Diese Bachelorarbeit beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Anorexie, Alexithymie und Emotionsregulation. Dabei soll ein besseres Verständnis des Krankheitsverlaufs und der Störung generell erzielt werden.
Anorexie, auch bekannt als Magersucht, ist eine ernstzunehmende psychische Störung, die mit starker emotionaler, physischer und psychischer Belastung, verringerter Lebensqualität und Leistungsfähigkeit und reduzierter sozialer Teilhabe einhergeht. Im DSM-5 ist Anorexie gekennzeichnet durch eine eingeschränkte Energieaufnahme, die zu einem signifikant niedrigen Körpergewicht führt, einer übertriebenen Angst vor einer Zunahme des Gewichtes sowie Verhaltensweisen, die dieser Zunahme entgegenwirken. Auch eine gestörte Körperbildwahrnehmung, übertriebener Einfluss des Gewichts auf die Selbstbewertung sowie mangelnde Krankheitseinsicht sind häufige Symptome.
Die Störung kann sich in zweierlei Formen manifestieren. Einerseits gibt es den restriktiven Typ (AN-R), bei dem eine Gewichtsabnahme vor allem durch Diäten, Fasten und übermäßigen Sport erfolgt. Der Binge/Purging-Typ (AN-BP) hingegen ähnelt eher der Bulimie, die sich durch regelmäßige Essanfälle und unangemessene kompensatorische Maßnahmen wie selbstinduziertem Erbrechen und/oder dem Gebrauch von Laxantien und Diuretika auszeichnet. Der AN-BP-Subtyp kann ebenfalls durch diese Verhaltensweisen charakterisiert werden, weist aber zusätzlich ein signifikant niedriges Gewicht auf, welches bei der Bulimie nicht zwingend erforderlich ist. Die Schwere der Störung kann anhand des Body-Maß-Indexes (BMI) bestimmt werden, der sich aus der Relation von Körpergewicht und Körpergröße ergibt. Ein Wert von mindestens 17 kg/m2 gilt als leichte Erkrankung, 16-16,99 kg/m2 als mittel, 15-15,99 kg/m2 als schwer und ein BMI unter 15 kg/m2 wird mit einer extremen Anorexie in Verbindung gebracht. Aufgrund der Tatsache, dass Anorexie eine multidimensionale Störung darstellt und schwer zu behandeln ist, steht die Diagnose- und Schweregradbestimmung anhand des BMIs als einziges Kriterium häufig unter Kritik. Stattdessen erscheint es sinnvoll, auch andere Komponenten zu berücksichtigen, um Interventionen effektiver gestalten zu können.
Inhaltsverzeichnis
1 Abstract
2 Einleitung
2.1 Anorexie
2.2 Alexithymie
2.3 Emotionsregulation
2.4 Zielsetzung und Ableitung der Fragestellung
3 Methoden
4 Ergebnisse
4.1 Verwendete Messinstrumente
4.1.1 Messinstrumente zur Erfassung der Alexithymie
4.1.2 Messinstrumente zur Erfassung der Emotionsregulation
4.1.3 Weitere Messinstrumente
4.2 Zusammenhang der Konstrukte
4.2.1 Befunde im Hinblick auf Alexithymie
4.2.2 Befunde im Hinblick auf die Emotionsregulation
4.2.3 Integration der Ergebnisse zur Erklärung der Aufrechterhaltung von Anorexie
4.2.4 Einflussgröße soziale Interaktionen
4.2.5 Differenzierung in die Anorexie-Subtypen
4.2.6 Einfluss von komorbiden Symptomen
4.3 Behandlungsimplikationen
4.3.1 Vorhandene Therapien und spezifische Interventionen
4.3.2 Generelle Implikationen ausgehend von den Ergebnissen
5 Diskussion
5.1 Ziel der Review und Zusammenfassung der Ergebnisse
5.2 Kritische Sicht auf die Erfassung der Konstrukte
5.3 Diskussion und mögliche Erklärungen für unterschiedliche Befunde
5.3.1 Inkonsistente Ergebnisse bei Alexithymie
5.3.2 Inkonsistente Ergebnisse bei der Emotionsregulation
5.3.3 Weitere Erklärungen für unterschiedliche Befunde
5.4 Zusammenfassung und Diskussion von Behandlungsimplikationen
5.5 Stärken und Limitationen
5.6 Implikationen für zukünftige Forschung
6 Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit führt ein systematisches Review durch, um den Zusammenhang zwischen Anorexie, Alexithymie und Emotionsregulation zu untersuchen. Das primäre Ziel ist es zu prüfen, inwieweit Alexithymie und Emotionsregulationsdefizite gemeinsam bei Anorexie auftreten und zur Entstehung sowie Aufrechterhaltung der Störung beitragen, um daraus potenzielle klinische Behandlungsimplikationen abzuleiten.
- Zusammenhang von Anorexie, Alexithymie und Emotionsregulation
- Einfluss von Alexithymie auf die Wirksamkeit der Emotionsregulation bei Anorexie
- Die Rolle der Aufrechterhaltung von Anorexie durch maladaptive Emotionsregulationsstrategien
- Einflussfaktoren wie soziale Interaktionen, Subtypen und Komorbiditäten
- Exploration klinischer Implikationen und emotionsfokussierter Behandlungsansätze
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Integration der Ergebnisse zur Erklärung der Aufrechterhaltung von Anorexie
Anorexie ist mit der grundlegenden Unfähigkeit assoziiert, aversive und schmerzhafte Zustände zu ertragen (Saure et al., 2022). Es wird angenommen, dass die Essstörung mit einer generell erhöhten emotionalen Erregung einhergeht (Janetschek et al., 2021; Khosravi, 2020; Mariani et al., 2022; Rothschild-Yakar et al., 2019), die zu einer höheren Verwundbarkeit und Anfälligkeit in emotionalen Kontexten führt (Haynos & Fruzzetti, 2011; Janetschek et al., 2021). Dies wurde beispielsweise anhand qualitativer Berichte oder Experimenten gezeigt, welche emotionale Stimuli präsentierten und bei Anorexie-Patient:innen eine erhöhte Reaktivität und eine verlängerte emotionale Antwort beobachten ließen (Rothschild-Yakar et al., 2019).
Daher kommt es bei dem Erleben emotionaler Situationen oft zu einem Gefühl der Überwältigung und Verwirrung, welches durch Alexithymie weiter verstärkt wird (Lundblad et al., 2015). Durch die Unterdrückung und Vermeidung wird der negative Affekt zunächst verringert und verschafft eine kurzfristige Erleichterung (Vuillier et al., 2020). Es wird suggeriert, dass dieses Verhalten langfristig das Erlernen alternativer adaptiver Emotionsregulationsstrategien wie kognitiver Neubewertung behindert, die zu emotionsspezifisch angemessenen Reaktionen befähigen würden. Auch generell kann keine positive Lernerfahrung im Umgang mit schwierigen Situationen gesammelt werden (Sfärlea et al., 2019).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Abstract: Zusammenfassung der Thematik, Methodik und der zentralen Ergebnisse zur Rolle von Emotionsverarbeitungsproblemen bei Anorexie.
2 Einleitung: Einführung in das Störungsbild der Anorexie, die Konstrukte Alexithymie und Emotionsregulation sowie die Ableitung der Forschungsfrage dieser Übersichtsarbeit.
3 Methoden: Detaillierte Beschreibung der systematischen Literaturrecherche in Anlehnung an die PRISMA-Richtlinien, inklusive Suchstrategien und Einschlusskriterien.
4 Ergebnisse: Darstellung der in den Studien verwendeten Messinstrumente und Zusammenführung der Befunde zum Zusammenhang zwischen den untersuchten Konstrukten.
5 Diskussion: Kritische Reflexion der Ergebnisse, Erörterung der Limitationen der vorliegenden Studien sowie Diskussion von Behandlungsimplikationen und Ansätzen für zukünftige Forschung.
6 Schlussfolgerungen: Synthese der Haupterkenntnisse der Review und deren Bedeutung für das Verständnis und die Behandlung von Anorexie.
Schlüsselwörter
Anorexie, Anorexia Nervosa, Alexithymie, Emotionsregulation, Emotionsdysregulation, systematische Review, Essstörung, Therapie, Emotionsfokussierte Therapie, Mentalisierung, Maladaptive Strategien, Kognitive Neubewertung, Unterdrückung, Vermeidung, Behandlung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung, ob und wie die drei Konstrukte Anorexie, Alexithymie und Emotionsregulation miteinander in Verbindung stehen und welche Rolle diese Verbindung in der Entstehung und Aufrechterhaltung der Störung spielt.
Welche zentralen Themenfelder werden beleuchtet?
Die zentralen Themen sind das Verständnis von Anorexie als multidimensionale Störung, die Defizite in der Emotionserkennung und -beschreibung (Alexithymie) sowie die Schwierigkeiten bei der Regulation negativer emotionaler Zustände.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, eine systematische Literaturübersicht über den Zusammenhang dieser drei Aspekte zu erstellen und explorativ zu prüfen, welche klinischen Implikationen sich daraus für die Verbesserung von Behandlungserfolgen ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin führte ein systematisches Review durch, das sich an den PRISMA-Richtlinien orientiert, mit einer Recherche in den Datenbanken Scopus und Web of Science.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der verwendeten Messinstrumente (wie TAS-20 oder DERS), die detaillierte Analyse der Befunde zum Zusammenhang der Konstrukte, die Auswirkung auf soziale Interaktionen und Komorbiditäten sowie die Diskussion spezifischer Behandlungsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind neben Anorexie und Anorexia Nervosa vor allem Alexithymie, Emotionsregulation, Emotionsdysregulation, systematische Review, Behandlungsansätze sowie kognitive und maladaptive Strategien.
Wie trägt Alexithymie zur Aufrechterhaltung von Anorexie bei?
Alexithymie erschwert es, eigene Gefühle wahrzunehmen und zielgerichtet zu regulieren. Dies führt zu einem Gefühl der Überwältigung, weshalb Patienten auf maladaptive Strategien (wie Unterdrückung oder Essstörungssymptome) zurückgreifen, was langfristig die Störung stabilisiert.
Welche psychotherapeutischen Ansätze werden als besonders vielversprechend hervorgehoben?
Besonders erwähnt werden emotionsfokussierte Ansätze wie die Emotion Acceptance Behaviour Therapy (EABT), die Emotionsfokussierte Therapie (EFT), das Cognitive Remediation and Emotion Skills Training (CREST) sowie die Dialektische Verhaltenstherapie (DBT).
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2023, Anorexie, Alexithymie und Emotionsregulation. Eine systematische Review, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1452348