Thema dieser Arbeit soll die Anwendung der Mediation im interkulturellen Kontext sein. Der interkulturelle Rahmen wird meist als Verkomplizierung der Mediation angesehen, weil dort verschiedene Wertesysteme aufeinanderprallen, die nur schwer aushandelbar sind. Dies kann sich in grundsätzlich verschiedenen Sichtweisen über Ursachen, Austragung und Lösung eines Konflikts manifestieren und legt den Rückgriff auf Stereotype nahe.
Fragestellung dieser Arbeit soll sein, welche Rolle die Kultur für die Konfliktbearbeitung durch Mediation wirklich spielt und inwiefern Mediation eine geeignete Methode sein kann, um in interkulturellen Konflikten erfolgreich zu vermitteln. Dafür soll analysiert werden, was die Ursachen für interkulturelle Konflikte denn überhaupt sind. Inwiefern ergibt sich aus der Interkulturalität eine Veränderung der Mediationssituation? Welche Bedeutung hat die kulturelle Komponente für das Konfliktverständnis, welche Bedeutung hat sie für die Beteiligten? Was macht das Fremde so bedrohlich, dass der Umgang mit Differenzen so schwer wird?
Die Arbeit gliedert sich im Wesentlichen in 6 Teile.
Im ersten Kapitel geht es um die Grundlagen der Kommunikation und des Konflikts. Was ist Kommunikation, was ist ein Konflikt und wozu dient er? Auf welche Weise und auf welchen Ebenen kann sich ein Konflikt manifestieren? Was führt zur Eskalation von Konflikten? Und schließlich, was macht manche Konfliktbearbeitung so destruktiv?
Die Grundlagen des Mediationsverfahrens selbst, verschiedene Zielorientierungen, seine Prinzipien, Ablauf und die Rolle der Vermittler/innen werden im zweiten Kapitel dargestellt. Kurz werden einige grundlegende Methoden vorgestellt.
Im dritten Kapitel wird der Versuch unternommen, die Bedeutung von Kultur zu klären. Was ist Kultur und inwiefern unterscheiden sich Kulturen voneinander. Abgeschlossen wird das Kapitel mit der Frage nach der tatsächlichen Handlungsrelevanz und damit auch der Relevanz kultureller Faktoren für die Konfliktursachen.
Welche Rolle das Fremde gerade in psychosozialen Prozessen spielt, behandelt das vierte Kapitel.
Welche Rolle spielt die Gesellschaft und Politik für kulturelle Sichtweisen? Welche Bedeutung hat Macht? Diese Fragen und Prozesse und ihre Auswirkung auf die Konfliktparteien behandelt das fünfte Kapitel.
Das abschließende Kapitel versucht, die bis dahin gewonnenen Erkenntnisse auf die Mediation anzuwenden.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG 6
I. GRUNDLAGEN 12
1. KOMMUNIKATION 12
2. KONFLIKT 15
2.1. Definition Konflikt 16
2.2. Funktionen des Konflikts 17
Exkurs: Konflikttheorie von Niclas Luhmann 18
2.3. Struktur von Konflikten 20
2.4. Konfliktarten 22
2.5. Eskalation und destruktive Konfliktaustragung 25
2.6. Verhandlungstaktiken 30
II. DIE MEDIATION 32
1. GESCHICHTE 32
2. WARUM MEDIATION 34
3. DELIBERATIVE VERSUS TRANSFORMATIVE MEDIATION 37
3.1. Das Harvard-Konzept 37
3.2. Der Transformationsansatz 40
3.3. Schlussfolgerungen 42
4. PRINZIPIEN DER MEDIATION 44
5. DER ABLAUF DES VERFAHRENS 46
5.1. Die Vorphase 46
5.2. Das Mediationsgespräch 47
5.3. Umsetzungsphase 49
6. ROLLE DES/DER MEDIATORS/MEDIATORIN 50
7. METHODEN DER MEDIATION 52
7.1. Grundlagen der Gesprächsführung 52
7.2. Methoden für schwierige Situationen 54
III. DIE BEDEUTUNG VON KULTUR 55
1. KULTURBEGRIFF 55
2. KULTURELLE UNTERSCHIEDE 57
2.1. Dimensionen der Differenz 57
2.2. Werteunterschiede 58
2.3. Interkulturelle Kommunikation 61
2.4. Konfliktkulturen 63
2.5. Vermittlung durch Dritte 67
3. RELATIVITÄT KULTURELLER DIFFERENZEN 69
3.1. Vielfalt der Orientierungssysteme 69
3.2. Kultur als Mittel der Selbst- und Fremdreflexion 70
3.3. Kontextualisierung 72
IV. PSYCHOSOZIALE EINFLÜSSE IM UMGANG MIT FREMDEN 77
1. STEREOTYPE/VORURTEILE 77
2. DAS KULTURELL FREMDE 82
2.1. Faszination und Angst 82
2.2. Regression 87
2.3. Exkurs: Abwehrmechanismen 88
V. KULTUR UND GESELLSCHAFT 90
1. KONSTRUKTION VON FREMDHEIT 90
2. SYMBOLISCHE MACHT 93
3. SPEZIFISCHE WIRKUNG VON MACHTASYMMETRIEN AUF INTERKULTURELLE KONFLIKTE 95
4. GRUPPENDYNAMIK 98
4.1. Mediation in der Gruppe 98
4.2. Bedeutung von Großgruppen 100
4.3. Schlüsselschritte in der Arbeit mit Gruppen 102
5. EXKURS: MEDIATION IM INTERNATIONALEN BEREICH 104
5.1. Besonderheiten der Konfliktdynamik 105
5.2. Ebenen der Konfliktbearbeitung 106
5.3. Mediation zwischen Volksvertretern/Volksvertreterinnen 107
VI. SCHLUSSFOLGERUNGEN FÜR EINE MEDIATION IM INTERKULTURELLEN KONTEXT 111
1. KONTEXTUALISIERUNG VON WERTEN 112
2. UMGANG MIT PSYCHISCHEN PROZESSEN IN DER MEDIATION 116
2.1. Bearbeitung von Vorurteilen und Projektionen 116
2.2. Akzeptanz des Fremden 119
2.3. Umgang mit Regressionsprozessen 121
2.4. Mediation und Therapie 123
2.5. Zielperspektive 125
3. GESELLSCHAFTSKONTEXT 128
4. ÜBERLEGUNGEN ZUM VERFAHREN 132
4.1. Kontextualisierung des Verfahrens 132
4.2. Tandemberatung in der interkulturellen Mediation 135
4.3. Mediation mit Dolmetschern/Dolmetscherinnen 135
5. KOMPETENZEN DES/DER MEDIATORS/MEDIATORIN 139
5.1. Interkulturelle Kompetenz 140
5.2. Übertragung/Gegenübertragung 147
6. GRENZEN 150
VII. RESÜMEE 155
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle der Kultur bei der Konfliktbearbeitung durch Mediation und analysiert, inwiefern Mediation ein geeignetes Instrument zur Vermittlung in interkulturellen Konflikten darstellt. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, wie konstruktiv mit kulturellen Differenzen umgegangen werden kann, ohne diese als unüberwindbare Hindernisse zu betrachten, und welche Kompetenzen Mediatoren in diesem Kontext benötigen.
- Grundlagen der Kommunikation und Konflikttheorie im Kontext der Mediation.
- Einfluss kultureller Dimensionen auf Konfliktentstehung und -austragung.
- Psychosoziale Prozesse wie Stereotypenbildung, Angst vor dem Fremden und Regression in interkulturellen Begegnungen.
- Die Bedeutung machtasymmetrischer Strukturen und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.
- Praktische Überlegungen zur Gestaltung interkultureller Mediationsprozesse und zur Kompetenzentwicklung von Mediatoren.
Auszug aus dem Buch
2.1. Definition Konflikt
Einer groben Definition zufolge lassen sich Konflikte als soziale Tatbestände definieren, „an denen mindestens zwei Parteien (Einzelpersonen, Gruppen, Staaten, etc.) beteiligt sind, die auf Unterschieden in der sozialen Lage und/oder auf Unterschieden in der Interessenkonstellation der Konfliktparteien beruhen.“
Diese grobe Definition sollte jedoch weiter differenziert werden. Zunächst lassen sich verschiedene Analyseebenen unterscheiden. „Das Individuum mit a) intrapersonalen Konflikten, die Gesellschaft mit b) interpersonalen Konflikten und c) innergesellschaftlichen Konflikten, und das internationale System mit internationalen Konflikten.“ Im Zentrum dieser Arbeit stehen interpersonale Konflikte, denn sie sind der Schwerpunkt der Mediation. Für den interpersonalen Konflikt liefert Friedrich GLASL eine entsprechende Definition. Er versteht unter einem – wie er es nennt – „sozialen Konflikt“ eine Interaktion zwischen Akteuren/innen (Individuen, Gruppen, Organisationen usw.), wobei wenigstens ein/e Akteur/in Unvereinbarkeiten im Denken/Vorstellen/Wahrnehmen und/oder Fühlen und/oder Wollen mit dem/der anderen Akteur/in (anderen Akteuren/innen) in der Art erlebt, dass im Realisieren eine Beeinträchtigung durch eine/n andere/n Akteur/in (die anderen Akteuren/innen) erfolge.
Zusammenfassung der Kapitel
I. GRUNDLAGEN: Dieses Kapitel legt die Basis durch die theoretische Betrachtung von Kommunikation und Konflikten, wobei insbesondere auf die systemtheoretische Sichtweise eingegangen wird.
II. DIE MEDIATION: Hier werden die Geschichte, die theoretischen Ansätze sowie der prinzipielle Ablauf und die methodischen Grundlagen des Mediationsverfahrens dargestellt.
III. DIE BEDEUTUNG VON KULTUR: Dieses Kapitel widmet sich dem Kulturbegriff, den kulturellen Unterschieden sowie der Relativität und Kontextualisierung kultureller Differenzen.
IV. PSYCHOSOZIALE EINFLÜSSE IM UMGANG MIT FREMDEN: Der Fokus liegt auf der Analyse von Vorurteilen, psychologischen Abwehrmechanismen und dem Umgang mit dem Fremden als Projektionsfläche.
V. KULTUR UND GESELLSCHAFT: Dieses Kapitel thematisiert die Konstruktion von Fremdheit, die Rolle symbolischer Macht und Machtasymmetrien sowie gruppendynamische Prozesse.
VI. SCHLUSSFOLGERUNGEN FÜR EINE MEDIATION IM INTERKULTURELLEN KONTEXT: Die Arbeit schließt mit einer Übertragung der Erkenntnisse auf die interkulturelle Mediation und diskutiert Herausforderungen, Grenzen und notwendige Kompetenzen.
Schlüsselwörter
Mediation, interkultureller Konflikt, Kommunikation, Kulturstandards, Vorurteile, Fremdheit, soziale Identität, Machtasymmetrien, Empowerment, interkulturelle Kompetenz, Regression, Übertragung, Konfliktaustragung, Werteorientierung, systemische Perspektive.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung von Mediation im interkulturellen Kontext und der speziellen Herausforderung, die kulturelle Differenzen für die Konfliktvermittlung darstellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Felder sind die Konflikttheorie, die Prinzipien der Mediation, der Einfluss von Kultur auf zwischenmenschliche Interaktionen, psychosoziale Prozesse beim Umgang mit Fremden sowie gesellschaftliche Machtstrukturen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, welche Rolle Kultur für die Konfliktbearbeitung spielt und inwiefern Mediation eine geeignete Methode ist, um in interkulturellen Konflikten erfolgreich zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor führt eine theoretische Analyse durch, basierend auf einer fundierten Literaturrecherche und der Integration verschiedener sozialwissenschaftlicher und psychoanalytischer Ansätze.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen von Kommunikation und Konflikt, eine detaillierte Darstellung des Mediationsverfahrens, eine Analyse kultureller Einflüsse und die Untersuchung psychosozialer sowie gesellschaftlicher Machtprozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Mediation, interkulturelle Kompetenz, Fremdheit, Stereotype, Machtasymmetrien, Kommunikation und konstruktive Konfliktregelung.
Inwiefern beeinflussen Machtasymmetrien die Mediation?
Der Autor argumentiert, dass Machtasymmetrien (wie durch den gesellschaftlichen Status) die Mediation erschweren können, da die dominante Partei oft ihre Sichtweise als normativ durchsetzt und die dominierte Partei auf kollektive Identitätsstrategien zurückgreift.
Wie geht der Autor mit der Herausforderung des „Nicht-Verstehens“ um?
Der Autor schlägt vor, „Nicht-Verstehen“ nicht als Versagen zu bewerten, sondern es als Normalität interkultureller Kommunikation anzuerkennen und es im Mediationsprozess offen zu thematisieren.
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- Dipl.-Pädagoge Tobias Rösner (Author), 2003, Mediation im interkulturellen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14529