Umgang mit literarischen Texten. Der Begriff „Gerechtigkeit“ am Beispiel der Fabel "Löwe, Esel und Fuchs" von Aesop


Unterrichtsentwurf, 2009

17 Seiten, Note: 2


Leseprobe

1. Lernsituation und Lernvoraussetzungen

Die „Schule X“ ist eine offene Ganztagsschule mit einer Mensa, nachmittäglicher Hausaufgabenhilfe und einem Förderbereich sowie einem vielfältigen Kursangebot. Somit werden unterschiedliche Begabungen gefördert und Interessen auch nach Unterrichtsschluss weiterhin verfolgt. Die Schule, die sich im X Stadtteil Y befindet, umfasst die Jahrgangsstufen 5-10 mit ca. 600 Schülern und 44 Lehrern.

Die von mir unterrichtete Lerngruppe, Klasse 6b, besteht aus 12 Jungen und 12 Mädchen im Alter von 11 bis 12. Ich habe die Klasse erst zum August 2008 übernommen und unterrichte dort seitdem eigenverantwortlich fünf Stunden Deutsch. Außerdem gebe ich zehn Schülern, die kein Spanisch lernen, eine Stunde in der Woche Förderunterricht. Ich begleite die Klasse nicht nur im Fach Deutsch, sondern auch bei schulischen Aktivitäten wie Klassenfahrten und Weihnachtsfeiern. Drei Schüler sind nicht deutscher Herkunft, sprechen jedoch sicher Deutsch. Sie haben geringere Schwierigkeiten im mündlichen Gebrauch. Größere Schwächen zeigen sich dagegen in der Schriftsprache, bei deren Umsetzung häufig grammatikalische Defizite sichtbar werden. Ihnen fehlen beim Verfassen von Texten der notwendige Wortschatz und die Distanz zur mündlichen Sprache, bzw. erzählen sie stark in der Umgangssprache.

Das soziale Klima innerhalb der Klassengemeinschaft ist relativ ausgeglichen, obwohl die 6b als eine nicht recht einfache Klasse angesehen wird. Manchmal kommt es vor allem in Pausen zu Streitereien zwischen einzelnen Schülern, die möglichst rasch geklärt werden müssen. Nachdem Konflikte gelöst sind, kann man mit ihnen guten Unterricht durchführen. Die Klasse lässt sich mittels Lob, Belohnungspunkten und von einem Unterricht, der von spielerischem Charakter gekennzeichnet ist, motivieren. Sowohl das Arbeitsverhalten als auch die Motivation sowie das Lernklima der Klasse sind in hohem Maße interessensgebunden.

Partnerarbeit wird am häufigsten angewendet, da diese sich als effektiver erwies. Die Schüler sitzen im Klassenraum in Partnergruppen mit Sicht zur Tafel. Die Gruppen sind so gestaltet, dass ein leistungsstärkerer Schüler mit einem schwächeren Schüler zusammen an einem Tisch sitzt. Somit soll den schwächeren Schülern die Möglichkeit gegeben werden, bei Schwierigkeiten zunächst den Partner fragen zu können.

Die Lerngruppe ist stark heterogen. Es besteht eine große Diskrepanz im Leistungsbild. Die Beteiligung der Schüler am Unterricht ist unterschiedlich. Acht Schüler (Ja., R., T., A., DC, JD, W., Ser.) erweisen sich durch eine überdurchschnittliche Beteiligung und Leistung. Sie werden deswegen in der Klasse jedoch nicht als sog. „Streber“ angesehen. Das Wissen und Verhalten des Schülers T. liegt über dem Durchschnitt der Klasse, was den anderen offensichtlich nicht zu gefallen scheint. Er erfährt bei richtigen Beiträgen und im Gebrauch von altersgemessen selten gebrauchten Wörtern negative Kritik. Um nicht in eine Außenseiterrolle zu geraten, versucht er mittels einer „Mitläufer-Rolle“ außerhalb des Unterrichts sich beliebt zu machen. Im Unterricht verhält er sich weiterhin positiv. Schüler Da., Drl., JS., V. Do., So., An., De. Jas., und MI. zeigen erhebliche Leistungsdefizite, zudem sind sie zurückhaltender als die anderen, ziehen sich oft zurück. JS. hat in der Vergangenheit eine Logopädie-Behandlung gehabt, er spricht selten mit Lehrern. Bei Do. gibt es Überlegungen, ob er überprüft werden soll. Soweit es geht, versuche ich diese Defizite mit ihnen in jeder Gelegenheit durch Gespräche aufzuheben. Schüler Da., De. und Do. haben bis jetzt weder mündlich noch schriftlich eine ausreichende Leistung gezeigt. Schüler Do. bemüht sich zwar, den Erwartungen an Arbeitsaufträgen gerecht zu werden, jedoch kommt er oft an seine Grenzen, wodurch seine Bereitschaft für mündliche Leistungen abnimmt. Ihm fehlen oft Hausaufgaben und Materialien. Vor allem zeigen St., N., KL., und MW. Probleme, sich im Unterricht ruhig zu verhalten und konzentriert dabei zu sein. St. kann sehr schwer ruhig sitzen und ist nicht in der Lage, dem Unterrichtsgeschehen leise und konzentriert zu folgen. Man erlaubt ihm, wenn nötig, während des Unterrichts aufzustehen und sich zu bewegen. Schüler KL. weist auch im Sozialverhalten die größten Defizite auf, sodass oft Probleme im Umgang mit Schülern als auch Erwachsenen entstehen. Er neigt dazu, sich in den Vordergrund zu stellen, möchte eine dominante Stellung besitzen und provoziert ständig seine Mitschüler.

Insgesamt ist die Lerngruppe fachbezogen interessiert und auch lebhaft, wobei dies manchmal für den Unterricht in Form von Lautstärke störend sein kann. Trotzt der lebhaften Unruhe ist die Lernatmosphäre angenehm. Die Schüler nehmen grundsätzlich eine positive Grundhaltung zum Fach Deutsch ein. Die Arbeit erscheint ihnen sinnvoll. Die Motivation ist allerdings stark themenabhängig. So zeigten die Schüler bei Ganzschriften wie „Sams Wal“ großes Interesse. Sie sind bereit die Texte zu lesen, können die wesentlichen Elemente erfassen und die Inhalte erschließen. Emotionale Haltungen und Gefühlserlebnisse wurden während der Arbeit mit der Lektüre „Sams Wal“ deutlich in Verbindung zum Text gesetzt. Das gemeinsame Vorlesen wird von der gesamten Klasse bevorzugt. Viele Schüler können flüssig lesen und stellen ggf. Fragen bei Unklarheiten. Einige Schüler lesen noch Wort-für-Wort, bzw. recht langsam und stockend. Do. ist der einzige Schüler der Klasse, der sich beim Vorlesen unwohl fühlt. Er artikuliert nicht jeden Buchstaben genau und „schluckt“ sozusagen einzelne Wörter. Dies geschieht vor allem bei Unsicherheiten in der Aussprache des Wortes. Viele Schüler der Klasse machen keine Pausen beim Vorlesen eines Textes und vermeiden die Betonungen. Ser., W., R., JD., Ja. und T. sind Schüler der Klasse, die sich bereits um eine Betonung einzelner Wörter bemühen. Die Schüler sind imstande, den Sinn des Textes größtenteils zu erschließen und innere Monologe zu verfassen. Bei einigen Schülern fällt auf, dass sie noch Probleme haben, ihre eigenen Texte zu strukturieren bzw. auch so zu formulieren, dass sie für den Leser verständlich ist. Die Texte sind meist weder intentions- noch adressatenbezogen. Gerade bei kreativ-produktiven Aufgaben fällt auf, dass die Rechtschreibung eines Großteils der Schüler noch nicht sicher ist. Viele Schüler haben Schwierigkeiten mit der Groß- und Kleinschreibung.

Die Schüler haben in dieser Unterrichtseinheit bereits gelernt, was eine Fabel ist und welche Merkmale sie aufweist. Des Weiteren wurde über die Funktion der Fabel im aesopischen Sinn gesprochen und diskutiert. Für die heutige Stunde werden Verhaltensweisen von Fabeltiere mit Hilfe des Schreibens eines inneren Monologs erschlossen und bewertet. Viele Schüler sind in der Lage das Verhalten der Tiere zu interpretieren.

2. Didaktische Analyse

2.1 Struktur des Lerngegenstands

Die Fabeln gehören zu den ältesten literarischen Kurzformen der Epik und sind in der Regel kürzer als viele epische Kurzformen. Trotz der Kürze ist die erzählte Geschichte ein gut strukturiertes Ganzes, „das Spannung aufbaut und in einer Schlusspointe löst.“ (Coenen 2000, 14) Die handelnden Figuren sind am meisten die Tiere, Pflanzen oder Dinge sind selten. Das auffälligste Merkmal der Fabel ist, dass Tiere menschliche Züge und Charakterweisen vorlegen und eine repräsentative Funktion besitzen. Einige der bekanntesten handelnden Figuren (Hahn, Fuchs, Wolf, Löwe, Maus, Katze, Esel) begegnen sich immer wieder und stellen bestimmte Eigenschaften dar, die ihnen schon fast traditionellerweise zugeordnet sind, wie z.B. die Dummheit des Esels, die Listigkeit der Schlange oder die Schlauheit des Fuchses. Die einzelnen Figuren repräsentieren bestimmte Persönlichkeiten. So wird dem Löwen oft die Rolle des Königs, die herrschende, dominierende Funktion gegeben (Esser 2002, 47). Des Weiteren ist auffällig, dass die Tiere Tätigkeiten, die für den Menschen typisch sind, ausführen, wie z.B. Dialoge halten.

Am Ende der Fabel steht meist eine moralische Lehre, die durch den Leser auf sein eigenes Leben übertragen werden kann. Die Lehre kann entweder explizit ausgedrückt werden oder hinter dem Erzählten versteckt sein, die dann zu entschlüsseln ist (Esser 2002, 47). Viele Fabeln besitzen jedoch bereits eine angefertigte (ausgeführte) Moral, die man auch als „Epimythion“ bezeichnet (Berner 1979, 11).

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Umgang mit literarischen Texten. Der Begriff „Gerechtigkeit“ am Beispiel der Fabel "Löwe, Esel und Fuchs" von Aesop
Note
2
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V145225
ISBN (eBook)
9783640597284
ISBN (Buch)
9783640597123
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Lehrproben-Unterrichtsentwurf mit Stoffplan für die gesamte Einheit, didaktische + methodische Analysen,Verlaufsplan, Literaturangaben, Arbeitsmaterialien. Entworfen für Klasse 6 Gesamtschule
Schlagworte
Perspektive der Figuren einnehmen sowie Gefühls- und Gedankenwelt versprachlichen und verstehen, der Esel und der Fuchs“
Arbeit zitieren
Nuran Ozan (Autor), 2009, Umgang mit literarischen Texten. Der Begriff „Gerechtigkeit“ am Beispiel der Fabel "Löwe, Esel und Fuchs" von Aesop, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145225

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