Soziale Dienste in Europa

Ein Vergleich zwischen Großbritannien und Deutschland


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

1. Soziale Dienste in Europa
1.1 Unterscheidung der Sozialstaatstypen
1.1.1 Sozialstaat Deutschland
1.1.2 Sozialstaat Großbritannien

2. Träger sozialer Dienstleistungen
2.1 Träger in Deutschland
2.2 Träger in Großbritannien

3. Rechtlicher Rahmen sozialer Dienstleistungen
3.1 Deutschland
3.2 Großbritannien

4. Schlussbemerkung

II. Literatur

III. Anhang

I. Einleitung

„Soziale Dienste haben zunehmend Bedeutung für die Lebenslage vieler Bevölkerungsgruppen. In allen modernen Gesellschaften steigt die Nachfrage nach sozialen Dienstleistungen, angetrieben vor allem durch langfristige demographische und sozio-ökonomische Veränderungen“ (Bahle, Pfenning 2001: 3).

Die vorliegende Arbeit soll zunächst einen Kurzüberblick über die Sozialen Dienste in Europa geben, bevor zum besseren Verständnis, im nachfolgenden Schritt, der jeweilige Sozialstaatstypus, der hier zu vergleichenden Länder, vorgestellt wird.

In den Kapiteln zwei und drei werden die Träger sozialer Dienstleistungen vorgestellt und der rechtliche Rahmen in Deutschland und Großbritannien vergleichend dargestellt. Abschließend soll ein kurzes Fazit diese Arbeit beschließen. Im Anhang stelle ich überdies eine Übersicht von weiteren vergleichenden Daten zu den beiden Ländern in Tabellen zusammen.

1. Soziale Dienste in Europa

Die Sozialen Dienste sind in Europa in unterschiedlichen Kontexten angesiedelt und wenngleich sie auch häufig nicht-staatlich organisiert sind, unterliegen sie dennoch staatlicher Regulierung und Kontrolle. Für die Definition Sozialer Dienste ergeben sich nach einer vergleichenden Untersuchung zwei Schlussfolgerungen. Zum einen muss sie von sozialen Diensten als sozialen Handlungen ausgehen, diese können durchaus in unterschiedlichen institutionellen und organisatorischen Strukturen verankert sein. (vgl. Bahle, 2007) Und zum anderen muss sie „den Wohlfahrtsstaat im Kontext eines komplexen Feldes sozialer Beziehungen betrachten, indem verschiedene staatliche und nicht-staatliche Akteure interagieren“ (Bahle, 2007: 34).

In Anbetracht der Arbeitsteilung zwischen Zentralstaat, Regionen und Gemeinden im System sozialer Dienste im europäischen Vergleich wird zwischen drei Ländergruppen unterschieden. Zentralistische Systeme (Frankreich, Italien, Niederlande, Spanien), föderale Systeme (Belgien, Deutschland) und Systemen mit hoher lokaler Autonomie (Skandinavien und Großbritannien vor 1980). Jedoch gibt es ebenso unterschiede zwischen den Ländern innerhalb jeder Gruppe. (vgl. Bahle, Pfenning, 2001)

1.1. Unterscheidung der Sozialstaatstypen

In klassischer Weise hat GØsta Esping-Andersen die Sozialstaatsregime, welche sich im letzten Viertel des vorherigen Jahrhunderts herausgebildet haben, einem systematischen Vergleich unterzogen. Die von ihm analysierten und beschriebenen Idealtypen eines liberalen, eines konservativen und eines sozialdemokratischen Sozialstaates (siehe Abbildung 1) unterscheiden sich in einer Vielzahl von Merkmalen. Im Besonderen aber darin, ob und in welchem Ausmaß sie soziale Bürgerrechte institutionalisiert haben. (vgl. Meyer, 2005) Zur weiteren Vertiefung hierzu, siehe Tabelle 1 im Anhang. Um den nachfolgenden Vergleich der sozialen Dienste im Kontext besser zu begreifen stelle ich zunächst die beiden Länder in ihren Sozialstaatstypischen Merkmalen, nach GØsta Esping-Andersen vor. Wenngleich diese Unterscheidung nicht Kritikfrei ist und viele Wissenschaftler die Dualisierungstendenz aller Regimetypen für den gemeinsamen Kern halten. (vgl. Butterwegge, 1999)

Abbildung 1: Grundmodell Esping-Andersen (1990)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Schmitz, Jutta; Institut für Soziologie; Lehrstuhl Soziologie des Sozialstaates, Universität Duisburg-Essen, Vortrag in Ingelheim vom 07.10.2009

1.1.1 Sozialstaat Deutschland

Im Zentrum der konservativen sozialstaatlichen Ausrichtung steht die Rechtmäßigkeit und der Schutz überlieferter hierarchischer sozialer Gemeinschaften und Ordnungen wie Familie, Stände und Volk. Hinsichtlich der sozialleistungsrechtlichen Verteilung des gesellschaftlichen Vermögens setzt dieses Sozialstaatskonzept nachweislich nicht auf intersoziale Umverteilung, sondern betont die Unterhaltspflicht Familienangehöriger und die Vorsorgepflicht der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in gleichwertiger Ausgestaltung der Beitrags-Leistungs-Beziehung. Anders als beim liberalen Sozialstaattypus, geht es hier nicht nur um die simple Existenzsicherungsgarantie des Staates, sondern vielmehr um die Fortschreibung des Status und Lebensstandards außerhalb der Arbeitswelt. Sofern die äquivalenten Transfereinkommen und Eigenmittel zu einem Einkommen unterhalb des Existenzminimums führen, setzt die Sozialhilfe ein. Im europäischen Vergleich sind Staaten dieses Konzeptes, hinsichtlich der Aufwendungen für den Sozialschutz, der Armutsquote und sozialer Ungleichheit zumeist im Mittelfeld zu finden. (vgl. Boeckh, Huster, Benz, 2006)

Konservativer Sozialstaatstyp nach GØsta Esping-Andersen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Heinze, R. G.; Schmid, J.; Strünck, C.; Vom Wohlfahrtsstaat zum Wettbewerbs-staat, Opladen 1999: 103. (Eigene Darstellung)

1.1.2 Sozialstaat Großbritannien

Meyer schreibt, dass dieses liberale Modell durch eine Vorherrschaft von Marktprinzipien gekennzeichnet ist und auf folgenden Grundlagen beruht:

- Primäre Programme sind auf einzelne Zielgruppen bezogen, denen bedürfnisorientierte, vom Bedürftigkeitsnachweis abhängende Leistungen zugute kommen.
- Die Lohnersatzleistungen in den verschiedenen Programmen haben ein niedriges Niveau.
- Programme sind zumeist aus allgemeinen Steuern finanziert.
- Neben Gesundheitswesen und Bildungssystem besteht kaum ein Anspruch auf soziale Dienstleistungen.
- Schwach entwickelte Familienpolitik
- Niedriger Beschäftigungsschutz verbunden mit passiver Arbeitsmarktpolitik und einem entwicklungsbedürftigen System der Berufsbildung.
- Unkoordinierte, im Wesentlichen durch den Markt vermittelte industrielle Benziehungen auf der Grundlage gemäßigt starker Gewerkschaften, dezentralisierte Tarifverhandlungen, die nur wenige Beschäftigte einschließen. (vgl. Meyer, 2005)

Liberaler Sozialstaatstyp nach GØsta Esping-Andersen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Heinze, R. G.; Schmid, J.; Strünck, C.; Vom Wohlfahrtsstaat zum Wettbewerbs-staat, Opladen 1999: 103. (Eigene Darstellung)

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Soziale Dienste in Europa
Untertitel
Ein Vergleich zwischen Großbritannien und Deutschland
Hochschule
Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe  (Soziale Arbeit)
Veranstaltung
Internationale und international vergleichende Soziale Arbeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V145173
ISBN (eBook)
9783640546657
ISBN (Buch)
9783640546152
Dateigröße
916 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Im Anhang befinden sich eigens erstellte Tabellen die weitere wissenschaftliche Angaben der hier zu vergleichenden Staaten beinhalten. Diese Angaben sind der angegebenen Vorlesung des Herrn Prof. Dr. phil. H., Bochum, entnommen.
Schlagworte
Soziale Arbeit, Soziale Dienste, Politikwissenschaft, Großbritannien, Deutschland, vergleichende Studien, Sozialstaaten, Huster, Boekh, Esping-Andersen
Arbeit zitieren
André Höllmann (Autor), 2010, Soziale Dienste in Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145173

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