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Der Zusammenhang von Sprache, Denken und Gefühl bei Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher

Title: Der Zusammenhang von Sprache, Denken und Gefühl bei Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher

Thesis , 2007 , 71 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Studienrätin Anita Glunz (Author)

Theology - Miscellaneous
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Die Zulassungsarbeit zum ersten Staatsexamen setzt sich mit der Personenontologie von Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher auseinander und analysiert aus theologischer und sprachphilosophischer Sicht den Zusammenhang von Sprache, Denken und Gefühl in Schleiermachers Anthropologie.

Aus philologischer Sicht wurden Schleiermachers sprachphilosophische Texte analysiert und zu einer Theorie zusammengefasst, deren Grundstein die Gleichsetzung von Sprache und Denken entspricht. Damit schien das Thema in seinem gesamten Umfang erschöpft und wurde mit Lob und Kritik ad acta gelegt. Diese Arbeit möchte zeigen, dass bei einer rein auf diesen Texten beruhenden Analyse Schleiermachers Sprachphilosophie der entscheidende Aspekt verloren gegangen ist. Denn wenn man seine ganzen Aussagen auf dem Hintergrund der Glaubenslehre liest und interpretiert erweitert sich der Zirkel des Verstehens und man nimmt seine Thesen in einem neuen Licht war. Demzufolge ist Schleiermacher nur auf der Basis der ontologischen Definition des unmittelbaren Selbstbewusstseins in seiner Bestimmtheit des absoluten Abhängigkeitsgefühls zu verstehen, auf der jedwede Untersuchung menschlicher Tätigkeiten, wie das Denken und Sprechen fußt. Der Unterschied im Verständnis der Schleiermacherschen Sprachphilosophie wird hier herausgearbeitet und zeigt wie Schleiermacher vom Glauben zum Denken bzw. Sprechen kommt.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Methode und Verortung im System der Wissenschaften bei Schleiermacher

1.2 Definition grundlegender Termini

2. Schleiermachers Zeichentheorie – Semiotik als Schematisierungsprozess

2.1 Sinneswahrnehmung und Bewusstsein

2.2 Organisch-intellektuelle Duplizität

2.3 Subjektive und objektive Bewusstseinsäußerungen

2.4 Abgrenzung zur Tiersprache

3. Zusammenhang von Sprache und Denken

3.1 Verhältnis von Sprache, Denken und Bewusstsein

3.2 Der Satz als Denkeinheit

3.2.1 Identität des Denkens versus Pluralität der Sprachen

3.2.2 Sprachidee und Approximation an das Wissen

3.3 Dialektik und Hermeneutik

3.4 Kritik aus der modernen Linguistik

4. Sprache und Denken auf der Grundlage des Gefühls – ein anthropologisches Gesamtbild

4.1 Bestimmung des unmittelbaren Selbstbewusstseins als Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit

4.1.1 Entwicklungsstufen des Selbstbewusstseins im Bezug zu Sprache und Denken

4.1.2 Neuverortung von Sprache und Denken a posteriori

4.2 Gesamtinterpretation des Zusammenhangs von Sprache, Denken und Gefühl

5. Konsequenzen des Verhältnisses von Sprache, Denken und Gefühl

5.1 Anthropologische Konsequenzen

5.2 Offenbarung und die Frage: Wie kann man angemessen von Gott reden?

6. Konklusion – Schleiermachers anthropologisch begründete Sprachphilosophie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang von Sprache, Denken und Gefühl bei Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher. Ziel der Arbeit ist es, innerhalb von Schleiermachers dynamischem Gesamtsystem eine modifizierte Sichtweise zu etablieren, die das Gefühl – als Kern einer umfassenden anthropologischen Manifestation – in das Verhältnis von Sprache und Denken integriert und diese in einem anthropologischen Gesamtbild neu verortet.

  • Schleiermachers Zeichentheorie und Semiotik
  • Das Verhältnis von Sprache zu Denken und Bewusstsein
  • Die fundamentale Bedeutung des Gefühls und des Selbstbewusstseins
  • Die interdisziplinäre Rolle von Dialektik und Hermeneutik
  • Anthropologische Konsequenzen für das Gottesverhältnis und die menschliche Welterfassung

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

Bis heute haben Schleiermachers Überlegungen zu Sprache und Denken als sprachphilosophisches Problem nichts an Aktualität eingebüßt und finden vor allem in Beiträgen zur Hermeneutik ihren Niederschlag. „Die Sprache ist mit dem Wissen zugleich gegeben als eine nothwendige Function des Menschen und ist nichts anderes als die heraustretende Gemeinschaftlichkeit desselben.“ Diese kurze Definition im Brouillon zur Ethik von 1805/06 lässt durchscheinen, dass Schleiermacher keine genuin eigenständige Betrachtung der Sprachphilosophie vornimmt, sondern sie als äußeres Mittel im menschlichen Wissensbildungs- und Gemeinschaftsbildungsprozess ansieht. Schleiermachers systematischer Gesamtentwurf hat zum Grundsatz, den Komplex der menschlichen Lebenszusammenhänge in seinen realen Möglichkeiten in der Welt phänomenologisch zu erfassen. Daher wird die Sprache in der Psychologie als Grundbestandteil der menschlichen Ontologie konstatiert und erscheint als Thema in allen anthropologischen Bereichen, die sie betreffen oder notwendig brauchen, vornehmlich der Erkenntnistheorie, Übersetzungslehre und Interpretation.

Im Wechselspiel zwischen der Welt sowie ihrer Wahrnehmung und Erfassung durch den Menschen ist eine weitere ontologische Wesenskomponente von entscheidender Bedeutung, die Schleiermacher unter dem Begriff „Gefühl“ konstituiert. Nicht von ungefähr kommt die Konzentration auf Schleiermachers Bestimmung des Verhältnisses von Sprache, Denken und Gefühl, weil sie den Kern einer umfassenden anthropologischen Manifestation repräsentiert und die Sprachphilosophie in einem neuen Licht erscheinen lässt. Für ein ganzheitliches Verständnis der Sprache müssen die vielfach einseitig orientierten Analysen zugunsten einer solch umfassenden Betrachtung der Sprach- und Denktätigkeit in den Gegebenheiten der menschlichen Daseinsbedingungen aufgegeben werden. Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, der Tradition der aus philologisch-philosophischer Perspektive vorgenommenen Interpretationen der Schleiermacherschen Sprachphilosophie eine modifizierte Sicht des Zusammenhangs von Sprache, Denken und Gefühl innerhalb seines dynamischen Gesamtsystems an die Seite zu stellen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Schleiermachers Sprachphilosophie ein und skizziert das Ziel der Arbeit, den Zusammenhang von Sprache, Denken und Gefühl anthropologisch neu zu deuten.

2. Schleiermachers Zeichentheorie – Semiotik als Schematisierungsprozess: Das Kapitel erläutert, wie Sprache als Bezeichnungssystem zwischen Welt und Mensch fungiert und durch einen Schematisierungsprozess Begriffe aus sinnlichen Eindrücken bildet.

3. Zusammenhang von Sprache und Denken: Hier wird die eng gekoppelte Rolle von Sprache und Denken diskutiert, wobei insbesondere der Satz als Denkeinheit und die Besonderheit historischer Einzelsprachen im Fokus stehen.

4. Sprache und Denken auf der Grundlage des Gefühls – ein anthropologisches Gesamtbild: Dieses Kapitel verankert die Sprach- und Denkfähigkeit im unmittelbaren Selbstbewusstsein, verstanden als Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit.

5. Konsequenzen des Verhältnisses von Sprache, Denken und Gefühl: Die Untersuchung überträgt die gewonnenen Erkenntnisse auf ethische, pädagogische und naturwissenschaftliche Bereiche und diskutiert die Angemessenheit des Redens über Gott.

6. Konklusion – Schleiermachers anthropologisch begründete Sprachphilosophie: Die Zusammenfassung unterstreicht die Rolle von Sprache und Denken als Instrumente, die dem umfassenderen, religiösen Selbstbewusstsein untergeordnet bleiben.

Schlüsselwörter

Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, Sprachphilosophie, Denken, Gefühl, Selbstbewusstsein, Hermeneutik, Dialektik, menschliche Ontologie, Semiotik, Gattungsbewusstsein, Anthropologie, Zeichen, Wissensbildung, Religionsphilosophie, schlechthinnige Abhängigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Schleiermachers Sprachphilosophie unter besonderer Berücksichtigung des Zusammenhangs von Denken und Gefühl innerhalb seines anthropologischen Gesamtsystems.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Zentrale Felder sind die Zeichentheorie, die Rolle der Sprache als Denkmedium, die Funktion des unmittelbaren Selbstbewusstseins (Gefühl) und die daraus resultierenden Konsequenzen für Ethik und Theologie.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, eine modifizierte Sichtweise zu entwickeln, die das Gefühl nicht als bloßen Nebenaspekt, sondern als apriorische Grundlage jeglicher menschlichen Sprach- und Denktätigkeit begreift.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt ein deskriptives und hermeneutisches Verfahren, das deduktiv von der allgemeinen Idee Schleiermachers zu den konkreten Phänomenen fortschreitet und diese induktiv validiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Semiotik, das Verhältnis von Sprache und Denken, die anthropologische Einbettung ins „Weltgefühl“ sowie die Bedeutung des „Gottesgefühls“ als höchste menschliche Bestimmung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Sprachphilosophie, Schleiermacher, Selbstbewusstsein, Gefühl, Hermeneutik, Dialektik und anthropologisches Gesamtbild.

Wie definiert Schleiermacher das „Gefühl“ in diesem Kontext?

Das Gefühl wird als unmittelbares Selbstbewusstsein oder „Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit“ definiert, das jeder bewussten Tätigkeit (Denken/Sprechen) vorausgeht.

Welche Rolle spielt die Sprache bei der Vermittlung religiöser Erfahrungen?

Sprache fungiert als Medium, um das prinzipiell unsagbare Gefühl (Gotteserfahrung) in eine kommunikationsfähige Form zu bringen und somit objektive Kriterien für Glaubensgemeinschaften zu schaffen.

Wie unterscheidet sich menschliche Sprache laut Schleiermacher von Tiersprache?

Der Mensch ist nicht nur auf die Außenwelt fixiert, sondern schafft durch Benennung eine Metaebene der Reflexion, wodurch er Relationen festlegen und sich von der Natur abheben kann.

Warum ist das Verständnis von Schleiermachers Psychologie für diese Arbeit essenziell?

Die Psychologie bildet bei Schleiermacher die Grundlage der Ontologie, in welcher die Einheiten von Geist und Leib sowie deren Entfaltung in Sprache und Denken verortet sind.

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Details

Title
Der Zusammenhang von Sprache, Denken und Gefühl bei Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
College
University of Tubingen  (Theologische Fakultät)
Course
Systematik Hauptseminar
Grade
1,0
Author
Studienrätin Anita Glunz (Author)
Publication Year
2007
Pages
71
Catalog Number
V1453928
ISBN (PDF)
9783963566714
ISBN (Book)
9783963566721
Language
German
Tags
Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, Sprache, Ontologie, Denken, Gefühlt der schlechthinnigen Abhängigkeit, Gefühl, Personenontologie Dialektik Hermeneutik Dialektik Hermeneutik Linguistik Sprachphilosophie Anthropologie Offenbarung unmittelbares Selbstbewusstein Fühlen, Denken, Handeln
Product Safety
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Quote paper
Studienrätin Anita Glunz (Author), 2007, Der Zusammenhang von Sprache, Denken und Gefühl bei Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1453928
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