Nationalsozialistische Propaganda bei den Olympischen Spielen von 1936 in Berlin


Seminararbeit, 2009
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Strukturen der politisch instrumentalisierten Propaganda im Dritten Reich

3. Maßnahmen im Vorfeld der XI. Olympischen Spiele von Berlin
3.1. Entscheidung für die Spiele in Berlin
3.2. Ziele der nationalsozialistischen Propaganda
3.3. Propaganda im Vorfeld der Spiele

4. Die Spiele als Höhepunkt der Propaganda

5. Auswertung der Spiele

6. Schluss

7. Bibliographie
7.1. Quellenverzeichnis
7.2. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die Olympischen Spiele 1936 werden für das nationalsozialistische Deutschland von geradezu ungeheurer Bedeutung sein! Diese Behauptung wird jedem sofort einleuchten, der nur einen Augenblick darüber nachdenkt, daß durch die Olympiade 1936 unser Vaterland wochenlang in den Mittelpunkt des Weltgeschehens gerückt wird. Mit diesen Spielen ist uns ein unschätzbares Propagandamittel in die Hand gegeben worden.“[1]

Die Vergabe der XI. Olympischen Spiele erfolgte noch an das Berlin der Weimarer Republik, aber mit der Machtergreifung Hitlers im Januar 1933 änderte sich die politische Situation grundlegend und so eröffnete der Diktator Adolf Hitler seine Spiele von Berlin.

Hitler nutzte die Spiele, um zum einen der Weltöffentlichkeit ein strahlendes Deutschland zu präsentieren, welches als Kulturnation den Weg aus der Isolation beschreiten wollte. Auf der anderen Seite waren die Olympischen Spiele das richtige Instrument, um das eigene Volk hinter den Führer zu stellen und für die Politik der Nationalsozialisten zu begeistern. Um das umzusetzen wurden umfangreiche Propagandamaßnahmen vor und während der Spiele durchgeführt. Der dabei betriebene Aufwand war so groß, dass die Spiele von Berlin nicht nur in sportlicher Hinsicht als „Spiele der Rekorde“ in die Geschichtsbücher eingingen.

Der Großteil der deutschen Geschichtsforschung zu den Spielen von Berlin stammt aus den frühen 1970er Jahren anlässlich der Olympischen Spiele von München 1972. Hierbei ist die stark quellenbezogene Arbeit von Arnd Krüger[2] „Die Olympischen Spiele von 1936 und die Weltmeinung“[3] herauszuheben. Aus dem englischsprachigen Raum sind vor allem die Werke von Richard D. Mandell „The Nazi Olympics“[4] und Duff Hart-Davis „Hitler’s Games“[5] bekannt.

Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung der Struktur und der Absichten der nationalsozialistischen Propaganda, sowie die Erläuterung der Propagandamaßnahmen im In- und Ausland sowohl vor als auch während der Spiele von Berlin. Abschließend folgt eine Einschätzung zu der Wirkung der Propaganda, wobei das auf Grund fehlender statistischer Informationen nur begrenzt möglich ist.

2. Strukturen der politisch instrumentalisierten Propaganda im Dritten Reich

Am 13. März 1933 unterschrieben der Reichspräsident Hindenburg und der Reichskanzler Hitler den Erlass zur Errichtung eines Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda.[6] Dieser Erlass war die Grundlage für die Entwicklung eines mächtigen Propagandaapparates, an dessen Spitze bis 1945 Joseph Goebbels stand. Als voriger Reichspropagandaleiter der NSDAP hatte er schon Vorkenntnisse auf den Gebieten der „geistigen Einwirkung auf die Nation, der Werbung für Staat, Kultur und Wirtschaft, der Unterrichtung der in- und ausländischen Öffentlichkeit über sie und der Verwaltung aller diesen Zwecken dienenden Einrichtungen[7] sammeln können, welche von da an seine Arbeit umfassten.

Die Einflussnahme des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda[8] erstreckte sich auf alle Bereiche des kulturellen Lebens und basierte auf drei Säulen. Zunächst musste seit dem Reichskulturkammergesetz vom 22. September 1933 jeder, der kulturell tätig war, Mitglied in seiner jeweiligen Berufskammer werden. Diese Berufskammern waren der Reichskulturkammer untergegliedert, welche wiederum von Joseph Goebbels geführt wurde. Dadurch standen alle Kulturschaffenden unter der Kontrolle und dem Einfluss des RMVP. Des Weiteren wurden Verbände, Verlage, Pressehäuser und Rundfunkanstalten unter der Führung des RMVP gleichgeschaltet und auf die Ziele des NS-Regimes eingestellt. Als dritte Basis wurden seit dem 1. Juli 1933 im RMVP täglich Konferenzen zur Presselenkung abgehalten, die bestimmten, in welchem Umfang und in welcher Form über aktuelle Themen berichtet werden durfte.[9]

Nicht nur die Massenmedien, wie die Presse, und später mit dem Erfolg des Volksempfängers auch der Rundfunk, wurden zu Instrumenten der Propaganda. Auch Massenveranstaltungen mit Fackelzügen, Marschmusik und den Symbolen der NSDAP auf Fahnen und Uniformen wurden im Sinne des RMVP inszeniert. Die Teilnehmer erfuhren dabei suggestive Maßnahmen, welche Gefühle von Größe, Geschlossenheit, Zugehörigkeit und Gemeinsamkeit signalisierten und eine emotionale Betroffenheit auslösen sollten. Diese Emotionen verdrängten jegliche tiefgründigeren Gedanken über die nationalsozialistische Politik.[10]

Neben den Reichsparteitagen zählen die Olympischen Spiele von 1936 in Berlin zu den größten Massenveranstaltungen Hitler-Deutschlands. Hier konnte nicht nur auf das eigene Volk, sondern auch auf die ausländischen Pressevertreter geistig eingewirkt werden. Wie das im Detail versucht wurde, wird im Folgenden dargestellt.

3. Maßnahmen im Vorfeld der XI. Olympischen Spiele von Berlin

3.1. Entscheidung für die Spiele in Berlin

Wenn man versucht, Olympia und den Nationalsozialismus zusammenzubringen, stößt man schnell auf Kontroversen. Die olympischen Ideen von Weltfrieden und Harmonie der Völker lassen sich nur schwer mit der Rassentheorie der Nationalsozialisten und dem imperialistischen Streben nach Lebensraum im Osten vereinbaren. Hitler selbst hatte die Olympischen Spiele 1932 noch als Erfindung von Juden und Freimaurern abgetan, die er sich in einem nationalsozialistischen Reich nicht vorstellen könne.[11] Allerdings hatte auch das Internationale Olympische Komitee[12] seine Zweifel nach der Machtergreifung Hitlers im Januar 1933, ob der Vergabe der Spiele nach Berlin. Sie erkannten ebenfalls das Konfliktpotential und diskutierten die Spiele zu verlegen. Auch im internationalen Ausland regten sich Protest und erste Rufe nach einem Boykott der Spiele wurden laut. Dank des Einsatzes von Theodor Lewald, der sich als Mitglied des Deutschen Olympischen Komitees bereits für die Vergabe der Spiele nach Berlin besonders eingesetzt hatte, konnte dies verhindert werden.

Lewald war es, der bei einer Audienz in der Reichskanzlei am 16. März 1933 Hitler überzeugen konnte, die Spiele in Berlin auszutragen und er war es auch, der das IOC überzeugte, ihre letzten Bedenken nach der Tagung von Wien vom 7. Juni 1933 abzulegen. Dort versicherte Lewald ausdrücklich, dass Deutsche jüdischer Herkunft als Teile der Deutschen Olympiamannschaft an den XI. Olympischen Spielen teilnehmen dürfen und dass die Spiele entsprechend dem Reglement des IOC abgehalten würden. Damit gab sich auch der Vertreter des amerikanischen Olympischen Komitee General Sherrill zufrieden und versicherte, die USA würden mit einer großen Mannschaft anreisen.[13] Damit war die Austragung der Spiele von Berlin zunächst einmal gesichert. Es blieben zwar kritische Stimmen zurück und auch die internationale Boykottbewegung war noch nicht überzeugt worden, doch war die existentielle Frage, ob die Spiele stattfinden würden, geklärt.

3.2. Ziele der nationalsozialistischen Propaganda

Hitler änderte nicht grundlos seine Ansichten zu den Spielen, er verfolgte damit mehrere Ziele. Primär lag der propagandistische Fokus auf der großen kulturellen Leistung, welche die Austragung der Spiele an sich, begleitet durch ein kulturell geprägtes Rahmenprogramm, umfassen sollte, um die Weltmeinung für sich zu gewinnen und damit die Rüstungspläne und Kriegsvorbereitungen des NS-Regimes vor den Augen der Welt zu verstecken. Damit dies umgesetzt werden konnte, mussten natürlich möglichst viele Sportler fremder Nationen bei der Olympiade antreten. Somit konzentrierte sich die Propagandaarbeit im Vorfeld darauf, die Erwartungshaltung auf perfekt organisierte Spiele zu erzeugen und Boykottbewegungen zu entkräften und zu stoppen.

In Deutschland wollte Hitler durch die „Nationale Aufgabe“, so lautete die nationale Losung zu den Spielen, unter der Bevölkerung Identifikation mit und Loyalität zu seinem Führer stiften. Weiterhin versuchte er durch die zur Austragung der Spiele benötigten Bauprojekte das Problem der Arbeitslosigkeit anzugehen, um auch dadurch Sympathien der Bevölkerung auf sich zu ziehen.[14] Hitler ging auch davon aus, dass mit der Begeisterung für die Olympischen Spiele die Möglichkeit bestünde, das deutsche Volk zu mehr Leibesübungen im Sinne der Wehrertüchtigung zu motivieren. Er schrieb hierzu in seinem Buch „Mein Kampf“:

„Man gebe der deutschen Nation sechs Millionen sportlich tadellos trainierte Körper, alle von fanatischer Vaterlandsliebe durchglüht und zu höchstem Angriffsgeist erzogen, und ein Nationaler Staat wird aus ihnen, wenn notwendig in nicht einmal zwei Jahren eine Armee geschaffen haben“[15]

[...]


[1] Angermeyer, F.: Hymne an Berlin. In „Reichsportblatt“ 2 (1935) 21,583, zitiert nach Hans Joachim Teichler: Internationale Sportpolitik im Dritten Reich, Schorndorf, 1991 S.64

[2] Prof. Dr. Krüger stand 2008 in der Kritik wegen angeblich antisemitischer Äußerungen, er sich hat allerdings in einer Stellungnahme dazu entschuldigt und seine Formulierungen erklärt.

[3] Krüger, Arnd: Die Olympischen Spiele 1936 und die Weltmeinung. Ihre außenpolitische Bedeutung unter besonderer Berücksichtigung der USA. Berlin u. a. 1972

[4] Mandell, Richard: The Nazi Olympics. New York 1987

[5] Hart-Davis, Duff: Hitler’s Games. The 1936 Olympics, New York 1986

[6] Erlaß über die Errichtung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und
Propaganda (13.03.1933). In: documentArchiv.de [Hrsg.], URL: http://www.documentArchiv.de/ns/propaganda.html, Stand: 11.01.2009

[7] Verordnung über die Aufgaben des Reichsministeriums für Volksaufklärung
und Propaganda (30.06.1933). In: documentArchiv.de [Hrsg.], URL: http://www.documentArchiv.de/ns/propaganda_vo.html, Stand: 11.01.2009

[8] Im Folgenden mit RMVP abgekürzt.

[9] Thamer, Hans-Ulrich: Ausbau des Führerstaates. In: Nationalsozialismus II. Führerstaat und Vernichtungskrieg. Aus der Reihe: Informationen zur politischen Bildung. (266) bpb (hrg.) 2000. S.20 Sp.1-2

[10] Schor, Ambros. Erziehung, Propaganda und Kunst in der Hand der NSDAP. Der totale Zugriff des Staates auf den Menschen. In: Der Nationalsozialismus. Machtergreifung und Machtsicherung 1933 – 1935 (Band 1) hrsg. von Bayrische Landeszentrale für politische Bildung. S.125

[11] zitiert nach Duff Hart-Davis: Hitler’s Games. The 1936 Olympics, New York 1986, S. 45

[12] Im Folgenden mit IOC abgekürzt.

[13] Krüger, Arnd: Die Olympischen Spiele 1936 und die Weltmeinung. Ihre außenpolitische Bedeutung unter besonderer Berücksichtigung der USA. Berlin u. a. 1972. S. 35

[14] Andrea von Hegel: Die Stunde der Propagandisten. Propaganda zu den Olympischen Spielen 1936, In: dhm.de URL: http://www.dhm.de/~jarmer/olympiaheft/olympia4.htm Stand: 18.01.2009

[15] zitiert bei A. Krüger: Die Olympischen Spiele 1936 und die Weltmeinung S. 32

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Nationalsozialistische Propaganda bei den Olympischen Spielen von 1936 in Berlin
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V145119
ISBN (eBook)
9783640546633
ISBN (Buch)
9783640546039
Dateigröße
4007 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beispiel, Propaganda, Olympischen, Spiele, Berlin
Arbeit zitieren
Jan Erchinger (Autor), 2009, Nationalsozialistische Propaganda bei den Olympischen Spielen von 1936 in Berlin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145119

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