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Die Inszenierung des Raumes in Thomas Bernhards Erzählung "Die Kälte. Eine Isolation" betrachtet unter Anwendung des Heterotopie-Konzepts Michel Foucaults

Titel: Die Inszenierung des Raumes in Thomas Bernhards Erzählung "Die Kälte. Eine Isolation" betrachtet unter Anwendung des Heterotopie-Konzepts Michel Foucaults

Hausarbeit , 2010 , 19 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Susanne von Pappritz (Autor:in)

Literaturwissenschaft - Allgemeines
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Schwerpunkt dieser Arbeit soll es sein, den von Bernhard literarisch entworfenen, auf Realität basierenden Raum Grafenhof unter Betrachtung der Perspektive Foucaults näher zu untersuchen.
Setzt man sich mit den Œuvre Thomas Bernhards, einem der wohl bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, auseinander, wird schnell deutlich, dass selbiger beständig zwischen den Topoi der Krankheit, des Todes, der Isolation und des Protests literarisch changieren zu scheint. Eine Auseinandersetzung mit Bernhard bedeutet demnach immer die Konfrontation mit den dunklen Facetten des menschlichen Daseins. Gleiches gilt für Bernhards autobiographische, nacheinander verfasste Pentalogie , deren Teile er bündig mit „Die Ursache. Eine Andeutung.“, „Der Keller. Eine Entziehung.“, „Der Atem. Eine Entscheidung.“, „Die Kälte. Eine Isolation“ und „Ein Kind“ betitelt. An letzter Stelle in der Chronologie des akzentuiert verfassten Bernhard’schen Lebens, das sicherlich autobiographisch angelegt, nicht zuletzt aber der künstlerisch fiktiven Konstruktion unterliegt, steht die an Thomas Manns „Zauberberg“ erinnernde Erzählung „Die Kälte. Eine Isolation“, verfasst im Jahre 1981. In ihr widmet Bernhard sich dezidiert seiner Lungenerkrankung und den damit einhergehenden Aufenthalten in der Lungenheilstätte Grafenhof.

Dabei wird Grafenhof von Bernhard zu einem Raum stilisiert, der nach ganz eigenen Reglementierungen zu funktionieren scheint. Einem Raum, der dem Raum- bzw. Gesellschaftskonzept Michel Foucaults geradezu beispielhaft nahekommt, als einen von vielen in der Kultur verankerten „andere[n] Räume[n]“ – den Heterotopien , deren Begrifflichkeit Foucault erstmals in einem Radiovortrag im Jahre 1967 systematisierte, indem er die Vorstellung eines „leeren, neutralen Raum[es]“ desavouiert, und in den kulturwissenschaftlichen Diskurs einführte.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Begründung der Thematik

2 Der heterotope Raum Grafenhof

2.1 Beitrittsmechanismen – Grafenhof als Abweichungsheterotopie

2.1.1 Topographische Abgrenzung

2.1.2 Temporale Abgrenzung

2.2 Ritualisierung und Reglementierung

2.3 Integration durch Isolation

2.3.1 Anpassungsmechanismen

2.3.2 Auflehnung durch Widerstand

3 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Thomas Bernhards autobiographische Erzählung „Die Kälte. Eine Isolation.“ unter Anwendung des Heterotopie-Konzepts von Michel Foucault, um die literarische Inszenierung des Raumes Grafenhof als isoliertes gesellschaftliches Gefüge zu analysieren.

  • Raumorientierte Analyse von Thomas Bernhards Erzählwerk
  • Anwendung der Foucaultschen Heterotopologie auf die Lungenheilstätte
  • Untersuchung von Beitrittsmechanismen, Reglementierung und Isolation
  • Analyse des Spannungsfeldes zwischen Krankheit als Norm und Autonomie des Individuums

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Topographische Abgrenzung

Neben der Beitrittsvoraussetzung, die gleichzeitig auch immer ein Austreten aus dem „verbleibenden Raum“ voraussetzt (um hier Foucault um die Frage nach Austrittsvoraussetzungen zu ergänzen), „Bernhards“ als Lungenkranker zu den „endgültig aus der Menschengesellschaft Ausgestoßenen“ (Kä, 8) zu gehören, trägt die topographische Abgrenzung neben dem medizinischen Befund eine immanente Rolle vor allem im Hinblick auf die äußere Abgrenzbarkeit der Gesellschaft „Grafenhofs“, denn gerade die Abweichungsheterotopie gehört nach Foucault zu den „Orte[n], welche die Gesellschaft an ihren Rändern unterhält.“ (DH, 12) Dabei geht die gesellschaftliche Separation durch eine Art „Auslagerung“ der „Menschen (…), die sich im Hinblick auf den Durchschnitt (…) abweichend verhalten“ (DH, 12) von statten. Nur so kann, wie auch Foucault in seinem Radiovortrag „Utopische Körper“ darlegte, die gesellschaftlich „geforderte Norm“ (DH, 12) gewahrt bleiben. Bei Grafenhof handelt es sich dabei um eine Verlagerung der Erkrankten an einen Ort „jenseits aller Orte“ (DH, 11), dessen Bezeichnung schon der „sogenannten gesunden Welt“ (Kä, 43) als „Schreckenswort“ gilt; einen Ort, über den nicht gesprochen wird, der nicht von ihnen begangen wird und der trotzdem verortbar ist – jedoch stets durch Bernhards Darstellung in Abgrenzung zu dem anderen Ort – das österreichische Dorf St. Veit als Ort der Gesunden; denn nur in Abgrenzung und daher im Verhältnis zum Normalraum kann der „andere“ Raum beschrieben werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Begründung der Thematik: Einführung in das Werk Thomas Bernhards und theoretische Verortung der Pentalogie im Kontext von Michel Foucaults Konzept der Heterotopien.

2 Der heterotope Raum Grafenhof: Analyse der Lungenheilstätte als spezifischem Raum, der sich durch topographische und temporale Abgrenzung definiert.

2.1 Beitrittsmechanismen – Grafenhof als Abweichungsheterotopie: Untersuchung der Zugangsvoraussetzungen für Grafenhof und dessen Charakterisierung als Ort für gesellschaftliche „Außenseiter“.

2.1.1 Topographische Abgrenzung: Besprechung der physischen und symbolischen Trennung der Heilstätte von der „gesunden Welt“ durch Grenzmarkierungen.

2.1.2 Temporale Abgrenzung: Analyse des Stillstands der Zeit und der repetitiven Abläufe innerhalb der Heilstätte als Heterochronie.

2.2 Ritualisierung und Reglementierung: Untersuchung der strengen Verhaltensregeln und der Rolle der Krankheit als zentralem Ordnungsprinzip.

2.3 Integration durch Isolation: Diskussion des Integrationsprozesses und der Abhängigkeit der Patienten vom Räumlich-Institutionalisierten.

2.3.1 Anpassungsmechanismen: Darstellung, wie der Protagonist durch die Assimilation an kranke Rituale versucht, Zugehörigkeit zu finden.

2.3.2 Auflehnung durch Widerstand: Analyse des Versuchs des Protagonisten, die Gesetze der Heilstätte zu durchbrechen und Autonomie zurückzugewinnen.

3 Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse und Fazit über die Anwendbarkeit der raumorientierten Literaturanalyse auf Bernhards Werk.

Schlüsselwörter

Thomas Bernhard, Michel Foucault, Heterotopie, Literaturwissenschaft, Grafenhof, Raumtheorie, Abweichungsheterotopie, Isolation, Krankheit, Autonomie, Raumkonstruktion, Pentalogie, Normalität, Reglementierung, Widerstand

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die räumliche Inszenierung der Lungenheilstätte Grafenhof in Thomas Bernhards Erzählung „Die Kälte“ unter Berücksichtigung kulturwissenschaftlicher Theorien.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Kategorien der Isolation, der Machtstrukturen in geschlossenen Räumen, die Bedeutung von Krankheit als soziale Norm und die Auseinandersetzung mit Identität.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit Foucaults Konzept der Heterotopie dazu beiträgt, Bernhards literarische Raumkonstruktionen tiefergehend zu verstehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine raumorientierte literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die Foucaults Heterotopologie als theoretisches Instrumentarium nutzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die topographische und temporale Abgrenzung der Heilstätte, die dort herrschenden Rituale sowie die Integrationsversuche und Auflehnungsakte des Protagonisten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Heterotopie, Abweichungsheterotopie, Isolation, Raumkonzept, Krankheit und literarische Inszenierung.

Wie wirkt sich die Krankheit auf die Raumstruktur aus?

Die Krankheit fungiert als raumstiftender Faktor, der eine eigene Ordnung schafft, in der der Kranke zur Norm und der Gesunde zur Abweichung wird.

Wie verhält sich der Protagonist zum Reglement der Heilstätte?

Der Protagonist durchläuft einen Prozess von anfänglicher Beobachtung über eine Phase der erzwungenen Anpassung an die Sputum-Rituale bis hin zur bewussten Auflehnung gegen die Todesausrichtung des Raumes.

Warum wird Grafenhof als „Friedhof“ metaphorisiert?

Aufgrund der absoluten Dominanz des Todes und der Trennung vom aktiven Leben wird der Raum als Friedhof bzw. Ort des Absterbens gedeutet, der den Patienten keine echte Heilung bietet.

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Details

Titel
Die Inszenierung des Raumes in Thomas Bernhards Erzählung "Die Kälte. Eine Isolation" betrachtet unter Anwendung des Heterotopie-Konzepts Michel Foucaults
Hochschule
Universität Erfurt  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Gegenräume. Von der Utopie zur Heterotopie
Note
2,3
Autor
Susanne von Pappritz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V1453807
ISBN (PDF)
9783963565991
ISBN (Buch)
9783963566004
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thomas Bernhard Bernhard Kälte Isolation Heterotopie Michel Foucault Foucault Inszenierung des Raumes Die Kälte. Eine Isolation Textanalyse Literaturtheorie Raumtheorie Beitrittsmechanismen Topographisch temporale Abgrenzung Ritualsierung Reglementierung Integration Anpassungsmechanismen Auflehnung durch Widerstand
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Susanne von Pappritz (Autor:in), 2010, Die Inszenierung des Raumes in Thomas Bernhards Erzählung "Die Kälte. Eine Isolation" betrachtet unter Anwendung des Heterotopie-Konzepts Michel Foucaults, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1453807
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Leseprobe aus  19  Seiten
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