Der Apostroph - ein multifunktionales Zeichen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
12 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Apostroph: Allgemeine Aspekte
2.1 Wortherkunft
2.2 Entstehung
2.3 Form
2.4 Einordnung in das Interpunktionssystem

3. Der Apostroph: ein multifunktionales Zeichen
3.1 Funktion
3.1.1 Der Elisions-Apostroph
3.1.2 Der Stammform-Apostroph

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die deutsche Zeichensetzung findet eher selten Zugang in die öffentliche Diskussion über den Sprachgebrauch. Umso erstaunlicher ist es, wie viele Beiträge man in Zeitschriften, Zeitungen und im Internet über den Apostroph findet. Und die Darstellungsweisen dieses Zeichens variieren ebenso, wie die Meinungen darüber. Begriffe wie Deppen-Apostroph oder Apostrophitis weisen schon darauf hin, dass dieses Zeichen aufgrund mangelnder Kenntnis häufig eine falsche Verwendung findet. Zwar wird am Apostroph häufig die Entwicklung der deutschen Sprache aufgezeigt, dies wird jedoch nicht immer positiv gewertet, denn die öffentliche Diskussion über den Verfall der deutschen Sprache schließt auch den Apostroph als Begründung mit ein.

Die vorliegende Arbeit befasst sich daher mit einzelnen Aspekten dieses Zeichens. Zum einen wird auf die Geschichte eingegangen, um die Zeichenentwicklung und -begrün- dung zu erläutern. Aber auch die Form des Apostrophs wird beschrieben, um die typographisch korrekte Darstellungsweise aufzuzeigen. Hauptgegenstand dieser Arbeit ist die Funktionsbeschreibung dieses Zeichens. Es wird geklärt, wann und weshalb ein Apostroph gesetzt werden muss bzw. kann, und wann solch eine Schreibung nicht korrekt ist. Davon abgeleitet versuche ich eine Erklärung zu finden, weshalb der Apostroph sowohl in linguistischer als auch in nicht-linguistischer Diskussion zum Teil negativ bewertet wird.

2. Der Apostroph: Allgemeine Aspekte

2.1 Wortherkunft

Das maskuline Substantiv <Apostrophe> wurde im 17. Jahrhundert zunächst in lateinischer und französischer Form in den erweiterten, fachsprachlichen Standardwortschatz des Deutschen aufgenommen, ab dem 18. Jahrhundert war dann die Schreibweise <Apostroph> ohne die e-Endung üblich. Entlehnt ist das Substantiv aus <apostrophus>, das von dem griechischen <apóstrophos> stammt und ‚der Abgewandte‘ bedeutet. Es wurde ursprünglich als Attribut in Wendungen für ‚ausgelassener Buchstabe‘, dann ‚das Weggelassene‘, schließlich als ‚das Zeichen für etwas, das ausgelassen wurde‘ gebraucht. In der antiken Rhetorik bedeutete ‚apostrophieren‘ jemanden anreden, die Wegwendung vom Thema und Hinwendung zu einer Person.1

2.2 Entstehung

„Der Apostrophus (ʹ) oder das Auslassungs=Zeichen eines Buchstabens ist eines von den unnöthigsten…“2

Eine komplette Übersicht über die historische Entwicklung des Apostrophs ist im Rahmen einer Hausarbeit nur schwer zu realisieren, daher wird hier nur ein kurzer Überblick über die wichtigen, überlieferten Veränderungen gegeben.

Die Form und die Funktionen, die dem Apostroph heute zugewiesen werden, sind erst im Laufe der Zeit entstanden. Typographisch wurde das Zeichen als das heutige Minutenzeichen dargestellt <´>. Noch in der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde der Apostroph als Elisionszeichen verwendet, die einhelligen Überlieferungen der damaligen Grammatikforschung determinieren diese Auslassungsfunktion jedoch auf die Poetik. So beschränkt 1647 der deutsche Dichter Georg Philipp Harsdörffer in seinem Werk „Poetischer Trichter“ den Apostroph auf den Zusammenhang mit der Metrik und schließt das Zeichen aus der Interpunktion aus, da es lediglich die Aufgabe erfüllt, überflüssige Vokale zu ersetzen, die das Versmaß stören.3

Erst 1782 erwähnt Johann Christoph Adelung in seinem Werk „Umständliches Lehrgebäude der deutschen Sprache“ einen weiteren, möglichen Gebrauch des Apostrophs, der die Eindeutigkeit der geschriebenen Sprache sichern soll. So beschreibt er in seinem Werk die Verwendung eines Genitiv-s in Verbindung mit einem Apostroph, um die Kennzeichnung der richtigen Grundform des Wortes zu ermöglichen und gleichzeitig die korrekte Aussprache festzulegen.

Der Entstehungskontext des Apostrophs ist in der deutschen Sprache also eindeutig durch die Belange der dichterischen Sprache geprägt. Der Apostroph diente als Zeichen, um Wortformen zu generieren bzw. zu verschriftlichen, die in das jeweilige metrische Maß eines Gedichts passten.4

Erst im 19. Jahrhundert folgte dieser phonographischen Erweiterung die Zuweisung einer grammatischen Funktion des Apostrophs.

2.3 Form

Die korrekte Schreibweise des Apostrophs ist <ʼ>, der Form nach ist es einem Komma ähnlich, unterscheidet sich lediglich in Bezug auf die Positionierung. Nicht korrekt, jedoch häufig gebraucht, sind Zeichen wie das Minutenzeichen <ʹ>, einfache Anführungszeichen <‚ʻ> oder die Akzentzeichen Akut <´> und Gravis <`>. Es gibt einige analoge Begriffe zum Apostroph, wie Oberstrich oder Hochkomma. Beide verweisen auf die Positionierung des Zeichens, da es sich nicht auf der Grundlinie wie beispielsweise der Punkt befindet, sondern auf der Oberlinie angesiedelt ist, wie die Akzentzeichen.5

Der Apostroph gehört zu denjenigen Zeichen, die wohl am häufigsten typographisch falsch dargestellt werden. Einer der Gründe ist wohl in der Ähnlichkeit von Form und Position zu anderen Zeichen zu sehen. Ein weiterer Grund ist in der Verlagerung vom einfachen, handschriftlichen Schreiben, zum Tippen auf der Tastatur eines Computers zu finden. Denn der korrekte Apostroph hat auf der deutschen Tastatur keine direkte Entsprechung, wie beispielsweise ein Frage- oder Ausrufezeichen. Er kann lediglich durch eine bestimmte Tastenkombination oder durch die Schaltfläche der Sonderzeichen in den Text eingefügt werden. Demzufolge werden häufig andere Zeichen benutzt, um den Apostroph darzustellen.

[...]


1 Vgl. Kluge, Etymologisches Wörterbuch, S. 54.

2 Vgl. Höchli, Geschichte der Interpunktion, S. 175.

3 Vgl. ebd., S. 123.

4 Vgl. Klein, Apostroph in der deutschen Gegenwartssprache, S. 184.

5 Eine erklärende Abbildung findet man z.B. bei Bredel, Interpunktion des Deutschen, S. 27 (Anm. d. Verf.).

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Apostroph - ein multifunktionales Zeichen
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Gesprächslinguistik vs. Textlinguistik
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
12
Katalognummer
V145441
ISBN (eBook)
9783640693153
ISBN (Buch)
9783640693139
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Apostroph, Zeichen
Arbeit zitieren
Olga Glinski (Autor), 2009, Der Apostroph - ein multifunktionales Zeichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145441

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