In Deutschland wurden 2019 62.016 Amputationen durchgeführt, davon 16.452 Majoramputationen der unteren Extremitäten, hauptsächlich bedingt durch periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) und Diabetes Mellitus. Diese Arbeit untersucht pflegerische Versorgungsmaßnahmen nach einer gefäßbedingten Majoramputation (MJA) der unteren Extremitäten bezüglich der somatischen Patientenversorgung. Die Bedeutung einer ganzheitlichen Pflege, die sowohl die physischen als auch psychosozialen Aspekte berücksichtigt, wird betont, da eine Amputation einen erheblichen Eingriff in die physische und psychische Integrität der Betroffenen darstellt.
Eine systematische Literaturrecherche in CINAHL, PubMed und Google Scholar ergab sechs relevante Studien, die auf ihre Qualität hin überprüft wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass eine frühe Mobilisation, Spiegeltherapie, taktile Desensibilisierung, sowie progressive Muskelentspannung, mentale Vorstellungskraft und Phantomübungen postoperative Komplikationen reduzieren und das Schmerzerleben positiv beeinflussen können. Es wird jedoch auch die Notwendigkeit weiterer Forschung in diesem Bereich betont, um die Evidenz der Maßnahmen zu stärken.
Die Studie unterstreicht die Herausforderungen bei der Implementierung dieser Maßnahmen in die Pflegepraxis, insbesondere vor dem Hintergrund des Pflegenotstands und der zunehmenden Mechanisierung des Krankenhaussystems. Die Arbeit plädiert für eine angemessene Berücksichtigung der Rolle der Pflegekräfte und für eine Stärkung der Pflegeforschung im Bereich der gefäßbedingten MJA, um eine ganzheitliche und patientenzentrierte Versorgung zu gewährleisten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Rahmen
2.1 Begriffs- und Konzeptklärung
2.1.1 Somatische Patientenversorgung im pflegerischen Kontext
2.1.2 Gefäßbedingte Majoramputation der unteren Extremitäten
2.1.3 Berufliche Pflege und pflegerische Versorgungsmaßnahmen
2.2 Gefäßerkrankungen der unteren Extremitäten
2.2.1 Die periphere arterielle Verschlusskrankheit
2.2.2 Das diabetische Fußsyndrom
2.2.3 Differenzierung und Gemeinsamkeiten pAVK und DFS
2.3 Epidemiologie der gefäßbedingten Majoramputation
2.3.1 Risikofaktoren gefäßbedingter Amputation
2.3.2 Risikofaktoren der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit
2.3.3 Risikofaktoren diabetisches Fußsyndrom
2.3.4 Statistik (Deutschland)
2.3.5 Aktuelle und vergangene Entwicklungen in Deutschland
2.4 Durchführung der gefäßbedingten Beinamputation
2.4.1 Grund der Durchführung
2.4.2 Ebenen der Majoramputation
2.5 Pflegerische Versorgung nach dem ICN-Kodex
2.5.1 Kurative pflegerische Versorgung
2.5.2 Pflegerische Prävention
2.5.3 Pflegerische Rehabilitation
2.5.4 Pflegerische Palliation
3 Methodik
3.1 Begründung der Methodik: Systematische Literaturrecherche
3.2 Durchführung und Darstellung der systematischen Literaturrecherche
3.2.1 Systematische Literaturrecherche
3.2.2 Suchstrategie
4 Ergebnisse
4.1 Tabellarische Übersicht
4.2 Vorstellung der Artikel
4.3 Bewertung der Ergebnisse
5 Diskussion
6 Fazit
6.1 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welche pflegerischen Versorgungsmaßnahmen bei einer gefäßbedingten Majoramputation der unteren Extremitäten im Hinblick auf die somatische Patientenversorgung wissenschaftlich fundiert und notwendig sind, um Patienten ganzheitlich zu unterstützen.
- Konzeptualisierung von somatischer Patientenversorgung und Leiblichkeit im pflegerischen Kontext.
- Analyse vaskulärer Grunderkrankungen wie pAVK und diabetisches Fußsyndrom.
- Untersuchung pflegerischer Aufgabenfelder (Kuration, Prävention, Rehabilitation, Palliation) bei Majoramputationen.
- Systematische Literaturrecherche zur Evidenz postoperativer Mobilisations- und Schmerzmanagement-Interventionen.
- Kritische Bewertung der Studienlage nach Gütekriterien (Panfil, CASP, SANRA).
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Somatische Patientenversorgung im pflegerischen Kontext
Semantisch bedeutet das Wort „somatisch“ „körperlich, den Körper betreffend“, welches dem griechischen Wort „soma“ entstammt (Psychrembel Online 2016a). Im Sinne einer somatischen Patientenversorgung sind alle Maßnahmen gemeint, die den Körper des zu Versorgenden betreffen.
Eine somatische Patientenversorgung beschreibt alle pflegerischen Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der pflegerischen Versorgung des betroffenen Beines bestehen hinsichtlich des prä-, peri- und postoperativen Zustands. An dieser Stelle sei ein Paradoxon erwähnt: Ganzheitliche pflegerische Versorgung bzw. somatische Patientenversorgung kann nie rein körperlich stattfinden. Stattdessen wird auch immer die Ebene des Leibes miteinbezogen. Daher muss, um die somatische Patientenversorgung in seiner Ganzheitlichkeit zu verstehen, zwischen Leib und Körper differenziert werden.
Etymologisch geht das Wort „Körper“ auf das lateinische Wort „corpus“ zurück. Das Corpus bezieht sich auf die physikalischen Dimensionen und repräsentiert funktionale und stoffliche Aspekte. Zunächst kann von einem leblosen Objekt ausgegangen werden. Ergänzend muss erwähnt werden, dass das englische Wort „Corpse“ Leiche bedeutet und das griechische Wort „Soma“ im ursprünglichen Kadaver heißt. Der Leib spiegelt im Gegensatz den lebendigen Aspekt des Menschsein, des Humanen (vgl. Uzarewicz et al. 2005: 81).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Relevanz der pflegerischen Versorgung bei Majoramputationen aufgrund vaskulärer Erkrankungen und definiert das Forschungsziel.
2 Theoretischer Rahmen: Erläutert zentrale Begriffe wie die somatische Patientenversorgung, Leiblichkeit und definiert die pflegerischen Aufgabenfelder gemäß ICN-Kodex.
3 Methodik: Begründet und beschreibt das Vorgehen der systematischen Literaturrecherche in wissenschaftlichen Datenbanken.
4 Ergebnisse: Stellt die im Literaturreview identifizierten Studien tabellarisch und diskursiv vor.
5 Diskussion: Reflektiert die Studienergebnisse kritisch im Hinblick auf ihre Evidenz und pflegerische Implementierbarkeit.
6 Fazit: Fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet die Bedeutung für die zukünftige Pflegepraxis und Forschung.
Schlüsselwörter
Majoramputation, untere Extremitäten, somatische Patientenversorgung, Pflege, pAVK, diabetisches Fußsyndrom, Literaturrecherche, Rehabilitation, Schmerzmanagement, Spiegeltherapie, taktile Desensibilisierung, physische Mobilisation, stumpfmanagement, Evidenzbasierte Pflege, ICN-Kodex.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die pflegerische Versorgung von Patienten, die sich aufgrund gefäßbedingter Erkrankungen wie pAVK oder Diabetes einer Majoramputation der unteren Extremitäten unterziehen mussten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die physiologische Ausgangslage (Gefäßerkrankungen), das pflegewissenschaftliche Verständnis von Leib und Körper, sowie konkrete Interventionen in den Bereichen Kuration, Prävention, Rehabilitation und Palliation.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, auf Basis einer systematischen Literaturrecherche darzulegen, welche pflegerischen Maßnahmen für die somatische Patientenversorgung bei Amputationspatienten notwendig und evidenzbasiert sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine systematische Literaturrecherche in Datenbanken wie CINAHL und PubMed, gefolgt von einer Qualitätsbewertung der gefundenen Studien anhand etablierter Instrumente wie Panfil, CASP und SANRA.
Was deckt der theoretische Hauptteil ab?
Der Hauptteil erläutert die Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen, die chirurgischen Amputationsniveaus sowie die vier zentralen Aufgabenfelder der Pflege nach dem ICN-Kodex.
Wie lässt sich die Arbeit durch Schlüsselwörter charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Majoramputation, pflegerische Versorgung, Schmerzmanagement, Rehabilitation und Evidenzbasierte Pflege klassifizieren.
Welche Rolle spielt die "Leiblichkeit" nach Hermann Schmitz in dieser Arbeit?
Die Einbeziehung der leibphänomenologischen Ansätze betont, dass Amputationspflege nicht auf rein körperliche Handlungen reduziert werden darf, sondern den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit, einschließlich seiner leiblichen Regungen, erfassen muss.
Welche Bedeutung wird der Spiegeltherapie bei Phantomschmerzen zugeschrieben?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass die Spiegeltherapie ein potenziell sinnvolles Instrument zur nicht-pharmakologischen Schmerzreduktion darstellt, jedoch weitere Studien für eine eindeutige Evidenz erforderlich sind.
Was resultiert aus der Studie von Brunelli et al. für die Praxis?
Die Studie zeigt, dass eine Kombination aus progressiver Muskelentspannung, mentaler Vorstellung und Phantomübungen die Intensität und Häufigkeit von Phantomschmerzen signifikant reduzieren kann.
- Arbeit zitieren
- Sven Goldberg (Autor:in), 2023, Die pflegerische Versorgung von Patienten mit gefäßbedingter Majoramputation der unteren Extremitäten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1453700