The Great Transformation – diese Begrifflichkeit beschreibt den Übergang von „integrierten“ Gesellschaften zur nicht integrierten Gesellschaft vom Typ der freien Marktwirtschaft. Polanyi geht von der These aus, dass erst die Herausbildung einer liberalen Marktwirtschaft mit ihrem „freien Spiel der Kräfte“ zu jener charakteristischen „Herauslösung“ und Verselbständigung der Ökonomie gegenüber der Gesellschaft geführt hat, die historisch ein Novum darstellt und die bürgerliche Gesellschaft von allen anderen Gesellschaftsformationen unterscheidet. Mit dieser Hausarbeit sollen die komplexen Wandel der Gesellschaften durch die Wechselwirkung mit der Wirtschaftsordnung an Hand von Polanyis Werk The Great Transformation deskriptiv erläutert und diskutiert werden. Hierbei werden seine Thesen aufgegriffen und aus seiner Sicht erklärt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das internationale System
2.1 Der hundertjährige Friede
2.2 Die konservativen 20er und die revolutionären 30er Jahre
3. Marktwirtschaft und Industrielle Revolution
3.1 Die Industrielle Revolution
3.2 Die Entwicklung des Marktwesens
3.3 Der selbstregulierende Markt und die fiktiven Waren: Arbeit, Boden, Geld
4. Das Speenhamland-System, 1795
4.1 Kritik am Speenhamland-System
5. Der Selbstschutz der Gesellschaft
5.1 Die Gefährdung der Gesellschaft
5.1.1 Die Marktwirtschaft und der selbstregulierende Markt
5.1.2 Der Warencharakter der menschlichen Arbeit
5.1.3 Grund und Boden
5.1.4 Der Goldstandard
5.2 Der Protektionismus
5.3 Das Scheitern der Marktwirtschaft
6. Das Scheitern des selbstregulierenden Marktes als Ursache für den Faschismus
6.1 Der Faschismus
7. Polanyi: Fazit und Kritik
8. Kritik
9. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert deskriptiv und diskursiv Karl Polanyis Werk „The Great Transformation“. Das zentrale Ziel ist es, den komplexen gesellschaftlichen Wandel sowie die Wechselwirkungen mit der Wirtschaftsordnung zu erläutern und dabei Polanyis These zu untersuchen, dass die Herausbildung eines liberalen, selbstregulierenden Marktes die Gesellschaft zwangsläufig gefährdet und zur Entstehung von Gegenbewegungen führt.
- Die Transformation der Gesellschaft durch die Marktwirtschaft
- Die fiktiven Waren: Arbeit, Boden und Geld
- Die „Doppelbewegung“ zwischen Marktmechanismus und gesellschaftlichem Selbstschutz
- Der Zusammenhang zwischen dem Scheitern des Marktes und dem Aufstieg des Faschismus
- Eine kritische Auseinandersetzung mit Polanyis Thesen unter Einbeziehung von Norbert Elias
Auszug aus dem Buch
3.3 Der selbstregulierende Markt und die fiktiven Waren: Arbeit, Boden, Geld
Das Wirtschaftsystem ist im Gesellschaftssystem integriert und sie stehen im Gleichgewicht zueinander. Der selbstregulierende Markt war bis zu diesem Zeitpunkt etwas Unbekanntes und richtete sich gegen den Entwicklungstrend. Die Voraussetzungen dafür sind das Gewinnstreben des Menschen, Angebot muss der Nachfrage entsprechen, Geld ist die einzige Kaufkraft und die Produktion wird nur vom Preis bestimmt. „Selbstregulierung bedeutet, dass die gesamte Produktion auf dem Markt zum Verkauf steht und dass alle Einkommen aus diesen Verkäufen entstehen“. Auch für die Wirtschaftsfaktoren Arbeit, Boden und Geld gibt es Warenpreise. Die Bildung von Märkten darf nicht behindert werden, es darf nur Einkommensbildung durch Verkauf geben und der Markt ist die einzige wirksame Kraft.
Der Markt erschuf den Merkantilismus und dieser wiederum bewirkte eine Vereinheitlichung und Nationalisierung. „[…]So stellte der Wechsel von geregelten zu selbstregulierenden Märkten am Ende des 18. Jahrhunderts eine völlige Umwandlung der Gesellschaftsstruktur dar“. Dies bedingte die institutionelle Trennung der Gesellschaft in eine wirtschaftliche und in eine politische Sphäre. Ebenfalls kann keine Gesellschaft ohne ein System auskommen, das die Produktion und den Verkauf der Güter regelt, allerdings kann die Wirtschaft trotzdem nur ein Teil der Gesellschaftsstruktur sein. Die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts war gekennzeichnet durch das Herauslösen der wirtschaftlichen Tätigkeit, durch einen spezifischen ökonomischen Trieb und der Unterordnung der Gesellschaft in eine Marktgesellschaft.
„Eine Marktwirtschaft muss alle Elemente wirtschaftlicher Tätigkeit, einschließlich Arbeit, Boden und Geld, umfassen“. Im Folgenden benennt Polanyi die Auswirkungen des Mechanismus auf die Gesellschaft und Methoden, durch die der Marktmechanismus befähigt wird zu kontrollieren. „Der Mechanismus ist über den Begriff der Ware mit den verschiedenen Elementen der gewerblichen Wirtschaft verzahnt“, sowie jegliches Erzeugnis wird für den Markt produziert und für jede Produktion muss es einen Markt geben. Arbeit, Boden und Geld werden fiktiv zu Waren gemacht und die Substanz der Gesellschaft muss davor geschützt werden, damit sie durch den Mechanismus nicht zerstört wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein und erläutert den Aufbau der Untersuchung von Polanyis Werk.
2. Das internationale System: Es wird die These Polanyis behandelt, dass der hundertjährige Friede auf der Organisation der Weltwirtschaft beruhte, deren Zusammenbruch zur Transformation führte.
3. Marktwirtschaft und Industrielle Revolution: Dieses Kapitel erklärt, wie die Einführung maschineller Produktion in einer kommerziellen Gesellschaft die Umgestaltung der sozialen Strukturen erforderte.
4. Das Speenhamland-System, 1795: Hier wird das Speenhamlandgesetz als Maßnahme gegen die Errichtung eines freien Arbeitsmarktes und dessen kritische Folgen beschrieben.
5. Der Selbstschutz der Gesellschaft: Dieses Kapitel beleuchtet die Gefahren des selbstregulierenden Marktes für die Gesellschaft und die resultierende protektionistische Gegenbewegung.
6. Das Scheitern des selbstregulierenden Marktes als Ursache für den Faschismus: Hier wird dargelegt, wie die Krise des Marktsystems in den 1930er Jahren den Weg für den Faschismus ebnete.
7. Polanyi: Fazit und Kritik: Ein zusammenfassender Rückblick auf Polanyis Argumentation und die Kernkritik an der Marktgesellschaft.
8. Kritik: In diesem Kapitel wird eine kritische Auseinandersetzung mit Polanyis Thesen unter Zuhilfenahme der Zivilisationstheorie von Norbert Elias vorgenommen.
9. Fazit: Eine abschließende Synthese über die Bedeutung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Transformationsprozesse.
Schlüsselwörter
Karl Polanyi, Marktwirtschaft, selbstregulierender Markt, Transformation, Industrielle Revolution, Speenhamland-System, Goldstandard, Doppelbewegung, soziale Katastrophe, Faschismus, Protektionismus, Warenfiktion, Norbert Elias, Zivilisationstheorie, Gesellschaftsstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Diskussion des Werkes „The Great Transformation“ von Karl Polanyi, wobei der Fokus auf dem Wandel der Gesellschaft durch die Einführung liberaler Wirtschaftsordnungen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Entwicklung des Marktwesens, die Gefahren des Marktes für die soziale Substanz, das Konzept der fiktiven Waren sowie die Ursachen für den Aufstieg des Faschismus im 20. Jahrhundert.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, die deskriptive Erläuterung von Polanyis Thesen mit einer kritischen soziologischen Reflexion zu verknüpfen, um die Dynamik gesellschaftlicher Veränderungen besser zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-deskriptive Analyse, die durch einen interdisziplinären Vergleich (Polanyi vs. Elias) ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des internationalen Systems, der Auswirkungen der Industriellen Revolution, des Speenhamland-Systems, der protektionistischen Gegenbewegung und der Ursachen für den Faschismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Transformation, Marktgesellschaft, Doppelbewegung, Selbstschutz der Gesellschaft und Faschismus.
Warum spielt der „Warencharakter“ von Arbeit, Boden und Geld eine so große Rolle bei Polanyi?
Polanyi bezeichnet diese als „fiktive Waren“, da sie nicht primär für den Verkauf produziert wurden. Ihre Behandlung als reine Marktwaren führt seiner Ansicht nach zur Zerstörung des menschlichen Lebensraums und der sozialen Substanz.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise von Norbert Elias von der von Polanyi?
Während Polanyi den Fokus auf die wirtschaftlichen Ursachen gesellschaftlicher Krisen legt, betrachtet Elias Transformationsprozesse eher aus einer mikro- und mesotheoretischen Perspektive und betont die langfristige Differenzierung gesellschaftlicher Funktionen.
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- Mara Rebmann (Author), Juliane Marmuth (Author), 2009, Transformation als historischer Prozess, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145121