Ölpreiskrise 1973/74 - Auswirkungen auf den deutschsprachigen Raum


Bachelorarbeit, 2009
38 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

VORWORT

1. EINLEITUNG

2. ÖL - DAS SCHWARZE GOLD

3. DIE RESSOURCE WIRD ZUM MACHTFAKTOR
3.1. DAS KONZESSIONSSYSTEM UND DIE „ SIEBEN SCHWESTERN “
3.2. DAS „ 50:50 - A BKOMMEN “
3.3. DIE OPEC
3.4. DER DRITTE ARABISCH - ISRAELISCHE KRIEG 1967

4. ENTSTEHUNG UND HINTERGRÜNDE ZUR ÖLKRISE 1973/74
4.1. DIE VORARBEIT
4.2. DAS MOTIV
4.2.1. Declaratory Statement der OPEC-Mitgliedsstaaten 1968
4.2.2. Mu’ammar al-Gaddhafis Machtübernahme in Lybien 1969
4.2.3. Abkommen von Teheran und Tripolis 1971
4.3. DIE VERWENDUNG VON ERDÖLALS WAFFE

5. DIE AUSWIRKUNGEN AUF DEN DEUTSCHSPRACHIGEN RAUM
5.1. DIE WIRTSCHAFTLICHEN A USWIRKUNGEN
5.1.1. Anstieg der Inflation
5.1.2. Rückwärtsbewegung von Produktion und Beschäftigung
5.1.3. Ungleichgewichte in der Handels- und Leistungsbilanz
5.2. DIE GESELLSCHAFTSPOLITISCHEN A USWIRKUNGEN
5.2.1. Das Sonntagsfahrverbot
5.2.2. Die Sommerzeit
5.2.3. Der Begriff „Energieferien“
5.2.4. Effiziente Fortbewegung mittels energiesparender Autos

6. ZUSAMMENFASSUNG

7. LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Tabelle 1: Inflationsraten

Tabelle 2: Entwicklung der Außenhandelspreise

Tabelle 3: Arbeitslosenraten in Prozent

Tabelle 4: Entwicklung der Belastung der öster. Zahlungsbilanz

Tabelle 5: Salden der Handelsbilanz (in Mrd. US-Dollar)

Tabelle 6: Salden der Leistungsbilanz (in Mrd. US-Dollar)

Abbildung 1: Angriffsrichtung Israels

Abbildung 2: Ölpreis seit 1970

Abbildung 3: Autofreier Sonntag 1973

Abbildung 4: Aufkleber

Abbildung 5: Entwicklung der autofreien Sonntage

Abbildung 6: Sommerzeit (DST)

Abbildung 7: Nächtigungen im Tourismus

Abbildung 8: VW Golf I (1974)

Vorwort

Da mich die Wirtschaftsgeschichte von Kindesbeinen an interessiert, war es für mich naheliegend, eine Arbeit auf diesem Gebiet zu verfassen. Mein Hauptinteresse gilt hierbei dem 20. Jahrhundert, in erster Linie den beiden Weltkriegen und den unzähligen Krisen, die sowohl lokale als auch globale Auswirkungen hatten. Vor allem die Weltwirtschaftskrise 1929, die Fünfziger und Sechziger Jahre sowie die beiden Erdölkrisen in den 70er Jahren reflektieren hier meine Begeisterung für die Wirtschaftsgeschichte.

Da in der Vergangenheit bedeutende Wirtschaftsereignisse aufgetreten sind, bestand die an- fängliche Schwierigkeit in der Auswahl eines passenden Themas. Unzählige wirtschaftliche Ereignisse des letzten Jahrhunderts wären einer Darstellung und Analyse gerecht geworden.

Schlussendlich fiel meine Auswahl auf die Ölpreiskrise 1973/74, da diese in einem indirekten Zusammenhang mit dem Anstieg des Rohölpreises des Jahres 2007/08 stand.

An dieser Stelle möchte ich mich auch bei Frau Mag. Hohenwarter bedanken, die mich durch diese Lehrveranstaltung geführt hat und mir beim Schreiben dieser Arbeit hilfreich zur Seite stand.

1. Einleitung

Der Titel meiner Arbeit lautet „Ölpreiskrise 1973/74 - Auswirkungen auf den deutschsprachigen Raum“ und ich möchte damit folgende Fragestellung konkret behandeln: Welche wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Auswirkungen hatte die Ölpreiskrise 1973/74 auf den deutschsprachigen Raum?

Um zu verstehen, wie es überhaupt zu einem Ölpreisschock kommen konnte, wird zu Beginn meiner Arbeit auf die Entwicklung des Erdöls und der damit verbundene Weg zu einem politischen Machtfaktor behandelt. An erster Stelle werden das Konzessionssystem, das „50:50 - Abkommen“ und die Entstehung der OPEC erläutert. Im nächsten Schritt werden der dritte arabisch-israelische Krieg und die damit verbundene Gründung der OAPEC angespro- chen.

Kapitel 3 meiner Arbeit befasst sich ausschließlich mit der Entstehung und den Hintergründen zur Ölpreiskrise 1973/74. Hier soll in erster Linie verdeutlicht werden, dass durch das Öl- embargo der Ölförderländer des Nahen Ostens ein enormer Preisanstieg des Erdöls für alle Rohölsorten folgte. Vor allem für die westliche Welt bedeutete dies zusätzliche Kosten in Milliardenhöhe.

Auch die wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Auswirkungen auf den deutsch- sprachigen Raum sollen in dieser Arbeit ausführlichst behandelt werden. Auf der wirtschaftli- chen Seite sind vor allem der Inflationsanstieg, der Produktions- und Beschäftigungsrück- gang und die Ungleichgewichte in der Handels- und Leistungsbilanz von entscheidender Tragweite und werden demgemäß auch eingehend behandelt. Anschließend werden die ge- sellschaftspolitischen Auswirkungen, in erster Linie das Sonntagsfahrverbot, die Sommerzeit und die Energieferien, angesprochen. Auch die erstmalige Entwicklung energiesparender Au- tos und die damit verbundene steigende Attraktivität des Dieselmotors wird in der Arbeit her- vorgehoben.

2. Öl - das schwarze Gold

Geschichtlich wird die Entdeckung des schwarzen Goldes auf die Zeit der Antike zurück geführt. Bereits damals wurde die schwarze Flüssigkeit für verschiedene Zwecke verwendet.1 In den Aufzeichnungen von Plutarch findet sich, dass „das Gebiet von Babylon voll von Untergrundfeuer“ sei2 und Plinus der Ältere erwähnte in seinen Aufzeichnungen einen Ölsee bei Samosata sowie brennende Flüsse und Fontänen.3

Im Jahre 1806, nachdem die russische Armee die Stadt Baku am Kaspischen Meer eroberte, fand man eine fettähnliche, schwarze Masse die aus dem Boden heraus quellte. Der Zar entsandte daraufhin eine Kommission zur Untersuchung der Masse, die zu dem Ergebnis kam, dass es sich um eine nutzlose Absonderung der Erde handelt.4

Erst 50 Jahre nach der Entdeckung des schwarzen Goldes in Baku nahm das Erdöl seinen wirtschaftlichen und politischen Platz in der Geschichte ein. Edwin L. Drake stieß am 27. August 1859 in Titusville in Pennsylvania auf unzählige ergiebige Ölquellen und löste damit den ersten Aufschwung der Ressource aus.

Im 20. Jahrhundert wurde die Geschichte für das schwarze Gold für den Nahen und Mittleren Osten geschrieben. Es war William Knox d’Arc, ein britischer Unternehmer, der 1901 in Per- sien eine langfristige Konzession - von sechzig Jahren - zur Suche nach Naturgas und Petro- leum erhielt. In erster Linie hatte er die Aufgabe, Erdöl zu fördern und wirtschaftlich nutzbar zu machen.5

In den Nachfolgejahren wurde das schwarze Gold hauptsächlich für den privaten Haushalt genutzt. Beleuchtungs-, Koch- und Raumheizzwecke standen dabei an erster Stelle. Im Jahre 1911 übersteig in den USA erstmals der Erdölverbrauch für den Automobilverkehr den Haus- haltsverbrauch.6

3. Die Ressource wird zum Machtfaktor

Bei genauer Betrachtung des 20. Jahrhunderts zeigen sich bedeutende Einschnitte, die für die Vervierfachung der Erdölpreise 1973/74 und der damit verbundenen globalen Hysterie ver- antwortlich waren. Vor allem das vorherrschende Konzessionssystem, das „50:50 - Abkommen“ und die Gründung der OPEC dürfen als entscheidende Wegbereiter genannt werden. Auch der dritte arabisch-israelische Krieg hat einen wesentlichen Beitrag dazu ge- leistet.

3.1. DAS KONZESSIONSSYSTEM UND DIE „SIEBEN SCHWESTERN“

Die Wurzeln des Konzessionssystems beruhen auf der Tatsache, dass die Länder im Nahen Osten weder über die technischen Kenntnisse, noch über die Mittel verfügten um etwaige Erdölvorkommnisse ausfindig zu machen und zu fördern. Dadurch war es den Ölge- sellschaften möglich, das alleinige Recht über die Erschließung, Produktion und den Verkauf des Erdöls zu beanspruchen und über den Bau von neuen Pipelines, Ankerplätzen und Raffi- nerien zu entscheiden. Die Gegenleistung der Erdölgesellschaften an die Ölförderländer für die Bewilligung der Konzessionen erfolgte vorwiegend als eine einmalige Zahlung zuzüglich einer jährlichen Gebühr, so genannten „Royalities“, an das jeweilige Ölförderland im Nahen Osten. Diese jährliche Gebühr entsprach einem fix festgelegten Anteil und war unabhängig von den Gewinnen der Erdölgesellschaften.7

In den späten 1940ern waren nahezu alle Konzessionen im Nahen Osten und ebenso auch in Venezuela und Indonesien im Besitz von sieben internationalen Ölgesellschaften. Zu diesen zählten die fünf US-Gesellschaften Standard Oil, Texaco, Mobil, Gulf, Standard Oil of Cali fornia sowie die Royal/Dutch Shell und die British Petroleum Company. In der Ölsprache auch kurz die „sieben Schwestern“ oder „Mayors“ genannt.8

Vorrangig durch die Konzessionen aber auch durch interne Absprachen haben sich die Ölge- sellschaften die Macht eines Nachfragekartells gegenüber den erdölfördernden Ländern im Nahen Osten angeeignet, sowie die Funktion eines Angebotskartells gegenüber der Weltnach- frage eingenommen.9

3.2. DAS „50:50 - ABKOMMEN“

Nach dem Zweiten Weltkrieg strebten, angelockt von hohen Gewinnen, immer mehr neue Ölgesellschaften auf den Markt.10 Ebenso wurde der Ruf der erdölfördernden Länder nach einer stärkeren Partizipation an den Einnahmen der Konzerne immer lauter. Dadurch konnte das bestehende „As Is - Abkommen“11 von Achnacarry von den Ölgesellschaften nicht länger eingehalten werden.12

1950 wurde es schließlich durch das „50:50 - Abkommen“ modifiziert. Bereits 1947 hatte Venezuela dieses Abkommen mit den Mayors ausgehandelt. Der Schwerpunkt des Abkommens lag dabei auf einer zusätzlichen Ertragsbeteiligung der Förderländer in Höhe von 50 Prozent des Rechnungspreises, dem sogenannten „Posted Preis“13, abzüglich der Kosten für die Förderung des Erdöls.14 Nacheinander akzeptierten die Ölgesellschaften das Abkommen, da sie wussten, dass sie ihre erhöhten Gewinnabgaben an die Förderländer im Nahen Osten wieder von ihren heimischen Steuerzahlungen abziehen konnten.15

Bereits Ende des Jahres 1950 hatten sowohl der Irak, als auch Kuwait und Saudi-Arabien das „50:50 - Abkommen“ übernommen.16 Da die USA in den Folgejahren aber immer mehr zum Nettoimporteur des Erdöls aus dem Nahen Osten wurde, beschloss die US-Administration im Vgl. Habibi Ardeschir, Vertikale Integration als Industrialisierungsstrategie für die OPEC-Staaten, in: Gieler Wolfgang, Internationale Wirtschaftsorganisationen: Entstehung-Strukturen-Perspektiven. LIT Verlag Berlin - Hamburg - Münster 2005, S. 221.

Jahre 1959 Importbeschränkungen einzuführen.17 Diese Beschränkungen führten dazu, dass die Ölgesellschaften, unter Preiszugeständnissen, ihr Erdöl über Europa umleiten mussten. Um die dadurch entstandenen Verluste wieder auszugleichen, bediente man sich sukzessiver Senkungen des „Posted Preises“ auf Kosten der Ölförderländer.18

3.3. DIE OPEC

Sowohl im Sommer 1959 als auch Mitte der 1960er Jahre senkten die Ölgesellschaften den „Posted Preis“ in erheblichem Maße, was von den Förderländern als extrem schwerwiegend und empörend empfunden wurde, da die Senkung des „Posted Preises“ von einem Tag auf den anderen und ohne jedwede Ankündigung erfolgte. Dadurch entstand in den Förderländern der Gedanke, dass mit den vorherrschenden Konzessionsverträgen etwas nicht stimmen konnte, und auf dem Nährboden einer solchen Denkweise und derartigen Handlungen entwi- ckelte sich das „Konzept“ einer Organisation die sich mit den Konzessionsverträgen ausei- nandersetzte.

Sowohl der damalige Ölminister Tariki von Saudi-Arabien als auch der Ölminister Alfonso von Venezuela standen für das Konzept ein. Auch der Schah von Persien konnte für das Kon- zept gewonnen werden, da er sich persönlich von den Ölgesellschaften durch die Senkung des „Posted Preis“ beleidigt fühlte. Ebenso schloss sich der Irak dem Konzept an, da dieser seit geraumer Zeit durch den ständigen Streit mit den Konzernen bzgl. eines höheren Produktions- anteils verärgert war.

So waren es am 14. September 1960, mit Kuwait, fünf Staaten, welche in Bagdad die Organization of Petroleum Exporting Countries (OPEC) gründeten. Katar trat bereits ein Jahr später, Libyen und Indonesien 1962, Abu Dhabi 1967, Algerien 1969 und Nigeria 1971 bei. Später wurden dann auch Gabun und Ecuador Vollmitglieder.

Das entscheidende Beschlussorgan der OPEC ist die „Konferenz“, bei der es keinen festen Präsidenten gibt und welche zweimal pro Jahr auf Ministerebene zusammentritt. Der Vor- steher wird dabei immer für eine einzige Zusammenkunft gewählt und behält diese Position bis zur nächsten Sitzung inne. Alle Entscheidungen müssen auf der Basis von Einstimmigkeit getroffen werden und innerhalb von 30 Tagen nach Abhaltung der Konferenz formell von den Mitgliedsländern bestätigt werden.

In erster Linie sollten durch die Gründung der OPEC die „Posted Preise“, wie sie vor den bei- den Senkungen bestanden haben, wiederhergestellt werden. Vor allem in den Jahren von 1964 bis 1966 gelang es den Mitgliedsstaaten in langwierigen Verhandlungen mit den Ölgesell- schaften, kleine Zugeständnisse in der Berechnung der „Royalities“ zu erreichen. Erst 1970 schafften es die Mitglieder der OPEC, den Stand der „Posted Preise“ von 1957/58 wieder her- zustellen.19

Zusätzlich zur Senkung der „Posted Preise“ verlangten die Mitglieder eine stabile Preispolitik und verpflichteten sich zur Abfassung eines Preisstabilisierungssystems durch Produktionskontrollen unter der Wahrung der Interessen der Produktions- als auch der Verbrauchsländer. Bereits 10 Jahre nach der Gründung der Organisation setzte ein revolutionärer Umschwung ein. Die Forderungen neigten dazu, den Ölgesellschaften die Macht über die Preis- und Produktionspolitik zu entreißen und sie zu ihren Sachwaltern zu machen.20

3.4. DER DRITTE ARABISCH-ISRAELISCHE KRIEG 1967

Schon im Mai 1967 war die Situation im Nahen Osten angespannt. Nassar gelang es, die stationierten UN-Friedenstruppen am Golf von Akaba zum Rückzug zu bewegen. Allerdings wurde der Golf von Akaba am 22. Mai von Ägypten abgeriegelt, was von Israel als Angriffshandlung verstanden wurde. Durch diese Abriegelung war es den israelischen Schiffen nicht mehr möglich, den Hafen Eilat anzus- teuern. Ebenso bedeutend war der ägyptische Auf- marsch von 1.000 Panzern und nahezu 100.000 Solda- ten an der Grenze Israels. Daraufhin besetzte Israel in nur sechs Tagen den Gaza-Streifen, Westjordanien samt Jerusalem, die Sinai-Halbinsel und die Golan- Höhen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Angriffsrichtung Israels

Quelle: http://www.mdr.de/mdr-figaro/journal/172843-hintergrund-5489054.html, Zugriff: 5. August 2009

Bei Kriegsausbruch am 5. Juni entschlossen sich die Erdölminister von Saudi-Arabien, Alge- rien, Irak, Libyen, Kuwait, Katar, Syrien und Jordanien alle Öltransporte zu stoppen, die an Länder flossen, welche die aggressive Haltung Israels unterstützten. Allerdings konnte dieses erste Embargo aufgrund innerarabischer Rivalitäten nicht aufrecht erhalten werden. Dennoch plädierten Syrien, Algerien, Ägypten und der Irak weiterhin führ eine Beibehaltung des Erd- ölstopps.

Während die westliche Welt eher nüchtern auf das Embargo blickte und somit auch die Chan- cen einer ausgewogenen Nahostpolitik versäumten, lernten die Erdölförderländer, dass die Zeit für einen Einsatz der Ölwaffe noch nicht gekommen war und das diese auch nur durch Einigkeit aller Ölförderländer Erfolg haben könnte. Mit diesem Ziel vor Augen gründeten am 9. Januar 1968 Saudi-Arabien, der Irak, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten, Algerien, Bahrain, Katar, Libyen, Syrien und Tuniesen die Organization of Arab Petro leum Exporting countries (OAPEC). Diese Organisation sollte neben der OPEC ein zweites arabisches Standbein gegenüber den Ölgesellschaften im Westen bilden.21

4. Entstehung und Hintergründe zur Ölkrise 1973/74

Um die ausschlaggebenden Faktoren, welche schlussendlich zur Ölpreiskrise 1973/74 führten, zu determinieren, ist es von enormer Tragweite die weiteren Abläufe im Nahen Osten zu verstehen. Vor allem der vierte arabisch-israelische Krieg, das Declaratory Statement der OPECMitgliedsstaaten, Mu’ammar al-Gaddhafis Machtübernahme in Lybien und das Abkommen von Teheran und Tripolis sind hier die maßgebenden Faktoren, die schlussendlich den Preis für das Erdöl in die Höhe schnellen ließen.

4.1. DIE VORARBEIT

Im Jahre 1973 war der Zwiespalt zwischen den Ölgesellschaften und den Ölförderländern sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite sichtbar. Bereits im Winter 1972/73 kam es in den USA zu einer Verknappung des Heizöls und hätte der westlichen Welt ein Signal sein müssen, ihren Verbrauch an Erdöl zu reduzieren. Schon damals zeichnete sich ab, dass es zu einer Krise kommen würde, sollten die westlichen Länder ihren Konsum nicht ein- schränken. Schon ein Monat später versuchte der amerikanische Präsident Richard Nixon das Volk davon zu überzeugen, den Energieverbrauch zu senken. Zugleich entschloss er sich für die Durchsetzung zweier Gesetzesvorhaben: Zuerst wurde das Quotensystem für die Einfuhr von Erdöl abgeschafft und anschließend durch ein Zuteilungssystem ersetzt. Dennoch war die amerikanische Regierung nicht bereit, ihre Haltung auf politischer Ebene gegenüber Israel zu ändern. Gleichzeitig waren aber die Förderländer im Nahen Osten nicht bereit, die Haltung der USA zu akzeptieren.

Bereits im Mai 1973 kam es dann zu drei bedeutenden Ereignissen, welche die Anwendung des Erdöls als Waffe immer wahrscheinlicher erscheinen ließen. Erstmals brachte Libyen die Forderung einer 100 prozentigen Kontrolle der westlichen Ölgesellschaften ein und direkt nach Einstellung der Verhandlungen zwischen den OPEC-Staaten und den Ölgesellschaften bezüglich einer Entwertung des Dollars, kamen Spekulationen auf, bei der vereinzelte Mit- gliedsstaaten eine Erhöhung des Erdölpreises beabsichtigten. Zusätzlich dazu unterbrachen am 15. Mai 1973 vier Förderstaaten kurzfristig ihre Ölförderungen. Anlass dazu war die Gründung des israelischen Staates.

[...]


1 Vgl. Hohensee Jens, Der erste Ölpreisschock 1973/74. Die politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der arabischen Erdölpolitik auf die Bundesrepublik Deutschland und Westeuropa. Franz Steiner Verlag Stuttgart. 1996, S. 9.

2 Vgl. Steinbach Udo, Rüdiger Robert, Der nahe und mittlere Osten: Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Geschichte, Kultur, in: Hohensee Jens, Der erste Ölpreisschock 1973/74. Die politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der arabischen Erdölpolitik auf die Bundesre- publik Deutschland und Westeuropa. Franz Steiner Verlag Stuttgart. 1996, S. 9.

3 Vgl. Hohensee Jens, 1996, S. 9.

4 Vgl. Hungerbühler Eberhard, Rettet uns die Sonne vor der Energiekatastrophe? in: Hohensee Jens, Der erste Ölpreisschock 1973/74. Die politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der arabischen Erdölpolitik auf die Bundesrepublik Deutschland und Westeuropa. Franz Steiner Verlag Stuttgart. 1996, S. 9.

5 Vgl. Hohensee Jens, 1996, S. 9.

6 Vgl. Hatak Walter, Die Erdölkrise 1973 und ihre ökonomischen Konsequenzen. Wirtschaftswiss. Diss., Matzen 1977, S. 3.

7 Vgl. Tugendhat Christopher, Gigant Erdöl. Wirtschaft, Politik, Strategie, in: Gieler Wolfgang, Internationale Wirtschaftsorganisationen: Entstehung-Strukturen-Perspektiven. LIT Verlag Berlin - Hamburg - Münster 2005, S. 221.

8 Vgl. Kreiser Günter, Die Energiekrise und die Strategien der Energiesicherung. Franz Vahlen Verlag München 1979, S. 11f.

9 Vgl. Habibi Ardeschir, Vertikale Integration als Industrialisierungsstrategie für die OPEC-Staaten, in: Gieler Wolfgang, Internationale Wirtschaftsorganisationen: Entstehung-Strukturen-Perspektiven. LIT Verlag Berlin – Hamburg – Münster 2005, S. 221.

10 Vgl. Sayegh Kamal S., Oil and Arab regional development, in: Gieler Wolfgang, 2005, S. 221.

11 Vgl. Tugendhat Christopher, Erdöl: Treibstoff der Weltwirtschaft. Sprengstoff der Weltpolitik, in: Al‘Subay Muhammad, Das kollektive Handeln der OPEC-Staaten: Ein Anwendungsbeispiel für die Olsonsche Logik. LIT Verlag Berlin - Hamburg - Münster 2004, S. 63. mit folgender Erläuterung: Das „As Is - Abkommen“ entstand durch die Zusammenkunft der vier vorherrschenden Direktoren der Ang- lo-Persian Oil Company, der späteren British-Petroleum Company, der Royal/Dutch Shell und der amerikanischen Rockefeller-Gruppe im August 1928. Dieses Abkommen war der Grundstein für eine gemeinsame Förder- und Explorationspolitik. Die bestehenden Strei- tigkeiten der Erdölkonzerne waren beiseite gelegt und jeder der involvierten Konzerne erhielt einen prozentualen Anteil des absoluten Erdölverkaufs. Aufgrund des prozentualen Anteils konnte ein Konzern seinen Gewinn nur dann steigern, wenn die Gesamtnachfrage zu- nehmen würde. Zusätzlich verpflichteten sich die Mitglieder, den Status quo der Marktverteilung beizubehalten.

12 Vgl. Hohensee Jens, Der erste Ölpreisschock 1973/74. Die politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der arabischen Erdölpolitik auf die Bundesrepublik Deutschland und Westeuropa. Franz Steiner Verlag Stuttgart. 1996, S. 17.

13 Vgl. Imhoff Christoph, Silenius Axel, Energie - politische Macht, in: Hohensee Jens, 1996, S. 18. mit folgender Erläuterung: Insgesamt existierten zwischen den ölfördernden Ländern im Nahen Osten und den Ölgesellschaften zwei Preise für das Rohöl. Auf der einen Seite gab es den tatsächlichen Preis, zu dem das Öl auf dem Weltmarkt verkauft wurde und auf der anderen Seite war der „Posted Preis“, der vollkommen frei davon war, was die Unternehmen für das Erdöl auf dem Markt verlangten. Dieser diente ebenso als Bemessungsgrund- lage für die jährliche Gebühr der Ölgesellschaften an die Ölförderländer.

14 Vgl. Gieler Wolfgang, Internationale Wirtschaftsorganisationen: Entstehung-Strukturen-Perspektiven. LIT Verlag Berlin - Hamburg - Münster 2005, S. 221.

15 Vgl. Kreiser Günter, Die Energiekrise und die Strategien der Energiesicherung. Franz Vahlen Verlag München 1979, S. 12.

16 Vgl. Hohensee Jens, Der erste Ölpreisschock 1973/74. Die politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der arabischen Erdölpolitik auf die Bundesrepublik Deutschland und Westeuropa. Franz Steiner Verlag Stuttgart. 1996, S. 17.

17 Vgl. Chevalier Jean-Marie, Energie - die geplante Krise. Ursachen und Konsequenzen der Ölknappheit in Europa, in: Gieler Wolfgang, Internationale Wirtschaftsorganisationen: Entstehung-Strukturen-Perspektiven. LIT Verlag Berlin - Hamburg - Münster 2005, S. 222.

18 Vgl. Sadeq Atef Kamal, Die Erdölangebotspolitik im Prozess der Industrialisierung der OPEC-Länder, in: Gieler Wolfgang, Internationale Wirtschaftsorganisationen: Entstehung-Strukturen-Perspektiven. LIT Verlag Berlin - Hamburg - Münster 2005, S. 222.

19 Vgl. Kreiser Günter, Die Energiekrise und die Strategien der Energiesicherung. Franz Vahlen Verlag München 1979, S. 16.

20 Vgl. Michaelis Alfred, Erdöl in der Weltwirtschaft und Weltpolitik. Duncker & Humblot Verlag Berlin 1974, S. 184f.

21 Vgl. Hohensee Jens, Der erste Ölpreisschock 1973/74. Die politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der arabischen Erdölpolitik auf die Bundesrepublik Deutschland und Westeuropa. Franz Steiner Verlag Stuttgart. 1996, S. 30f.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Ölpreiskrise 1973/74 - Auswirkungen auf den deutschsprachigen Raum
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz
Note
1
Autor
Jahr
2009
Seiten
38
Katalognummer
V145544
ISBN (eBook)
9783640573097
ISBN (Buch)
9783640573981
Dateigröße
787 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Auswirkungen, Raum
Arbeit zitieren
Christoph Stachel (Autor), 2009, Ölpreiskrise 1973/74 - Auswirkungen auf den deutschsprachigen Raum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145544

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