Gewalt in der Familie ist kein neumodisches Phänomen. Es ist eine weit verbreitete Gewalttat die bis hin zu den Griechen und Römern im antiken Zeitalter reichten. Damals wurde sie jedoch nicht als eine Straftat angesehen, sondern als eine legitime Handlung gegenüber dem Kind. Dieser absichtliche und bewusste Einsatz von Gewalt – in Form von Schlägen oder Beschimpfungen – dienten Jahrhunderte lang und teilweise auch noch bis heute zur Züchtigung und Bestrafung des Kindes.
Das Züchtigungsrecht als alltägliche Erziehungsmethode wurde jedoch im Jahre 2000 abgeschafft. Weitere gesetzliche Änderungen folgten in den darauffolgenden Jahren, um Kinder besser vor Gewalt schützen zu können.
Familie sollte ein Ort der Geborgenheit und des Schutzes sein, wo Kinder auf das Leben als Erwachsener vorbereitet werden. Doch leider wachsen die Ansprüche und Erwartungen an Eltern. Diese können sie aber aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage, Arbeitslosigkeit etc. nicht immer nachkommen. Somit werden die Anforderungen an die Kindererziehung für Eltern zu großen Belastungen, welche kombiniert mit den anderen alltäglichen Problemen, vielmals in Gewalthandlungen gegenüber Familienmitgliedern enden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begrifflicher Rahmen
2.1 Gewalt
2.1.1 Häusliche Gewalt
2.1.2 Diskurse über häusliche Gewalt
2.1.3 Soziale Bedingungen für häusliche Gewalt
2.2 Familie
2.2.1 Familientypen
2.2.2 Funktionen von Familie
3. Historische Konstruktion von „Gewalt in der Familie“
3.1 Häusliche Gewalt in der Antike
3.2 Häusliche Gewalt im Mittelalter
3.3 Häusliche Gewalt in der Neuzeit
3.4 Häusliche Gewalt ab dem 20. Jahrhundert
4. Ausmaß der Gewalt gegenüber den Kindern in der Familie
4.1 Ausmaß Körperliche Gewalt
4.2 Ausmaß bei Vernachlässigung und seelische Misshandlung
4.3 Ausmaß beim Sexueller Missbrauch
5. Wie reagiert die Gesellschaft auf häusliche Gewalt?
6. „Gewalt in der Familie“ – Ein erklärbares Phänomen?
6.1 Anfängliche Erklärungsversuche: Personenzentrierte Theorien
6.1.1 Kriminologische Ansätze
6.1.2 Psychiatrisch – pathologische Ansätze
6.1.2.1 Psychodynamisches Modell von Steele & Pollock (1978)
6.1.2.2 Modell von Ammon (1979)
6.1.2.3 Zusammenfassung der psychodynamischen Modelle
6.1.3 Kritisch Begutachtung psychiatrisch – pathologischer Ansätzen
6.2 Blickwechsel zu anderen möglichen Ursachen: Familienbezogene Ansätze
6.2.1 Risikofaktoren
6.2.1.1 Frühgeburt und Untergewicht
6.2.1.2 Frühkindliches Verhalten
6.2.2 Mutter – Kind – Interaktion
6.2.3 Erziehungskompetenzen & Attribuierungsmuster
6.2.4 Stress, Krisen und Belastungen
6.2.4.1 Straussche Ansatz
6.2.4.2 Kritik an der Theorie von Straus
6.2.5 Kritische Betrachtung der familienbezogenen Ansätze
6.3 Weiterentwicklung der Ursachenforschung: Soziologische Ansätze
6.3.1 Strukturmerkmale der Familie
6.3.2 Strukturelle Belastungen
6.3.3 Soziale Isolation
6.3.4 Strukturelle Gewalt
6.3.5 Kritische Überlegungen zu den soziologischen Ansätzen
6.4 Integration verschiedener Theorieansätze
6.4.1 Sozialpsychologisches Modell von Gelles
6.4.2 Multifaktorielles Modell von Wolff
6.4.3 Ökopsychologisches Modell von Belsky & Garbarino
6.5 Zusammenfassende Begutachtung der Integrationsmodellen
7. Resümee
7.1 Zusammenfassung der Resultate
7.2 Persönliche Schlussfolgerung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Diplomarbeit untersucht die komplexe Thematik der häuslichen Gewalt gegen Kinder. Ziel ist es, die Ursachen dieses Phänomens historisch herzuleiten, das heutige Ausmaß zu beleuchten sowie gesellschaftliche Reaktionsweisen und Erklärungsansätze kritisch zu analysieren, um ein tieferes Verständnis für die Problematik zu schaffen und den Handlungsbedarf für zukünftige Schutzmaßnahmen aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung der elterlichen Gewalt und des Kinderschutzes.
- Analyse der Definitionen und Erscheinungsformen häuslicher Gewalt.
- Kritische Beleuchtung verschiedener wissenschaftlicher Erklärungsansätze (personenzentriert, familienbezogen, soziologisch).
- Diskussion des gesellschaftlichen Umgangs mit Gewalt in der Familie und der Rolle von Hilfseinrichtungen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Gewalt in der Familie in der Antike
Die Antike begann mit der griechischen Kolonisation im Mittelmeerraum im achten Jahrhundert vor Christus. In den darauffolgenden Jahrhunderten verbreitete sich die griechische Kultur durch die Griechen – aber auch den Römern – bis nach Mittel- und Nordwesteuropa. Die Zeitepoche reichte bis 600 nach Christus, wo sich die Kultur in die christlich – abendländische wandelte.
In der Antike wurde unter dem Begriff etwas anderes verstanden, wie zu heutiger Zeit. Die „Familie“ war die „Oikos“ (übersetzt: „das Haus“) und bezeichnet nicht nur den Wohnbesitz, sondern ebenfalls alle Personen, die dort leben, sowie das Vermögen. Als Konsumtions-, Reproduktions- und Produktionseinheit sind diese von den Oikos sehr geschätzt worden. Damit lebten sie unabhängig von Marktanbindungen, denn es wurde vor allem für den eigenen Bedarf produziert.
Kinder sind nur geboren worden, damit sie ihre Eltern im Alter pflegen und ernähren konnten. Sie sollten den Fortbestand der Oikos sichern und die Familienkulte bewahren. Gerade in der Oberschicht wurden Kinder von einer Amme – welche meistens aus der Sklavenschaft stammte – in den ersten Lebensjahren begleitet. Sie wurden von ihr gestillt und versorgt. Eine Art der Sorge war, dass sich Neugeborene durch unkontrollierte Bewegungen missgestalten könnten. Aus diesem Grund wurde der gesamter Körper inklusive Armen und Beinen bis zum dritten Monat eingewickelt.
Wenn die Kinder älter wurden, kümmerte sich nicht mehr die Amme um sie, sondern ein „Pädagoge“. „Pädagogen“ waren oft Sklaven, die für andere Tätigkeiten nicht mehr eingesetzt werden konnten. Damit hatten die Kinder in dieser Zeit mehrere Bezugspersonen und häufig zu den Sklaven eine engere Bindung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die historische Verwurzelung von Gewalt gegen Kinder ein und thematisiert das heutige Problem der Verdrängung sowie die Notwendigkeit, häusliche Gewalt als öffentliches Thema zu begreifen.
2. Begrifflicher Rahmen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe „Gewalt“ und „Familie“, analysiert deren Bedeutungswandel und soziale Bedingungen sowie die verschiedenen Diskurse, die das Verständnis familialer Gewalt prägen.
3. Historische Konstruktion von „Gewalt in der Familie“: Es erfolgt eine historische Analyse, wie Gewalt gegen Kinder von der Antike über das Mittelalter und die Neuzeit bis in das 20. Jahrhundert als legitime Erziehungsmethode oder soziales Phänomen wahrgenommen wurde.
4. Ausmaß der Gewalt gegenüber den Kindern in der Familie: Das Kapitel befasst sich mit der Problematik der Erfassung familialer Gewalt und analysiert das Ausmaß an körperlicher, psychischer und sexueller Gewalt anhand verschiedener Statistiken und Dunkelfeldstudien.
5. Wie reagiert die Gesellschaft auf häusliche Gewalt?: Es wird untersucht, wie die Gesellschaft, insbesondere durch Initiativen wie den Deutschen Kinderschutzbund, auf das Thema reagiert und warum es trotz Sensibilisierung noch immer ein Tabuthema ist.
6. „Gewalt in der Familie“ – Ein erklärbares Phänomen?: Eine detaillierte theoretische Auseinandersetzung mit verschiedenen Erklärungsmodellen: von personenzentrierten über familienbezogene und soziologische Ansätze bis hin zu modernen integrativen Modellen.
7. Resümee: Die Arbeit endet mit einer Zusammenfassung der zentralen Resultate und der persönlichen Schlussfolgerung des Autors über die Notwendigkeit gesellschaftlicher Veränderungen zur Gewaltprävention.
Schlüsselwörter
Häusliche Gewalt, Kindesmisshandlung, Familie, Erziehungsmethode, historischer Wandel, Gewaltforschung, Körperstrafe, Kinderschutz, Sozialisation, Prävention, Dunkelfeld, Erklärungsansätze, familiale Gewalt, Kindeswohl, gesellschaftliche Sensibilisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der häuslichen Gewalt gegen Kinder. Sie analysiert die historische Entwicklung, die Definitionen, das Ausmaß und die verschiedenen wissenschaftlichen Erklärungsmodelle, warum Gewalt innerhalb von Familien entsteht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Konstruktion von „Gewalt in der Familie“, der Analyse von Familienstrukturen, der Erforschung von Risikofaktoren und der gesellschaftlichen Reaktion auf diese Form der Gewalt.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Ursachen häuslicher Gewalt zu entwickeln, aufzuzeigen, wie sich der gesellschaftliche Umgang mit dieser Thematik gewandelt hat, und den Handlungsbedarf für präventive Maßnahmen zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Diplomarbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, die historische Daten, statistische Untersuchungen (wie die Polizeiliche Kriminalstatistik) und verschiedene theoretische Erklärungsansätze (psychologisch, soziologisch, integrativ) miteinander verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, das heutige Ausmaß von Gewalt (körperlich, sexuell, psychisch), die gesellschaftliche Reaktion und die umfassende theoretische Ursachenforschung auf verschiedenen Ebenen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem häusliche Gewalt, Kindeswohl, Erziehungsmethoden, Familiensysteme, historische Gewaltforschung und präventive Strategien gegen Misshandlung.
Warum wird im historischen Teil mit der Antike begonnen?
Der Autor beginnt in der Antike, da dort die ersten dokumentierten Aufzeichnungen von Gewalt gegen Kinder existieren, um zu verdeutlichen, dass häusliche Gewalt tief in der Geschichte verwurzelt ist und lange als legitime Handlung galt.
Was unterscheidet das „integrative Modell“ von früheren Ansätzen?
Frühere Modelle waren oft monokausal (z.B. nur der Täter wurde betrachtet). Integrative Modelle hingegen verbinden biographische, soziale und gesellschaftliche Umweltfaktoren, um die Komplexität der Gewaltentstehung umfassender zu erklären.
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- Linda Kritzler geb. Deike (Author), 2009, Häusliche Gewalt gegen Kinder - Ein erklärbares Phänomen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145381