Der Partisanenkrieg hat eine gewisse Tradition im Lauf der Geschichte, entwickelte sich aber erst zunehmend im späten 18. bzw. Anfang des 19. Jahrhunderts. Von den „hit-and-run“ Taktiken der Rebellen im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-1783) abgesehen, gewann der Guerillakrieg besonders in Europa zunehmend Bedeutung, als der scheinbar unaufhaltbare Napoleon Bonaparte eine traditionelle Armee nach der anderen besiegte und demnach fast das gesamte Kontinentaleuropa unter seine Herrschaft brachte. Die darauf folgende Reaktion war der teilweise erfolgreiche Einsatz von Guerillatechniken in Spanien, Teilen Österreichs (Tirol) und Russland. Auch in Deutschland beschäftigten sich die progressiven Generäle Gerhard Johann David von Scharnhorst und August Neithardt von Gneisenau mit dem Thema der Volksbewaffnung und des Landsturms, doch wurden diese Theorien nie wie geplant in die Praxis umgesetzt. Erst Carl von Clausewitz widmete sich nach dem Sieg über Napoleon erneut der Volksbewaffnung in seinem Werk „Vom Kriege“ und stellte bedeutende Grundsätze für Strategie und Taktik des Krieges an sich, als auch der alternativen Kriegsführung (in Form des Partisanenkriegs) heraus. Ziel dieser Arbeit ist es, wichtige Aspekte und Theorien des 26. Kapitels „Volksbewaffnung“ im sechsten Buch von Clausewitz’ „Vom Kriege“ herauszuarbeiten und deren allgemeine Gültigkeit bis heute hin zu überprüfen. Im Vergleich dazu sollen die circa 130 Jahre später entstandenen Schriften Ernesto „Che“ Guevaras über den Partisanenkrieg im Zusammenhang mit der kubanischen Revolution näher betrachtet werden. Inwiefern Clausewitz’ Prinzipien sich auch in Guevaras Werken wieder finden lassen und inwieweit sich diese im 20. Jahrhundert verändert bzw. weiterentwickelt haben, soll außerdem im Rahmen dieser Untersuchung behandelt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Scharnhorst und Gneisenau als Wegbereiter von Clausewitz
3. Clausewitz’ Theorie der Volksbewaffnung in „Vom Kriege“
3.1. Wichtige Aspekte und Grundsätze
3.2. Neue Möglichkeiten und Grenzen des Modells
4. Guevaras Guerillahandbuch „La Guerra de Guerrillas“
4.1. Prinzipien der Guerillakriegsführung
4.2. Die Guerillatheorie in der Praxis der Kubanischen Revolution
4.3. Errungenschaften und Einschränkungen des Vorgehens
5. Clausewitz’ Volksbewaffnung und Guevaras Guerilladoktrin im Vergleich
6. Schlussfolgerung
7. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Verbindungen zwischen Carl von Clausewitz’ Konzept der Volksbewaffnung im 19. Jahrhundert und Ernesto „Che“ Guevaras Guerilladoktrin des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten in der militärischen Taktik zu identifizieren und zu analysieren, inwiefern Clausewitz als Wegbereiter für Guevaras Schriften angesehen werden kann.
- Militärtheoretische Grundlagen des „Kleinen Krieges“
- Historische Einordnung preußischer Reformbestrebungen
- Analyse der taktischen Prinzipien von Guevaras Guerillakrieg
- Vergleichende Betrachtung von Volksbewaffnung und Guerillataktik
- Bewertung der politischen Rahmenbedingungen und Erfolgsvoraussetzungen
Auszug aus dem Buch
3.1. Wichtige Aspekte und Grundsätze
Grundsätzlich hält Clausewitz den Volkskrieg als eine Erscheinung des 19. Jahrhunderts und ist sich über die gespaltenen Meinungen (legitimierte anarchistische Zustände einer Revolution gleichkommend und fragwürdiger militärischer Nutzen) dieser neuartigen Erscheinung bewusst. Dennoch sieht er den Aufbau des Landsturms und die Volksbewaffnung als notwendige Maßnahmen auf das traditionelle [sic] Militärsystem. Clausewitz hält den Volkskrieg als unverzichtbare Erscheinung der Zukunft – in kommenden Kriegen wird diejenige Partei gewinnen, die den Volkskrieg als Element der neuen Kriegsführung anwendet. Dabei sollen nicht größere militärische Operationen durchgeführt werden, vielmehr sollte an mehreren sich ausbreitenden Punkten der Gegner über einen längeren Zeitraum erschüttert werden.
Aus dem sich ergebenden Spannungszustand können zwei unterschiedliche Entwicklungen stattfinden – entweder baut sich die Spannung wieder ab (indem mehrere Brandherde nach und nach erstickt werden) oder der ausgeübte Druck kulminiert und zwingt die feindlichen Truppen zum Abzug aus dem besetzten Land. Letzteres kann nur unter bestimmten territorialen Voraussetzungen allein durch den Volkskrieg erreicht werden – als Beispiel hierfür würde in Europa lediglich Russland gelten, das einmalig in seiner natürlichen Beschaffenheit ist. Nach Clausewitz kann genau deshalb diese Kriegsform nicht allein, sondern nur in Verbindung mit Operationen von regulären Truppen verwendet werden und ist an einige Bedingungen gekoppelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den historischen Kontext des Partisanenkrieges dar und umreißt das Ziel der Arbeit, die theoretischen Parallelen zwischen Clausewitz und Guevara zu prüfen.
2. Scharnhorst und Gneisenau als Wegbereiter von Clausewitz: Dieses Kapitel behandelt die preußischen Reformansätze während der Napoleonischen Kriege und die versuchte Implementierung des Landsturms.
3. Clausewitz’ Theorie der Volksbewaffnung in „Vom Kriege“: Hier werden die strategischen Bedingungen und taktischen Grundsätze von Clausewitz für einen erfolgreichen Volkskrieg detailliert erläutert.
4. Guevaras Guerillahandbuch „La Guerra de Guerrillas“: Das Kapitel analysiert Guevaras Kernthesen zur Guerillakriegsführung und deren Anwendung sowie Erfolg in Kuba.
5. Clausewitz’ Volksbewaffnung und Guevaras Guerilladoktrin im Vergleich: In diesem Abschnitt erfolgt die systematische Gegenüberstellung der Theorien unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen historischen und politischen Hintergründe.
6. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Bedeutung der Clausewitz’schen Lehren für das Verständnis späterer Guerillabewegungen.
7. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Literatur.
Schlüsselwörter
Clausewitz, Guevara, Volksbewaffnung, Guerilla, Partisanenkrieg, Militärtheorie, Landsturm, Kubanische Revolution, Kleiner Krieg, Taktik, Strategie, Volkskrieg, Revolution, Widerstand, Militärgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die inhaltlichen und taktischen Schnittmengen zwischen der Theorie der Volksbewaffnung von Carl von Clausewitz und dem Guerillahandbuch von Che Guevara.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der militärtheoretischen Entwicklung des Partisanenkriegs, dem Vergleich zwischen staatlich legitimierter Volksbewaffnung und revolutionärer Guerillataktik sowie historischen Fallbeispielen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel besteht darin, zu prüfen, inwieweit Clausewitz als theoretischer Wegbereiter für spätere Konzepte des Partisanenkriegs und insbesondere für Guevaras Doktrin fungierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, um Texte von Clausewitz und Guevara im historischen Kontext der jeweiligen politischen Umbrüche gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der preußischen Reformen, Clausewitz’ Modell des Volkskriegs, die Prinzipien des Guerillahandbuchs von Guevara und einen systematischen Vergleich beider Ansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind Clausewitz, Guerilla, Partisanenkrieg, Volksbewaffnung und revolutionäres Potenzial.
Warum betont die Arbeit die Einzigartigkeit der kubanischen Revolution?
Weil Guevaras Erfolg in Kuba auf spezifischen sozialen und politischen Bedingungen basierte, die sich nicht eins zu eins auf andere lateinamerikanische Länder übertragen ließen, was deren spätere Scheitern erklärt.
Wie unterscheidet sich der Zweck der Theorien?
Während Clausewitz den Volkskrieg zur Verteidigung bestehender staatlicher Strukturen und gegen ausländische Invasoren konzipierte, zielte Guevara auf den revolutionären Umbruch und die Ersetzung bestehender politischer Systeme ab.
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- Stefan Küpper (Author), 2006, Clausewitz’ Theorie der Volksbewaffnung im 19. Jahrhundert - Wegbereiter der Guerilladoktrin Guevaras im 20. Jahrhundert?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145481