In den letzten drei Jahrzehnten wurden zahlreiche Arbeiten zum Problem der Differenzierung zwischen dem futur simple und dem futur périphrastique veröffentlicht. Die Linguisten untersuchten dafür Texte, führten Interviews und Befragungen durch oder näherten sich auf alternativen Wegen einer eventuellen These. Einige von ihnen zogen schriftliche Erzeugnisse heran, wohingegen andere Linguisten die mündliche Verwendung der Futurformen im Französischen untersuchten.
In der vorliegenden Arbeit wollen wir uns mit der Verwendung der Futurformen im gesprochene Französisch auseinandersetzen. Nachdem zunächst die Grundlagen erläutert worden sind, werden wir uns in der Folge mit der Theorienentwicklung in der Forschungsgeschichte
befassen und am Ende des ersten Teils der Arbeit in die Erläuterung zweier neuerer Ansätze von Hans Petter Helland (1997) und Angela Schrott (1997) münden.
Dieser eingehenden Darstellung wird sich eine Pro- & Kontra-Diskussion anschließen, wobei weitere Ansätze einfließen, so u.a. von Monika Sokol (1999) und Martin Hummel (2001), die uns bei der Evaluierung der Thesen mit Hilfe behilflich sein werden.
Das Ziel der Arbeit wird in der kritischen Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Theorien und deren Anwendung auf zahlreiche Beispiele liegen. Sie versteht sich nicht als ein
allumfassendes, Problem lösendes Werk, das schließlich eine eigenständige Theorie anbieten wird; im Gegenteil: sie soll Probleme und Widersprüche in neueren Ansätzen aufzeigen und
damit den Linguisten ein Stück weit behilflich sein, den Weg für die künftige Forschung zu ebnen, indem sie ausgewählte Aspekte aus einer bestimmten Perspektive logisch aufeinanderfolgend
analysiert und gegeneinander abwägt; das gesamte Spektrum bisheriger Forschung kann sie dabei jedoch nicht abdecken (z.B. die Frage nach der Rolle der Negation).
Inhaltsverzeichnis
0 Voraussetzungen, Methoden, Zielsetzungen
1 Grundlagen
1.1 Zeit und Tempus
1.2 Aspekt
2 Tempora der Zukunft – FP vs. FS
2.1 Der semantische Unterschied zwischen dem FP und FS in der Forschungsgeschichte
2.2 Neuere Theorien
2.2.1 Der Ansatz Hans Petter Hellands (1997)
2.2.2 A. Schrott (1997): Zwischen »aktueller Konditionierung« und »Virtualität«
3 Diskussion – Pro und Kontra
3.1 »Faktizität« vs. »Virtualität«
3.2 Facetten: Aspekte des FP und FS
3.3 Pfänder (2000): Futurische Aspektmarker in den Frankokreolsprachen
4 Evaluierung: Der Versuch einer These zur Erstellung einer These ?
5 Biographie
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Verwendung der französischen Zukunftsformen – dem futur simple (FS) und dem futur périphrastique (FP) – auseinander. Das Ziel besteht darin, bestehende linguistische Theorien zu hinterfragen, Widersprüche in der aktuellen Forschung aufzuzeigen und durch eine Analyse der kognitiven und funktional-semantischen Aspekte ein tieferes Verständnis für die Wahl der jeweiligen Futurform zu entwickeln.
- Kritische Auseinandersetzung mit historischer und aktueller Forschung zu FS und FP.
- Analyse der Ansätze von Helland und Schrott zur funktionalen Abgrenzung der Futurformen.
- Diskussion über die Konzepte von „Faktizität“ und „Virtualität“ im Sprachgebrauch.
- Untersuchung der Rolle von Aspektmarkern in frankokreolischen Sprachen als komparative Perspektive.
- Erörterung der kognitiven Mechanismen, die der Sprachwahl zugrunde liegen.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Der Ansatz Hans Petter Hellands (1997)
In seinem 1997 herausgebrachten Essay »Futur simple et futur périphrastique« beschäftigt sich der norwegische Linguist Hans Petter Helland mit der Frage nach dem semantisch-funktionalen Unterschied zwischen den beiden französischen Tempora der Zukunft.
Helland geht hierbei von der Fransk Universitetsgrammatik (FU) aus, dem norwegischen Standardwerk über die französische Grammatik, das die Tempora in zwei Klassen, dem »système présent« und dem »système passé« (p. 67), einteilt, wobei paradoxerweise dem FP kein Platz eingeräumt und folglich – formell – aus dem »système temporel du français« verbannt wird (p. 68), sie das FP aber als »concurrent du futur simple dans la langue parlée« (p. 70) ansieht.
Helland nimmt die »hypothèse explicative [qui] n'en a rien de nouveau« (p. 69) als Ausgangspunkt für seine Analyse, d.h. die in der Forschung traditionellerweise als »rupture ou non-rupture avec le présent« (p. 70) bezeichnete Hypothese hinsichtlich des verschiedenen Nutzwertes des FP und FS. Dabei wird ein essentieller Unterschied hervorgehoben, den die FU folgendermaßen deklariert:
Der FU zufolge besteht der Unterschied somit in der Verbindung des Ereignis E mit dem Referenzpunkt R und dem Sprechzeitpunkt S, wie im folgenden Beispiel (nach Helland 1997: 69):
(1) Je réfléchirai encore à tout ceci.
(2) File ! Hoederer va descendre.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Voraussetzungen, Methoden, Zielsetzungen: Einführung in das Problemfeld der Differenzierung von Futurformen und Darlegung der methodischen Vorgehensweise.
1 Grundlagen: Theoretische Abgrenzung der Begriffe Zeit, Tempus und Aspekt innerhalb der linguistischen Kategorien.
2 Tempora der Zukunft – FP vs. FS: Überblick über die Forschungsgeschichte und detaillierte Vorstellung der Ansätze von Helland (1997) und Schrott (1997).
3 Diskussion – Pro und Kontra: Kritische Reflexion der zuvor vorgestellten Theorien sowie Analyse weiterer Ansätze wie der von Pfänder (2000).
4 Evaluierung: Der Versuch einer These zur Erstellung einer These ?: Synthese der Erkenntnisse und kritische Würdigung der Problematik einer allgemeinen Theoriebildung.
5 Biographie: Verzeichnis der im Text zitierten wissenschaftlichen Literatur.
Schlüsselwörter
Französische Sprache, Futur simple, Futur périphrastique, Linguistik, Tempus, Aspekt, Funktionale Grammatik, Kognitive Linguistik, Sprachwandel, Semantik, Helland, Schrott, Faktizität, Virtualität, Sprachgebrauch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die unterschiedliche Verwendung der französischen Zukunftsformen futur simple und futur périphrastique und hinterfragt die bestehenden theoretischen Erklärungsmodelle.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die funktionale Abgrenzung der Futurformen, die semantische Kategorisierung durch Aspektmarker sowie der Einfluss kognitiver Prozesse auf die Sprachproduktion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Forschungsliteratur, um Widersprüche aufzudecken und zu verdeutlichen, warum eine universelle, problemlose Theoriebildung für diesen Bereich nur schwer möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretisch-linguistische Arbeit, die eine Literaturanalyse mit einer kritischen Diskussion von Beispielsätzen und Forschungsansätzen kombiniert.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte Analyse der Ansätze von Helland und Schrott sowie auf die Diskussion über den Status der Futurformen als Ausdruck von „Faktizität“ oder „Virtualität“.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie funktionale Linguistik, französische Tempus-Aspekt-Systeme und kognitive Sprachbetrachtung beschreiben.
Welche Rolle spielt die „ego-hic-nunc“-Relation in den untersuchten Theorien?
Sie dient als Bezugspunkt für die Verortung von Ereignissen in Zeit und Raum; insbesondere Schrott nutzt diesen Bezug, um die „aktuelle Konditionierung“ des FP zu erklären.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von Pfänder (2000) von anderen?
Pfänder untersucht Aspektmarker in frankokreolischen Sprachen, um durch den Vergleich mit „frischeren“ Sprachsystemen neue Einblicke in die Entwicklung funktionaler Unterschiede zu gewinnen.
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- Rico Moyon (Author), 2009, Futur simple und futur périphrastique, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145429