlage für gesellschaftliche und politische Ordnung begründet, um den Naturzustand zu überwinden.
3. David Humes vertragstheoretische Kritik: Dieser Abschnitt thematisiert Humes Widerlegung der vertragstheoretischen Legitimation politischer Herrschaft und führt die Argumente gegen die historische Realität des Urvertrags an.
4. Vergleich der Positionen Humes und Lockes: Hier werden die anthropologischen Voraussetzungen und die unterschiedlichen Verständnisse vom Naturzustand und Gesellschaftsvertrag beider Autoren gegenübergestellt.
5. Chancen und Probleme vertragstheoretischer Begründungsmodelle: Der letzte Teil bewertet die Relevanz des Kontraktualismus unter Einbeziehung zeitgenössischer Ansätze und diskutiert die theoretischen sowie praktischen Herausforderungen.
6. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass die klassischen Theorien zwar nicht mehr als direkt anwendbar gelten, jedoch grundlegende Impulse für die heutige politische Philosophie liefern.
Schlüsselwörter
Vertragstheorie, Kontraktualismus, Thomas Hobbes, David Hume, Naturzustand, Leviathan, Politische Ordnung, Herrschaftslegitimation, Gesellschaftsvertrag, Urvertrag, Selbsterhalt, Politische Philosophie, Souveränität, Staatstheorie, Konsens
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert und vergleicht die unterschiedlichen politischen Theorien von Thomas Hobbes und David Hume im Kontext ihrer vertragstheoretischen Ansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen der Naturzustand, die Notwendigkeit politischer Ordnung, die Kritik an der Legitimation durch Verträge sowie der Vergleich historischer und moderner Staatskonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Aktualität der klassischen Ansätze von Hobbes und Hume vor dem Hintergrund heutiger politischer Anforderungen kritisch zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die vergleichende Literaturanalyse, um zentrale philosophische Konzepte der politischen Ideengeschichte gegenüberzustellen und zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Hobbes’schen Leviathans, die detaillierte Kritik Humes an diesem Modell sowie einen Vergleich der Menschenbilder und Vertragsmodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kontraktualismus, Naturzustand, Urvertrag, Herrschaftslegitimation, Hobbes, Hume und gesellschaftliche Ordnung.
Wie bewertet der Autor die historische Existenz des Urvertrags?
Der Autor führt an, dass der Urvertrag als historische Tatsache nicht nachweisbar ist und von Hume daher als philosophische Fiktion oder als „Als-ob“-Funktion interpretiert wird.
Warum spielt die Furcht eine zentrale Rolle im Hobbes’schen Modell?
Die Furcht vor dem gewaltsamen Tod im anarchischen Naturzustand dient als rationales Motiv für die Menschen, ihre Freiheit zugunsten einer staatlichen Schutzmacht aufzugeben.
Welche Rolle spielt der „Schleier des Nichtwissens“ im Diskurs?
Dieser Begriff wird im Zusammenhang mit Rawls eingeführt, um Anforderungen an rationale Akteure in modernen Vertragstheorien zu verdeutlichen.
Wie unterscheidet sich Humes Sichtweise von der von Hobbes?
Hume lehnt den Kontraktualismus als historisches Erklärungsmodell ab und führt den Ursprung von Regierungen eher auf Macht, Eroberung und Nützlichkeitserwägungen zurück.
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- Georg Thieme (Author), 2009, Legitimation politischer Ordnung: Hobbes vs. Hume, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145108