In einer sich ständig verändernden Umwelt sind Organisationen darauf angewiesen sich an ihre Umwelt anzupassen. Die Führungskräfte müssen dann einen Veränderungsprozess einleiten. Die Organisationsentwicklung ist dabei ein Beratungskonzept, welches sich auf geplante bzw. gesteuerte Veränderungsprozesse konzentriert, ist die Organisationsentwicklung. Grundlage für den Beratungsprozess der Organisationsentwicklung sind soziale Lernprozesse der Mitglieder einer Organisation und deren Beteiligung im Veränderungsprozess. Dabei wird stets der Beratungsprozess von einem externen Berater unterstützt.
Jedoch vernachlässigt die Literatur zur Organisationsentwicklung neuere Befunde zum Entscheidungsverhalten der Mitglieder, obwohl diese die Arbeitsverläufe innerhalb einer Organisation wesentlich beeinflussen können. Gegenstand dieser schriftlichen Ausarbeitung soll die Betrachtung der wichtigsten Annahmen der Organisationsentwicklung und deren Zielsetzungen aus verhaltenswissenschaftlicher Perspektive sein. Im Laufe dieser Ausarbeitung wird deutlich werden, dass, trotz der Beliebtheit der Organisationsentwicklung für Unternehmensberatungen, diese durchaus Lücken aufzuweisen sind. Da hier ein Beratungskonzept mit einer Organisationstheorie verglichen wird, soll gleichzeitig nach der Frage nachgegangen werden, welche Konsequenzen sich aus einer solchen Betrachtung für den Berater ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorbemerkungen
2 Die Grundannahmen der Organisationsentwicklung
2.1 Die Ursprünge der Organisationsentwicklung
2.2 Das Organisationsverständnis und Menschenbild
2.3 Der Lernbegriff der Organisationsentwicklung
2.4 Die Zielsetzungen
3 Die Organisationsentwicklung aus verhaltenswissenschaftlicher Perspektive
3.1 Organisationen als Handlungssysteme
3.2 Die begrenzte Bereitschaft der Organisationsmitglieder zum Handeln
3.3 Die begrenzte Rationalität der Handelnden
3.4 Mögliche Komplikationen im Lernprozess
4 Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundannahmen der Organisationsentwicklung aus einer verhaltenswissenschaftlichen Perspektive. Dabei wird kritisch hinterfragt, inwieweit das Beratungskonzept der Organisationsentwicklung Erkenntnisse über das Entscheidungsverhalten von Individuen vernachlässigt und welche Konsequenzen sich daraus für die Praxis des Organisationsberaters ergeben.
- Kritische Analyse der Grundannahmen der Organisationsentwicklung
- Gegenüberstellung von sozialem System und Handlungssystem
- Untersuchung des Entscheidungsverhaltens und der begrenzten Rationalität
- Bedeutung von Motivationstheorien für Veränderungsprozesse
- Ableitung neuer Ansätze für die beraterische Praxis
Auszug aus dem Buch
3.1 Organisationen als Handlungssysteme
Beim Vergleich der Grundannahmen der Organisationsentwicklung und der verhaltenswissenschaftlichen Entscheidungstheorie ergeben sich Unterschiede beim Organisationsbegriff, da beide von einem unterschiedlichen Organisationsverständnis ausgehen.
In der verhaltenswissenschaftlichen Entscheidungstheorie stehen die Handlungen und Entscheidungen der Organisationsteilnehmer im Vordergrund. Menschen, Maschinen und Räume werden dementsprechend nicht als Bestandteile der Organisation gesehen. BARNARD und seine Kollegen ordnen das soziale und physische System, hier die Mitglieder der Organisation, der Umwelt der Organisation zu.
Oberflächlich betrachtet scheint dieses Organisationsverständnis zunächst verwirrend zu sein, da vor allem Mitglieder zur Umwelt gezählt werden. BARNARD und seine Kollegen würden an dieser Stelle argumentieren, dass dieses Verständnis wesentliche Aspekte der Organisationssoziologie aufgreift. Denn laut diesem Verständnis können Organisationen weiterhin bestehen, auch wenn Mitglieder im Laufe der Zeit austreten. Schließlich besteht eine Organisation nicht aus den Personen selbst, sondern nur aus deren Handlungen und Entscheidungen. Des Weiteren unterstützt diese Definition die beobachtbare Tatsache, dass Individuen in mehreren Organisationen gleichzeitig Mitglieder sein können, in denen sie beschränkt Beiträge leisten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorbemerkungen: Einführung in das Thema der Organisationsentwicklung als Beratungskonzept und Darstellung der zentralen Problemstellung hinsichtlich vernachlässigter verhaltenswissenschaftlicher Aspekte.
2 Die Grundannahmen der Organisationsentwicklung: Erläuterung der theoretischen Wurzeln (Hawthorne-Studien), des Organisationsverständnisses sowie der Ziele und des Lernbegriffs innerhalb der Organisationsentwicklung.
3 Die Organisationsentwicklung aus verhaltenswissenschaftlicher Perspektive: Kritische Analyse des Konzepts durch Vergleich mit der Entscheidungstheorie, Fokus auf Handlungsaspekte, begrenzte Rationalität und kognitive Komplikationen.
4 Schlussbetrachtungen: Zusammenfassende Diskussion der Defizite und Ableitung praktischer Empfehlungen für Berater zur Integration verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse.
Schlüsselwörter
Organisationsentwicklung, Organisationsberatung, Hawthorne-Studien, Handlungssystem, Entscheidungstheorie, begrenzte Rationalität, Satisficing, kognitive Dissonanz, Lernprozess, Humanisierung der Arbeit, Motivationsfaktoren, Veränderungsbereitschaft, Prozessberatung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Konzept der Organisationsentwicklung aus der Perspektive der Verhaltenswissenschaften und zeigt auf, dass wesentliche Aspekte des individuellen Entscheidungsverhaltens dabei oft unberücksichtigt bleiben.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Grundannahmen der Organisationsentwicklung, verhaltenswissenschaftlichen Organisationstheorien, Entscheidungstheorie, Motivation und den Grenzen menschlicher Rationalität in Organisationen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Defizite des klassischen Konzepts der Organisationsentwicklung aufzuzeigen und Strategien für Berater zu entwickeln, um diese durch verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse zu ergänzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturanalyse, die Konzepte der Organisationsentwicklung mit verhaltenswissenschaftlichen Theorien, insbesondere der Entscheidungstheorie, vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Grundannahmen der Organisationsentwicklung kritisch mit der Entscheidungstheorie konfrontiert, um Probleme wie mangelnde Veränderungsmotivation und begrenzte Rationalität der Akteure zu verdeutlichen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Organisationsentwicklung, Entscheidungstheorie, kognitive Dissonanz, Handlungssystem und prozessuale Beratung.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise der Entscheidungstheorie vom klassischen Verständnis der Organisation?
Während die Organisationsentwicklung die Organisation als soziales System sieht, betrachtet die verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie sie als unpersönliches Handlungssystem, bei dem Mitglieder zur Umwelt zählen.
Welche Bedeutung hat das Konzept der "begrenzten Rationalität" nach Simon?
Es besagt, dass Menschen aufgrund ihrer begrenzten Informationskapazität nicht objektiv entscheiden können, sondern nach befriedigenden statt optimalen Lösungen suchen ("Satisficing").
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- Adem Özcan (Author), 2008, Die Organisationsentwicklung - aus verhaltenwissenschaftlicher Perspektive betrachtet, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145444