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Eine kritische Betrachtung des 'face' Begriffs von den Anfängen bis heute

Titel: Eine kritische Betrachtung des 'face' Begriffs von den Anfängen bis heute

Seminararbeit , 2009 , 21 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Bernd Adam (Autor:in)

Didaktik für das Fach Englisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Komplexität der Frage, was face genau bedeutet, wird einem spätestens dann klar, wenn man versucht den Begriff in ein paar einfachen Sätzen zu erklären. Das Problem des Begriffs an sich ist, dass er sich auf die Grundlagen der Gesellschaft an sich bezieht und dadurch sehr kompliziert wird. Allein die Zeitspanne von fast 100 Jahren, in der sich Menschen mit dieser Thematik beschäftig haben, zeigt, dass die Frage nach dem face und seiner Funktion nicht einfach zu beantworten ist. In Anlehnung an den französischen Soziologen Émile Durkheim untersuchte Erving Goffman 1967 in seinem Werk Interaction Ritual die Interaktionsebene zwischen Individuen genauer. Dabei entstanden die ersten Definitionen von face und face-work. Da dieser Ansatz bis heute Einfluss auf die face-Forschung hat, wird er auch Teil meiner Arbeit sein, in der ich mich anhand einiger ausgewählter Ansätze näher mit der komplexen Thematik des face befassen möchte. Dabei sollen die Probleme deutlich werden, die unter anderem durch verschiedene Kulturkreise und deren Auffassung von face entstehen. Neben Goffmans Arbeit werde ich dazu den modernen Ansatz von Brown / Levinson (1987) als Grundlage heranziehen und diesen beiden zwei postmoderne Ansätze gegenüberstellen, um die Kritikpunkte herauszuarbeiten, die die postmoderne gegenüber der modernen und traditionellen Forschung erhebt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der face Begriff nach Goffman

2.1 Was ist face?

2.2 Face-work

3. Politeness Theory nach Brown / Levinson

3.1 Gemeinsamkeiten mit Goffman

3.2. Face als wants

4. Postmoderne Ansätze

4.1 Relational work nach Locher / Watts

4.1.1 Relational work: Eine Kritik an Brown / Levinson

4.1.2 Face im Zusammenhang mit relational work

4.2. Rapport Management nach Spencer-Oatey

4.2.1 Rapport Management

4.2.2 Respectability face und identity face

4.2.3 face und values

5. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Bedeutung des face-Begriffs in der soziolinguistischen Forschung, wobei sie klassische Ansätze Erving Goffmans und Brown / Levinsons den postmodernen Perspektiven von Locher / Watts und Spencer-Oatey gegenüberstellt, um die kulturelle Abhängigkeit und soziale Dynamik dieses Konstrukts kritisch zu hinterfragen.

  • Historische Entwicklung der face-Konzepte
  • Kritik an der westlichen Ausrichtung der Höflichkeitstheorien
  • Dynamik und Situationalität von face in der sozialen Interaktion
  • Vergleichende Analyse moderner und postmoderner Forschungsansätze
  • Interdisziplinäre Betrachtung von Identität und sozialer Interaktion

Auszug aus dem Buch

2.1 Was ist face?

Um Goffmans (1967) Definition des Begriffs face zu begreifen, ist es zunächst einmal entscheidend zu verstehen, von welchem Punkt aus er sein Konstrukt aufgebaut hat. Goffman geht hierbei von der Annahme aus, dass die Welt voller sozialer Begegnungen in jeglicher Form ist. Es spielt dabei keine Rolle, wie diese Begegnungen zustande kommen. Entscheidend ist nur, dass durch diese Begegnungen Menschen dazu gezwungen sind, ein bestimmtes Selbstbild zu vermitteln und das Selbstbild anderer zu rezipieren. Laut Goffman geschieht dies durch eine line, einer bestimmten Verhaltensweise, welcher die betreffende Person in einer solchen Begegnung folgt. Es ist dabei völlig ohne Bedeutung ob der Interagierende diese line bewusst oder unbewusst wählt, da sein gegenüber in jedem Fall annehmen wird, er hätte sich absichtlich so verhalten. Menschen sind demnach in ihren sozialen Interaktionen an lines gebunden, da es für die Darstellung des eigenen Selbstbildes entscheidend ist den Eindruck zu berücksichtigen, den andere über einen selbst bekommen. (Goffman, 1967: 5)

Goffman geht nun davon aus, dass jeder Mensch einen positiven sozialen Wert für sich beansprucht, der ihn dazu bringt bestimmte lines bewusst oder unbewusst zu verfolgen. Diesen Wert bezeichnet er als face und definiert ihn wie folgt:

The term face may be defined as the positive social value a person effectively claims for himself by the line others assume he has taken during a particular contact. Face is an image of self delineated in terms of approved social attributes - albeit an image that others may share, as when a person makes a good showing for his profession or religion by making a good showing for himself.

(Goffman, 1967: 5)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Komplexität des face-Begriffs ein und umreißt das Ziel, verschiedene Theorien von der Moderne bis zur Postmoderne kritisch gegenüberzustellen.

2. Der face Begriff nach Goffman: Das Kapitel erläutert Goffmans grundlegendes Konzept von face als positivem sozialen Wert, der durch soziale Interaktion und die Einhaltung bestimmter Verhaltenslinien erzeugt wird.

3. Politeness Theory nach Brown / Levinson: Es wird dargelegt, wie Brown und Levinson auf Goffman aufbauen, face jedoch stärker als rationales Bedürfnis (wants) definieren und in ein systematisches Modell überführen.

4. Postmoderne Ansätze: Dieses Kapitel präsentiert mit Relational Work und Rapport Management zwei Ansätze, die die klassische Forschung für ihre westliche Zentrierung und mangelnde Kontextsensitivität kritisieren.

5. Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert die Notwendigkeit, face als dynamisches und interdisziplinäres Phänomen zu betrachten, um eine kulturunabhängige Definition zu ermöglichen.

Schlüsselwörter

face, face-work, Politeness Theory, relational work, rapport management, Erving Goffman, Brown / Levinson, soziale Interaktion, Identität, Selbstbild, face threats, interkulturelle Kommunikation, soziale Werte, Höflichkeit, Dynamik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit bietet eine fundierte kritische Untersuchung des wissenschaftlichen face-Begriffs, von seinen soziologischen Ursprüngen bis hin zu aktuellen postmodernen Diskursen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen die Theorien der sozialen Höflichkeit, die Dynamik zwischen Individuum und Gruppe sowie die kulturellen Einflüsse auf die Konstruktion von Identität und Ansehen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Entwicklung der face-Forschung nachzuvollziehen und aufzuzeigen, warum eine interdisziplinäre und flexiblere Betrachtungsweise für heutige globale Kontexte essenziell ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die zentrale wissenschaftliche Werke gegenüberstellt und hinsichtlich ihrer methodischen Reichweite und Kritikpunkte untersucht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert das Grundmodell von Goffman, die Politeness Theory von Brown / Levinson sowie die modernen Ansätze von Locher / Watts und Spencer-Oatey.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind unter anderem face, face-work, Rapport Management, Relational Work, soziale Interaktion sowie kulturelle Prägung.

Wie unterscheidet sich der Ansatz von Brown / Levinson von Goffman?

Während Goffman face als situationsgebundenes und dynamisches Ereignis sieht, interpretieren Brown / Levinson es stärker als Teil der Persönlichkeit in Form von basic wants innerhalb einer rationalen Kommunikation.

Was ist die Hauptkritik an den klassischen Modellen der Höflichkeitsforschung?

Die Hauptkritik besteht in der einseitigen westlichen Orientierung der Modelle sowie der Vernachlässigung des situativen Kontexts und nicht-lexikalischer Kommunikationsaspekte wie Prosodie.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Eine kritische Betrachtung des 'face' Begriffs von den Anfängen bis heute
Hochschule
Universität Augsburg  (Philologisch-historische Fakultät - Englische Sprachwissenschaft)
Veranstaltung
Politeness Worldwide
Note
1,3
Autor
Bernd Adam (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V145157
ISBN (eBook)
9783640549238
ISBN (Buch)
9783640551071
Sprache
Deutsch
Schlagworte
face politeness Goffman Locher Watts Brown Levinson Spencer-Oatey Schwartz Soziolinguistik Sprachwissenschaft face-work politeness theory relational work rapport management face-threats threats FTA face-threatening acts value construct interaction ritual lose face save face Linguistik gain face
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Bernd Adam (Autor:in), 2009, Eine kritische Betrachtung des 'face' Begriffs von den Anfängen bis heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145157
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Leseprobe aus  21  Seiten
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