Die deutsche Zeichensetzung findet eher selten Zugang in die öffentliche Diskussion über den Sprachgebrauch. Umso erstaunlicher ist es, wie viele Beiträge man in Zeitschriften, Zeitungen und im Internet über den Apostroph findet. Und die Darstellungsweisen dieses Zeichens variieren ebenso, wie die Meinungen darüber.
Begriffe wie Deppen-Apostroph oder Apostrophitis weisen schon darauf hin, dass dieses Zeichen aufgrund mangelnder Kenntnis häufig eine falsche Verwendung findet. Zwar wird am Apostroph häufig die Entwicklung der deutschen Sprache aufgezeigt, dies wird jedoch nicht immer positiv gewertet, denn die öffentliche Diskussion über den Verfall der deutschen Sprache schließt auch den Apostroph als Begründung mit ein.
Die vorliegende Arbeit befasst sich daher mit einzelnen Aspekten dieses Zeichens. Zum einen wird auf die Geschichte eingegangen, um die Zeichenentwicklung und -begründung zu erläutern. Aber auch die Form des Apostrophs wird beschrieben, um die typographisch korrekte Darstellungsweise aufzuzeigen. Hauptgegenstand dieser Arbeit ist die Funktionsbeschreibung dieses Zeichens. Es wird geklärt, wann und weshalb ein Apostroph gesetzt werden muss bzw. kann, und wann solch eine Schreibung nicht korrekt ist. Davon abgeleitet versuche ich eine Erklärung zu finden, weshalb der Apostroph sowohl in linguistischer als auch in nicht-linguistischer Diskussion zum Teil negativ bewertet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Apostroph: Allgemeine Aspekte
2.1 Wortherkunft
2.2 Entstehung
2.3 Form
2.4 Einordnung in das Interpunktionssystem
3. Der Apostroph: ein multifunktionales Zeichen
3.1 Funktion
3.1.1 Der Elisions-Apostroph
3.1.2 Der Stammform-Apostroph
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung, die typografische Form sowie die funktionale Verwendung des Apostrophs im deutschen Sprachsystem. Ziel ist es, die Gründe für die teils negative Bewertung dieses Zeichens in linguistischen und gesellschaftlichen Diskussionen zu beleuchten und eine differenzierte Einordnung seiner heutigen Funktionsbereiche vorzunehmen.
- Historische Entwicklung und etymologische Herkunft des Apostrophs
- Analyse der korrekten typografischen Form und Abgrenzung zu ähnlichen Zeichen
- Differenzierung der Funktionen: Elisions-Apostroph vs. Stammform-Apostroph
- Diskurs über Sprachverfall und den Einfluss englischer Sprachgewohnheiten
- Normative Einordnung des Apostrophs in die deutsche Rechtschreibung
Auszug aus dem Buch
2.3 Form
Die korrekte Schreibweise des Apostrophs ist <ʼ>, der Form nach ist es einem Komma ähnlich, unterscheidet sich lediglich in Bezug auf die Positionierung. Nicht korrekt, jedoch häufig gebraucht, sind Zeichen wie das Minutenzeichen <ʹ>, einfache Anführungszeichen <‚ʻ> oder die Akzentzeichen Akut <´> und Gravis <`>.
Es gibt einige analoge Begriffe zum Apostroph, wie Oberstrich oder Hochkomma. Beide verweisen auf die Positionierung des Zeichens, da es sich nicht auf der Grundlinie wie beispielsweise der Punkt befindet, sondern auf der Oberlinie angesiedelt ist, wie die Akzentzeichen.5
Der Apostroph gehört zu denjenigen Zeichen, die wohl am häufigsten typographisch falsch dargestellt werden. Einer der Gründe ist wohl in der Ähnlichkeit von Form und Position zu anderen Zeichen zu sehen. Ein weiterer Grund ist in der Verlagerung vom einfachen, handschriftlichen Schreiben, zum Tippen auf der Tastatur eines Computers zu finden. Denn der korrekte Apostroph hat auf der deutschen Tastatur keine direkte Entsprechung, wie beispielsweise ein Frage- oder Ausrufezeichen. Er kann lediglich durch eine bestimmte Tastenkombination oder durch die Schaltfläche der Sonderzeichen in den Text eingefügt werden. Demzufolge werden häufig andere Zeichen benutzt, um den Apostroph darzustellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die öffentliche Debatte um den Apostroph und legt die Zielsetzung dar, die Geschichte, Form und Funktion des Zeichens sowie die Gründe für dessen negative Wahrnehmung zu untersuchen.
2. Der Apostroph: Allgemeine Aspekte: Dieses Kapitel behandelt die etymologische Herkunft des Begriffs, die historische Entwicklung der Verwendung des Zeichens, die korrekte typografische Form sowie die Einordnung in das System der deutschen Interpunktion.
3. Der Apostroph: ein multifunktionales Zeichen: Hier werden die Hauptfunktionen des Apostrophs als Elisions-Apostroph zur Kennzeichnung von Auslassungen und als Stammform-Apostroph zur morphologischen Segmentierung detailliert analysiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die polyfunktionale Entwicklung des Apostrophs zusammen und kritisiert insbesondere die stete Erweiterung seines Funktionsbereiches durch neuere Rechtschreibregelungen, die den sprachlichen Erhalt gefährden könnten.
Schlüsselwörter
Apostroph, Zeichensetzung, Interpunktion, Sprachgebrauch, Elisions-Apostroph, Stammform-Apostroph, Orthographie, Rechtschreibung, Sprachgeschichte, Typografie, Sprachwandel, Linguistik, Normverstoß, Genitiv-s, deutsche Sprache
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Apostroph als Element der deutschen Zeichensetzung, wobei dessen Geschichte, Form und die verschiedenen funktionalen Einsatzmöglichkeiten analysiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die etymologische Herkunft, die historische Entwicklung, die typografische korrekte Darstellung sowie die Unterscheidung zwischen dem Apostroph als Auslassungszeichen und als Mittel zur Stammform-Kennzeichnung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Funktionen des Apostrophs zu klären und zu erläutern, warum das Zeichen sowohl in der Linguistik als auch in der allgemeinen öffentlichen Diskussion häufig negativ wahrgenommen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse einschlägiger linguistischer Literatur, die historische Entwicklung der Interpunktion sowie einen Vergleich mit aktuellen amtlichen Rechtschreibregeln und Duden-Empfehlungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung allgemeiner Aspekte, wie Wortherkunft und Form, sowie in eine tiefgehende Funktionsbeschreibung, unterteilt in Elisions- und Stammform-Apostroph.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Apostroph, Interpunktion, Elisions-Apostroph, Stammform-Apostroph, Orthographie und Sprachwandel.
Warum wird der Apostroph oft als "Deppen-Apostroph" bezeichnet?
Der Begriff resultiert aus einer häufigen, als inkorrekt empfundenen Verwendung des Apostrophs durch mangelnde Sprachkenntnisse, etwa bei der Kennzeichnung von Pluralformen, was oft mit einem Verfall der deutschen Sprache assoziiert wird.
Wie unterscheidet sich der Elisions-Apostroph vom Stammform-Apostroph?
Der Elisions-Apostroph markiert den Wegfall von Lauten oder Buchstaben, während der Stammform-Apostroph dazu dient, die Stammform eines Wortes – etwa bei Eigennamen oder Suffixen – visuell deutlicher vom Rest des Wortes abzugrenzen.
Welchen Einfluss hat die Rechtschreibreform auf den Apostroph?
Die Reform von 1996 führte zu einer Vereinfachung des Gebrauchs, ermöglichte jedoch unter anderem die Verwendung des Apostrophs vor dem Genitiv-s bei Eigennamen, was in der Arbeit kritisch als unnötige Funktionserweiterung bewertet wird.
- Quote paper
- Olga Glinski (Author), 2009, Der Apostroph - ein multifunktionales Zeichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145441