Freuds Kulturtheorie

Die Kulturstufen und ihre Folgen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
14 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung

II. Freuds Unterscheidungen

III. Freuds Kulturkritik

IV. Die Kulturstufen

V. Abwehrmechanismen

VI. Bewertung aus heutiger Sicht und Zeit

VII. Schluss

Literaturangaben

I. Einleitung

Eine Definition des Begriffes Kultur zu liefern ist nicht einfach. Freud beschäftigte sich schon 1908 mit dem Kulturbegriff. Erst 1930 schaffte er es eine schriftliche Definition des Begriffes „Kultur“ zu liefern. Er erklärt „…daß das Wort >Kultur< die ganze Summe der Leistungen und Einrichtungen bezeichnet, in denen sich unser Leben von dem unserer tierischen Ahnen entfernt und die zwei Zwecken dienen: dem Schutz des Menschen gegen die Natur und der Regelung der Beziehungen der Menschen untereinander.“1

Die Kultur in Freuds Augen hat die Menschen krank gemacht. So wie die kulturelle Sexualmoral zu seiner Zeit vorherrschte, war eine Kritik - wie er sie liefert - notwendig. Die Moral zu überdenken wäre der nächste Schritt gewesen. Freud analysiert zunächst, was mit den Menschen passiert, die die Moral nicht einhalten können und warum dies so ist. Diese Hausarbeit soll sich mit mehreren Schwerpunkten beschäftigen. Es geht um die benutzten Unterscheidungen, um den Zugang zum Thema zu erleichtern, Freuds Kulturstufentheorie und die Kulturkritik.

II. Freuds Unterscheidungen

Freuds Kulturtheorie baut auf mehreren Unterscheidungen auf. Manche nennt Freud direkt im Text, andere Unterscheidungen benutzt er ohne sie zu nennen. Diese Unterscheidungen sind wichtig, da sich in Ihnen die Doppelnatur des Menschen widerspiegelt und so das Dilemma der Kulturstufen besser verstanden werden kann.

II.1. Unterscheidung zwischen natürlicher und kultureller Sexualmoral

Diese Unterscheidung führt Freud in seinem Text „Die >kulturelle< Sexualmoral und die moderne Nervosität“ am Anfang an. Er greift hier das Schema von Christian von Ehrenfels auf. Dieser unterscheidet zwischen einer kulturellen und einer natürlichen Sexualmoral. Die natürliche Sexualmoral ermöglicht ihren Anhängern ihre Triebansprüche komplett zu befriedigen. Diesen Personen steht also nichts im Weg, wenn sie ihre Triebe ausleben. Das Ausleben der Triebe hat zum Vorteil, dass die Lebenstüchtigkeit und die Gesundheit erhalten werden.

Die kulturelle Sexualmoral regelt das Ausleben der Triebe von Individuen. Das Einschränken der Triebe und die notwendige Sublimierung dieser, haben zur Folge, dass Kraft und Zeit frei werden. Diese Energien können nun für produktive Kulturarbeit eingesetzt werden.

II.2. Unterscheidung zwischen Konstitution und Kulturanforderungen einer Person

Die Konstitution eines Menschen bezeichnet Eigenschaften, die genetisch vermittelt oder früh in der Entwicklung erworben wurden. Diese Eigenschaften haben Einfluss auf das Leben eines Individuums, da sie Voraussetzungen für Fähigkeiten und Fertigkeiten darstellen. Konstitutionelle Eigenschaften sind der Körperbau, die Intelligenz, psychologische Merkmale und physiologische Prozesse im Körper.

Für Freud spielen die Konstitution und die Intensität des Sexualtriebes in seiner Kulturtheorie eine wichtige Rolle. Denn die Intensität des Sexualtriebes hat Einfluss auf den Umgang mit der kulturellen Sexualmoral. Bei einer hohen Intensität, fällt das Unterwerfen des Triebes unter die kulturelle Sexualmoral dem Individuum schwer. Hingegen bei einer schwachen Intensität ist das Unterwerfen des Triebes leichter.

An ein Individuum werden durch die Gesellschaft Kulturanforderungen gestellt. Diese Kulturanforderungen umfassen in vielen Gesellschaften die Regulierung von Verhalten. Drei Klassen von Verhalten werden in allen Gesellschaften reguliert. Diese umfassen das sexuelle Verhalten, die Aggressionen und psychoaktive Substanzen.

Für Freud war besonders die Regulierung des sexuellen Verhaltens wichtig. Da an diesem Punkt auf die Konstitution Einfluss genommen wird. An der Schnittstelle zwischen Kulturanforderung und Konstitution wird der Erfolg einer Sexualmoral entschieden. Schaffen es Individuen die Kulturanforderung in Einklang mit ihrer Konstitution zubringen, dann ist die Sexualmoral erfolgreich und die Individuen befähigt zur Kulturarbeit. Sollten die Individuen jedoch an der für sie zu hohen kulturellen Sexualmoral scheitern, so ist ihre Eignung für Kulturarbeit schlechter. Da sie nicht über genügend freie Energien für Kulturarbeit verfügen.

II.3. Unterscheidung zwischen Trieben und Vernunft

Die Triebe und die Vernunft sind innere Kräfte, die auf das Leben einer Person Einfluss haben. Die Triebe stellen dabei angeborene Bedürfnisse dar, die befriedigt werden wollen. Die Vernunft, als Ratio, hat Einfluss auf die Befriedigung der Triebe. Sie ist in der Lage die Triebe in Einklang mit der Kulturmoral zu bringen. Die Triebe können also in einem gewissen Maße ausgelebt werden, solange sie nicht gegen die vorherrschende Moral verstoßen.

Die Unterteilung der Triebe erfolgt nach ihrer Funktion. Für Freud existieren zwei Klassen von Trieben. Der Trieb der Lebenserhaltung und der Trieb der Zerstörung. Beide Triebe sind einander entgegengesetzt, können aber auch miteinander vermischt auftreten. Der Trieb der Lebenserhaltung, auch Eros genannt, stellt den Sexualtrieb, den Selbsterhaltungstrieb, das Liebesbedürfnis und auch den Lebenswillen dar. Der Eros umfasst alles was dem Lustgewinn dient. Seine Energie ist die Libido.

Der Trieb der Zerstörung wird auch Thanatos oder Destrudo genannt. Dieser Trieb stellt die Aggressionen, die Selbstzerstörung, den Hass und Todeswünsche dar.

Die Vernunft ermöglicht ein Zusammenleben durch Gewaltverzicht und auch durch eine Einschränkung der Triebe. Mit der Vernunft kann Einfluss auf die Triebe genommen werden. Das Wissen um die Doppelnatur des Menschen ist eine wichtige Grundlage. Diese Wissen dient Freud als weitere Unterscheidung um den Menschen in seinem Kulturstufenmodell zu charakterisieren.

II.4. Unterscheidung von Perversionen und Neurosen

Perversionen und Neurosen stellen für Freud Krankheiten dar, die durch ein schlechtes Verhältnis von natürlicher und kultureller Sexualmoral entstehen.

II.4.1. Das Verhältnis der Moral

Die kulturelle Sexualmoral stellt Kulturanforderungen an ein Individuum seinen Sexualtrieb zu beherrschen und einzuschränken, ihn also in kulturell akzeptierte Bahnen zu lenken. Der Sexualtrieb stellt den konstitutiven Besitz eines Individuums dar. Jedes menschliche Individuum besitzt einen Sexualtrieb, nur durch die Intensität des Sexualtriebes unterscheidet sich ein Mensch vom anderen.

Die Herausforderung an ein Individuum besteht nun in der Aufgabe die eigene Konstitution unter die Kulturanforderungen zu ordnen. Der Sexualtrieb soll beherrscht werden, um den Erfolg einer Moral mit dem Freisetzen der Kraft für Kulturarbeit gerecht zu werden. Eine Person muss deshalb ihren Sexualtrieb mit der Kulturmoral in Einklang bringen. Gelingt ihr das nicht, wird sie krank.

II.4.2. Perversionen und Neurosen

Perversionen und Neurosen stellen für Freud die Krankheiten dar, die aus einem Missverhältnis von Konstitution und Kulturanforderung entstehen. Die Neurosen können noch in toxische Neurosen und Psychoneurosen unterteilt werden.

[...]


1 Sigmund Freud, Studienausgabe Band IX; Fragen der Gesellschaft, Ursprünge der Religion; Seite 220

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Freuds Kulturtheorie
Untertitel
Die Kulturstufen und ihre Folgen
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Freuds Kulturtheorie
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V145503
ISBN (eBook)
9783640538232
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Freuds, Kulturtheorie, Kulturstufen, Folgen
Arbeit zitieren
Pierre Kurby (Autor), 2009, Freuds Kulturtheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145503

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