Eines der Kernelemente des Unternehmensteuerreformgesetz 2008 ist die Einführung einer Zinsschranke, welche zur Sicherung des inländischen Steuersubstrats die steuerliche Abzugsfähigkeit von Zinsaufwendungen begrenzt.
Während bis zur Implementierung dieser Vorschrift die Ertragsteuerbelastung durch (Gesellschafter-)Fremdfinanzierung und die damit verbundene abzugsfähige Zinsbelastung gesenkt werden konnte, sind gegenwärtig derartige Gestaltungsansätze augenscheinlich nur noch innerhalb der Grenzen der Zinsschranke möglich. Im Allgemeinen werden viele Steuerpflichtige mit hohem Zinsaufwand ein ausgeprägtes Interesse an Gestaltungsmöglichkeiten zur Umgehung der Zinsschrankenregelung haben. Die vorliegende Arbeit hat die Vorstellung und Untersuchung des Interest-Pooling Modells als Instrument zur vollumfänglichen Vermeidung der Zinsschranke zum Ziel.
Zu Beginn wird zunächst die Zinsschrankenregelung beschrieben, wobei auch die gesetzlichen Ausnahmetatbestände betrachtet werden. Im Anschluss an diese Darstellungen folgt eine Untersuchung der rechtsformspezifischen Besonderheiten der Zinsschranke in Bezug auf Organschaften und ausländische Betriebsstätten inländischer Unternehmen. Das darauffolgende Kapitel veranschaulicht anfangs die notwendige Gesellschaftsstruktur zur Umsetzung des Interest-Pooling Modells. Im Anschluss werden die ertragsteuerlichen Auswirkungen dieser Gestaltungsmöglichkeit untersucht, um die Analyse schlussendlich in einen Vergleich der Steuerwirkungen einer Konzernfinanzierungskapitalgesellschaft mit einer Finanzierungsbetriebsstätte münden zu lassen. In der abschließenden Betrachtung wird das Interest-Pooling Modell noch einmal kritisch gewürdigt.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Überblick über die Zinsschrankenregelungen
B.I. Persönlicher, sachlicher und zeitlicher Anwendungsbereich
B.II. Grundtatbestand und Wirkungsweise der Zinsschranke
B.III. Ausnahmetatbestände der Zinsschranke
C. Rechtsformspezifische Eigenschaften der Zinsschranke
C.I. Zinsschranke im Organschaftsfall
C.II. Zinsschranke im Falle ausländischer Betriebsstätten inländischer Unternehmen
D. Gestaltungsmöglichkeit zur Vermeidung der Zinsschranke durch das Interest-Pooling Modell
D.I. Darstellung des Interest-Pooling Modells
D.I.1. Notwendige Gesellschaftsstrukturen
D.I.2. Ertragsteuerliche Bedeutung
D.I.2.a. Ertragsteuerliche Effekte auf Ebene der Organgesellschaften
D.I.2.b. Ertragsteuerliche Effekte auf Ebene des Organträgers
D.I.2.c. Quantitative Untersuchung
D.I.3. Umgehung der Zinsschrankenregelung
D.II. Steuerwirkungen einer Konzernfinanzierungskapitalgesellschaft im Vergleich zu einer Finanzierungsbetriebsstätte
E. Kritische Würdigung des Modells und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das sogenannte Interest-Pooling Modell als steuerliche Gestaltungsmöglichkeit, um die Einschränkungen der Zinsschrankenregelung gemäß Unternehmensteuerreformgesetz 2008 zu umgehen. Die zentrale Forschungsfrage ist dabei, inwiefern durch den Einsatz einer ausländischen Finanzierungsbetriebsstätte in Verbindung mit einer Organschaft eine vollumfängliche Vermeidung der steuerlichen Abzugsbeschränkungen für Zinsaufwendungen erreicht und die Konzernsteuerquote signifikant gesenkt werden kann.
- Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen und Ausnahmetatbestände der Zinsschranke
- Untersuchung rechtsformspezifischer Besonderheiten bei Organschaften und Betriebsstätten
- Detaillierte Darstellung der erforderlichen Gesellschaftsstruktur des Interest-Pooling Modells
- Quantifizierung der steuerlichen Auswirkungen durch eine Beispielrechnung
- Kritische Würdigung der Praktikabilität und steuerlichen Anerkennung des Modells
Auszug aus dem Buch
D.I.1. Notwendige Gesellschaftsstrukturen
Der Verdeutlichung der aufzubauenden Gesellschaftsstruktur im Interest-Pooling Modell (IPM) als Gestaltungsmöglichkeit zur Zinsschrankenvermeidung ist folgende Grafik dienlich:
Eingangs stellt eine in- oder ausländische Mutter-Kapitalgesellschaft (M-AG) ihrer Tochter-Kapitalgesellschaft (OT-GmbH) das insgesamt benötigte Eigenkapital zur Verfügung.42 Die Aufgabe dieser Tochter-Kapitalgesellschaft ist es, ihre eigene Tochter-Kapitalgesellschaft (OG 1-GmbH) mit dem benötigten Kapital in Form von Eigenkapital auszustatten. Mit Hilfe dieses Eigenkapitals gründet die OG 1-GmbH eine ausländische Finanzierungsbetriebsstätte (FinBS).43 Damit das IPM greift, muss für die Einkünfte der ausländischen Finanzierungsbetriebsstätte die Anrechnungsmethode zur Geltung kommen. Dies ist zum einen dann der Fall, wenn kein DBA existiert und als unilaterale Maßnahme zur Vermeidung der Doppelbesteuerung die Anrechnungsmethode gem. § 34c und d EStG i.V.m. § 26 KStG angewandt wird.44 Zum anderen kommt die Anrechnungsmethode auch dann zum Tragen, wenn die FinBS zwar in einem DBA-Land errichtet wurde, jedoch das Betriebsstättenprinzip durch die switch-over Klausel umgangen wird.45 Die ausländische Finanzierungsbetriebsstätte muss dazu passive Einkünfte i.S.d. § 8 Abs. 1 AStG erzielen, die einer niedrigen Besteuerung i.S.d. § 8 Abs. 2 AStG unterliegen.46 Im Folgenden findet die Darstellung des IPM exemplarisch anhand einer gewerblichen Hinzurechnungsbetriebsstätte in Irland gem. Art. 2 Abs. 1 Buchst. e u. Abs. 3, Art. 3 Abs. 1 DBA-Irland, § 12 AO i.V.m. § 8 Abs. 2 KStG Betrachtung.47
In Form von Fremdkapital reicht die irländische FinBS das von der OG 1-GmbH erhaltene Eigenkapital an die operativ tätige deutsche Kapitalgesellschaft OG 2-GmbH, welche ihrerseits Tochterunternehmen der OT-GmbH ist, weiter. Über die bisher dargestellte, für das IPM notwendige Struktur hinaus ist die Begründung einer ertragsteuerlichen Organschaft mit der OT-GmbH als Organträger und dem Einbezug von OG 1-GmbH und OG 2-GmbH als Organgesellschaften in den Organkreis von entscheidender Bedeutung für die erfolgreiche Vermeidung der Zinsschrankenregelung durch das IPM.48 Insgesamt liegt also eine organkreisinterne Fremdfinanzierung einer operativ tätigen OG durch eine andere OG über deren ausländische Hinzurechnungsbetriebsstätte vor.49
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Zinsschranke ein und beschreibt das Ziel der Arbeit, das Interest-Pooling Modell als Instrument zur deren Vermeidung zu untersuchen.
B. Überblick über die Zinsschrankenregelungen: Das Kapitel erläutert den sachlichen, persönlichen und zeitlichen Anwendungsbereich der Zinsschranke sowie den Grundtatbestand und die gesetzlichen Ausnahmetatbestände.
C. Rechtsformspezifische Eigenschaften der Zinsschranke: Hier werden die Besonderheiten der Zinsschrankenanwendung bei Organschaften und im Fall von ausländischen Betriebsstätten inländischer Unternehmen detailliert betrachtet.
D. Gestaltungsmöglichkeit zur Vermeidung der Zinsschranke durch das Interest-Pooling Modell: Dieses Hauptkapitel beschreibt die Struktur, die steuerlichen Effekte und die Funktionsweise des Modells sowie den Vergleich mit einer Konzernfinanzierungskapitalgesellschaft.
E. Kritische Würdigung des Modells und Fazit: Das Kapitel schließt mit einer kritischen Reflexion der Vorteile, Risiken und der steuerlichen Zulässigkeit des Interest-Pooling Modells ab.
Schlüsselwörter
Zinsschranke, Interest-Pooling Modell, Unternehmensteuerreform 2008, Organschaft, Zinsaufwand, Finanzierungsbetriebsstätte, Hinzurechnungsbesteuerung, Steueroptimierung, Doppelbesteuerung, Ertragsteuerbelastung, Konzernfinanzierung, Organträger, Organgesellschaft, Fremdfinanzierung, Steuerbemessungsgrundlage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert eine spezifische steuerliche Gestaltungsstrategie, das sogenannte "Interest-Pooling Modell", mit dem Unternehmen die restriktiven Vorschriften der durch die Unternehmensteuerreform 2008 eingeführten Zinsschranke umgehen können.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themenfelder sind das deutsche Zinsschrankenrecht, die steuerliche Behandlung von Organschaften und ausländischen Betriebsstätten sowie die Gestaltung von Konzernfinanzierungsstrukturen zur steuerlichen Entlastung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass durch eine geschickte Kombination aus einer ausländischen Finanzierungsbetriebsstätte und einer Organschaft die Zinsschranke vollumfänglich vermieden und die Gesamtsteuerbelastung eines Konzerns signifikant gesenkt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus der Analyse geltender steuerrechtlicher Regelungen (Literaturanalyse) und einer quantitativen Untersuchung anhand eines konkreten Beispielmodells, um die steuerlichen Effekte zu belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die rechtlichen Grundlagen der Zinsschranke erörtert, gefolgt von einer detaillierten Erläuterung der notwendigen Gesellschaftsstruktur des Modells und einer quantitativen Analyse der steuerlichen Vor- und Nachteile im Vergleich zu anderen Finanzierungsformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Zinsschranke, Interest-Pooling Modell, Organschaft, Hinzurechnungsbesteuerung, Finanzierungsbetriebsstätte und Ertragsteuerbelastung charakterisiert.
Warum ist das gewählte Beispielmodell mit einer irischen Finanzierungsbetriebsstätte steuerlich so vorteilhaft?
Irland wird als Standort gewählt, da dort die Finanzierungsbetriebsstätte steuerlich vorteilhaft behandelt wird und aufgrund der Anrechnung der irischen Körperschaftsteuer auf die deutsche Steuerbelastung das Modell zu einer geringeren kumulierten Ertragsteuerbelastung führt.
Welche Rolle spielt die Organschaft bei der erfolgreichen Anwendung des Modells?
Die Organschaft ist unabdingbar, da sie die erforderliche steuerliche Saldierung von Zinserträgen und Zinsaufwendungen zwischen den beteiligten Konzerngesellschaften auf Ebene des Organträgers ermöglicht, wodurch der sogenannte "Pooling-Effekt" eintritt.
- Quote paper
- Philipp Trimborn (Author), 2009, Vermeidung der Zinsschranke - Darstellung des Interest-Pooling Modells, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145267