Diese Hausarbeit untersucht die Sichtweise preußischer Offiziere auf den französischen Festungsbaumeister Sébastian le Prestre de Vauban durch die Analyse der Übersetzung seines Werks "De l'attaque et de la défense des places" durch Abraham von Humbert im Jahr 1751. Die Arbeit beleuchtet, ob Vauban für die Preußen als militärisches Vorbild galt oder abgewertet wurde. Dabei wird die Übersetzung Humberts hinsichtlich ihrer Relevanz für preußische Offiziere und König Friedrich II untersucht, um Rückschlüsse auf deren Sichtweise zu ziehen. Obwohl die Übersetzung Humberts bisher nicht Gegenstand eigener Forschungskontroversen war, bietet sie Einblicke in die Rezeption von Vaubans Strategien durch das preußische Militär. Die Analyse erfolgt durch äußere und innere Quellenkritik sowie Syntax, Semantik und Pragmatik. Die Ergebnisse werden interpretiert und in einem Fazit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung – Über den Festungsbaumeister Vauban
2. Hauptteil – Die Sicht preußischer Offiziere auf Vauban
2.1 Überlieferungslage und Quellenwert
2.2 Quelleninterpretation
2.2.1 Quellensyntax – Charakter eines Lehrbuches
2.2.2 Quellensemantik – Ingenieure, Schlachten und weitere Ergänzungen
2.2.3 Quellenpragmatik – Friedrich II. als „der Große“ im Kriegswesen
2.2.4 Analyse – Vauban als militärisches Genie für die Preußen?
3. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welche Sichtweise preußische Offiziere im 18. Jahrhundert auf den französischen Festungsbaumeister Vauban hatten. Anhand der Analyse der 1751 von Abraham von Humbert erstellten Übersetzung „Der Angriff und die Vertheidigung der Festungen“ wird erforscht, ob und inwiefern Vauban als militärisches Vorbild für Preußen dargestellt wurde oder ob er im Kontext der preußisch-französischen Rivalität eine Abwertung erfuhr.
- Rezeption Vaubans durch das preußische Militär
- Analyse der Quellenqualität und der Rolle Abraham von Humberts
- Bedeutung von Paratexten, Symbolik und Lehrbuchcharakter
- Politischer Kontext unter Friedrich II.
- Ambivalenz zwischen Bewunderung und Abwertung des französischen Militärstrategen
Auszug aus dem Buch
2.2.4 Analyse – Vauban als militärisches Genie für die Preußen?
Abschließend gilt es der Fragestellung nachzugehen, inwiefern Vauban durch Humbert als militärisches Vorbild für das preußische Militär in der Übersetzung dargestellt wird. Humbert erwähnt in seiner Übersetzung zwar explizit, dass es viel Ruhm und Lobeserhebungen über Vauban gab, die ihn dazu bewogen haben, eine Abschrift seines Werkes zu erlangen – dies hatte aber viel mehr den Hintergedanken, dass sich Humbert selbst ein Bild über Vaubans militärische Strategien machen wollte und nicht, Vauban in seiner Übersetzung zu preisen.
Dies äußert Humbert indirekt, indem er seine vorläufigen Überlegungen vor die eigentliche Übersetzung mit Vaubans Theorien setzt und dort erläutert, wie Belagerungen auszusehen haben. Des Weiteren erzeugt er durch das Aufführen einiger Werke, die sich ebenfalls mit Militärstrategien befassten, dass Vauban nicht allein zur militärischen Unterrichtung ausreiche. Dies und der Fakt, dass Humbert die Lobeserhebungen über Vaubans Kunst des Befestigens als überschätzt einstuft, zeugt davon, dass Humbert Vauban nicht als Genie der Militärkunst darstellt.
Diese Sichtweise wird durch das Werk, welches direkt an die preußischen Soldaten, aber auch an Friedrich II. adressiert ist, vermittelt. Auch wenn Abraham von Humbert Vauban insgeheim als Genie der Militärkunst betrachtet hätte, hätte er dies in seiner Übersetzung nicht zu Wort bringen können, da er seinem Herrscher Friedrich den Großen damit brüskiert hätte. Dies liegt daran, dass sich Friedrich II. anderer Techniken als den Belagerungstechniken nach Vaubans Manier bediente und diese eher verurteilte, obwohl er selbst weniger erfolgreich bei Belagerungen war, aber auch daran, dass Frankreich allgemein ein Kriegsfeind Preußen war, den Humbert vor seinem König nicht gutsprechen konnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung – Über den Festungsbaumeister Vauban: Einführung in die Bedeutung Vaubans als Ingenieur sowie Darstellung des historischen Kontextes der preußisch-französischen Rivalität und des preußischen Übersetzers Abraham von Humbert.
2. Hauptteil – Die Sicht preußischer Offiziere auf Vauban: Detaillierte Analyse der Quelle unter Einbeziehung der Überlieferungslage, der Syntax, Semantik und Pragmatik sowie der Frage nach der Darstellung Vaubans als Vorbild.
3. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der ambivalenten Darstellung Vaubans durch Humbert und Einordnung der Ergebnisse in den historischen Forschungskontext.
Schlüsselwörter
Vauban, Abraham von Humbert, Friedrich II., Preußen, Festungsbau, Militärstrategie, 18. Jahrhundert, Belagerungskunst, Quellenanalyse, Kriegsführung, Ingenieurwesen, Rezeption, Militärgeschichte, Festungen, Frankreich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rezeption des französischen Festungsbaumeisters Vauban durch preußische Offiziere des 18. Jahrhunderts anhand einer Übersetzung seines Hauptwerkes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Militärische Strategien der Festungserrichtung und Belagerung, die Rolle von Übersetzern als Vermittler von Militärwissen sowie die politische Instrumentalisierung von Fachliteratur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, inwiefern Vauban in der preußischen Übersetzung von Abraham von Humbert als Vorbild dargestellt wird oder ob eine kritische Distanz zum französischen „Erbfeind“ erkennbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die klassische Quellenkritik (äußere und innere Kritik) sowie eine linguistische Analyse der Syntax, Semantik und Pragmatik des vorliegenden Werkes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Aufbau, die Bedeutung der Paratexte und die Interpretation der Aussagen von Humbert bezüglich der militärischen Kompetenz von Vauban.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Vauban, Abraham von Humbert, preußisches Militär, Belagerungskunst und die politische Dimension im 18. Jahrhundert.
Welche Rolle spielt Friedrich II. bei der Bewertung von Vauban?
Als Adressat der Widmung fungiert Friedrich II. als Rahmengeber; Humbert muss Vauban so darstellen, dass er den König (der eigene, abweichende Strategien verfolgte) nicht brüskiert.
Was ist das Ergebnis der Analyse regarding Humberts Darstellung?
Humbert stellt Vauban ambivalent dar: Während er ihn als technisch bedeutsam würdigt, entwertet er ihn durch indirekte Seitenhiebe und das Herausstellen eigener militärischer Ergänzungen.
- Arbeit zitieren
- Hanna Finette (Autor:in), 2023, Die Sichtweise preußischer Offiziere auf Sébastian le Prestre de Vauban. Eine Analyse der Übersetzung seines Werks durch Abraham von Humbert im Jahr 1751, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1455348