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Die Inszenierung des Weiblichen in Wedekinds "Lulu" und G. W. Pabsts "Die Büchse der Pandora"

Titel: Die Inszenierung des Weiblichen in Wedekinds "Lulu" und G. W. Pabsts "Die Büchse der Pandora"

Hausarbeit , 2010 , 26 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Susanne von Pappritz (Autor:in)

Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Schwerpunkt dieser Arbeit soll es sein, zu untersuchen, wie die Weiblichkeitskonzepte literarisch von Wedekind inszeniert werden, sowie en passant die Frage zu klären, wie und warum im Drama Wedekinds ein und dieselbe Figur der Lulu ein dichotomisches und sich eigentlich widersprechendes, da gegensätzliches Weiblichkeitsbild vertreten soll und durchaus vertreten kann. Darüber hinaus soll die Schnittstelle Literatur beziehungsweise Theater und Film nicht unbeachtet werden lassen, indem mittels der filmischen Adaption G. W. Pabsts Stummfilm „Pandora`s Box“ untersucht werden wird, wie das noch neue, um die Jahrhundertwende entstandene Medium des Films, die literarische Verarbeitung der „Lulu“-Tragödie aufnimmt und filmisch umsetzt. Darauf aufbauend soll Pabsts Adaption zur Analyse der (filmischen) Darstellung von Weiblichkeit anhand der Lulu-Figur herangezogen werden, um so auf mögliche Unterschiede in der Weiblichkeitsdarstellung einzugehen.

Setzt man sich mit dem Wedekind`schen Opus auseinander, so begegnet man unweigerlich der Konstatierung der Person Wedekind als regelrechten Skandalautor. Nicht nur seine Werke sind wiederkehrend von der Zensur betroffen, sondern auch der Autor selbst ist auf seinem Lebensweg nicht näheren Bekanntschaften mit Prostituierten, zahlreichen Affären und erotischen Exzessen abgeneigt gewesen, wie in seinen zum Teil von ihm selbst veröffentlichten (intimen) Tagebüchern deutlich wird. Fragen der Sexualität, des Geschlechts und damit einhergehender Rollendispositionen begleiten Wedekind ebenso im persönlichen, wie auch im literarischen Rahmen seines Lebens und Schaffens als Autor der Moderne. Das um die Jahrhundertwende verstärkt aufkommende Interesse an der (weiblichen) Sexualität ist neben Wedekinds wohl bekanntesten Drama „Frühlings Erwachen“ (1891) in der Doppeltragödie „Lulu“ (1913) im besonderen Maße vom Autor akzentuiert worden, indem er sich dem weiblichen Geschlecht dezidiert in Form der literarischen Gestaltung der gleichnamigen Protagonistin widmet. Mit ihrer Zeichnung transportiert Wedekind einen Weiblichkeitsentwurf, der sowohl das „Ur“-Weib als Natürlichkeit und Ursprünglichkeit repräsentierendes und damit für Wedekind als Idealtypus fungierendes Weiblichkeitsbild, wie auch das gesellschaftlich geformte und damit von außen idealisierte Weib in einer Figur vereint literarisch zur Darstellung bringt. Was Wedekind damit zu bewirken sucht, bliebe interessanterweise näher zu betrachten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Begründung der Thematik

2 Der Wedekind`sche Weiblichkeitsentwurf der Lulu-Figur

2.1 Das idealisierte Weib als Projektionsfläche männlicher Obsessionen

2.2 Die „Urgestalt des Weibes“ als idealer Weiblichkeitstypus

3 Schnittstelle: Literatur – Film

4 Das Weibliche in Pabsts filmischer Adaption „Pandora`s Box“

5 Schlussbetrachtung

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die unterschiedliche Inszenierung weiblicher Identität in Frank Wedekinds Doppeltragödie „Lulu“ und G. W. Pabsts filmischer Adaption „Die Büchse der Pandora“ (1929), wobei der Fokus insbesondere auf der Spannung zwischen maskulinem Projektionsbild und der von Wedekind postulierten „Urgestalt des Weibes“ liegt.

  • Analyse des Literatur-Film-Verhältnisses im Kontext der Moderne
  • Dekonstruktion des Weiblichkeitsentwurfs bei Wedekind
  • Untersuchung der filmischen Darstellung Lulus als erotisches Objekt
  • Vergleichende Betrachtung von Rollenzuweisungen und Identität
  • Reflektion der Bedeutung des „männlichen Blicks“

Auszug aus dem Buch

2.1 Das idealisierte Weib als Projektionsfläche männlicher Obsessionen

Die Figur der Lulu wird typologisch für das vermeintlich Weibliche von Wedekind in vielerlei Hinsicht individualitätslos gezeichnet. Sie wird nicht nur als abbildbar und damit als fixierbar dargestellt, wie in der Eingangsszene deutlich wird, indem sie dem Maler Schwarz Modell steht, und damit die Kunst eines Künstlers, niemals aber original ist – analog dazu, wie sie nur Schöpfung männlicher Wünsche ist, niemals aber ihr eigener Wunsch, sondern auch als nahezu entindividualisiert. Lulu ist selbst eine Art Leinwand – gestaltet von den Wünschen ihrer Liebhaber und Ehemänner. Damit wird Lulus in allen beiden Tragödien stets wiederkehrendes Pierrot-Porträt zur Metapher ihrer Wandelbarkeit, die sich nicht nur an den dauernden Kostümierungen als Pierrot, Blumenmädchen oder „Dancinggirl, Ballerina, Königin der Nacht, Ariel“ (WE/63) ablesen lassen, sondern auch an den verschiedenen Namensgebungen ihrer männlichen Bekanntschaften.

SCHWARZ Wer denn?

SCHÖN Wer denn? – Deine Frau.

SCHWARZ E v a?

SCHÖN Ich nannte sie Mignon.

SCHWARZ Ich meinte, sie hieße Nelli?

SCHÖN So nannte sie Dr. Goll.

SCHWARZ Ich nannte sie Eva . . . (WE/48)

Für die Wedekind`sche Konstruktion von idealisierter Weiblichkeit wird Wandelbarkeit damit zum wichtigsten Element, insofern, als dass sie durch Lulu als Medium dieser Wandelbarkeit die Illusion eines festen Wunschbildes ermöglicht. Als Input dieser Illusionen dienen die jeweiligen Wünsche ihrer Liebhaber und Ehemänner. Während sich der Maler Schwarz eine unberührte, musenhafte „Eva“ wünscht, nennt der alte Greis Dr. Goll seine Lulu „Nelli“ und liebt sie nackt tanzend, Dr. Schön sucht eine zwanglose Affäre und gibt Lulu den Namen „Mignon“, ihr Ziehvater und zugleich Zuhälter und Liebhaber Schigolch nennt sie „Lulu“ und sucht in ihr ein profitables Geschäft, und der Kraftprotz Rodrigo nimmt sich vor, aus dem Tier Lulu mit einer „zwei Zoll dicke[n] Nilpferdpeitsche (...) die pompöseste Luftgymnastikerin zu machen“ (WP/121f). Die Person, die sich hinter den Namen geradezu versteckt, wird somit idealisiert – die verstellte, idealisierte Weiblichkeit wird durch Lulus Verehrer damit unbewusst zum Ideal erhoben; sie lieben nur das Bild, das sie sich von Lulu machen. Sie wähnen sich im Glauben, gefunden zu haben, was sie im Innersten begehren – das macht

Zusammenfassung der Kapitel

1 Begründung der Thematik: Die Einleitung situiert Wedekinds Werk in der Moderne und definiert das Forschungsziel, die Inszenierung weiblicher Identität zwischen Literatur und Film zu untersuchen.

2 Der Wedekind`sche Weiblichkeitsentwurf der Lulu-Figur: Das Kapitel analysiert die zwiespältige Anlage der Lulu-Figur, die sowohl maskuline Wunschprojektion als auch ein naturnahes, animalisches Gegenbild verkörpert.

2.1 Das idealisierte Weib als Projektionsfläche männlicher Obsessionen: Hier wird Lulus Rollenhaftigkeit und ihre Funktion als „Leinwand“ für die Projektionen ihrer männlichen Liebhaber beleuchtet.

2.2 Die „Urgestalt des Weibes“ als idealer Weiblichkeitstypus: Dieses Unterkapitel kontrastiert die Zirkus-Metaphorik und die animalische Natürlichkeit Lulus mit den gesellschaftlichen und medizinischen Frauenbildern der Jahrhundertwende.

3 Schnittstelle: Literatur – Film: Dieser Teil erörtert die mediale Konkurrenz und die ästhetischen Besonderheiten der Übertragung eines Bühnenstücks in den Stummfilm.

4 Das Weibliche in Pabsts filmischer Adaption „Pandora`s Box“: Die Analyse konzentriert sich auf Pabsts filmische Mittel der Reduktion und Fokussierung durch Kameraführung, um ein neues, visuell bestimmtes Weiblichkeitsbild zu konstruieren.

5 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, wie der Film die dualistische Struktur Wedekinds zugunsten einer voyeuristisch geprägten, filmischen Maskeraden-Inszenierung auflöst.

Schlüsselwörter

Lulu, Frank Wedekind, G. W. Pabst, Weiblichkeit, Rollenidentität, Stummfilm, Pandora, Geschlechterverhältnisse, Filmtheorie, Maskerade, Projektion, Femme fatale, Mediale Adaption, Identitätskonstruktion, Blickkonstellation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Darstellung weiblicher Identität anhand der Figur der Lulu, wobei sie Wedekinds literarische Vorlage und deren filmische Adaption durch G. W. Pabst vergleicht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind Sexualität, Rollenzuweisungen, die Konstruktion von Weiblichkeit als männliche Projektion sowie die ästhetische Umsetzung dieser Konzepte in Literatur und Film.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu untersuchen, wie Wedekind und Pabst das Weibliche inszenieren und inwiefern der Film als Medium die literarische Dichotomie von „Ur-Weib“ und gesellschaftlich konstruiertem Wunschbild verändert.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Autorin verwendet eine literatur- und filmwissenschaftliche Analysemethode, die auf einer komparativen Text- und Filmanalyse sowie der Einbeziehung filmtheoretischer Ansätze (u.a. Laura Mulvey) basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des literarischen Entwurfs bei Wedekind, die theoretische Reflexion der Schnittstelle zwischen Film und Literatur sowie die spezifische filmische Bearbeitung des Themas durch Pabst.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?

Zu den prägenden Begriffen gehören Lulu, Weiblichkeitsentwurf, Projektionsfläche, männlicher Blick, Maskerade sowie die Gegenüberstellung von Natur und Gesellschaft.

Wie unterscheidet sich die filmische Lulu von der literarischen Lulu hinsichtlich ihres "Ursprungs"?

Während Wedekinds Lulu als „Urgestalt“ mit natürlichem Ursprung inszeniert wird, die an der bürgerlichen Gesellschaft scheitert, stellt Pabst Lulu stärker als vom voyeuristischen Blick konstruiertes Objekt dar, was den natürlichen Aspekt zugunsten der ästhetischen Inszenierung in den Hintergrund rückt.

Welche Rolle spielt der Zirkus-Prolog in Wedekinds „Erdgeist“ für die gesamte Arbeit?

Der Prolog dient als Schlüssel für Wedekinds Intention, Lulu als „wildes Tier“ jenseits bürgerlicher Moral zu präsentieren und verdeutlicht damit die Spannung zwischen der animalischen Urgestalt und der gesellschaftlichen Dressur.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Inszenierung des Weiblichen in Wedekinds "Lulu" und G. W. Pabsts "Die Büchse der Pandora"
Hochschule
Universität Erfurt  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Film schreiben: Literatur und Kinematographie der Moderne
Note
1,7
Autor
Susanne von Pappritz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
26
Katalognummer
V1453806
ISBN (PDF)
9783963566035
ISBN (Buch)
9783963566042
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inszenierung des Weiblichen Lulu Wedekind G. W. Pabst Die Büchse der Pandora Medienvergleich Filmanalyse Literaturanalyse Projektion Doppeltragödie Weiblichkeitsdarstellung Weiblichkeitsentwurf Sexualität Rollenzuweisung idealisierte Weib Projektionsfläche Pierrot Entindividualisierung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Susanne von Pappritz (Autor:in), 2010, Die Inszenierung des Weiblichen in Wedekinds "Lulu" und G. W. Pabsts "Die Büchse der Pandora", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1453806
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  26  Seiten
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