Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Hintergründe, Ziele und Beweggründe, welche zum Berlin-Ultimatum im Jahre 1958 geführt haben, aufzuzeigen und im Zusammenhang darzustellen. Der Fokus der Untersuchungen wird hierbei auf die politischen und teilweise auf die wirtschaftlichen Aspekte gerichtet. Aufgrund der Komplexität der diskutierten Thematik erhebt diese Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit derjenigen Ereignisse und Zusammenhänge, welche letztendlich die Auslösung des Ultimatums und dessen Folgen bedingten.
Die vorliegende Arbeit besteht aus zwei Teilen. Der erste, deskriptive Teil widmet sich zunächst der Entstehung der Situation in Berlin bis Anfang der fünfziger Jahre, danach wird der Inhalt des Berlin-Ultimatums vom 27. November 1958 betrachtet und die Reaktionen der Westmächte auf das Ultimatum werden dargelegt. Anschließend werden anhand einer Betrachtung der politischen und wirtschaflichen Entwicklungen der DDR der fünfziger Jahre, die Faktoren und Probleme aufgezeigt, welche das Ultimatum mitbedingten, dabei werden auch die Interessenlagen der DDR und der Sowjetunion skizziert. Im zweiten Teil wird das Berlin-Ultimatum hinsichtlich der Ziele und Beweggründe Chruschtschows untersucht. Dabei geht es zunächst darum zu klären, wer das Ultimatum zuerst anregte, die DDR oder die Sowjetunion. Danach werden anhand einer kritischen Betrachtung, die Ziele, die Chruschtschow mit seinem Ultimatum verband, diskutiert. Des Weiteren wird erklärt welche Gründe die Sowjetunion dafür hatte, das Berlin-Ultimatum im Herbst 1958 und zu keinem anderen Zeitpunkt auszulösen. Dazu ist es wichtig die zu Grunde liegenden Beweggründe und Motive aufzuzeigen und zu gewichten, insbesondere gilt es den Aspekt zu beleuchten in wie fern das Problem der Republikflucht für die Auslösung des Ultimatums schon eine Rolle spielte. In einer Schlussbetrachtung werden die Darlegungen zur Frage, nach den Hintergründen, Zielen und Motiven des die Berlinkrise auslösenden Ultimatums, zusammengefasst. Es zeigt sich, dass die gewählte Form, die des Ultimatums, dessen Misserfolg von Anfang an mitbestimmte.
Es folgt, eine ausführliche und kritische Einschätzung zum Forschungsstand der Thematik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entstehung der Situation in Berlin
2.1 formalrechtliche Entstehung
2.2 faktische und formelle Teilung
3. Das Berlin-Ultimatum vom 27. November 1958
4. Die Hintergründe der Berlinkrise – Aspekte der Entwicklung der DDR in den fünfziger Jahren
5. Entstehende Zielkonflikte zwischen der DDR und der Sowjetunion und die Interessenlagen beider Staaten
6. Chruschtschows ergreift die Initiative
7. Die Ziele des Berlin-Ultimatums
8. Warum die Berlinkrise im Herbst 1958 startete
9. Die Beweggründe Chruschtschows
10. Vom Misserfolg der Methode
11. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe, Ziele und Beweggründe des Berlin-Ultimatums von 1958. Dabei liegt der Fokus auf der politischen und wirtschaftlichen Perspektive der DDR sowie der Sowjetunion, um das Zusammenwirken der Akteure und die Dynamik der Krise im Kalten Krieg zu erhellen.
- Historische Entstehung des Berlin-Status
- Inhalt und Reaktionen auf das Berlin-Ultimatum
- Systemkrise der DDR in den 1950er Jahren
- Interessenkonflikte zwischen der Sowjetunion und der DDR
- Entscheidungsprozesse Chruschtschows zur Kriseneinleitung
Auszug aus dem Buch
3. Das Berlin-Ultimatum vom 27. November 1958
Um die Hintergründe des Mauerbaus vom August 1961 zu erklären, muss in das Jahr 1958 zurückgeblickt werden.
Im Herbst diesen Jahres beginnt die Vorgeschichte des Mauerbaus durch die Rede des sowjetischen Ministerpräsidenten und Parteichefs Nikita S. Chruschtschow im Moskauer Sportpalast am 10. November 1958. In dieser bereitete er sein Berlin-Ultimatum vor und forderte unter anderem die Beseitigung des Viermächtestatus für Berlin.
Es sei die Zeit gekommen, „dass die Mächte, die das Potsdamer Abkommen unterzeichneten, auf die Reste des Besatzungsregimes in Berlin verzichten.“ Er erklärte, dass die Berlinfrage nun einer selbstständigen Lösung bedürfe. Chruschtschow behauptete, von Westberlin ginge eine Kriegsgefahr aus, außerdem wurde das Potsdamer Abkommen durch die Westmächte gröblichst verletzt. Die Sowjetunion werde Verhandlungen mit der DDR zur Übergabe der sowjetischen Rechte und Funktionen, besonders im Berlin-Verkehr aufnehmen. In seinem Berlin-Ultimatum vom 27. November, welches die sowjetische Regierung in gleich lautenden Noten an die drei Westmächte (USA, Frankreich und Großbritannien) sowie an die Bundesregierung und an die Regierung der DDR schickte, teilte Chruschtschow den Westmächten mit, dass die Sowjetregierung den Viermächte-Status Berlins als nicht mehr in Kraft befindlich betrachte. Chruschtschow erklärte die Potsdamer Verträge (als angebliche Rechtsgrundlage der westlichen Präsenz in Westberlin) aufgrund der westlichen Politik, die sich gegen die UdSSR und die DDR richtet, für unwirksam.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Berlinkrise ein und definiert den Fokus auf die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe des Ultimatums von 1958 unter Berücksichtigung der DDR- und Sowjetperspektive.
2. Die Entstehung der Situation in Berlin: Dieses Kapitel erläutert die völkerrechtliche Basis des Berlin-Status sowie die faktische Teilung der Stadt in Sektoren nach dem Zweiten Weltkrieg.
3. Das Berlin-Ultimatum vom 27. November 1958: Hier wird der Inhalt des sowjetischen Ultimatums, die Forderung nach der Beseitigung des Viermächtestatus und die Reaktionen der Westmächte detailliert dargelegt.
4. Die Hintergründe der Berlinkrise – Aspekte der Entwicklung der DDR in den fünfziger Jahren: Analyse der internen wirtschaftlichen Probleme und der Systemkrise der DDR, die den Handlungsdruck auf die SED-Führung erhöhten.
5. Entstehende Zielkonflikte zwischen der DDR und der Sowjetunion und die Interessenlagen beider Staaten: Darstellung der unterschiedlichen Prioritäten und Strategien zwischen Ulbricht und Chruschtschow bei der Lösung der Berlinfrage.
6. Chruschtschows ergreift die Initiative: Untersuchung der Frage, ob die Initiative zum Ultimatum eher aus Moskau oder von der SED-Führung ausging.
7. Die Ziele des Berlin-Ultimatums: Analyse der beabsichtigten politischen Ziele Chruschtschows und der Frage, ob ihm die Tragweite seines Vorgehens bewusst war.
8. Warum die Berlinkrise im Herbst 1958 startete: Erläuterung der außen- und innenpolitischen Faktoren, die den spezifischen Zeitpunkt für das Ultimatum begünstigten.
9. Die Beweggründe Chruschtschows: Vertiefte Betrachtung der sowjetischen Motive, insbesondere der Furcht vor westdeutscher atomarer Aufrüstung.
10. Vom Misserfolg der Methode: Bewertung der gewählten Strategie des Ultimatums und warum diese ihr Ziel gegenüber den Westmächten nicht erreichte.
11. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Forschungsergebnisse über die Interdependenz zwischen sowjetischer Weltmachtpolitik und den existentiellen Nöten der DDR.
Schlüsselwörter
Berlin-Ultimatum, Kalter Krieg, Sowjetunion, DDR, Nikita Chruschtschow, Walter Ulbricht, Status quo, Systemkrise, Republikflucht, Westberlin, Besatzungsregime, Friedensvertrag, Potsdamer Abkommen, SED.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Hintergründe, Ziele und Motive des Berlin-Ultimatums von 1958, durch das die Sowjetunion versuchte, den Status quo in Berlin zu ihren Gunsten zu verschieben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die politischen und wirtschaftlichen Spannungen der 1950er Jahre in der DDR, das Verhältnis zur Sowjetunion sowie die machtpolitischen Kalküle während des Kalten Krieges.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Autorin untersucht, welche Beweggründe zum Ultimatum führten, wie die Interessen zwischen UdSSR und DDR gelagert waren und warum die gewählte Methode des Ultimatums letztlich scheiterte.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgeschichtlicher Literatur, Dokumente zur Berlinfrage und Archiverkenntnissen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die deskriptive Entstehung der Berlin-Situation, eine Analyse der DDR-Systemkrise, die Interessenkonflikte im Ostblock sowie die Untersuchung der konkreten Ziele und des Zeitpunkts des Ultimatums.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Berlinkrise, Systemkonkurrenz, Chruschtschow, Mauerbauvorbereitung, Souveränität und politische Legitimität definieren.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von Walter Ulbricht?
Ulbricht wird als ein Akteur dargestellt, der versucht hat, durch die Zuspitzung der Berlinfrage seine eigene Machtposition und die Stabilität der DDR zu sichern, wobei er jedoch stets von der sowjetischen Letztentscheidung abhängig blieb.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin über den Misserfolg der Methode?
Das Ultimatum scheiterte, da Chruschtschow die Entschlossenheit des Westens unterschätzte und die gewählte Methode der Drohungen die Spielräume für eine diplomatische Lösung verengte, anstatt sie zu erweitern.
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- Franziska Zschornak (Author), 2007, Das Berlin-Ultimatum vom 27. November 1958 - Hintergründe, Ziele, Motive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145522