Mediation im interkulturellen Kontext


Diplomarbeit, 2003
168 Seiten, Note: 1 mit Auszeichnung

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

I. Grundlagen
1. Kommunikation
2. Konflikt
2.1. Definition Konflikt
2.2. Funktionen des Konflikts
Exkurs: Konflikttheorie von Niclas Luhmann
2.3. Struktur von Konflikten
2.4. Konfliktarten
2.5. Eskalation und destruktive Konfliktaustragung
2.6. Verhandlungstaktiken

II. Die Mediation
1. Geschichte
2. Warum Mediation
3. Deliberative versus Transformative Mediation
3.1. Das Harvard-Konzept
3.2. Der Transformationsansatz
3.3. Schlussfolgerungen
4. Prinzipien der Mediation
5. Der Ablauf des Verfahrens
5.1. Die Vorphase
5.2. Das Mediationsgespräch
5.3. Umsetzungsphase
6. Rolle des/der Mediators/mediatorin
7. Methoden der Mediation
7.1. Grundlagen der Gesprächsführung
7.2. Methoden für schwierige Situationen

III. Die Bedeutung von Kultur
1. Kulturbegriff
2. Kulturelle Unterschiede
2.1. Dimensionen der Differenz
2.2. Werteunterschiede
2.3. Interkulturelle Kommunikation
2.4. Konfliktkulturen
2.5. Vermittlung durch Dritte
3. Relativität kultureller Differenzen
3.1. Vielfalt der Orientierungssysteme
3.2. Kultur als Mittel der Selbst- und Fremdreflexion
3.3. Kontextualisierung

IV. Psychosoziale Einflüsse
im Umgang mit Fremden
1. Stereotype/Vorurteile
2. Das kulturell Fremde
2.1. Faszination und Angst
2.2. Regression
2.3. Exkurs: Abwehrmechanismen

V. Kultur und Gesellschaft
1. Konstruktion von Fremdheit
2. Symbolische Macht
3. Spezifische Wirkung von Machtasymmetrien auf interkulturelle Konflikte
4. Gruppendynamik
4.1. Mediation in der Gruppe
4.2. Bedeutung von Großgruppen
4.3. Schlüsselschritte in der Arbeit mit Gruppen
5. Exkurs: Mediation im internationalen Bereich
5.1. Besonderheiten der Konfliktdynamik
5.2. Ebenen der Konfliktbearbeitung
5.3. Mediation zwischen Volksvertretern/Volksvertreterinnen

VI. Schlussfolgerungen für eine
Mediation im interkulturellen Kontext
1. Kontextualisierung von Werten
2. Umgang mit Psychischen Prozessen in der Mediation
2.1. Bearbeitung von Vorurteilen und Projektionen
2.2. Akzeptanz des Fremden
2.3. Umgang mit Regressionsprozessen
2.4. Mediation und Therapie
2.5. Zielperspektive
3. Gesellschaftskontext
4. Überlegungen zum verfahren
4.1. Kontextualisierung des Verfahrens
4.2. Tandemberatung in der interkulturellen Mediation
4.3. Mediation mit Dolmetschern/Dolmetscherinnen
5. Kompetenzen des/der Mediators/Mediatorin
5.1. Interkulturelle Kompetenz
5.2. Übertragung/Gegenübertragung
6. Grenzen

VII. Resümee

Literatur

Einleitung

Szenario 1: Afghanistan, Algerien, Angola, Burundi, Elfenbeinküste, Georgien, Indien - Pakistan, Indonesien, Irak, Israel-Palästina, Kolumbien, Kongo, Liberia, Libanon, Madagaskar, Mazedonien, Myanmar, Nepal, Nigeria, Philippinen, Ruanda, Tschetschenien, Salomonen, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Sri Lanka, Sudan, Tschad, Uganda, Zentralafrikanische Republik,...

Szenario 2: Brennende Flüchtlingsheime, Ausländer/innen die auf offener Straße totgeschlagen werden, Umgang mit Asylbewerbern/Asylbewerberinnen,[1] alltägliche Ausgrenzung von fremden Menschen, ...

Szenario 3: Kleinkriege in Familien, Beziehungen und unter Nachbarn/Nachbarinnen, am Arbeitsplatz, in den Schulen,...

Es liegt nahe, von der Unfähigkeit des Menschen zur gewaltfreien, konstruktiven und menschlichen Konfliktaustragung zu sprechen. Besonders wenn kulturelle Identitäten in Frage stehen, wenn es um Souveränität, Anerkennung, aber auch um die scheinbare Bedrohung durch fremde Kulturen geht, scheinen Konflikte ein besonders destruktives Potential zu entwickeln. Eigene, persönliche und kulturelle Sichtweisen, werden als die einzig wahre und richtige Lebens- oder Umgangsweise gesehen. Eigene Konflikte und Probleme werden auf Andere geschoben. Ein ‚Feind’ wird aufgesucht, der Schuld trägt, an der Gewalt oder den Problemen. Rationales und kreatives Potential zur Lösung von Problemen wird nicht mehr genutzt und anstelle dessen, dem/der Gegner/in nur noch böse Absichten unterstellt, gegen die man sich wehren muss.

Gerade im gesellschaftlichen und internationalen Kontext kommt es noch dazu zur bewussten und strategischen Instrumentalisierung von angeblichen Gefahren, die von dem/der Anderen oder Fremden ausgeht. An den Monaten vor dem Irakkrieg lässt sich dies gut beobachten. Da werden eigene Interessen hinter gut gemeinten und für die ganze Welt wichtigen Sicherheitsmassnahmen verborgen. Da besteht der Glaube, dass nur noch durch gewaltsame Mittel Frieden hergestellt werden kann. Da wird die Formel des „islamischen Totalitarismus“ heraufbeschworen, der Menschen und ganze Völker in einer Region des Fundamentalismus bezichtigt und hinter stereotypen Vorstellungen verschwinden lässt. Da wird eine generelle Verknüpfung islamischen Glaubens mit fundamentalen Tendenzen konstruiert. Nach dem Sieg über Faschismus und Kommunismus gilt es nun den „neuen Feind“, nämlich den „islamischen Totalitarismus“ und all jene zu bekämpfen, die gegen die Freiheit sind, gegen das westliche Wertesystem. Dies ist ein Denken in „Gut“ und „Böse“, ein demokratisches „wir“ und die Anderen, die einer religiös begründeten, totalitären Unfreiheit anhängen. Hier zeigt sich das konstruierte, aber auch reale Aufeinanderprallen von kulturellen Sichtweisen, die den Rückgriff auf kulturelle Stereotype nahe zu legen scheinen.

Der vermehrte Kontakt von verschiedenen Kulturen ist aber auch die Realität in fast allen Gesellschaften. Wir leben in einer Welt, die zunehmend globalisiert und internationalisiert ist. Globale Migrationsbewegungen und die Vernetzung von Arbeitsplätzen und Informationen zwingen dazu, sich mit unterschiedlichen Meinungen und Sichtweisen, aber auch vor allem mit ganz anderen Lebensweisen, Werten und Normen auseinanderzusetzen. Es wäre hier die Möglichkeit gegeben, andere Sichtweisen kennen zu lernen, eigene zu hinterfragen und zu einem erweiterten Verständnis der Realität zu gelangen. Gleichzeitig entstehen aber auch Spannungen und Konfliktpotentiale. Eigene Gewohnheiten und Denkmuster werden in Frage gestellt. Die Komplexität der Vielfalt kann überfordern und bedrohlich wirken, was sich im Alltag an ausländerfeindlichen Einstellungen oder Verhalten beobachten lässt. Gleichzeitig werden vereinfachte und diskriminierende Bilder von Fremden auch hierzulande von Politikern/Politikerinnen benutzt und als Ursache sozialer Probleme dargestellt. Ausländer/innen nehmen uns die Arbeitsplätze weg, verursachen Kriminalität, leben vom Sozialstaat, wollen sich nicht anpassen oder Deutsch lernen. Dabei ist Deutschland real gesehen Einwanderungsland. 9% der Menschen mit Wohnsitz in Deutschland haben keinen deutschen Pass (18% sind es in Hamburg, 14% in Berlin). Über 52% der Migranten/Migrantinnen leben zehn Jahre und länger in der Bundesrepublik.[2] Der Anteil der Migranten/Migrantinnen wird weiter zunehmen. Von einer wahren, interkulturellen Perspektive in der Gesellschaft sind wir dennoch sehr weit entfernt.

„Entgegen einer weit verbreiteten Meinung hat das Fernsehen, dieses riesige und leicht zugängliche Schlüsselloch, durch das alltäglich ein Blick auf die vertrauten Verhaltensweisen geworfen werden kann, weder die institutionelle Trennung beseitigt noch ihre Wirksamkeit verringert. Man kann sagen, dass McLuhans „globales Dorf“ sich nicht verwirklicht hat. Der Rahmen eines Films oder des Fernsehbildschirms verhindert die Gefahr des Überschwappens noch effektiver als Touristenhotels und eingezäunte Campinggelände; die Einseitigkeit der Kommunikation schließt das Unvertraute auf dem Bildschirm als im wesentlichen unkommunizierbar sicher weg.“[3]

Man will die Fremden ja besser kennen lernen, aber „Anpassen müssen sich die!“ An was sie sich anpassen sollen bleibt unklar. Eine gegenseitige Anpassung wird nur selten angestrebt. Damit wird jedoch auch der Weg in eine multikulturelle Gesellschaft, die diesen Namen auch verdient, verbaut. Eine gleichberechtigte Auseinandersetzung um die Differenzen findet weder dort statt, wo der Kontakt vermieden wird, noch dort, wo Differenzen geleugnet werden und in einem scheinbar problemlosen multikulturellen Miteinander aufgelöst sind.

Menschen werden immer verschiedene Vorstellungen haben. Im Konflikt werden diese deutlich, lassen sich nicht mehr leugnen. Gerade aber im Konflikt verlieren wir oft das Potential, mit den Differenzen konstruktiv umzugehen. Haben Konflikte ihr destruktives Potential erst einmal entfaltet, zeigen sich die Beteiligten von ihrer schlechtesten Seite. Wird der Konflikt nicht durch die oft geläufige Weise, nämlich durch Macht (dies impliziert Gewalt, Macht, Zwang zum Nachgeben, Strategien, die auf die Psyche wirken etc.) beendet, so wird meist vor Gericht eine Entscheidung gesucht und erzwungen. Ob Macht oder Gericht – beide Wege haben den gravierenden Nachteil, dass sich eine Seite auf Kosten der anderen durchsetzt. Es gibt Gewinner/innen und Verlierer/innen. Es ist damit zwar offenbar eine Entscheidung herbeigeführt worden, der eigentliche Konflikt wird damit aber selten beendet, da die eigentlichen Ursachen des Konflikts oft nicht erfasst werden.

Die Frage ist, wo Menschen lernen können, konstruktiv mit Aggressionen, Konflikten und Differenzen umzugehen. Es gibt eine Vielzahl von gewaltfreien Konfliktaustragungsmöglichkeiten. Eine davon ist „Mediation“ – die Vermittlung in Konflikten von unparteiischen Dritten. Ein/e Vermittler/in soll dabei helfen, selbst in emotional sehr hochgeschaukelten Konflikten, wieder zu einem Dialog zu gelangen, in dem eine vernünftige und für alle Beteiligten befriedigende Lösung ausgehandelt werden kann. Neutrale Dritte werden schon seit der Antike überall auf der Welt eingesetzt, um zu einer konstruktiveren Konfliktaustragung zwischen Menschen, aber auch im internationalen Geschäft beizutragen.

Als Verfahren wurde Mediation in den 80er Jahren vor allem in den USA wieder entdeckt und erlebt zur Zeit, wenn auch zögerlich, einen Aufschwung in Deutschland, vor allem im Bereich der Familien- und Scheidungsmediation.

Thema dieser Arbeit soll die Anwendung der Mediation im interkulturellen Kontext sein. Der interkulturelle Rahmen wird meist als Verkomplizierung der Mediation angesehen, weil dort verschiedene Wertesysteme aufeinanderprallen, die nur schwer aushandelbar sind. Dies kann sich in grundsätzlich verschiedenen Sichtweisen über Ursachen, Austragung und Lösung eines Konflikts manifestieren und legt den Rückgriff auf Stereotype nahe.

Fragestellung dieser Arbeit soll sein, welche Rolle die Kultur für die Konfliktbearbeitung durch Mediation wirklich spielt und inwiefern Mediation eine geeignete Methode sein kann, um in interkulturellen Konflikten erfolgreich zu vermitteln. Dafür soll analysiert werden, was die Ursachen für interkulturelle Konflikte denn überhaupt sind. Inwiefern ergibt sich aus der Interkulturalität eine Veränderung der Mediationssituation? Welche Bedeutung hat die kulturelle Komponente für das Konfliktverständnis, welche Bedeutung hat sie für die Beteiligten? Was macht das Fremde so bedrohlich, dass der Umgang mit Differenzen so schwer wird?

Mich als zukünftigen Pädagogen interessiert vor allem, wie konstruktiv mit Konflikten, vor allem aber auch mit kulturellen Differenzen umgegangen werden kann. Konflikte sind der Ausdruck von Differenzen. Gleichzeitig können sie aber auch Potential entfalten und zum Nachdenken über sich selbst, als auch über Andere anregen und somit zur Weiterentwicklung beitragen. Dies wird aber nur dann möglich, wenn es gelingt, Konflikte, Differenzen und Nicht-Verstehen als Möglichkeit des Wachstums zu begreifen und nicht als destruktives zu beseitigendes Übel im Leben. Viel der Destruktivität hat damit zu tun, wie wir gelernt haben mit Konflikten umzugehen. Mediation stellt sich für mich als eine Möglichkeit dar, zu lernen, wie das Potential, das in Konflikten steckt, genutzt werden kann. Interkulturelle Mediation ist dementsprechend eine Möglichkeit, trotz, oder besser auch gerade wegen der Differenzen, das Potential, das sich aus einem kulturellen Miteinander ergibt, auch zu nutzen. Sie kann damit zu einem Weg zu einer multikulturellen Gesellschaft werden. Soll die Welt zukünftig eine friedlichere werden, so muss ein Prozess entstehen, in dem wir lernen, trotz der Differenzen Menschen anzuerkennen. Die Komplexität und die Probleme dieser Welt werden nicht kleiner werden, so lange wir nicht das Potential nutzten, das in verschiedenen Kulturen und in jedem einzelnen Menschen steckt. Die eigene Sichtweise ist niemals die einzig mögliche und schon gar nicht die einzig richtige. Wir brauchen eine konstruktive Zusammenarbeit. Mein eigener Blickwinkel und auch der meiner Kultur ist relativ und sehr begrenzt. Erweitert werden kann dieser Blickwinkel nur über den Diskurs mit anderen Kulturen. Wenn es uns gelingt, uns dem Fremden wirklich zu öffnen, statt es als lästige Verunsicherung oder ängstigende Bedrohung zu begreifen und zu bekämpfen, eröffnet sich uns ein außerordentlicher Reichtum an Wissen und Kreativität. Die Überwindung der Angst vor dem Fremden ist in erster Linie eine Frage der Bewusstseins- und Persönlichkeitsentwicklung. Ich verstehe die Arbeit auch als Möglichkeit, sich verschiedener Facetten von (kulturellen) Konflikten, kulturellen Perspektiven und Prozessen im Umgang mit fremden Menschen bewusster zu werden.

Jeder Mensch ist ein Teil einer Ganzheit, genannt Universum, ein Teil, der durch Zeit und Raum begrenzt ist. Er erforscht sich selbst, seine Gedanken und Gefühle als etwas, das vom Rest getrennt ist, eine Art optische Täuschung des Bewusstseins. Diese Täuschung ist eine Art Gefängnis für uns, das uns auf unsere persönlichen Wünsche und das Gefühl für die wenigen Menschen in unserer Nähe einschränkt. Unsere Aufgabe muss sein, uns selbst aus diesem Gefängnis zu befreien durch die Ausweitung unseres Wissenshorizontes, bis er alle lebenden Kreaturen und die Ganzheit der Natur in ihrer Schönheit umfasst. (Albert Einstein)

Zum Aufbau

Die Arbeit gliedert sich im Wesentlichen in 6 Teile.

Im ersten Kapitel geht es um die Grundlagen der Kommunikation und des Konflikts. Was ist Kommunikation, was ist ein Konflikt und wozu dient er? Auf welche Weise und auf welchen Ebenen kann sich ein Konflikt manifestieren? Was führt zur Eskalation von Konflikten? Und schließlich, was macht manche Konfliktbearbeitung so destruktiv? Dieses Kapitel soll eine Grundlage schaffen für das Verständnis von Mediation.

Die Grundlagen des Mediationsverfahrens selbst, verschiedene Zielorientierungen, seine Prinzipien, Ablauf und die Rolle der Vermittler/innen werden im zweiten Kapitel dargestellt. Kurz werden einige grundlegende Methoden vorgestellt.

Im dritten Kapitel wird der Versuch unternommen, die Bedeutung von Kultur zu klären. Was ist Kultur und inwiefern unterscheiden sich Kulturen voneinander. Der Einblick in verschiedene Ebenen von möglichen Differenzen lässt auch die potentiellen Verständnisschwierigkeiten deutlich werden. Abgeschlossen wird das Kapitel mit der Frage nach der tatsächlichen Handlungsrelevanz und damit auch der Relevanz kultureller Faktoren für die Konfliktursachen.

Auch wenn die Bedeutung von Kultur hier relativ betrachtet wird, so spielt das Fremde gerade in psychosozialen Prozessen eine große Rolle. Diese Prozesse behandelt das vierte Kapitel. Einerseits auf der Ebene von Stereotypen und ihren Ursachen, andererseits als damit verflochtener Bereich auf der Ebene des eigenen inneren individuellen und kulturell Fremden. Ein Exkurs über damit einhergehenden Abwehrmechanismen schließt diese Kapitel ab.

Kultur muss aber, wie eingangs schon beispielhaft angedeutet, im Kontext gesellschaftlicher und politischer Prozesse betrachtet werden. Welche Rolle spielt die Gesellschaft und Politik für kulturelle Sichtweisen? Welche Bedeutung hat Macht? Diese Fragen und Prozesse und ihre Auswirkung auf die Konfliktparteien behandelt das fünfte Kapitel. Im gesellschaftlichen Kontext befinden sich ganze Gruppen im Konflikt miteinander, was die Frage entstehen lässt, welche gruppalen Prozesse die Situation beeinflussen. Daneben spielen Macht und Großgruppendynamiken vor allem im ethnopolitischen Bereich eine Rolle, in dem aber auch eine potentielle Mediation unter anderen Bedingungen steht. Ein Exkurs über Mediation im ethnopolitischen Bereich soll darum dieses Kapitel abschließen.

Das abschließende Kapitel versucht, die bis dahin gewonnenen Erkenntnisse auf die Mediation anzuwenden. Wie kann mit unterschiedlichen Werten umgegangen werden? Wie kann mit den Prozessen umgegangen werden, die im Kontakt mit dem Fremden entstehen? Wie kann mit Machtasymmetrien und ihrer Dynamik verfahren werden? Wie kann das Verfahren selbst eine gleichberechtigte Kommunikation herstellen? Welche Kompetenzen braucht schließlich ein/e Mediator/in, um die Beteiligten adäquat zu unterstützen. Abgeschlossen wird das Schlusskapitel mit der Frage nach den Grenzen der interkulturellen Mediation.

Ein Resümee rundet die Arbeit ab.

I. Grundlagen

1. Kommunikation

Das Wissen über die Grundlagen der Kommunikation ist eine wichtige Basis, wenn es um Mediation geht. Sigrid Luchtenberg nennt Kommunikation ein „Grundphänomen menschlicher Lebensformen.“[4] Kommunikation ist die Grundlage, die Basis, auf der jegliche menschliche Interaktion aufbaut. Damit ist sie auch gleichzeitig die Grundlage und Basis, auf der Konflikte entstehen. Oftmals sind Konflikte Folge von missglückter oder nicht vorhandener Kommunikation. Konflikte selbst führen häufig zum Abbruch der Kommunikation. Darüber hinaus spielt Kommunikation auch eine entscheidende Rolle in der Konfliktbearbeitung, deren Ziel es unter anderem ist, eine bessere Kommunikation zwischen den Parteien wieder herzustellen.

Unter Kommunikation wird „weitgehend eine interpersonale Begegnung von zwei oder mehr Menschen verstanden [...], wobei die kommunikativen Ausdrucksmöglichkeiten neben den verbalen und nonverbalen Formen auch weitere, wie Kleidung oder Verhalten umfassen“[5]. Paul Watzlawick u.a. sehen in der Kommunikation eine Verhaltenseinheit, die eine einzelne Mitteilung oder einen wechselseitigen Ablauf von Mitteilungen zwischen mindestens zwei Personen – eine Interaktion – umfassen kann. Das „Material“ der Kommunikation sind dabei nicht nur Worte, sondern auch alle paralinguistischen Phänomene innerhalb eines bestimmten Kontextes, wie zum Beispiel Tonfall, Schnelligkeit oder Langsamkeit der Sprache, Pausen, Lachen und Seufzen, Körperhaltung, Ausdrucksbewegung (Körpersprache) usw. – kurz, Verhalten jeder Art.[6] Watzlawick u.a.[7] stellen 5 Grundeigenschaften für die Kommunikation dar.

1) Man kann nicht nicht kommunizieren. Da man sich nicht nicht verhalten kann und jedes Verhalten im zwischenmenschlichen Bereich auch Mitteilungscharakter hat („keine Antwort ist auch eine Antwort“), ist es unmöglich nicht zu kommunizieren. Das eigene Handeln beeinflusst immer auch Andere, die wiederum dieses Handeln interpretieren und darauf reagieren.

„Der Mann im überfüllten Wartesaal, der vor sich auf den Boden starrt oder mit geschlossenen Augen dasitzt, teilt den anderen mit, dass er weder sprechen noch angesprochen werden will, und gewöhnlich reagieren seine Nachbarn richtig darauf, indem sie ihn in Ruhe lassen. Dies ist nicht weniger ein Kommunikationsaustausch als ein angeregtes Gespräch.“[8]

2) Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt. Neben dem offensichtlichen Inhaltsaspekt enthält jede Mitteilung auch Informationen darüber, wie der/die Sender/in die Beziehung zwischen sich und dem/der Empfänger/in interpretiert. So kann die Frage „Wie teuer war denn dein Auto“ je nach Ton, Gesichtsausdruck, Kontext, etc. Neid, Bewunderung, Freundlichkeit oder sonst eine Einstellung zum/zur Befragten ausdrücken. Der Inhaltsaspekt vermittelt die „Daten“, während der Beziehungsaspekt andeutet, wie diese aufzufassen sind. Dies geschieht meist unbewusst und die Definition tritt umso mehr in den Hintergrund, je spontaner und „gesünder“ die Beziehung ist. Das Gegenteil ist besonders in konfliktreichen Beziehungen zu beobachten, mit denen die Mediation konfrontiert ist, in der der Inhaltsaspekt zugunsten des wechselseitigen Ringens um die Beziehungsdefinition fast völlig in den Hintergrund gerät.[9]

Friedemann Schulz von Thun ergänzt dieses Modell noch um zwei weitere Ebenen.[10] Zu der Inhalts- und Beziehungsebene kommen die Ebenen der Selbstoffenbarung und des Appells. Auf der Ebene der Selbstoffenbarung drückt der/die Sender/in einer Mitteilung unfreiwillig oder auch bewusst etwas über sich selbst aus. So kann der Satz „Du, da vorne ist grün“ auch einfach ausdrücken, dass es der/die Sender/in eilig hat. Auf der Ebene des Appells drückt der Satz aus: „Gib gas!“ und enthüllt eine Funktion, die fast alle Nachrichten haben, nämlich Einfluss auf den/die Empfänger/in zu nehmen. Wie auf eine Nachricht reagiert wird hängt auch entscheidend davon ab, auf welchen Aspekt einer Nachricht geantwortet wird. Dabei kann eine Nachricht auch verschiedene Botschaften haben. Zum Beispiel kann es eine explizite Botschaft geben und gleichzeitig aber auch eine oft nonverbale implizite, die interpretiert werden kann. Da auf verschiedenen Kanälen gleichzeitig kommuniziert werden kann, sind auch so genannte inkongruente Nachrichten möglich. Inkongruent werden sie dann, wenn die sprachlichen und nicht-sprachlichen Anteile der Nachricht nicht zusammenpassen. Zum Beispiel wenn jemand sagt „Mir geht es sehr gut!“ zeigt aber durch Tonfall und Mimik deutlich, dass doch etwas nicht in Ordnung ist. Es liegt nun wieder in den Augen des/der Betrachters/Betrachterin zu entscheiden, auf welche Botschaft reagiert wird oder wie die Nachricht als ganze interpretiert werden soll.

3) Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner/innen bedingt. Es geht hier um die Frage: Wer hat angefangen? Diese Frage wird meist von Interaktionspartnern unterschiedlich beantwortet.

Ein Beispiel von Watzlawick: Ein Ehepaar hat dauernd Streit, wobei die Frau an ihrem Mann herumnörgelt, während er sich zurückzieht. Der Mann sieht sein Verhalten als einzig mögliche Reaktion auf die Nörgelei seiner Frau, während die Frau den Grund ihres Nörgelns darin sieht, dass ihr Mann sich immer zurückzieht.[11]

Jede/r Interaktionspartner/in organisiert die Kommunikation auf seine/ihre Art und Weise. Widersprüchliche Interpunktionen, wie in dem Beispiel, können zu Konflikten führen, die vor allem darauf basieren, dass der/die Andere im Besitz derselben Informationen ist, wie man selbst. Da jeder Mensch jedoch auf seine eigene, meist unbewusste Art und Weise wichtige von unwichtigen Informationen trennt[12] und daraus seine ganz eigene Interpretation der Wirklichkeit entwirft, kann es zu Konflikten darüber kommen, was Ursache und was Wirkung ist. Von außen betrachtet sind meist beide Behauptungen nicht stichhaltig. Jedes Verhalten ist vielmehr Ursache und Wirkung. Dies kann jedoch von den Beteiligten meist erst dann bemerkt werden, und damit ein Ausbruch aus dem Kreislauf bedeuten, wenn sie über ihre Kommunikation kommunizieren, das heißt metakommunizieren.

4) Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten. Die Inhaltsebene wird über digitale Kommunikation vermittelt, während gerade die Beziehungsebene vorwiegend analoger Natur ist, das heißt von Tonfall, Mimik, Gestik, Handlungen, usw. bestimmt wird. Sehr viel analoge Kommunikation ist zweideutig (Watzlawick fragt sich, ob nicht vielleicht alle analogen Mitteilungen Doppelbedeutungen haben[13]), wie „Tränen Freude oder Trauer ausdrücken können, eine geballte „Faust“ Drohung oder Selbstbeherrschung sein kann, ein „Lächeln“ Sympathie oder Verachtung ausdrücken kann. Welche Bedeutung der analogen Kommunikation gegeben wird, muss von dem/der Empfänger/in mehr oder weniger intuitiv beigesteuert werden. Deshalb ist es auch schwierig, analoge in digitale Kommunikation zu übersetzen, da in der analogen noch nicht alle Elemente zur eindeutigen Bestimmung enthalten sind, auf der die digitale Kommunikation aufbaut.

5) Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht. Symmetrische Beziehungen streben nach Gleichheit oder Verminderung von Unterschieden zwischen den Partner/innen. Dagegen basieren komplementäre Interaktionen auf sich gegenseitig ergänzenden Unterschiedlichkeiten: dass zum Beispiel ein/e Partner/in hilfsbedürftig ist, während der/die Andere hilft. Konflikte in symmetrischen Beziehungen laufen meist auf einen offenen Kampf hinaus, während Störungen in einer komplementären Beziehung zur Entwertung des/der Partners/Partnerin führen. In vielen Beziehungen können sich symmetrische und komplementäre Interaktionen auch abwechseln. Die Einteilung in symmetrisch oder komplementär sollte jedoch nicht als starre Kategorisierung ohne Abstufungen verstanden werden.

Es wird deutlich, dass sich in der Kommunikation zwischen Menschen komplexe Prozesse abspielen, die oftmals auch Grundlage von Konflikten sein können. Die Interaktionspartner beeinflussen sich nicht nur linear, sondern auch wechselseitig. Die Interpretationsspielräume sind recht groß und entsprechend wahrscheinlich auch die Möglichkeiten, dass die Partner/innen sich nicht oder falsch verstehen und Konflikte entstehen. Ein Missverständnis muss jedoch nicht zu einem Konflikt führen. Deshalb soll im Folgenden betrachtet werden, was ein Konflikt ist und wie es dazu kommt.

2. Konflikt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

‚Konflikt’ ist ein so häufig benutzter Begriff, dass es sinnvoll erscheint, genauer zu betrachten, um was es sich eigentlich handelt. Konflikte finden sich in den verschiedensten Zusammenhängen. Von intrapersonalen Entscheidungsproblemen, über Kinderstreit, Ehekonflikte, Tarifauseinandersetzungen bis hin zum Bürgerkrieg - alles gilt in einem bestimmten Zusammenhang als Konflikt. Streit, Auseinandersetzung, Kampf, Gegensatz, Widerspruch sind nur einige der Synonyme, die im Alltag durch den Begriff Konflikt ersetzt werden. „Die Sprache wird vereinfacht und das Konfliktverständnis verwischt.“[14]

Gleichzeitig haftet dem Konfliktbegriff im Alltag etwas Negatives an. Ein Konflikt stört die Harmonie und Ordnung des Alltags und hat schlussendlich dysfunktionale Auswirkungen auf das Zusammenleben – so zumindest die langläufige Meinung.

Um den Begriff klarer abzugrenzen, scheint es sinnvoll, zwischen seinen täglichen (meist negativ erlebten) Bewertungen und Austragungsformen, dem Kontext, den Ursachen, Strukturen und Prozessen zu unterscheiden.[15]

2.1. Definition Konflikt

Einer groben Definition zufolge lassen sich Konflikte als soziale Tatbestände definieren, „an denen mindestens zwei Parteien (Einzelpersonen, Gruppen, Staaten, etc.) beteiligt sind, die auf Unterschieden in der sozialen Lage und/oder auf Unterschieden in der Interessenkonstellation der Konfliktparteien beruhen.“[16]

Diese grobe Definition sollte jedoch weiter differenziert werden.

Zunächst lassen sich verschiedene Analyseebenen unterscheiden. „Das Individuum mit a) intrapersonalen Konflikten, die Gesellschaft mit b) interpersonalen Konflikten und c) innergesellschaftlichen Konflikten, und das internationale System mit internationalen Konflikten.“[17] Im Zentrum dieser Arbeit stehen interpersonale Konflikte, denn sie sind der Schwerpunkt der Mediation. Für den interpersonalen Konflikt liefert Friedrich Glasl eine entsprechende Definition. Er versteht unter einem – wie er es nennt – „sozialen Konflikt“ eine Interaktion

- zwischen Akteuren/innen (Individuen, Gruppen, Organisationen usw.),
- wobei wenigstens ein/e Akteur/in
- Unvereinbarkeiten im Denken/Vorstellen/Wahrnehmen
- und/oder Fühlen und/oder Wollen
- mit dem/der anderen Akteur/in (anderen Akteuren/innen) in der Art erlebt,
- dass im Realisieren eine Beeinträchtigung
- durch eine/n andere/n Akteur/in (die anderen Akteuren/innen) erfolge.[18]

Ähnlich ist auch die Definition von Leo Montada und Elisabeth Kals[19]:

- „Ausgangspunkt eines Konflikts ist die wahrgenommene Beeinträchtigung, Verletzung oder Gefährdung einer seiner Anliegen eines Subjektes A (einer Person, einer Gruppe, einer Institution) durch ein anderes Subjekt B.
- A macht B verantwortlich dafür.
- A fordert B auf, die Beeinträchtigung, Verletzung oder Gefährdung des Anliegens zu unterlassen bzw. wieder gut zu machen.
- B kommt dieser Aufforderung nicht nach, so dass die Beeinträchtigung, Verletzung oder Gefährdung des Anliegens fortbesteht, ohne dies mit legitimen Gründen zu rechtfertigen, ohne die Verantwortlichkeit mit einsehbaren Gründen zu bestreiten und ohne um Verzeihung zu bitten.“

Diese Definitionen heben hervor, dass in einem sozialen Konflikt aufeinander bezogene Kommunikation besteht, es reicht, dass ein/e Akteur/in Unvereinbarkeiten erlebt und die Gründe hierfür der anderen Partei zuschreibt, sie also verantwortlich dafür macht. Zumindest eine Partei muss sich wegen der Unvereinbarkeit beeinträchtig oder bedroht fühlen und dies der anderen Partei deutlich machen. Diese ist im Gegenzug „nicht bereit, die eigene Position so zu verändern, dass die von der anderen Partei erlebte Beeinträchtigung oder Bedrohung aufgehoben wird.“[20] Daneben kann sie „die zugeschriebene Verantwortung nicht überzeugend bestreiten oder ihr Handeln nicht überzeugend rechtfertigen“.[21] Die Unvereinbarkeiten können nach diesen Definitionen auch auf verschiedenen Ebenen liegen, die auch das Fühlen und Wollen erfassen können. Diese Unvereinbarkeiten können objektiver oder subjektiver Natur sein.[22]

2.2. Funktionen des Konflikts

Konflikte werden im Alltag häufig als etwas dysfunktionales und störendes empfunden. Aufgrund der empfundenen Emotionen im Konflikt ist dies auch verständlich. Auch in eher konservativen Gesellschaftstheorien werden Konflikte oftmals als ausschließlich negativ oder zumindest dysfunktional eingeschätzt, da sie störende Abweichungen von einem Idealzustand darstellen,[23] der einseitig in Stabilität, Ordnung und Konsens gesehen wird.[24] Heutzutage betonen dagegen viele konflikttheoretische Ansätze stärker die integrative Funktion von Konflikten und sehen Konflikte als völlig normales Phänomen von Gesellschaften an. Darüber hinaus gehen Theorien, die Konflikten eine positive Funktion zuschreiben, sie als Motor und Grundlage des sozialen Wandels sehen und die zentrale Stellung von Konflikten für Prozesse der Vergesellschaftung und reproduktiven Strukturbildung betonen.[25] Diese Theorien folgen der Idee, dass ohne Konflikt sozialer Wandel nicht möglich ist.

„The evolution of a culture´s social reality, and each member´s experience of it, unfolds through ongoing cycles of consensus, confusion, conflict, and clarification.”[26]

Exkurs: Konflikttheorie von Niclas Luhmann

Als Grundlage des Konfliktverständnisses in dieser Arbeit soll hier näher auf die Konflikttheorie innerhalb der Systemtheorie von Niklas Luhmann eingegangen werden. In der Systemtheorie von Luhmann dienen soziale Systeme dazu, die Komplexität der Welt zu strukturieren und zu reduzieren. Menschen treffen sich unter den Bedingungen doppelter Kontingenz[27], aus der folgt, dass zwischen den Zusammentreffenden alles möglich ist. Erst in der Kommunikation, was der Entstehung eines sozialen Systems gleich kommt, werden die Möglichkeiten eingeschränkt. In der Kommunikation wird eine mögliche Bedeutung, die die Kommunikation haben könnte, ausgewählt. Wird diese von dem Gegenüber angenommen, so entsteht eine gemeinsame Basis, ein gemeinsamer Sinn, auf dem sich Erwartungsstrukturen für die Zukunft aufbauen. Es wird also konkretisiert, was im sozialen System wann von wem erwartet werden kann. Wird jedoch der gemachte Selektionsvorschlag abgelehnt, so entsteht ein Widerspruch. Diese Möglichkeit eines Widerspruchs besteht immer, ist also nach dieser Theorie etwas völlig normales. Aber erst durch den Widerspruch wird die Erwartungssicherheit aufgelöst und es kann etwas Neues entstehen.[28] Widersprüche führen zu struktureller Unsicherheit und erhöhen so die Anpassungsleistungen des Systems. Sie dienen als Alarmsignale (das System könnte jeder Zeit aufhören zu existieren) und Immunsystem. Ein Konflikt ist nach Luhmanns Definition dann gegeben, wenn einer Kommunikation widersprochen wird. „Für den Konflikt müssen also zwei Kommunikationen vorliegen, die einander widersprechen.“[29] Danach ist alles möglich. Die Erwartungssicherheit und damit die Stabilität des Systems sind aufgelöst. Konflikte dienen nun dazu, vor diesen Instabilitäten zu schützen. Die instabilen Strukturen werden im Konflikt durch problematische, aber dafür sichere ersetzt. Dem/der Partner/in wird die Gegnerschaft unterstellt, was als sicheres Prinzip der Erwartungsbildung von beiden Seiten benutzt wird. Die Kommunikation wird auf andere Weise weitergeführt. Konflikte dienen geradezu dazu, die Kommunikation aufrecht zu erhalten „durch die Benutzung einer der Möglichkeiten, die sie offen hält: durch die Benutzung des Nein.“[30] Man kann also vom Konflikt als einem sozialen System besonderer Art reden. Der Unterschied besteht darin, dass er sich quasi aus einem bereits bestehenden System bildet und dazu tendiert, sich parasitär in diesem System auszudehnen. In diesem System wird nicht mehr die Annahme der Erwartung erwartet, sondern gerade deren Ablehnung. Im Konfliktsystem wird alles aus dem Blickwinkel der Gegnerschaft betrachtet. Eine Person geht davon aus, dass die andere Person[31] bereits ein Konfliktmuster praktiziert, welches den Schaden des/der Anderen als eigenen Nutzen sieht. Deshalb wird auch für Ego der Schaden von Alter zum eigenen Nutzen. Alter wiederum sieht diesen Prozess aber genau gleich – nur in anderer Reihenfolge, dass nämlich Ego dieses Muster bereits praktiziert und Alter auch für sich dann diese Konsequenzen ziehen muss.

Konfliktsysteme haben nach Luhmann eine hoch integrierende Wirkung, da die Tendenz besteht, alles Handeln im Bezug auf diese Gegnerschaft zu sehen und zu bewerten. Dies lässt sich nicht nur innerhalb der gegnerischen Parteien beobachten, sondern auch zwischen ihnen. Fällt der/die ‚Konfliktpartner/in’ als Gegner/in weg, so fühlt man nach Luhmann eine eigentümliche Leere – die Handlungsrelevanz ist weggefallen.[32]

Im Konfliktsystem ist alles möglich und sinnvoll, was dem/der Anderen schadet. Auch die Umwelt wird nur noch daraufhin abgetastet, welche Möglichkeiten sie bietet, der anderen Seite weiter zu schaden. Gleichzeitig werden die Konfliktparteien damit aber auch rücksichtslos in Bezug auf ihre Umwelt, da von vornherein festgelegt ist, dass alle Informationen und Materialien in Bezug auf diese Zweiergegnerschaft betrachtet werden (können).

Die Destruktivität von Konflikten ist aber nach Luhmann nicht in „den Schäden an Reputation, Handlungspotential, Wohlstand oder Leben“[33] zu sehen, sondern in seiner parasitären Existenz. Das Konfliktsystem vereinnahmt dabei alle Aufmerksamkeit und alle Ressourcen, um sie für den Erhalt des Konflikts zu gebrauchen.

Luhmanns Theorie ist nur eine unter vielen Konflikttheorien, der andere entgegengesetzt werden können. Sie wurde in dieser Arbeit dargestellt, weil sie eine analytische, eher weite als enge und in eine Gesellschaftstheorie eingebettete Perspektive für Konflikte gibt. Sie lässt außerdem die Bedeutung von Kommunikation und den Zusammenhang von Kommunikation und Konflikt besonders deutlich werden. Daneben beleuchtet sie sowohl die positiven Funktionen, wie auch den oft destruktiven Verlauf vieler Konflikte. Konflikte sind hier auf jeden Fall etwas völlig normales und wichtig für die Entwicklung von Gesellschaft. Da Konflikte fast voraussetzungslos und in großer Anzahl existieren und entstehen,[34] geht es der Systemtheorie nicht um die Lösung von Konflikten, sondern vor allem um deren Konditionierbarkeit und Regulierbarkeit. Die Arten der Konfliktaustragung rücken damit in das Zentrum des Interesses, wie auch in dieser Arbeit.

Neben den allgemeinen Funktionen haben Konflikte aber gerade für die Beteiligten ganz unterschiedliche Bedeutungen und Anlässe. Diese sollen im Folgenden betrachtet werden.

2.3. Struktur von Konflikten

Konflikte haben meist eine Oberflächenstruktur und eine Tiefenstruktur. Die Oberflächenstruktur besteht aus den sichtbaren Streitthemen oder Streitgegenständen. Die Tiefenstruktur ist aber oftmals nicht mit den offenkundigen Themen identisch. Diese Tiefenstruktur muss erst ermittelt werden. Es geht darum, was den Parteien eigentlich wichtig ist. Kennt man die Tiefenstruktur eines Konflikts nicht, so versteht man als Außenstehende/r auch oftmals die Heftigkeit eines Streits nicht.[35] Gerade um eine Lösung oder Regelung für einen Konflikt zu finden ist es wichtig, diese Tiefenstruktur zu kennen, da nur mit der Befriedigung der eigentlichen Anliegen der Parteien eine solche Lösung auch von Dauer sein kann. Wird der Konflikt nur an der Oberfläche gelöst, so werden die eigentlichen Anliegen der Parteien weiter unbefriedigt bleiben und bei der nächsten Gelegenheit wieder einen neuen Konflikt verursachen.

Auch wenn das Zentrum einer Mediation der soziale Konflikt ist, haben gleichzeitig auch andere Ebenen, vor allem die intrapersonale, gerade in interkulturellen Situationen aber auch die innergesellschaftliche Ebene, Auswirkungen auf die tiefere Struktur von Konflikten. Montada betont dafür zum Beispiel, dass eine Kenntnis intrapsychischer Konflikte notwendig sein kann, wenn es um die Entwicklung von Lösungsoptionen geht, da gerade durch sie die Präferenzen der Person unklar oder instabil werden können.[36] Die Person wird „sich schwer tun, ihre Positionen eindeutig zu bestimmen oder diese konsistent beizubehalten.“[37] Intrapersonale Konflikte können aber genutzt werden, da ihr Bewusstwerden das Betrachtungsfeld des sozialen Konflikts verändert. Christoph Besemer betont daneben noch prägende Erfahrungen aus der Vergangenheit,[38] die wiederum Persönlichkeitsprobleme beeinflussen können.

Ebenso kann die innergesellschaftliche oder internationale Struktur eine große Rolle spielen. Kai Mielke und Marco Sievers gliedern von gesellschaftlichen Konflikten noch sozialtypische ab.[39] Unter sozialtypischen Konflikten verstehen sie jene, die zwar in einer Gesellschaft in gleicher Gestalt häufig existieren (man denke hier an Nachbarn/Nachbarinnen die um den Zaun oder Partylärm streiten, Geschwister ums Erbe oder Unfallbeteiligte um die Schuldfrage), die aber im Gegensatz zu gesellschaftlichen Konflikten (wie zum Beispiel Tarifkonflikte) nicht das Potential haben, größere soziale Unterstützung zu finden.

Neben diesen Strukturen lassen sich eine Vielzahl von Unterteilungen in verschiedene Konfliktarten finden.

2.4. Konfliktarten

Die Art eines Konflikts kann dessen Austragung und auch Behandlung stark prägen. Deshalb soll hier ein grober Überblick über verschiedene Konfliktarten gegeben werden, die gleichzeitig die Ebenen widerspiegeln, auf denen sich ein Konflikt abspielen kann.[40]

So lassen sich Konflikte danach einteilen, ob die Parteien um dasselbe Ziel konkurrieren, wie zum Beispiel bei einem Arbeitsplatz, oder ob es um verschiedene Ziele geht, die nicht miteinander vereinbar sind (zum Beispiel bei einem Konflikt um Werte, aus deren Konsequenz sich unterschiedliches Handeln ergibt).[41]

Darüber hinaus kann der Konfliktgegenstand teilbar oder unteilbar sein. Teilbare Konflikte, bei denen es um ein Mehr oder Weniger geht, sind meist leichter beizulegen, als Konflikte, bei denen es scheinbar um ein Entweder beziehungsweise Oder geht.[42]

Lewis Coser unterscheidet echte und unechte Konflikte. Unter unechten Konflikten versteht er Konflikte, deren Sinn nicht darin besteht, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sondern reiner Selbstzweck zur Spannungsentladung ist. Ziel eines echten Konflikts ist es, die Frustration, die aus der Erfahrung der benachteiligten Lage entsteht, zu verringern, dass heißt die gesellschaftliche oder internationale Stellung zu verbessern.[43]

Des Weiteren lassen sich latente von manifesten Konflikten unterscheiden. Manifeste Konflikte werden offen ausgetragen. Latente Konflikte sind dagegen nicht unmittelbar als solche erkennbar. Sie schlummern also noch. Vergleichbar ist die Unterscheidung in objektive und subjektive Konflikte von Mielke und Sievers. Unter objektiven Konflikten verstehen sie schon bloße Interessensgegensätze (zum Beispiel zwischen Herr und Knecht), die in der Sozialstruktur angelegt sind[44], die aber noch keine subjektive Konfliktrelevanz haben, also noch nicht von zumindest einer Seite als Konflikt wahrgenommen wurden.[45]

Ferner können Konflikte symmetrisch oder asymmetrisch sein. Die Asymmetrie kann sich auf rechtliche, strukturelle oder moralische Belange beziehen, was nicht nur die Konfliktaustragungsform stark beeinflussen kann, sondern auch vor allem das Ergebnis.

Gerade im interkulturellen Kontext wird auch die Dimension bedeutsam, ob ein Konflikt legitim erscheint. Dies entspricht der Frage, ob er durch rechtliche, humanitäre und universelle Normen des Sozialsystems erlaubt ist oder nicht.

Eine weitere Unterteilung lässt sich an Hand der Konfliktthemen vornehmen. Dabei geht es um die unmittelbaren Hintergründe für den offenkundigen Streit und weniger um die tiefer liegenden Probleme im Subjekt.

Dabei geht es oft in Konflikten erst einmal um Sachinhalte. Allerdings sind diese häufig durch verschiedene dahinter stehende Anliegen motiviert. Solche Sachinhalte und die daraus resultierenden Überzeugungen können oft mittels objektiver, verfügbarer Informationen entweder bestätigt oder korrigiert werden.[46] Häufig sind die Überzeugungen jedoch eher Glaubensüberzeugungen, die auch die Funktion haben zum Beispiel Engagement zu motivieren, Lebenssinn zu geben, Gruppenmitgliedschaft zu sichern oder dem sozialen Selbstbild zu entsprechen. Daher werden solche Überzeugungen Widerstand gegen deren Aufklärung hervorrufen.[47]

Für viele Konflikte entscheidend sind aber nicht Sachinhalte, sondern gerade „Glaubensinhalte“ (kulturell/ethnische, religiöse, ideologische), die nicht auf objektiver Wissensbasis zu belegen oder zu widerlegen sind, gleichzeitig aber auch den Kern der sozialen Identität ausmachen können.

Wertüberzeugungen und Interessen, also Vorlieben und Abneigungen sind eine weitere Kategorie von Konfliktthemen, die sehr oft eine Rolle spielen. Auch hier muss es darum gehen, die dahinter liegende Tiefenstruktur zu ergründen. „Ist Golfspielen ein Sport oder nur chic, eine Gelegenheit für Geschäftskontakte oder eine tolerierte Fluchtmöglichkeit aus der Familie?“[48] Wie sind diese Überzeugungen entstanden? Haben Sie eine Funktion oder sind sie nur Selbstzweck? Dies gilt auch für allgemeine Wertorientierungen wie „Natur, Frieden, Familie, ein angenehmes Leben, Sicherheit, Freiheit, Selbstbestimmung, Freundschaft, Solidarität, gesellschaftlicher Erfolg, etc.“[49]

Häufiges Thema von Konflikten sind auch Beziehungen, die jedoch ganz unterschiedliche Inhalte haben können. Grundsätzlich belastet jeder Konflikt die Beziehung zwischen den Parteien und die gegenseitige Sicht der Parteien voneinander wird negativ gefärbt (sozusagen durch die „schwarze Brille“). Daneben kann die Beziehung an sich auch Konfliktthema sein. Zum Beispiel können die Vorstellungen der Parteien über die Art ihrer Beziehung unterschiedlich sein. Montada beschreibt noch eine dritte Art von Beziehungskonflikten, nämlich wenn eine Unvereinbarkeit von Selbstbild und wahrgenommenem Fremdbild in einer sozialen Beziehung besteht. Hier ist nicht die Beziehung das Thema, sondern die Personenwahrnehmung („Ich bin gar nicht, für was Du mich hältst!“). Wie oben schon erwähnt, werden Beziehungskonflikte oft nicht explizit formuliert, sondern auf anderen Ebenen ausgetragen.

Daneben sind Missverständnisse, also Kommunikationsprobleme, oft der zentrale Drehpunkt in Konflikten. Ein weiterer sind oft die strukturellen Bedingungen.

Manche Konflikte werden auch einfach in Kauf genommen. So kann ein Konflikt auch

„eine Strategie zur Durchsetzung eigener Interessen sein, ein Akt der Selbstbehauptung oder Gesichtswahrung, die Bekräftigung einer sozialen oder moralischen Norm, ein Versuch der Verteidigung des eigenen Sozialstatus, eine Strafe für das Fehlverhalten, der Versuch die andere Seite einzuschüchtern, die Klärung offener Fragen zu erzwingen, den Bruch der Beziehung herbeizuführen, wenn dieser Bruch gewollt ist und wenn ein Anlass als Legitimation gesucht wurde.“[50]

Diese Darstellung verschiedener Ebenen, Arten und Inhalte von Konflikten verdeutlicht, dass nicht Konflikt gleich Konflikt ist. Es spielen verschiedenste Ebenen eine Rolle, die sich auch überschneiden und so einen Teil der Komplexität ausmachen. Eine tiefere Analyse, auf welcher Ebene sich der eigentliche Konflikt abspielt, ist eine entscheidende Grundlage für eine Regelung oder Vermittlung.

Die Differenzen entscheiden dennoch nicht darüber ob ein Konflikt negativ beziehungsweise dysfunktional oder aber positiv beziehungsweise produktiv ist oder verläuft. Dies hängt entscheidend mit der Art und Weise der Konflikt austragung zusammen. Daher soll im folgenden Kapitel die häufig entstehende Eskalationsdynamik eingehender betrachtet werden.

2.5. Eskalation und destruktive Konfliktaustragung

Es sollen hier grundlegende Mechanismen dargestellt werden, die zu einer destruktiven Konfliktaustragung führen oder führen können. Die Kenntnis dieser Prozesse und der Eskalationsdynamik ist auch besonders wichtig, um ihr bewusst entgegensteuern zu können.

Zunächst lassen sich Faktoren ausmachen, auf deren Basis sich überhaupt eine Eskalationsdynamik entfalten kann.

Auf der ersten Ebene werden Wahrnehmungen, Denkweisen und Vorstellungen immer mehr verzerrt. Vieles wird selektiv wahrgenommen. „Wir erkennen direkt die ärgerlichen und störenden Eigenschaften und Verhaltensweisen unseres Gegners. Aber wir neigen dazu, dieselben Dinge an uns selbst zu übersehen, zu bagatellisieren oder zu verdrängen.“[51] Zur Reduzierung der Komplexität von Konflikten wird die Zeit- und Raumperspektive immer weiter eingeengt und es kommt zu kognitiver Kurzsichtigkeit. Man konzentriert sich nur noch auf das Heute und Morgen. Konfliktstoff und Geschehnisse werden nur noch aus der eigenen Perspektive wahrgenommen. Die stärkste Verzerrung tritt in den Bildern auf, die die Parteien von sich selbst und der Gegenseite haben. Das eigene Handeln wird als fair, gutwillig, konstruktiv usw. wahrgenommen, während die Gegenpartei mehr und mehr nur noch als schwierig, unsachlich, aggressiv, unzuverlässig usw. wahrgenommen wird. Die Verzerrungen begünstigen erhebliche Verallgemeinerungen und Pauschalisierungen, so dass nicht mehr wahrgenommen werden kann, was im Augenblick tatsächlich passiert, sondern nur das, was wir ohnehin schon zu wissen glauben.[52]

Auf einer zweiten Ebene geht es um Gefühle. Grundsätzlich herrscht im Konflikt eine erhöhte Empfindlichkeit, die auch zu einer erhöhten Unsicherheit führt.[53] Meist stehen am Anfang eines Konflikts noch ambivalente Gefühle gegenüber der Gegenpartei im Vordergrund. Diese Polaritäten können aber nicht lange ausgehalten werden und müssen bald der Eindeutigkeit weichen. Die Parteien kapseln sich im Laufe des Konflikts auch immer weiter gegenseitig ab, was es schwierig macht, sich in den/die Andere/n hineinzuversetzen. Das Einfühlen in Andere ist aber elementar, um eine Verbindung zur Außenwelt herzustellen und nicht autistisch in der eigenen Welt und damit auch in den eigenen Perspektiven gefangen zu bleiben.[54]

Auch im Bereich des Willenslebens tritt im Konflikt Erstarrung und Fixierung auf. Je stärker die Eskalation, desto weniger Alternativen sind noch denkbar. Am Ende gilt nur noch entweder dies oder gar nichts. Dabei verknüpfen sich oft die Mittel mit den Zielen. Eine verlangte Entschuldigung muss dann auf eine ganz bestimmte Art und Weise passieren.

Durch Angriffe und Beschuldigungen werden oft auch tiefe Gefühlsregionen getroffen, die große Wut und Zorn hervorbringen. Damit sind auch meist tiefe Regionen des Willenslebens betroffen und es werden verdeckte Triebe und Begierden wieder angeregt.

Auf der Ebene des äußeren Verhaltens werden die bisherigen Ebenen erst wirklich sichtbar. Grundsätzlich verarmt aber auch generell im Konflikt das Verhaltensrepertoire.

Im Zusammenwirken verschiedener Faktoren lassen sich neben diesen allgemeinen Prozessen Basismechanismen für den Eskalationsprozess beschreiben.

Glasl beschreibt 5 Basismechanismen, die innerhalb eines Eskalationsprozesses wirksam werden.[55] Diese sollen im Folgenden kurz skizziert werden.

1. Zunehmende Projektion bei wachsender Selbstfrustration

Projektionen gehören zum Grundverhaltensrepertoire des Menschen und kommen gerade im Konflikt sehr häufig vor. Eine Person ist dabei verschiedenen unvereinbaren Tendenzen in sich selbst ausgesetzt, kann diese jedoch in sich selbst nicht zum Ausgleich bringen. Gerade moralische, religiöse oder gesellschaftliche Normen und auch sich daraus entwickelnde Selbstbilder stehen oftmals im Widerspruch zu den eigentlichen inneren Regungen. „Je weniger jemand kraft seiner Persönlichkeit imstande ist, sich mit diesen Widersprüchen im eigenen Innenleben bewusst und konstruktiv auseinander zu setzen, desto mehr wird er dazu neigen, die abgelehnten Regungen und Neigungen als nicht zu ihm gehörig zu betrachten.“[56] Sie werden verdrängt, geleugnet und dabei „als wesensfremd nach außen verlagert.“[57] Sie werden im Konfliktfall auf den/die Gegner/in projiziert. Danach können sie auch nicht mehr im Selbst wahrgenommen werden. Sie stammen immer schon von dem/der Gegner/in. Newcomb versteht diesen Prozess als den Beginn von sozialem Autismus, der die Grundstimmung im Konfliktprozess bildet.[58] Glasl sieht nun eine Verknüpfung mit Selbstfrustration, die einerseits durch die Projektionsvorgänge ausgelöst wird, gleichzeitig jedoch auch Anlass für neue Projektionsvorgänge ist. Die Gereiztheit, der Ärger kann dann auf einmal viel stärker ausbrechen, als es dem Anlass entsprechen würde. Als Rechtfertigung dient dann wiederum die Gegenpartei. Dabei entsteht jedoch immer mehr das Dilemma, dass sowohl das Unterdrücken der inneren feindlichen Regungen, als auch das destruktive Ausleben dieser Regungen in gleicher Weise das Unbehagen nährt und das innere Problem immer größer wird. Dieses Dilemma kann nur gelöst werden, wenn eine der Parteien den Mechanismus erkennt (z.B. auch der/die Mediator/in) und sich damit auseinandersetzt. Die Konfrontation mit sich selbst, die durch die Gegenpartei gespiegelt wird, kann hierfür als Herausforderung gesehen werden, an der eigenen Entwicklung zu arbeiten.[59]

2. Issue-Lawine und Simplifizierung

Im Laufe eines Konflikts werden meist immer mehr Themen in den Konflikt mit hineingezogen. Dies passiert oft unbewusst. Auf der anderen Seite werden die Themen auch teils bewusst und strategisch ausgedehnt, um möglichst viele Argumente für die eigene Seite zu mobilisieren und um Scheinzugeständnisse machen zu können und den/die Gegner/in so über die eigenen Absichten und Prioritäten in die Irre zu führen.[60]

Gleichzeitig wird die Wahrnehmung des Konflikts nach Innen wesentlich reduziert. Muss die soziale Umwelt mit ihrer Komplexität schon im normalen Leben reduziert werden, um damit umzugehen, so wird die Komplexität unter Stressbedingungen noch weiter reduziert.[61] Auch hier erhöht die Verkopplung der beiden Mechanismen, der immer größer werdende Themenberg auf der einen Seite und die Notwendigkeit zur Komplexitätsreduktion auf der anderen, Schritt für Schritt das Unbehagen der Parteien. „Die zunehmende Komplexität verleiht der Eskalation weiteren Auftrieb und verschärft die Gegentendenz der Komplexitätsreduktion.“[62]

3. Wechselseitige Kausalitätsumkehrung bei
gleichzeitiger Simplifizierung der Kausalitätsbeziehungen

Ähnlichen Komplexitätsreduzierungen unterliegen auch die Kausalitätsbeziehungen. Jede Partei simplifiziert diese so lange, bis sie zu einer einzigen Ursache für das gesamte Geschehen gelangt. Selbst leicht zu überprüfende Zeitabfolgen werden im Konflikt von den Parteien verdreht. Jede andere Darstellung ist in den Augen der Parteien eine bewusste Verdrehung der Tatsachen. Daneben bildet sich jede Partei ihre Auffassung über die Konfliktursachen. Was für die eine Partei Ursache war, erscheint der anderen als Wirkung. Meist passiert dies unbewusst und führt zurück zu Watzlawicks drittem Axiom der Interpunktionsunterschiede.[63] Das eigene Verhalten wird nur als Reaktion auf das Verhalten der Gegenpartei gesehen und umgekehrt. Die unterschiedlichen Sichtweisen werden dabei zu Vorwürfen gegen die Person und geben Rückschlüsse auf Charakter, Absicht und Motive.[64] Was ursprünglich zur Klärung beitragen sollte, wird immer mehr zu einer „unheilvollen, schier endlosen Kette von Aktion und Reaktion, zum gegenseitigen Beschuldigen und Provozieren“[65]. Probleme wuchern aus und hinterlassen das Gefühl der Verwirrung und Unlösbarkeit.[66]

4. Ausweitung des sozialen Rahmens bei gleichzeitiger Tendenz zum Personifizieren

Im Laufe eines Konflikts werden immer mehr Personen mit in diesen hineingezogen. Dies geschieht zum Beispiel, um die Basis für Operationen zu verbreitern, neue Gleichgewichtszustände herzustellen oder andere Personen auf die eigene Seite zu ziehen, bevor ihr Image durch die Gegenpartei herabgesetzt wird.[67] Mit jeder Ausweitung nimmt aber auch die Wahrscheinlichkeit von Missverständnissen und Fehlverhalten zu. Gleichzeitig mit dieser Ausweitung, wird der Konflikt aber auch immer stärker personifiziert. Es sind dann nicht mehr die Vorschläge und Argumente des/der Gegners/Gegnerin unakzeptabel, sondern die ganze Person.[68] Dieses Zusammenwirken treibt den Eskalationsprozess stark voran. Auch unbewusste Verhaltensweisen und ungewollte Folgen von Taten, die außerhalb der Macht der jeweiligen Partei liegen, werden dieser voll angerechnet.

5. Beschleunigung durch „pessimistische Antizipation“

Durch die bisher beschriebenen Mechanismen werden Konflikte immer unübersichtlicher. Gleichzeitig wächst der Druck die Kontrolle wieder zu erlangen, während der Zeitdruck wächst, Entscheidungen zu treffen. Der Konflikt wird auch zum Wettkampf um die günstigere Position, um den Vorsprung an Macht, Information, usw. In diesem Prozess kommt es zu einer Eskalationsspirale, weil immer schon vorbeugende Maßnahmen getroffen werden, um einen Schritt voraus zu sein. Wenn die eine Seite bemerkt, dass sich die andere auf etwas vorbereitet, dann trifft die erste Partei vorbeugende Maßnahmen, um den bestehenden Vorsprung ihrer Meinung nach wenigstens zu wahren.[69] Die Gegenpartei sieht sich aber nun wieder zu einer Intensivierung gezwungen.

„Keine Seite ist bereit, zurückzustecken, genau aus dem Grunde, weil sie hofft, ihre Ziele ohne Krieg erreichen zu können. Dazu ist sie bereit, selbst Krieg zu riskieren, um die eigenen Ziele durchsetzen zu können; und sie gibt sich dem Glauben hin, die andere Seite werde zurückstecken oder auf einen Kompromiss einschwenken, bevor die Krise zu groß geworden ist ...“[70]

Diese 5 Basismechanismen sind Prozesse, die Schritt für Schritt zu einem höheren Eskalationsniveau führen. Je höher dieses Niveau ist, desto weniger sind die Parteien zu einer konstruktiven Konfliktaustragung in der Lage und desto nötiger wird auch eine dritte Partei zur Unterstützung sein. Glasl beschreibt neuen Stufen des Eskalationsniveaus, die er abwärts gerichtet sieht, da im Laufe der Eskalation immer größere „untermenschliche Energien“ auftreten, die sich der Steuerung und Beherrschung entziehen.[71]

1. Verhärtung: Standpunkte verhärten zuweilen und prallen aufeinander;
2. Debatte: Polarisation im Denken, Fühlen und Wollen;
3. Taten: Reden hilft nicht mehr – also müssen Taten folgen. Strategie der vollendeten Tatsachen;
4. Images, Koalitionen: Stereotypen, Klischees, Imagekampagnen, Gerüchte beherrschen das Geschehen;
5. Gesichtsverlust: Öffentliche und direkte Angriffe auf das Ansehen;
6. Drohstrategien: Drohung und Gegendrohung;
7. Begrenzte Vernichtungsschläge: Denken in Dingkategorien verdrängt die menschlichen Qualitäten;
8. Zersplitterung: Paralysieren und desintegrieren des feindlichen Systems;
9. Gemeinsam in den Abgrund: Vernichtung zum Preis der Selbstvernichtung, Lust am Selbstmord, wenn auch der Feind zugrunde geht;

2.6. Verhandlungstaktiken

Abschließend sollen hier noch einige problematische Einflüsse dargestellt werden, die sich nicht aus dem Konflikt selbst ergeben, sondern die sich gerade in den üblichen Verhandlungen beim Interessenausgleich zeigen und von daher Einfluss auf eine Mediation nehmen können. Diese stammen eher aus einem spieltheoretischen Konfliktmodell und sind daher nur für das Verständnis bestimmter Konflikte hilfreich.[72] Es ist dennoch nützlich, einige Taktiken zu kennen, die für eine wirklich einvernehmliche Lösung hinderlich sind, um den dadurch entstehenden Positionen entgegenwirken zu können. Eine Möglichkeit, Strategien auszunutzen, bietet sich vor allem im „distributiven Verhandeln“, wenn die Verhandlungsmasse quasi feststeht und es darum geht, die vorhandene „Masse“ zu verteilen.

„Lösung C und D sind beide effizient in dem Sinne, dass es keine Lösung gibt, die beide Verhandlungspartner (A und B) besser stellen würde.“[73] Auf der Kurve ist es nicht möglich, dass es beiden besser geht. Gleichzeitig sind die Lösungen C und D jedoch für beide besser als zum Beispiel die Lösung E. Die Lösungen C und D unterscheiden sich aber gravierend im Hinblick auf die Verteilung des Kooperationsgewinns. C ist günstiger für B und D ist günstiger für A. Beide werden also versuchen, den eigenen Gewinn durchzusetzen. Dies ist mit distributivem Handeln gemeint.

Strategien dafür, einen Vorteil zu erzielen, sind vor allem mehr Risiko und Geduld, Verbesserung der eigenen Alternativen bzw. Verschlechterung der Alternativen der Gegenseite. So wird sich regelmäßig derjenige/diejenige den größten Teil des Kooperationsgewinns sichern können, der auf eine Einigung mit seinen Verhandlungspartnern und Verhandlungspartnerinnen am wenigsten angewiesen ist.[74] Strategien in diesem Sinn sind zum Beispiel Anchoring (erste Nennung eines Preises und damit Lenkung der Perspektiven), Scheinzugeständnisse (Zugeständnisse, die sich auf einen nur scheinbar wichtigen Verhandlungsgegenstand beziehen) oder das betonte Hervorheben einzelner normativer Gesichtpunkte, die aber nicht die Vielfalt der zu berücksichtigenden Normen darstellt. Durch bindende Selbstverpflichtung (z.B. „Ich kann nicht mehr anders – der/die Andere muss“) lassen sich unerwünschte Einigungsoptionen ausschließen. Dies nennt sich Commitmentstrategie.

„Wenn es etwa darum geht, wer von zwei aufeinander zu rasenden Lastwagenfahrern ausweichen muss und deshalb als Hasenfuss das Spiel verliert, dann maximiert derjenige seine Gewinnchancen, der – für den anderen sichtbar – sein Steuerrad herausreißt und aus dem Fenster wirft: Jetzt kann nur noch der andere ausweichen.“[75]

Diese Strategien können sehr wirkungsvoll sein, bergen aber auch ein erhebliches Eskalationspotential und sind zudem einer Einigung zum beiderseitigen Vorteil unzuträglich. Grundsätzlich basiert distributives Verhandeln auf Zurückhaltung, gegebenenfalls auch auf Verschleierung von Informationen. Wer offen und ehrlich kommuniziert, kann leicht ausgebeutet werden. Aus der Angst vor Ausbeutung werden die Beteiligten daher von vornherein tendenziell mit verdeckten Karten spielen und distributiv verhandeln.[76]

Die Grundlagenkapitel haben werden lassen, auf welchen Ebenen sich Kommunikation und Konflikte abspielen können und welche Prozesse dazu führen können, dass Konflikte eskalieren und destruktiv ausgetragen werden. Auf diesen Erkenntnissen basiert auch die Idee dass Dritte hilfreich sein können, die Schwierigkeiten in der Kommunikation zu umschiffen, die Eskalationsdynamik in Konflikten zu durchbrechen und so zu einer Konfliktaustragung zu gelangen, die zu einer Regelung des Konflikts führt. Mediation ist ein Verfahren, dass durch die Zuhilfenahme Dritter zu einer Konfliktregelung führen soll, die für beide Seite auch von Vorteil ist. Im Nachstehenden soll es nun um dieses Verfahren selbst gehen.

II. Die Mediation

Mediation stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „in der Mitte sein“ oder Vermittlung.[77] Dabei kann es in verschiedenen Kulturen jedoch auch verschieden ausgelegt werden. Im Chinesischen meint Mediation zwischen zwei Parteien zu treten und ihre Probleme zu lösen, während es im Arabischen ein Anzeichen für Manipulation ist und bei uns immer mehr als Konfliktlösungs verfahren eine Bedeutung bekommt.[78]

Mediation ist nichts völlig Neues, sondern eher eine „Mischung aus Konfliktlösungspraktiken verschiedenster Völker und Kulturen.“[79] Definitionen lassen sich inzwischen in der Literatur sehr viele finden, die verschiedene Aspekte betonen. Laut Besemer sind die vier wichtigsten Grundgedanken dabei folgende:

- Hinzuziehung von vermittelnden, unparteiischen Dritten;
- Einbeziehung aller Konfliktparteien;
- Außergerichtliche Ebene;
- Freiwilligkeit (der Konfliktparteien zur Teilnahme am Verfahren und der Annahme der Ergebnisse);

1. Geschichte

Betrachtet man diese Grundgedanken der Mediation, so lassen sich in verschiedensten Kulturen und Zeiten Vorläufer und Abwandlungen von Mediation finden.

Da zum Beispiel in der chinesischen und japanischen Kultur Konsens und Kooperation von jeher groß geschrieben wird, lässt sich dort auch die größte Verbreitung beobachten. Auch in Griechenland kann man schon früh Vermittlungsversuche bei Konflikten zwischen einzelnen Stadtstaaten durch andere Städte belegen.

Auch die Volksversammlungen in vielen Volksstämmen Afrikas haben den Charakter von Mediation. Dort hat jeder das Recht eine solche Versammlung einzuberufen, bei der eine angesehene Person als Mediator/in den beteiligten Parteien hilft, ihren Konflikt beizulegen. Auch in Dörfern in Jordanien, Melanesien, Lateinamerika und Spanien lassen sich solche Beispiele finden.

In Europa war im Mittelalter die Kirche eine sehr bedeutende Mediations- und Konfliktregelungsorganisation für Familienstreitigkeiten, bei Verbrechen oder diplomatischen Konflikten.

In der chinesischen Kultur, wie auch in der griechischen, römischen, der mittelalterlichen und der neuzeitlichen Geschichte lassen sich also für viele Lebensbereiche Ausformungen für diese Art der Streitbeilegung finden.

Gerade als außergerichtliches Verfahren der Konfliktlösung war es lange Zeit in vielen Kulturen und Gesellschaften zu finden. Durch die Verrechtlichung vieler gesellschaftlicher Angelegenheiten wurde sie jedoch zurückgedrängt.

Außerhalb der internationalen Politik wurde das Mediationsverfahren Ende der 60er Jahre von der „Alternative Dispute Resolution“ (ADR)-Bewegung in den USA neu etabliert. Diese Bewegung zielt darauf ab, Alternativen zu den als autoritär und bürokratisch erlebten Formen der innergesellschaftlichen Konfliktbearbeitung zu entwickeln. Diese Bewegung wurde geprägt durch Vietnam-Proteste, Studenten-Unruhen, die Bürgerrechts- und sozialen Bewegungen, die gegen soziale Ungleichheit und Machtdifferenzen kämpften und das bisherige Rechtssystem als unzulänglich empfanden. Gleichzeitig entwickelte sich Mediation auch als Alternative zu den sehr kosten- und zeitaufwendigen Gerichtsverfahren (v.a. durch die Zivilprozesse in den USA) und man hoffte, so auch eine gewisse Überbelastung der Gerichte beilegen zu können. Methodisch orientierte sich die ADR-Bewegung, die von einigen Richtern, Graßwurzelbewegungen, Akademikern und Praktikern vorwärts getrieben wurde, an der Humanistischen Psychologie und der Human Relations Trainingsbewegung.[80] Heute haben sich verschiedene Verfahren für sehr verschiedene Anwendungsbereiche entwickelt, von denen Mediation das bekannteste ist.

Auch in der internationalen Politik spielt die Idee der Mediation eine Rolle. Vor allem in Form der Konfliktschlichtung als vorbeugende Maßnahme zur Sicherung des Friedens, beziehungsweise der friedlichen Beilegung von bestehenden internationalen Konflikten. Mitte der 60er Jahre entstanden auch „problem-solving-workshops“, die versuchten, abseits der Konfliktbearbeitung zwischen den Staatsoberhäuptern, auf der Gesellschaftsebene mehr Menschen zu erreichen.

Erst in den 80er Jahren wurde das Konzept auch in Europa wieder entdeckt, wobei es bis heute noch immer vielen Menschen in Deutschland nicht bekannt ist.

2. Warum Mediation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grundsätzlich stehen Parteien, die sich im Konflikt miteinander befinden, verschiedene Möglichkeiten offen, wie sie damit umgehen wollen. Natürlich besteht zunächst die Möglichkeit, dass eine Seite nachgibt oder eine Partei versucht, ihre Position einseitig durchzusetzen. Aber selbst wenn sich die mächtigere Seite durchsetzt, so ist es sehr unwahrscheinlich, dass dies zu einer dauerhaften und für beide Seiten erstrebenswerten Lösung führt.

Auch ungünstige Kompromisse, die aus schmerzhaften Konfrontationen heraus entstanden sind, mögen vielmehr eine Flucht aus den Spannungen heraus sein, als eine zufrieden stellende Lösung. Solche Kompromisse werden die Grundlage für zukünftige Konflikte sein, also auch nicht zu dauerhaften Lösungen beitragen.

In vielen Fällen wird jedoch eine Partei – oder auch beide gemeinsam – eine dritte Person oder Instanz für eine Entscheidung einschalten, um zu einer Klärung zu gelangen. Dafür bieten sich klassischerweise Gerichte, Schiedsleute oder Schlichter/innen an. Mögen diese Verfahren alle ihre Berechtigung haben und sehr sinnvoll in verschiedenen Handlungsfeldern sein, so haben sie doch auch einen entscheidenden Nachteil: Die Entscheidungen werden nicht von den Betroffenen selbst getroffen und die Konflikte meist auf einer eher oberflächlichen Sachebene verhandelt, die oftmals an den eigentlichen Interessen und Bedürfnissen vorbeigeht. Dies führt dazu, dass eigentlich nur Verlierer/innen entstehen. Die eigentlichen Konflikte auf einer tieferen Ebene stehen gar nicht zur Verhandlung und werden somit nicht gelöst.

Vor Gericht geht es darum, den Streitfall zu objektivieren, um ihn auf eine entsprechende Rechtsnorm anwenden zu können. Was für die entsprechende Norm als unerheblich gilt, wird ausgeblendet, da es nicht anspruchserheblich ist. Damit wird das psychologisch Wesentliche an Konflikten ausgeblendet. Hinzu kommt, dass die Konfliktaustragung in Form von Sieg und Niederlage oftmals die Beziehung zwischen den Parteien zerstört. In vielen Fällen, zum Beispiel bei Nachbarschaftskonflikten, werden die Parteien aber auch weiterhin miteinander zu tun haben. Konflikte können jedoch Auswirkungen haben, die mehrere Generationen überschatten.[81]

Mediation will nun im Gegensatz dazu die Verantwortung für den Ausgang des Konflikts bei den Beteiligten lassen. Es geht um Selbstbestimmung und eine konstruktive Auseinandersetzung, die den Möglichkeiten, die in einem Konflikt stecken, gerecht werden. Dabei kann es auch zu dauerhafteren, zufriedenstellenderen Ergebnissen und Lösungen kommen, da gerade die Konfliktparteien selbst die genaueste Kenntnis des Konflikts, seiner Umstände und ihren Bedürfnissen und Gefühlen haben. Die Beteiligten sind meist auch viel eher bereit, die selbst ausgehandelten Lösungen umzusetzen und ihr Verhalten zu ändern, da sie an der Lösungsausarbeitung mitgewirkt haben und dafür verantwortlich sind.

An die vermittelnde Person geben sie nur die Kontrolle über den Prozess der Konfliktbearbeitung ab. Im Kapitel über die Grundlagen von Konflikten sind die Dynamiken deutlich geworden, die Konflikte eskalieren lassen. In einem Konflikt ist es den Streitparteien nur sehr schwer möglich, ihr Potential zu entfalten, den Konflikt alleine zu lösen. Natürlich sollten die, in einem Konflikt involvierten Personen diesen am besten selbst lösen. Aber meist sind die Parteien selbst diejenigen, die am wenigsten dafür geeignet sind, eine Lösung für ihre feindlichen Spannungen, den Vertrauensverlust, die entstehenden Verdächtigungen, die voreingenommene Kommunikation und einen Ausweg aus den Positionen zu finden.[82] Aus zwei Gründen kann es deswegen laut DeBono notwendig sein, eine dritte Partei einzuschalten:

„Because the parties involved in the conflict are bogged down by tradition, training, and complacency in the argument mode of thinking. The parties involved rarely have the necessary skill or experience in lateral thinking and the design idiom.

Because even with the best will in the world, the parties involved in the conflict simply cannot carry out certain thinking operations because these would not be consistent with their positions in the conflict. The structure of the situation is such that these things simply cannot be done.”[83]

Auch Luhmann sieht in der Einführung eines unparteiischen Dritten in das Konfliktsystem eine wichtige Möglichkeit zur Konditionierung und damit zur Regelung von

Konflikten.[84] Dieser wirkt zunächst desintegrierend, da die scharfe Reduktion auf eine Zweiergegnerschaft zurückgenommen wird. Es besteht dann die Möglichkeit den Dritten für seine Seite zu gewinnen. Es geht im Konfliktsystem dann nicht mehr nur um die doppelte Kontingenz in ihrer Negativversion – also die einfache Rechnung, dass der Schaden für Alter Egos Nutzen ist und umgekehrt – sondern auch darum, wie man den Dritten für seine Seite gewinnen kann. Damit wird die gewonnene Erwartungssicherheit im Konfliktsystem zurückgenommen und es ergeben sich neue Möglichkeiten.

Meist ist es weniger der fehlende Wille der Parteien, an denen eine konstruktive Konfliktlösung scheitert, als vielmehr das mangelnde Wissen, wie sie dorthin gelangen können. Dies ist die Aufgabe des Mediators oder der Mediatorin. Er/Sie kann den Parteien dabei helfen, den Negativ-Kreislauf zu durchbrechen und wieder zu konstruktiven Lösungen zu kommen, in dem er/sie neue Informationen, Erfahrungen und Alternativen, neben denen der Parteien, einbringen kann. Um nur einige Punkte zu nennen, kann der/die Mediator/in die Symmetrie in der Motivation für eine friedliche Konfliktlösung stärken und versuchen ein Machtgleichgewicht herstellen, sowie helfen eine Balance in den gegenseitigen Anschuldigungen und dem Austausch herzustellen, so dass es zu weniger Missinterpretation kommt. Er/sie dafür sorgen, dass die Parteien im „Gleichschritt“ zum Ziel gehen, so dass zum nächsten Schritt übergegangen wird, wenn beide Seiten auch dazu bereit sind, Schritte einläuten, die den nötigen Grad an Offenheit und Tiefe für den Dialog herstellen können, die Kommunikation so gestalten, dass es zu gegenseitigem Verstehen und nicht zu Fehlinterpretationen kommt, die optimale Spannung im Prozess, zwischen Energie und Angst auf den verschiedenen Stufen des Prozesses aufrechterhalten, usw.[85]

Außerdem können in der Mediation auch tiefer liegende Konfliktursachen und Bedürfnisse bearbeitet werden, die den Beteiligten vielleicht selbst vorher nicht klar waren, was zu besseren Entscheidungen beiträgt.

Darüber hinaus kann Mediation auch eine Wirkung auf die zukünftige Konfliktfähigkeit der Parteien haben, da sie einen anderen Umgang mit Konflikten kennen lernen. Zudem werden sie nicht durch ein Gerichtsurteil kriminalisiert oder durch eine therapeutische Behandlung pathologisiert, was ein wichtiger Aspekt sein kann, an einer Mediation teilzunehmen.[86]

3. Deliberative versus Transformative Mediation

In der Praxis lassen sich grundsätzlich zwei verschiedene Richtungen von Mediation unterscheiden. Auf der einen Seite steht der bekanntere deliberative, verhandlungs- und lösungsorientierte Ansatz (Harvard-Konzept), auf der anderen der so genannte Transformationsansatz. Auf beide soll im Folgenden näher eingegangen werden.

3.1. Das Harvard-Konzept

Der vorherrschende Ansatz in der Mediationspraxis ist das Harvard-Konzept. Dieser Ansatz wurde Anfang der 1980er Jahre von Roger Fisher und William Ury im Rahmen des „Harvard Negotiation Project“[87] entwickelt. Er basiert auf der Methode des sachbezogenen Verhandelns, die darin besteht, „Streitfragen lieber nach ihrer Bedeutung und nach ihrem Sachgehalt zu entscheiden als in einem Prozess des Feilschens um das, was jede Seite unbedingt zu wollen oder nicht zu wollen behauptet.“[88] Es geht vor allem auch darum, eine Lösung zu finden, die beiden Seiten gerecht wird und von der beide Seiten profitieren (so genannte win-win-Lösungen).

Dieses Verhandeln nach Sachlage orientiert sich im Wesentlichen an vier Grundaspekten:

1. Menschen und Probleme getrennt voneinander behandeln:

Im Kapitel über Konflikte wurde die Eskalationsdynamik deutlich und mit ihr auch die Verwobenheit vielfältiger, nicht mehr kontrollierter Emotionen mit der objektiven Sachlage des Problems. Vermischte Beziehungs- und Sachebenen machen jedoch oftmals das Verhandeln schwierig und sollten von daher getrennt voneinander bearbeitet werden. Fisher u.a. legen daher Wert darauf, dass vor dem Verhandeln der Sachinhalte das „menschliche Problem“ abgelöst davon behandelt werden soll.[89] Vor dem Hintergrund einer ungeklärten Beziehungsebene lassen sich andere Dinge nur schwer klären. Vorstellungen, Emotionen und die Kommunikation sind dabei die Grundaspekte, die Fisher u.a. für die Probleme auf der Beziehungsebene klären wollen.[90]

2. Konzentration auf Interessen - nicht auf Positionen

Anders formuliert: Konzentration auf die tiefer liegenden Bedürfnisse statt auf den vordergründigen, sichtbaren Konflikt oder Gegenstand. Die Positionen, mit denen die Parteien in den Konflikt gehen, sind oft sehr starr und nicht verhandelbar. „Im Eifer der Wortgefechte verlieren viele Konfliktparteien oft nicht nur den Faden der Diskussion und den Blick für ein mögliches Ergebnis, sondern verrennen sich auch in fruchtlose Auseinadersetzungen über Positionen und erkennen nicht mehr ihre eigenen und eigentlichen Interessen.“[91] Die Parteien können nur schwer von diesen abweichen, ohne einen Gesichtsverlust zu riskieren. Die wahren Interessen können oft auf verschiedene Art und Weise befriedigt werden, aber meist versteifen sich Parteien auf eine ungünstige Position, die nur schwer verhandelbar ist.[92] Ein Beispiel soll dies verdeutlichen:

„[...] Israel hatte die ägyptische Sinai-Halbinsel seit dem Sechstagekrieg von 1967 besetzt. Als sich Ägypten und Israel 1978 zu Friedensverhandlungen zusammensetzten, waren ihre Positionen unvereinbar. Israel bestand darauf, Teile des Sinai zu behalten. Ägypten andererseits hielt daran fest, dass jeder Zollbreit des Sinai ägyptischer Souveränität zurückgegeben werden müsse. Immer wieder suchte man nach möglichen Teilungsschemata zwischen Israel und Ägypten am Sinai. Aber ein Kompromiss auf dieser Linie war für Ägypten unannehmbar. Zurückzuweichen zur Lage, wie sie vor 1967 bestand, kam wiederum für Israel nicht in Frage. Möglich wurde eine Lösung erst, als man sich auf die Interessen beider Staaten konzentrierte. Israels Interessen galten der Sicherheit: sie wollten keine jederzeit einsatzbereiten ägyptischen Panzer an ihrer Grenze sehen. Die ägyptischen Interessen lagen auf dem Gebiet der Souveränität. [...] In Camp David stimmten der ägyptische Präsident Sadat und der israelische Premierminister Benin einem Plan zu, nach dem der Sinai vollständig in ägyptische Souveränität zurückgegeben wurde und dennoch, durch weiträumige Entmilitarisierung, auch die israelische Sicherheit gewährleistet war.“[93]

3. Entscheidungsmöglichkeiten zum beiderseitigen Vorteil entwickeln

Das eben zitierte Beispiel kann auch diesen 3. Punkt verdeutlichen. In Camp David

wurde eine Lösung gefunden, die für beide Seiten Vorteile brachte. Oftmals wird solches Potential jedoch nicht genutzt und es kommt zu unvorteilhaften Kompromissen. Es ist offensichtlich schwierig in der direkten Auseinandersetzung nicht zuerst an den eigenen Vorteil und den Nachtteil der Anderen zu denken, sondern an die Erweiterung der Vorteile für alle Beteiligten.[94] Wie zum Beispiel zwei Schwestern, die jede eine Orange haben wollen und sie dann teilen. Die eine schält die Orange und isst das Fleisch – die andere wirft das Fleisch weg und benutzt die Schale zum Backen. Es hätte besser ausgehen können. Aber meist blockieren viele Faktoren die Suche nach kreativeren Lösungsoptionen, die beiden Seiten gerecht werden könnten. Dazu gehören vorschnelle Urteile, die Suche nach der richtigen Lösung, die Annahme, dass der Kuchen begrenzt sei und die Vorstellung, dass die Anderen ihre Probleme gefälligst selbst lösen sollen.[95] Es gilt von Anfang an möglichst viele Lösungsoptionen offen zu halten.

4. Anwendung neutraler Beurteilungskriterien

Gerade wenn sich Interessen direkt widersprechen, werden objektive Bewertungsmaßstäbe wichtig, damit es zu einer fairen Lösung kommen kann. Die Maßstäbe hierfür müssen unabhängig vom bloßen Willen der einen oder anderen Seite sein. Einer fairen Lösung, die durch eine Diskussion um die Beurteilungskriterien, statt um die Wünsche der Parteien, zustande gekommen ist, können sich beide Parteien unterwerfen, ohne nachgeben zu müssen. „Der Ansatz besteht darin, dass sich Ihre Lösung auf Prinzipien gründet und nicht durch gegenseitigen Druck zustande kommt.“[96]

Die Anwendung dieser Prinzipien sollte im Idealfall zu fairen Ergebnissen führen, die für alle Beteiligten akzeptabel sind. Gleichzeitig bleiben die Beziehungen zwischen den Parteien intakt, was die zukünftige Kommunikation erleichtert.

Auf der anderen Seite hat dieser Ansatz gerade dort Schwächen, wo es schwierig wird einen Konsens zu finden. So lassen sich Wertekonflikte nur sehr schlecht „aufteilen“, so dass sich keine Partei als Verliererin fühlt.

Im Folgenden soll deshalb nun der transformative Ansatz dargestellt werden.

[...]


[1] Eine Anmerkung zur Schreibweise: im Bewusstsein, dass die Lesbarkeit in einigen Fällen leiden kann, werden dennoch die männlichen und weiblichen Formen benutzt. Kommunikation formt wie auch Kultur das Bewusstsein. Soll sich dieses verändern, muss sich auch Kommunikation verändern.

[2] vgl. Dietrich 2001, S.200f;

[3] Gudykunst/Ting-Toomey 1988, S.79;

[4] Luchtenberg 1999, S.9;

[5] Luchtenberg 1999, S.10;

[6] Watzlawick u.a. 1996, S. 51;

[7] Watzlawick u.a. 1996, S. 50ff;

[8] Watzlawick u.a. 1996, S.51;

[9] vgl. Watzlawick u.a. 1996, S.55;

[10] vgl. Schulz von Thun 1991, S.25ff;

[11] vgl. Watzlawick u.a.1996, S.58f;

[12] „Man schätzt, dass der Mensch pro Sekunde 10000 extrozeptive und propriozeptive Sinneswahrnehmungen aufnimmt. Dies erfordert eine drastische Auswahl jener Wahrnehmungen, die den höheren Hirnzentren zugeleitet werden, da diese sonst mit unwesentlicher Information überschwemmt und von ihr blockiert würden.“ (Watzlawick u.a. 1996, S.92);

[13] vgl. Watzlawick u.a.1996, S.66;

[14] Bonacker/Imbusch 1999, S.74;

[15] vgl. Bonacker/Imbusch 1999, S.74;

[16] Bonacker/Imbusch 1999, S.75;

[17] Bonacker/Imbusch 1999, S.75;

[18] vgl. Glasl 1997, S.14f;

[19] Montada/Kals 2001, S.67;

[20] Montada/Kals 2001, S.66;

[21] Montada/Kals 2001, S.67;

[22] Montada/Kals 2001, S.65;

[23] vgl. Bonacker/Imbusch 1999, S.81;

[24] in der Tradition von Durkheim und Parsons (vgl. Imbusch/Zoll 1999, S.145);

[25] vgl. Imbusch/Zoll 1999, S.145;

[26] Augsburger 1992, S.17;

[27] der/die Eine weiß nicht was der/die Andere denkt und umgekehrt;

[28] Ein autopoietisches System (und ein soziales System ist ein solches) nimmt nur den Teil seiner Umwelt zur Kenntnis, der für den Erhalt des Systems wichtig ist. Widersprüche sind demnach wichtig, um zu verhindern, dass das System aufhört sich weiter zu entwickeln und letztendlich aufhört zu existieren. Widersprüche ermöglichen es den in einer sich schnell verändernden Welt operierenden Systemen sich ständig neu anzupassen und neue Erwartungsstrukturen zu schaffen.

[29] Luhmann 1987, S.530;

[30] Luhmann 1987, S.530;

[31] Als Abstraktionsfiguren werden die beiden Personen von Luhmann Ego und Alter genannt.

[32] vgl. Luhmann 1987, S.533;

[33] Luhmann 1987, S.532;

[34] Luhmann 1987, S.532;

[35] vgl. Montada/Kals 2001, S. 74; „Ein Paar streitet hitzig darüber, was der kürzeste Weg zum Urlaubsort sei. Die Entfernungen ließen sich aus den Straßenkarten ermitteln, der Zeitaufwand aus dem Vergleich der Entfernungen, der Art der Strassen, der Zahl der Ortdurchfahrten, der Größe der zu durchfahrenden Ortschaften usw. Der Streit geht aber vielleicht nur oberflächlich um diese Fragen. Eigentlich geht es darum, wem mehr Expertise und Urteilskompetenz generell oder in diesem Feld zukommt, vielleicht auch darum, wie Entscheidungsrechte zu verteilen oder was ein angemessenes partnerschaftliches Entscheidungsverfahren wäre, oder gar darum, dass die Partner gegenseitig Anerkennung und Zuneigung vermissen. Das heißt, es sind bei beiden wichtige Anliegen betroffen, die sie aber nicht aussprechen.“ (Montada/Kals 2001, S.74);

[36] vgl. Montada/Kals 2001, S. 61;

[37] vgl. Montada/Kals 2001, S. 61;

[38] Besemer 2001, S.27;

[39] vgl. Mielke/Sievers 2003, S.2;

[40] vgl. dazu Bonacker/Imbusch 1999, S.76ff und Mielke/Sievers 2003, S.2ff;

[41] siehe Montada/Kals 2001, S.72;

[42] vgl. Bonacker/Imbusch 1999, S.79;

[43] vgl. Bonacker 1996, S.69;

[44] vgl. Mielke/Sievers 2003, S.3;

[45] Dies widerspricht auch dem Konfliktverständnis dieser Arbeit (vgl. Konfliktdefinition Kap. I. 2.1).

[46] vgl. Montada/Kals 2001, S.77;

[47] Montada/Kals 2001, S.78;

[48] Montada/Kals 2001, S.79;

[49] Montada/Kals 2001, S.80;

[50] Montada/Kals 2001, S.84;

[51] Glasl 1997, S.36;

[52] Dies wird in der Sozialpsychologie auch als self-fulfilling prophecy bezeichnet. Da dies beide Parteien gleichermaßen tun, kommt es dazu, dass eigentlich weniger die Parteien miteinander streiten, sondern das Bild, das sich A von B gemacht hat, mit dem Bild das sich B von A macht.

[53] vgl. Glasl 1997, S.38;

[54] vgl. Glas 1997, S.39f;

[55] vgl. Glasl 1997, S.191ff;

[56] Glasl 1997, S.194;

[57] Glasl 1997, S.194;

[58] vgl. Glasl 1997, S.195;

[59] vgl. Glasl 1997, S.196;

[60] vgl. Glasl 1997, S.197;

[61] vgl. Glasl 1997, S.199;

[62] Glasl 1997, S.199;

[63] vgl. Kap I.1;

[64] vgl. Besemer 2001, S.24;

[65] Glasl 1997, S.203;

[66] vgl. Besemer 2001, S.24;

[67] vgl. Glasl 1997; S.203f;

[68] vgl. Glasl 1997, S.205;

[69] vgl. Glasl 1997, S.208;

[70] Kahn, H. zit. n. Glasl 1997, S.209f;

[71] vgl. Glasl 1997, S. 215ff;

[72] Dieses Modell geht vom regelgeleiteten, rationalen Interessenhandeln der Parteien und der Möglichkeit aus, den Handlungserfolg der Parteien als Gewinn oder Verlust zu quantifizieren. Beide Voraussetzungen sind jedoch in Frage zu stellen. Weder handeln Parteien immer nach rationalen Strategien, noch lassen sich zum Beispiel Rangordnungs-, Normen-, oder Wertekonflikte so einfach zu quantifizieren (vgl. Giessen 1993, S.116).

[73] Breidenbach/Henssler 1997, S.45f;

[74] vgl. Breidenbach/Henssler 1997, S.46f;

[75] vgl. Breidenbach/Henssler 1997, S.46;

[76] vgl. Breidenbach/Henssler 1997, S.50;

[77] vgl. Breidenbach 1995, S.145;

[78] vgl. Wall, Lynn 1993, S.160;

[79] Besemer 2001, S.46;

[80] vgl. Ropers 1995, S.64;

[81] vgl. Geißler, Peter: Die Wiener Konferenz für Mediation – ein erster Überblick. zit. n. Geißler/Rückert 2000, S.17/18;

[82] vgl. Augsburger 1992, S.156;

[83] DeBono, Edward (1985): Conflicts. – London: Harrap. zit. n. Augsburger 1992, S.156;

[84] wobei Luhmann die wichtigste Möglichkeit zur Konditionierung von Konflikten in einer Gesellschaft primär im Rechtssystem sieht: „Sie dürfen sich streiten, wenn sie darauf verzichten, die Entscheidung über den Streit eigenmächtig herbeizuführen. Wenn Konflikte dazu tendieren, sich autopoietisch fortzusetzen und gleichzeitig die Energien des jeweiligen gastgebenden Systems auf sich zu ziehen, dann besteht die Möglichkeit, diese Konflikte an das Rechtssystem abzugeben und sie dadurch auf ihre Entscheidung hin zu kanalisieren.“ (Bonacker 1997, S.80);

[85] vgl. Augsburger 1992, S. 157ff;

[86] vgl. Besemer 2001, S.35;

[87] Das „Harvard Negotiation Project“ ist ein Forschungsprojekt der Harvard-Universität, das verbesserte Methoden des Verhandelns und Vermittelns entwickelt und verbreitet und Teil des „Program of Negotiation“ an der Harvard Law School, einem Gremium von Wissenschaftlern zu Verbesserung der Theorie und Praxis der Konfliktlösung ist (vgl. Fisher u.a. 1998, S.260);

[88] Fisher u.a. 1998, S.16f;

[89] Fisher u.a.1998, S.31;

[90] Fisher u.a.1998, S.45ff;

[91] Zilleßen 1998, S.22;

[92] vgl. Fisher u.a. 1998, S.70;

[93] Fisher u.a. 1998, S.69f; Wobei an diesem Beispiel in der Ermordung Sadats leider auch deutlich wird, dass gerade im internationalen Rahmen, solche Regelungen viele Menschen betreffen und nicht alle, den von anderen ausgehandelten Regelung zustimmen.

[94] vgl. Zilleßen 1998, S.22;

[95] vgl. Fisher u.a. 1998, S.91;

[96] Fisher u.a., 1998, S.123;

Ende der Leseprobe aus 168 Seiten

Details

Titel
Mediation im interkulturellen Kontext
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Erziehungswissenschaften)
Note
1 mit Auszeichnung
Autor
Jahr
2003
Seiten
168
Katalognummer
V14529
ISBN (eBook)
9783638199056
ISBN (Buch)
9783638643511
Dateigröße
2211 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediation, Kontext, Thema Mediation
Arbeit zitieren
Dipl.-Pädagoge Tobias Rösner (Autor), 2003, Mediation im interkulturellen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14529

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Mediation im interkulturellen Kontext


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden