Diese Seminararbeit geht der Frage nach, wieso fast alle Moscheen im Kanton Solothurn an peripherer Lage stehen, oftmals mitten im Industriegebiet.
Mithilfe der Gouvernementalitätstheorie Michel Foucaults analysiere ich die staatlichen und politisch-gesellschaftlichen Machtaspekte, welche dieses empirische Phänomen der urbanen Exklusion meines Erachtens nicht nur beeinflussen, sondern bedingen.
Zwar kann man auch unpolitische, praktische Gründe anführen, doch direktdemokratische und ortsplanerische Regierungsinstrumente, nicht zu unterschätzender antimuslimischer Rassismus mit rechtsterroristischen Elementen, negative politische Werbung vonseiten der «Schweizerischen Volkspartei» und massenmediale Berichterstattung gegen «den Islam» sowie Vorurteile gegenüber Muslim(inn)en sind die stärksten Faktoren, welche die Moscheen(-vereine) weiterhin an einer räumlichen Emanzipation hindern. Ob der Integrationsansatz der bayerischen Stadt Erlangen eine mögliche Lösung für den Kanton Solothurn sein könnte?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Überlegungen und Forschungsinteresse
2. Der Stand der Forschung
3. Theoretische Perspektiven
4. Diskussion
5. Schlussfolgerungen
6. Bibliographie
6.1 Literaturverzeichnis
6.1.2 Forschungsliteratur
6.1.2 Medienberichte und Zeitungsartikel
Zielsetzung & Forschungsschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Gründe für die periphere Lage islamischer Gotteshäuser im Kanton Solothurn, wobei die urbane Exklusion dieser Einrichtungen durch eine foucaultsche Perspektive und das Konzept der Gouvernementalität analysiert wird, um das Zusammenspiel von staatlicher Macht, Diskurs und gesellschaftlicher Ausgrenzung zu verstehen.
- Analyse der räumlichen Verortung von Moscheen im Kanton Solothurn in industriegeprägten Gebieten.
- Untersuchung von Machtaspekten in der Ortsplanung und direktdemokratischen Entscheidungsprozessen.
- Evaluation des Einflusses von Vorurteilen, Rassismus und medialen Diskursen auf die Sichtbarkeit des Islams.
- Erkenntnisgewinn durch informelle Interviews mit Vertretern des regionalen islamischen Kantonalverbandes.
- Diskussion von Lösungsansätzen zur Verbesserung der Integration durch das "Erlanger Modell".
Auszug aus dem Buch
1. Einleitende Überlegungen und Forschungsinteresse
Die Schweiz ist ein freies Land. Dies stellt «Freedom House» in seinem alljährlichen Bericht auch für das Jahr 2023 fest. Ein Indikator darin ist die Religionsfreiheit. Die Bundesverfassung der Schweiz garantiert diese.
Wenn ich mir jedoch die verschiedenen religiösen Gemeinschaften in der Schweiz anschaue, beobachte ich mindestens drei Diskriminierungsphänomene, welche in dieser Kombination vor allem bei einer Gemeinschaft zu beobachten sind: bei der muslimischen.
1) Der Bau von Minaretten ist in der Schweiz konstitutionell verboten. Der Solothurner Nationalrat der «Schweizerischen Volkspartei» (SVP) Walter Wobmann und seine Sympathisant(inn)en lancierten 2007 die eidgenössische «Anti-Minarett-Initiative», welche das Schweizer Stimmvolk 2010 mit deutlicher Mehrheit annahm. Das Minarett, der weltweit sonst selbstverständliche Teil einer Moschee, ist seitdem verboten; eine konstitutionelle Schlechterstellung einer spezifischen Religionsgemeinschaft also, die in der demokratischen Staatenwelt ihresgleichen sucht.
2) In der Schweiz befinden sich viele Moscheen in der Peripherie. Besonders im Kanton Solothurn ist das auffällig, der nach Basel-Stadt und Glarus immerhin den drittgrössten muslimischen Anteil (7,63%) an der ständigen Wohnbevölkerung über 15 Jahren eines Schweizer Kantons besitzt. So in Grenchen, wo der 2019 eröffnete Moscheeneubau inmitten eines Gewerbegebiets steht, 200 Meter von einem Gebrauchtwagenhändler entfernt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Überlegungen und Forschungsinteresse: Das Kapitel führt in die Thematik der Diskriminierung muslimischer Gemeinschaften in der Schweiz ein und dokumentiert die periphere Lage von Moscheen im Kanton Solothurn.
2. Der Stand der Forschung: Es wird aufgezeigt, dass bisher keine spezifische Forschung zu Solothurn existiert, während existierende Studien zum schweizerischen Kontext und foucaultsche Theorien als Grundlage dienen.
3. Theoretische Perspektiven: Hier werden die Konzepte der Gouvernementalität nach Foucault, Elden und Dean auf die Ortsplanung und die Rolle des Staates sowie die gesellschaftliche Perzeption des Islams angewendet.
4. Diskussion: Das Kapitel analysiert Protokolle von Behördensitzungen und ein informelles Gespräch, um die Machtstrukturen und Vorurteile in der täglichen politischen Praxis zu verdeutlichen.
5. Schlussfolgerungen: Die Arbeit fasst zusammen, dass die räumliche Marginalisierung ein komplexes Zusammenspiel aus praktischen Faktoren und gezieltem Ausschluss darstellt, und schlägt Dialogansätze vor.
6. Bibliographie: Dieses Kapitel listet sämtliche verwendete Forschungsliteratur sowie mediale Quellen auf.
Schlüsselwörter
Kanton Solothurn, Moscheen, Gouvernementalität, Michel Foucault, urbane Exklusion, Religionsfreiheit, Islam, Ortsplanung, Diskurs, Machtverhältnisse, Integration, Antimuslimischer Rassismus, Rechtsterrorismus, Schweiz, gesellschaftliche Teilhabe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Gründe, warum sich Moscheen im Kanton Solothurn überwiegend in peripheren Industrie- oder Gewerbegebieten befinden und welchen Einflüssen dies unterliegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind Humangeographie, Migrationsforschung, politische Machtstrukturen und der öffentliche Umgang mit religiöser Vielfalt in der Schweiz.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, durch die Theorie der Gouvernementalität von Michel Foucault zu verstehen, wie staatliche Instrumente und gesellschaftliche Diskurse die räumliche Marginalisierung muslimischer Gotteshäuser bedingen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse, der Auswertung behördlicher Protokolle sowie ein exploratives informelles Gespräch mit Vertretern des muslimischen Kantonalverbandes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse von Ortsplanung und Macht sowie eine empirische Diskussion, in der politische Debatten aus Solothurner Behördensitzungen reflektiert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gouvernementalität, urbane Exklusion, Diskursanalyse, gesellschaftliche Teilhabe und antimuslimischer Rassismus.
Warum stehen Moscheen laut dieser Analyse oft in Gewerbegebieten?
Neben praktischen Gründen wie günstigem Bauland und weniger Widerstand im lokalen Umfeld spielt laut Autor ein diskursiver Ausschluss eine Rolle, der die Moscheen im Zentrum der Gesellschaft unsichtbar halten will.
Welchen Lösungsansatz diskutiert der Autor für den Kanton Solothurn?
Der Autor schlägt das "Erlanger Modell" vor, das auf einem Dialog im Sinne einer "Vertrauensarbeit" basiert, um Muslimen mehr Partizipation und Akzeptanz in der Zentrumsgestaltung zu ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Fisnik Zuberi (Autor:in), 2023, An den Rand gedrängte Moscheen? Die urbane Exklusion der islamischen Gotteshäuser im Kanton Solothurn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1452417