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Professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit auf der Grundlage fallrekonstruktiver Studien mit "Chronisch Mehrfachbeeinträchtigt Abhängigkeitskranken" Menschen

Title: Professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit auf der Grundlage fallrekonstruktiver Studien mit "Chronisch Mehrfachbeeinträchtigt Abhängigkeitskranken" Menschen

Doctoral Thesis / Dissertation , 2009 , 338 Pages , Grade: 1

Autor:in: Andreas Lampert (Author)

Sociology - Medicine and Health
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Summary Excerpt Details

Suchterkrankungen gelten als gesellschaftliches Problem. Sie verursachen hohe volkswirtschaftliche Kosten und individuelles Leid. In dieser Arbeit wird davon ausgegangen, dass Menschen ihre soziale Wirklichkeit in Handlungsprozessen hervorbringen. Auf dieser Grundlage wird die Entwicklungsgeschichte der "Sucht" als gesellschaftliches Problem und Erkrankung von der Antike bis in die Gegenwart nachgezeichnet und in kulturelle Prozesse eingebettet.

Am Beispiel von zwei "Chronisch Mehrfachbeeinträchtigt Abhängigkeitskranken" wird die Entstehung und Festigung "süchtiger Muster" über drei Generationen hinweg rekonstruiert und im Kontext gesellschaftlicher Prozesse wie Krieg und Vertreibung dargestellt.

Moderne Gesellschaften übertragen die Behandlung ihrer sozialen Probleme an die Soziale Arbeit. Sie verbinden damit die Forderung nach effizienten Lösungsansätzen und die nachhaltige Verbesserung problematischer Lebenslagen.

Ist professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Rechtfertigungszwänge und bürokratischer Regeln möglich?

In dieser Arbeit wird ein Lösungsansatz für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit zwischen gesellschaftlichem Mandat und der direkten Zusammenarbeit mit den Klienten entwickelt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

VORWORT

GESELLSCHAFTLICHE RELEVANZ DES THEMAS

KONSTRUKTION DER SOZIALWISSENSCHAFTLICHEN FRAGESTELLUNGEN

REFLEXION DES ERKENNTNISTHEORETISCHEN HINTERGRUNDES

AUFBAU DER ARBEIT

2 DAS FALLREKONSTRUKTIVE FORSCHUNGSDESIGN

2.1 BEGRÜNDUNG DER FALLREKONSTRUKTIVEN METHODENWAHL

2.2 FALLREKONSTRUKTIVE FORSCHUNG IM STIL DER GROUNDED THEORY

2.2.1 Methodologischer Standpunkt

2.2.2 Der Theoriebildungsprozess im Stil der Grounded Theory

2.3 FALLREKONSTRUKTIVE FORSCHUNG IM STIL DER OBJEKTIVEN HERMENEUTIK

2.3.1 Lebenspraxis als autonome Einheit

2.3.2 Rekonstruktion generativer Regeln des Phänomens „CMA“

2.3.3 Das fallrekonstruktive Verfahren der Sequenzanalyse

2.3.4 Der fallrekonstruktive Forschungsprozess

3 REKONSTRUKTION DER SUCHT ALS GESELLSCHAFTLICHES PROBLEM

3.1 ALKOHOLKONSUM IM SPIEGEL DER GESELLSCHAFTLICHEN ENTWICKLUNG

3.1.1 Rekonstruktion des Alkoholkonsums in der Antike

3.1.2 Rekonstruktion der Konsummuster im Mittelalter

3.1.3 Rekonstruktion des Umgangs mit Alkohol in der Neuzeit

3.1.4 Rekonstruktion der Alkoholkonsummuster in der Moderne

3.2 REKONSTRUKTION DER GESELLSCHAFTLICHEN DEFINITION DES TRINKENS ALS SUCHTKRANKHEIT

3.2.1 Die Medikalisierung des sozialen Trinkproblems

3.2.2 Konstruktion der Suchtkrankheit in therapeutischen Modellen

3.2.2.1 Konstruktion der Suchtkrankheit im psychoanalytischen Modell

3.2.2.2 Konstruktion der Suchtkrankheit im transaktionsanalytischen Modell

3.2.2.3 Konstruktion der Suchtkrankheit im verhaltenstherapeutischen Modell

3.2.2.4 Konstruktion der Suchtkrankheit im sozial-kognitiven Rückfallmodell

3.2.2.5 Konstruktion der Suchtkrankheit im systemischen Modell

3.2.2.6 Konstruktion der Suchtkrankheit im biologischen Modell

3.2.2.7 Fazit

3.2.3 Rekonstruktion konstitutiver Bedingungen des Suchtbegriffs

3.2.4 Rekonstruktion der Sucht im Kontext soziologischer Theorien

3.3 RESÜMEE

4 REKONSTRUKTION DES KONZEPTES „CMA“

4.1 REKONSTRUKTION DER BEGRIFFSBILDUNG

4.1.1 Rekonstruktion definitorischer Ebenen des Phänomens „CMA“

4.1.1.1 Die Studie der Arbeitsgruppe „Chronisch Mehrfachbeeinträchtigt Abhängigkeitskrank“

4.1.1.2 Die Studie der Arbeitsgruppe „Chronisch Mehrfachgeschädigte Abhängigkeitskranke“

4.1.2 Diskussion der Ergebnisse der „CMA“ Studien

4.2 FACETTEN DER SOZIALEN KONSTRUKTION LANGWIERIGER ERKRANKUNGEN

4.2.1 Zur Problematik des Chronischen an der Sucht

4.2.2 Definitorische Ebenen der chronischen Suchtkrankheit

4.2.2.1 Individuenzentrierte und substanzbasierte Konstruktionen chronischer Suchtkrankheit

4.2.2.1.1 Konstruktion der chronischen Krankheit im Kontext medizinisch diagnostischer Kriterien

4.2.2.1.2 Konstruktion der chronischen Suchtkrankheit in psychodynamischen Modellen

4.2.2.1.3 Konstruktion der chronischen Suchtkrankheit in biologischen Modellen

4.2.2.2 Konstruktion der chronischen Suchtkrankheit in interaktionistischen Modellen

4.2.2.2.1 Konstruktion der chronischen Suchtkrankheit unter soziologisch erkenntnistheoretischen Prämissen

4.2.2.2.2 Konstruktion der chronischen Suchtkrankheit als Deutungsproblem

4.2.2.2.3 Konstruktion der chronischen Suchtkrankheit als Autonomieparadoxie

4.2.2.2.4 Konstruktion der chronischen Suchtkrankheit im Kontext sozialer Systeme

4.2.2.2.5 Die Konstruktion der chronischen Suchtkrankheit in Suchtkrankenerzählungen

4.2.2.2.6 Konstruktion der chronischen Suchtkrankheit im Therapieprozess

4.3 DATENERHEBUNG

4.3.1 Auswahl der Datenträger

4.3.2 Das narrative Interview

4.3.2.1 Die Konstruktion narrativer Identität

4.3.2.2 Der Aufbau narrativer Erzählungen

4.3.3 Die Fixierung flüchtiger sozialer Daten

5 FALLREKONSTRUKTIONEN

5.1 DER FALL „JENS KUSELKA“

5.1.1 Die Großeltern väterlicherseits

5.1.2 Die Großeltern mütterlicherseits

5.1.2.1 Die Konstruktion der Zugehörigkeitsparadoxie in Johannas Partnerschaft

5.1.2.2 Das Scheitern der Familienbildung bei prekärer Partnerschaft

5.1.2.3 Bewältigungsstrategien von Statusübergängen

5.1.2.4 Die Familienstruktur im Spannungsbogen zwischen Nähe und Distanz

5.1.2.5 Gabrielas Entwicklung unter den Bedingungen diffuser Familienstrukturen

5.1.2.6 Bewältigungsbestrebungen familialer Strukturschwächen

5.1.2.7 Konsequenzen der Entwicklungsbedingungen des desintegrierten Familienmilieus

5.1.2.8 Zusammenfassung

5.1.3 Gabrielas Entwicklung zwischen Wandel und Reproduktion

5.2 DIE FAMILIENSTRUKTUR VON ANTON UND GABRIELA KUSELKA

5.2.1 Ehejahre

5.2.2 Das zentrifugal rotierende Familienmilieu

5.2.3 Die Reproduktionen familialer Sinnzusammenhänge in intergenerationeller Perspektive

5.2.4 Das familiale Herkunftsmilieu Anita Thiels

5.3 DER ZUSAMMENHANG ZWISCHEN ALKOHOLISMUS UND FAMILIENSTRUKTUR

5.3.1 Narzissmus und die Bedingungen der Sozialstruktur

5.3.1.1 Rekonstruktion des Trinkens als Kompensationsleistung

5.3.1.2 Rekonstruktion der Bedeutung des Trinkens im Dialog

5.3.1.3 Rekonstruktion der Bedeutung des Trinkens im Dialog zwischen den Generationen

5.3.2 Zwischen partikularistischen und universalistischen Perspektiven

5.3.2.1 Die Bedeutung der Substanz im Dialog

5.3.2.2 Rekonstruktion der Trinksemantik Jens Kuselkas

5.3.2.3 Die substanzvermittelte Reduktion kontingenter Umweltinformationen

5.3.2.4 Rekonstruktion der geschlossenen Suchtkommunikation

5.3.2.5 Rekonstruktion der mehrfachen Beeinträchtigung im Kontext generativer Regeln

5.3.2.6 Rekonstruktion der Chronizität im temporalen Verlauf

5.3.2.7 Die Sucht im Kontext gesellschaftlicher und individueller Perspektiven

5.3.2.8 Ein Haustier als Familiensymbol

5.3.3 Zusammenfassung

5.4 DER FALL „RUDOLF STENGEL“

5.4.1 Die Verabredung mit Rudolf Stengel

5.4.1.1 Die Ordnung des Raumes

5.4.1.2 Rekonstruktion der Sitzordnung als Ausdruck der Selektivität im Kontext räumlicher Bedingungen

5.4.2 Analyse der Eingangssequenz

5.4.2.1 Rekonstruktion komplexer Koordinationsleistungen

5.4.2.2 Rekonstruktion des Sinngehalts eines Gemeinschaftsversprechens

5.4.3 Rekonstruktion generativer Regeln des Falles „Rudolf Stengel“

5.4.3.1 Die Rekonstruktion narrativer Identität

5.4.3.2 Die Großeltern väterlicherseits

5.4.3.3 Die Großeltern mütterlicherseits

5.4.3.4 Das Genogramm der Familie Stengel

5.4.3.5 Rekonstruktion der Familienstruktur Rudolf Stengels

5.4.3.6 Die Berufswahl als Indikator für den gesellschaftlichen Status

5.4.4 Prozesse der Identitätskonstruktion im zentrifugalen Familienmilieu

5.4.4.1 Rekonstruktion von Identitätsbildungsprozessen

5.4.4.2 Strukturelle Bedingungen der sozialisatorischen Interaktion

5.4.4.3 Die Ideologie als Klammer familialer Zugehörigkeit

5.4.4.4 Die Ideologie im Zentrum familiärer Zugehörigkeit

5.4.4.5 Prozesse der Identitätskonstruktion in intergenerationeller Perspektive

5.4.5 Rekonstruktion des Alkoholmissbrauchs als Ideologie

5.4.6 Rekonstruktion von „CMA“ als perspektivenabhängige Leistung

5.4.6.1 Rekonstruktion der chronisch mehrfachbeeinträchtigten Abhängigkeitskrankheit in intergenerationeller Perspektive

5.4.6.2 Rekonstruktion des chronischen Trinkens als Prozess rekursiver Beschreibungen

5.4.6.3 Rekonstruktion des Alkoholismus in universalistischen und partikularistischen Perspektiven

5.5 REKONSTRUKTION DER FAMILIENSTRUKTUR ADELHEID SIEGLS

5.6 DIE STRUKTUR DER PAARBEZIEHUNG ZWISCHEN ADELHEID UND RUDOLF

5.6.1 Rekonstruktion des Übergangs zur Paarbeziehung

5.6.1.1 Die Konstitution der Paarbeziehung als thematische Einheit

5.6.1.2 Die Verstetigung der Paarbeziehung im Suchtdiskurs

5.7 ZUSAMMENFASSUNG DER ANALYSE DES FALLES „RUDOLF STENGEL“

6 FALLÜBERGREIFENDE DISKUSSION DER „CMA“ REKONSTRUKTIONEN

7 PROFESSIONELLES HANDELN IN DER SOZIALEN ARBEIT

7.1 REKONSTRUKTION DER ENTSTEHUNGSGESCHICHTE SOZIALER ARBEIT

7.1.1 Der gesellschaftliche Modernisierungsprozess

7.1.2 Die Konstruktion von Identität in der Moderne

7.1.3 Die Wissensabhängigkeit der gesellschaftlichen Risikoproduktion

7.1.4 Die Risikoproduktion im Kontext der Zeit

7.1.5 Soziale Arbeit als institutionalisierte Form der gesellschaftlichen Bearbeitung sozialer Modernisierungsrisiken

7.1.5.1 Rekonstruktion der Verberuflichung sozialer Arbeit

7.1.5.2 Zur Struktur sozialen Berufshandelns

7.1.5.3 Strukturelle Dilemmata professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit

7.1.5.3.1 Die wissenschaftliche Basis des sozialpädagogischen Handelns

7.1.5.3.2 Die Ziele des sozialpädagogischen Handelns

7.1.5.3.3 Paradoxien der Dokumentation sozialpädagogischen Handelns

7.1.6 Zusammenfassung

7.2 DAS KONZEPT DES „FALLVERSTEHENS IN DER BEGEGNUNG“

7.2.1.1 Die Ebene der Begegnung in professionellen Handlungspraxen

7.2.1.2 Die Ebene des Wissens in professionellen Handlungspraxen

7.2.1.3 Der berufliche Habitus professionell Handelnder

7.2.1.4 Das Handlungskontinuum in professionellen Handlungspraxen

7.2.1.5 Die doppelte Zeitperspektive professioneller Handlungspraxen

7.3 REKONSTRUKTION PROFESSIONELLEN HANDELNS IN DER SOZIALEN ARBEIT

7.3.1 Soziale Arbeit als Übergangshilfe

7.3.1.1 Die Initiierung des Ablösungsprozesses Jens Kuselkas

7.3.1.2 Soziale Arbeit im Kontext legitimationsbedürftiger Interaktionen

7.3.1.3 Die Herstellung fallspezifischer Anschlussmöglichkeiten

7.3.1.4 Die Herstellung der Bedingungen des Übergangs in der Interaktion

7.3.1.5 Die Statussicherung Jens Kuselkas durch sozialarbeiterisches Handeln

7.3.1.6 Rekonstruktion der ökologischen Perspektive Sozialer Arbeit

7.3.1.7 Soziale Arbeit unter universalistischen und partikularistischen Perspektiven

7.3.1.8 Rekonstruktion sozialarbeiterischen Handelns im Paradox von Hilfe und Kontrolle

7.3.1.9 Die Suchtkommunikation im Fokus der Entwicklung von Handlungsautonomie

7.3.1.10 Die präventive Bearbeitung des Suchtrisikos im Kontext diffusen und rollenförmigen Handelns

7.3.1.11 Intervenierende Bedingungen für sozialarbeiterisches Handeln

7.3.1.12 Die Herstellung des Rahmens für Veränderungsprozesse im sozialarbeiterischen Handlungsprozess

7.3.1.13 Deprofessionalisierungstendenzen durch die Rigidisierung der Suchtbehandlungsstruktur in der Sozialen Arbeit

7.3.1.14 Das Arbeitsbündnis im Kontext des biografischen Deutungsraums

8 ZUSAMMENFASSUNG

8.1 PROFESSIONALISIERUNGSPROBLEME SOZIALER ARBEIT

9 PLÄDOYER FÜR EINE FALLREKONSTRUKTIVE SOZIALARBEIT

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das professionelle Handeln der Sozialen Arbeit im Umgang mit "Chronisch Mehrfachbeeinträchtigten Abhängigkeitskranken" (CMA). Das zentrale Ziel ist es, durch fallrekonstruktive Studien zu verstehen, wie betroffene Klienten ihr Leben im Kontext gesellschaftlicher Möglichkeiten konstruieren und welche Rolle das professionelle Handeln in diesem Prozess spielt, um eine angemessene, einzelfallorientierte Sozialarbeit zu ermöglichen.

  • Fallrekonstruktive Methodik und deren Anwendung auf die Lebensgeschichten suchtkranker Menschen.
  • Die gesellschaftliche Konstruktion von Sucht und die damit verbundenen Stigmatisierungsprozesse.
  • Strukturelle Dilemmata professionellen Handelns im Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle.
  • Die Rolle der Biografie und generationeller Muster bei der Entstehung und Bewältigung von Sucht.
  • Entwicklung fallangemessener Handlungsansätze für die Soziale Arbeit.

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Die Medikalisierung des sozialen Trinkproblems

Im Kapitel 3.1 wurde deutlich, dass Trunkenheit nicht abgelöst vom kulturellen Rahmen betrachtet und diskutiert werden kann. Die Art der gebrauchten psychoaktiven Substanzen und die spezifischen Konsummuster sind ohne die sie umgebende Kultur nicht vorstellbar. Wann immer von Sucht gesprochen wird, ist der kulturelle Hintergrund des Phänomens implizit mitbenannt. Das heißt, Menschen lernen die Bedeutungen ihres Verhaltens im Kontext ihrer jeweiligen Kultur.

Wie kam es dazu, dass sich Trunkenheit schließlich zur Abhängigkeit wandelte und dieser ein Krankheitswert zugeschrieben wurde?

Zunächst vertraten Ärzte die Einstellung, dass Wein bei vielen Erkrankungen von prophylaktischem und therapeutischem Nutzen sein kann, im Übermaß jedoch schadet. Ein frühes Zeugnis von Sucht als Krankheitskonzept ist von dem 1630 am päpstlichen Hof wirkenden Arzt Paolo Zacchia überliefert. Er vertrat die These, beständig hochgradig betrunkene Menschen seien unzurechnungsfähig, also psychisch krank. Folglich kam ihnen auch keine Schuld an ihrem Tun zu. Trunkenheit wurde zunächst den Seelenstörungen zugeordnet und entstand nicht durch die Getränke selbst, sondern durch ein Ungleichgewicht der Körpersäfte, insbesondere einem Übermaß an schwarzer Galle. Einige Jahre später stellte der holländische Arzt Bontekoe die Gegenthese auf, dass in den Getränken enthaltenes Öl Blut und Säfte faul und schleimig mache. Der Rausch wird zur mutwillig zugezogenen Krankheit des Gehirns. Beide gegensätzlichen Modelle des häufigen Alkoholmissbrauchs spielen in der späteren Diskussion des Körper- oder Drogenansatzes eine wesentliche Rolle. Erst das Jahrhundert der Aufklärung schuf die Voraussetzung, sozial auffälliges Verhalten zu medikalisieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Führt in das Thema ein, skizziert die Problematik von "CMA"-Klienten und die gesellschaftliche Relevanz der Suchtproblematik.

2 DAS FALLREKONSTRUKTIVE FORSCHUNGSDESIGN: Legt die methodischen Grundlagen der Arbeit dar, insbesondere die Grounded Theory und die Objektive Hermeneutik.

3 REKONSTRUKTION DER SUCHT ALS GESELLSCHAFTLICHES PROBLEM: Analysiert die historische und gesellschaftliche Entwicklung des Suchtbegriffs und der Definition von Trunkenheit als Krankheit.

4 REKONSTRUKTION DES KONZEPTES „CMA“: Untersucht die Definition und begriffliche Konstruktion des Phänomens "CMA" in der Fachliteratur und empirischen Studien.

5 FALLREKONSTRUKTIONEN: Präsentiert und analysiert ausführlich die Lebensgeschichten und Fallstrukturen von zwei Klienten, Jens Kuselka und Rudolf Stengel.

6 FALLÜBERGREIFENDE DISKUSSION DER „CMA“ REKONSTRUKTIONEN: Synthetisiert die Erkenntnisse aus den Fallanalysen zu generativen Regeln und Mustern.

7 PROFESSIONELLES HANDELN IN DER SOZIALEN ARBEIT: Diskutiert die Bedingungen und Dilemmata professioneller Sozialarbeit und entwickelt Ansätze für ein fallverstehendes Handeln.

8 ZUSAMMENFASSUNG: Fasst die Ergebnisse der Arbeit und die daraus resultierenden Professionalisierungsprobleme zusammen.

9 PLÄDOYER FÜR EINE FALLREKONSTRUKTIVE SOZIALARBEIT: Formuliert abschließend eine Forderung nach einer fallorientierten und strukturtheoretisch fundierten Sozialarbeit.

Schlüsselwörter

Soziale Arbeit, Sucht, CMA, Chronisch Mehrfachbeeinträchtigte Abhängigkeitskranke, Fallrekonstruktion, Grounded Theory, Objektive Hermeneutik, Professionalität, Hilfe und Kontrolle, Biographie, Suchtbiografie, Lebenspraxis, Handlungsautonomie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Dissertation untersucht die Soziale Arbeit mit "Chronisch Mehrfachbeeinträchtigten Abhängigkeitskranken" (CMA) und analysiert, wie deren Identität und Lebenssituation im Kontext gesellschaftlicher Anforderungen konstruiert werden.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die historische und soziologische Konstruktion von Sucht, das methodische Vorgehen der Fallrekonstruktion (Grounded Theory und Objektive Hermeneutik) sowie die professionelle Gestaltung von Hilfsprozessen in der Sozialen Arbeit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die "CMA"-Problematik fallrekonstruktiv zu verstehen und daraus Möglichkeiten für professionelles Handeln abzuleiten, die den individuellen Lebensgeschichten gerecht werden und die Strukturprobleme der Sozialen Arbeit berücksichtigen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt einen fallrekonstruktiven Forschungsansatz, der Elemente der Grounded Theory und der Objektiven Hermeneutik verbindet, um sowohl individuelle als auch strukturelle Ebenen des Fallgeschehens zu analysieren.

Was steht im Hauptteil der Untersuchung?

Im Hauptteil werden die theoretischen Konzepte zur Entstehung des Suchtbegriffs sowie zwei ausführliche Fallstudien (Jens Kuselka und Rudolf Stengel) detailliert rekonstruiert und diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?

Soziale Arbeit, Sucht, Fallrekonstruktion, Biographie, Professionelles Handeln und CMA sind die prägenden Begriffe der Arbeit.

Welche Bedeutung hat das "Konzept des Fallverstehens in der Begegnung"?

Es ist ein zentraler handlungstheoretischer Entwurf, der Professionellen hilft, die widersprüchliche Einheit von diffusen und rollenförmigen Anteilen in der Beratung zu bewältigen, ohne dabei in einseitige Strukturen (wie nur Hilfe oder nur Kontrolle) zu verfallen.

Wie unterscheidet sich die Situation von Jens Kuselka von der von Rudolf Stengel?

Jens Kuselka wuchs in instabilen Verhältnissen mit Heimaufenthalten auf, während Rudolf Stengel in einer vollständigen Familie aufwuchs, aber ebenfalls durch ideologische Anforderungen und den Absturz in die Sucht mit Exklusion konfrontiert war.

Was fordert der Autor in seinem Plädoyer?

Der Autor fordert eine fallrekonstruktive Sozialarbeit, die über starre, standardisierte Programme hinausgeht und die professionelle Arbeit als einen vernetzten, interaktiven Prozess begreift, der die Komplexität jedes Einzelfalls in den Mittelpunkt stellt.

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Details

Title
Professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit auf der Grundlage fallrekonstruktiver Studien mit "Chronisch Mehrfachbeeinträchtigt Abhängigkeitskranken" Menschen
College
http://www.uni-jena.de/  (Soziologie)
Grade
1
Author
Andreas Lampert (Author)
Publication Year
2009
Pages
338
Catalog Number
V145539
ISBN (eBook)
9783640549535
ISBN (Book)
9783640552986
Language
German
Tags
Soziale Arbeit professionalles Handeln Fallrekonstruktion Objektive Hermeneutik Biografie Generation systemisch Identität Sucht Autonomie Suchterkrankung gesellschaftliches Problem chronisch mehrfachbeeinträchtigt abhängig Genogramm Familie Stanmmbaum Analyse Soziologie Kultur Gesellschaft soziales Problem Interaktion Handeln
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Lampert (Author), 2009, Professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit auf der Grundlage fallrekonstruktiver Studien mit "Chronisch Mehrfachbeeinträchtigt Abhängigkeitskranken" Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145539
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