Mit der wachsenden Globalisierung seit den 1970er Jahren wurde die kommunikative
Kompetenz wesentliches Ziel des Sprachunterrichts. Sie soll die Lernenden dazu
befähigen, sich in den wichtigsten Situationen des Alltags und Berufs in der
Fremdsprache kommunikativ, d.h. sprachlich angemessen, zu verhalten. „Im Zentrum
des Sprachunterrichts steht also nicht mehr das Sprachwissen (z.B. die grammatischen
Kenntnisse), sondern das Sprachkönnen, d.h. die Anwendung der Sprache in konkreten
Situationen.“1 Die Hörverstehenskompetenz wird seither nicht mehr von den anderen
Kompetenzen in den Hintergrund gedrängt. Vielmehr legt man Wert darauf, dass die
Lernenden eine integrative Schulung aller fünf sprachlichen Fertigkeiten – Hören,
Lesen, Sprechen, Schreiben und Sprachmittlung – im Sprachlernprozess erhalten.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Hörverstehenskompetenz, die oft als die wichtigste
genannt wird.2 Sie ist in einen Theorie- und einen Praxisteil gegliedert. In ersterem wird
zunächst kurz auf alle Kompetenzen eingegangen, woraufhin die
Hörverstehensfertigkeit genauer definiert wird und hinsichtlich biologischer Grundlagen
sowie psycholinguistischer Aspekte betrachtet. Nachdem die Rolle und die Ziele des
Hörverstehens geklärt sind, befasst sich die Arbeit mit den Phasen der Sprachaufnahme.
Daraufhin werden Schwierigkeiten aufgezeigt, welche die Lernenden bei
Hörverständnisübungen haben, so dass im folgenden Punkt auf Hörverstehensstrategien
eingegangen wird, die den Schülern3 bei Schwierigkeiten von Nutzen sein können. Im
weiteren Verlauf wird die Dreiphasigkeit mit Einstimmungs- und Übungsmöglichkeiten
dargestellt. Der darauf folgende Punkt beschäftigt sich mit der Analyse sowie den
Einsatzmöglichkeiten von Hörtexten und zeigt Internetquellen auf. Der letzte Punkt des
theoretischen Teils stellt das Bewertungsproblem und Kriterien bei der Notengebung
dar. Im Praxisteil wird je ein Unterrichtsentwurf für die Jahrgangsstufen 7-10
vorgestellt. Die Themen sind la météo, la Tour de France, faire du shopping und le
journal. Zu jeder gehaltenen Unterrichtsstunde wurde eine Evaluation durchgeführt, aus
der Probleme sowie Verbesserungsvorschläge resultieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Kommunikative Fertigkeiten
1.1 Hörverstehen – la compréhension orale
1.2 Leseverstehen – la compréhension écrite
1.3 Sprechfertigkeit – la production orale
1.4 Schreibfertigkeit – la production écrite
1.5 Sprachmittlung – la médiation
2 Hörwahrnehmung und Hörverstehen
2.1 Definition
2.2 Biologische Grundlagen
2.3 Psycholinguistik
3 Rolle und Ziele des Hörverstehens
3.1 Im Allgemeinen
3.2 Im Französischunterricht der Realschule
4 Phasen der Sprachaufnahme
4.1 Grobverständnis
4.2 Detailverständnis
4.3 Komplexverständnis
5 Schwierigkeiten für Schüler
5.1 Sprachliche Schwierigkeiten
5.2 Inhaltliche Schwierigkeiten
5.3 Textorganisatorische Schwierigkeiten
5.4 Sprecherbedingte Schwierigkeiten
5.5 Übermittlungsspezifische Schwierigkeiten
5.6 Lernerbedingte Schwierigkeiten
5.7 Übersichtstabelle
6 Strategien und Techniken des Hörens
6.1 Lernstrategien und -techniken
6.1.1 Definition Lerntechnik
6.1.2 Definition Lernstrategie
6.1.3 Gründe
6.2 Hörverstehensstrategien und -techniken
7 Dreiphasigkeit
7.1 Vorphase – avant l`écoute
7.2 Hörphase – pendant l`écoute
7.3 Nachphase – après l`écoute
7.4 Aktivitäten zur Einstimmung und Überprüfung
7.4.1 Einstimmungsmöglichkeiten
7.4.2 Aufgaben während des Hörens
7.4.3 Übungen nach dem Hören
8 Hörtexte
8.1 Analyse von Hörtexten
8.1.1 Technische und materielle Beschaffenheit
8.1.2 Motivationsgrad
8.1.3 Informationswert
8.1.4 Sprachlicher Wert
8.2 Einsatzmöglichkeiten eines Hörtextes
8.2.1 Didaktischer Ort: Anfang, Mitte und Ende der Unterrichtssequenz
8.2.2 Darbietung
8.3 Quelle Internet
9 Bewertung und Kriterien
II. Praxisbezogener Teil
1 Unterricht 7. Jahrgangsstufe – Thema: la météo
1.1 Unterrichtsentwurf
1.1.1 Datenteil
1.1.2 Klassensituation
1.1.3 Unterrichtsstunde
1.1.4 Lernziele
1.1.5 Didaktische Analyse
1.1.6 Methodische Überlegungen
1.1.7 Detailplanung des Unterrichtsverlaufs
1.2 Evaluation des Unterrichtsverlaufs
1.2.1 Evaluation aus Lehrersicht
1.2.2 Evaluation aus Schülersicht
1.2.3 Fazit und Verbesserungsvorschläge
2 Unterricht 8. Jahrgangsstufe – Thema: la Tour de France
2.1 Unterrichtsentwurf
2.1.1 Datenteil
2.1.2 Klassensituation
2.1.3 Unterrichtsstunde
2.1.4 Lernziele
2.1.5 Didaktische Analyse
2.1.6 Methodische Überlegungen
2.1.7 Detailplanung des Unterrichtsverlaufs
2.2 Evaluation des Unterrichtsverlaufs
2.2.1 Evaluation aus Lehrersicht
2.2.2 Evaluation aus Schülersicht
2.2.3 Fazit und Verbesserungsvorschläge
3 Unterricht 9. Jahrgangsstufe – Thema: faire du shopping
3.1 Unterrichtsentwurf
3.1.1 Datenteil
3.1.2 Klassensituation
3.1.3 Unterrichtsstunde
3.1.4 Lernziele
3.1.5 Didaktische Analyse
3.1.6 Methodische Überlegungen
3.1.7 Detailplanung des Unterrichtsverlaufs
3.2 Evaluation des Unterrichtsverlaufs
3.2.1 Evaluation aus Lehrersicht
3.2.2 Evaluation aus Schülersicht
3.2.3 Fazit und Verbesserungsvorschläge
4 Unterricht 10. Jahrgangsstufe – Thema: le journal
4.1 Unterrichtsentwurf
4.1.1 Datenteil
4.1.2 Klassensituation
4.1.3 Unterrichtsstunde
4.1.4 Lernziele
4.1.5 Didaktische Analyse
4.1.6 Methodische Überlegungen
4.1.7 Detailplanung des Unterrichtsverlaufs
4.2 Evaluation des Unterrichtsverlaufs
4.2.1 Evaluation aus Lehrersicht
4.2.2 Evaluation aus Schülersicht
4.2.3 Fazit und Verbesserungsvorschläge
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit setzt sich intensiv mit der Hörverstehenskompetenz im Französischunterricht an Realschulen auseinander, mit dem Ziel, sowohl theoretische Grundlagen als auch praxisnahe Unterrichtskonzepte zur Förderung dieser Kernfertigkeit zu erarbeiten.
- Theoretische Einordnung des Hörverstehens im Kontext kommunikativer Fertigkeiten
- Analyse psycholinguistischer Prozesse (Bottom-up- und Top-down-Verarbeitung)
- Untersuchung potenzieller Lernschwierigkeiten und Strategien zu deren Bewältigung
- Konzeption und Evaluation von Unterrichtsentwürfen für die Jahrgangsstufen 7 bis 10
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition
Das Hörverstehen ist ein aktiver mentaler Prozess: Laute und Geräusche werden aufgenommen und in Einheiten […] segmentiert, denen dann Bedeutung zugewiesen wird. Neben das Gesagte tritt dabei immer auch das Gemeinte, d.h. der Hörer muss interpretieren. […] Der Hörer [ist] stets bemüht, die Daten und Informationen des Textes mit seinen Wissensstrukturen abzugleichen und auf diese Weise Sinn zu konstruieren. Hören […] [ist] daher nicht nur [ein] Dekodierungsprozess[] von sprachlichen Zeichen, sondern auch [ein] Konstruktionsprozess[] auf höheren Ebenen, die das Weltwissen mit einschließen.
Es wird deutlich, dass dieser Prozess aus zwei Teilfertigkeiten besteht: der Hörwahrnehmung, also dem Hören, und dem Hörverstehen, was das hörende Verstehen meint. Hörverstehen ist folglich von der Hörwahrnehmung zu unterscheiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Kommunikative Fertigkeiten: Die Arbeit verortet das Hörverstehen in den pädagogischen Bildungsstandards als eine der fünf zentralen kommunikativen Fertigkeiten im Fremdsprachenunterricht.
2 Hörwahrnehmung und Hörverstehen: Dieses Kapitel differenziert zwischen dem biologischen Vorgang der Hörwahrnehmung und der kognitiven Leistung des Hörverstehens sowie deren psycholinguistischen Grundlagen.
3 Rolle und Ziele des Hörverstehens: Es wird die didaktische Notwendigkeit beleuchtet, Hörverstehen im schulischen Umfeld systematisch zu fördern, um kommunikative Handlungsfähigkeit in einer globalisierten Welt zu ermöglichen.
4 Phasen der Sprachaufnahme: Die systematische Einteilung des Hörverstehens in die Lernstufen Grob-, Detail- und Komplexverständnis wird hier theoretisch fundiert.
5 Schwierigkeiten für Schüler: Dieses Kapitel analysiert verschiedene Störfaktoren wie sprachliche, inhaltliche oder lernerbedingte Schwierigkeiten, die den Hörverstehensprozess beeinträchtigen können.
6 Strategien und Techniken des Hörens: Es werden didaktische Ansätze vorgestellt, mit denen Schüler durch Lernstrategien und bewusste Hörtechniken ihre Kompetenzen eigenständig ausbauen können.
7 Dreiphasigkeit: Die methodische Strukturierung von Hörverstehenssequenzen in Vor-, Hör- und Nachphase wird detailliert dargestellt.
8 Hörtexte: Dieses Kapitel bietet Kriterien zur Auswahl und Analyse geeigneter Hörtextmaterialien sowie Tipps zur Einbindung in den Unterrichtsverlauf.
9 Bewertung und Kriterien: Hier werden Möglichkeiten und Herausforderungen bei der Leistungsbewertung des Hörverstehens diskutiert.
II. Praxisbezogener Teil: Der umfangreiche Praxisteil präsentiert konkrete Unterrichtsentwürfe für die Jahrgangsstufen 7 bis 10 zu variierenden Themen, inklusive deren Evaluation.
Schlüsselwörter
Hörverstehen, Fremdsprachenunterricht, Französisch, Realschule, Kommunikative Kompetenz, Hörwahrnehmung, Psycholinguistik, Strategien, Dreiphasigkeit, Didaktische Analyse, Unterrichtsentwurf, Evaluation,Authentische Texte, Hörtexte, Lehrpläne
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Stellenwert und die methodische Vermittlung des Hörverstehens im Französischunterricht an Realschulen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die kognitiven Prozesse des Verstehens, die Identifikation von Lernschwierigkeiten sowie die didaktische Umsetzung in konkreten Unterrichtsstunden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Verbindung von theoretischen Modellen zum Hörverstehen mit praxisorientierten Unterrichtsentwürfen, um die Hörkompetenz der Schüler gezielt zu fördern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse didaktischer Theorien und wendet diese im praktischen Teil durch Unterrichtsplanung, Durchführung und Evaluation an.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Abschnitt zu Prozessen und Strategien sowie einen ausführlichen Praxisteil mit evaluierbaren Entwürfen für verschiedene Klassenstufen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Hörverstehen, Französischunterricht, kommunikative Fertigkeiten, Strategien, Didaktik und Evaluation.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Hörwahrnehmung und Hörverstehen?
Die Arbeit definiert Hörwahrnehmung primär als biologischen Vorgang der Schallaufnahme, während Hörverstehen als aktiver mentaler Prozess zur Sinnkonstruktion begriffen wird.
Welche Rolle spielt die "Dreiphasigkeit" in den Unterrichtsentwürfen?
Die Dreiphasigkeit (Vorphase, Hörphase, Nachphase) dient als methodischer Rahmen, um die Schüler optimal auf den Hörtext vorzubereiten, die Konzentration während des Hörens zu lenken und das Verständnis im Anschluss zu sichern.
Warum ist die Evaluation nach den Unterrichtsstunden so wichtig?
Die Evaluation durch Lehrer- und Schülersicht ermöglicht eine kritische Reflexion des Unterrichts, um Lernfortschritte zu prüfen und Verbesserungspotenziale für zukünftige Sequenzen zu identifizieren.
- Quote paper
- Linda Seidl (Author), 2009, Hörverstehen in Theorie und Praxis. Mit Unterrichtsentwurf für die Jahrgangsstufen 7-10, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145147