Steven Spielbergs "Duell". Wie wird Spannung erzeugt?


Hausarbeit (Hauptseminar), 1998

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Spannungserzeugende Elemente
2.1. Die Hauptcharaktere
2.1.1. David Mann
2.1.2. Der Truck
2.2. Handlungsaufbau
2.3. Filmische Umsetzung

3. Interpretationsansätze

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Steven Spielbergs erster Spielfilm Duell aus dem Jahr 1971 erzählt eine einfache Story. Der Vertreter David Mann begegnet auf der Landstraße einem Truck. Aus harmlosen Überholmanövern entwickelt sich eine mörderische Jagd. Nachdem Mann anfangs diesem Kampf auszuweichen versucht, gelingt es ihm schließlich mittels einer List, den Tanker in eine Falle zu locken und zu bezwingen.

Spielberg konzentriert sich ganz auf diesen Zweikampf. Die wenigen Nebenhandlungen dienen der Verdeutlichung von Manns emotionaler Verfassung und verzögern gleichzeitig die Entscheidung. Trotz der überschaubaren Handlung weist der Film zu keinem Zeitpunkt Lücken in der Handlung oder in der Spannung auf. Dies wird erreicht, indem der Fahrer des Trucks sowie seine Motivation David zu jagen, sowohl dem Zuschauer als auch dem Fahrer des Pkws bis zum Ende verborgen bleibt. Die kompromisslose Einfachheit der Geschichte ermöglicht darüber hinaus verschiedene Lesarten des Films, da keinerlei Erklärungen angeboten werden.

Der Hauptteil der vorliegenden Arbeit beleuchtet, in welcher Weise die Elemente Figurenkonstellation, Aufbau der Handlung und Filmische Umsetzung zum Spannungsaufbau verwendet worden sind. Im Folgenden werden ausgesuchte Interpretationsansätze vorgestellt. Den Schluss bildet eine Zusammenfassung der Ergebnisse.

2. Spannungserzeugende Elemente

2.1. Jäger und Beute

2.1.1. David Mann

Eine grundlegende Voraussetzung für das Empfinden von Spannung ist, sich eben dieser auszusetzen. Für uns als Zuschauer übersteht David Mann eine außerordentliche Bedrohung. Die bewältigte Gefahr hinterlässt ein Gefühl von Genugtuung und Befriedigung. Die Charakter David Mann wird als Leitfigur des Films etabliert. Dies geschieht einerseits inhaltlich durch seine zentrale Stellung innerhalb der Handlung, andererseits filmisch durch Montage und Kameraführung.

Spannungswahrnehmung basiert gleichfalls auf der Chance für den Betrachter, sich mit der Leitfigur zu identifizieren. Die Durchschnittlichkeit Manns bietet einem Großteil des Publikums Identifikationsmöglichkeiten. Obwohl der Zuschauer eines Thrillers eine ungleich aktivere, heldenhafte Reaktion des Protagonisten erwartet, erkennt sich der Zuschauer in David Mann[1]. Ersatzweise für das Publikum erfährt er eine sich steigernde Bedrohung, ist nach vielen erfolglosen Fluchtversuchen zum Handeln gezwungen und stellt sich letztlich seinem Schicksal. Die Schematisierung der alltäglichen Probleme Manns ermöglicht es, diese zu verstehen und wiederzuerkennen. Gefahren tauchen im Alltag unerwartet und plötzlich auf. Die Einstiegssituation der Geschichte - Überholmanöver und Behinderungsversuche - erzählen folglich gewohnte Situationen. Aus der unterschwelligen Gefahr ergibt sich schrittweise die Einsicht in die Bedrohlichkeit der Lage. Zusammen mit der Hauptfigur durchlebt der Zuschauer die Konflikte, welche das Duell vorbereiteten.

David Mann ist ein absolut unspektakulärer Zeitgenosse. Kein Held, der sich Gefahren stellt, sondern ein Mensch wie Du und ich, mit Ängsten und Unsicherheiten. Er ist der Inbegriff der Mittelklasse und, was das anbelangt, mit dem Großteil des Fernseh -und Kinopublikums identisch. Die Normalität David Manns wird sowohl durch sein „antiheldisches“ Verhalten, als auch durch Spielbergs Inszenierung betont.

Diese Kennzeichen von Normalität sind mal stark akzentuiert, mal bedürfen sie genauer Beobachtung. Da ist zuerst der Name. Gesprochen ist „Mann“ sowohl im Englischen wie im Deutschen das Synonym für Alle / Jeden. Es fehlt jegliche Individualität. Sein Name kann aber auch in einer anderen Weise gedeutet werden. Geschrieben ist „Mann“ gleichbedeutend mit einem echten Kerl, einem Mannsbild, der sich kraftstrotzend der Gefahr stellt. Ein Indiz auf die Wandlung der Hauptfigur vom Gehetzten zum Triumphator. Der Vorname „David“ könnte auf die der Filmhandlung naheliegende Geschichte von „David und Goliath“ hinweisen.

David bewohnt mit seiner Frau und zwei Kindern ein Vorstadthaus samt Garage. Sein roter Plymouth ist weit entfernt von dem, was man sich unter einem amerikanischen Automobil schlechthin vorstellt. Schwach motorisiert, auf schmalen Reifen daherkommend, aber frisch gewaschen, entspricht es exakt seinem Besitzer. Manns Lebensstil, sein Auto, seine Kleidung, selbst seine Sitzhaltung beim Autofahren sind von Kleinbürgertum und Durchschnitt geprägt.

Das Telefongespräch mit seiner Frau zu Beginn seiner Fahrt entlarvt ihn darüber hinaus als rückgratlos. Sie wirft ihm mangelnde Entschlossenheit bei der Verteidigung ihrer Ehre vor, was ihn wiederum in Beweisnot seiner Männlichkeit bringt. Neben ihren Vorwürfen ist sein pünktliches Erscheinen zum Abendessen einziges Thema der Unterhaltung. Dieses Gespräch besitzt eine wichtige Funktion, da es von der sonst konsequenten Konzentration auf das Duell und den Highway abweicht, und den einzig längeren Dialog im Film darstellt. Zeigt diese Sequenz David Mann doch als einen in seiner Routine gefangenen Menschen, für den ein Ausbruch aus dieser Routine unmöglich scheint. Spielberg verstärkt diesen Eindruck auch mittels seiner Bildkomposition, indem er den telefonierenden David Mann durch das runde Fenster einer Waschmaschine filmt, um ihm einen Rahmen zu setzen.

Mann macht sich morgens auf den Weg zu einem Kundenbesuch außerhalb der Stadt. Er lässt die vertrauten Strukturen hinter sich. Aus der Alltäglichkeit fährt er immer weiter in die Isolation hinaus. Verkehr und Siedlungen werden weniger, die Landschaft zur Einöde. Soziale Bindungen werden gekappt[2]. Verständlicherweise fällt es ihm anfangs schwer, die Beweggründe des geheimnisvollen Fremden zu verstehen, der ihn bedrängt. Als er den Ernst der Lage erkennt, reagiert er mit panikartiger Furcht. Seine desolaten Hilfsappelle stoßen bei seinen Mitmenschen auf Verständnislosigkeit. Völlig auf sich allein gestellt, nimmt Mann die Herausforderung schließlich an und sucht eine Entscheidung. Somit gerät sein Auszug aus der Stadt zur Bewährungsprobe. In der Einsamkeit wächst der „Durchschnittsmensch“ über sich hinaus[3]. Der durch ein taktisches Manöver errungene Sieg über den mächtigen Gegner ist letztlich auch ein Triumph über sich selbst und über die Normalität. David, der immer nur eingesteckt hat, ist es leid „herumgeschubst“ zu werden. Gleich ob von Vorgesetzten, von der Ehefrau oder - wie hier im wörtlichen Sinn - von einem monströsen Truck.

[...]


[1] Vgl. Ammer, 1986, S. 250

[2] Vgl. Hickethier, 1987, S. 44f.

[3] Vgl. Sesslen, 1995, S. 28

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Steven Spielbergs "Duell". Wie wird Spannung erzeugt?
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Filmwissenschaft)
Veranstaltung
Steven Spielberg
Note
1,0
Autor
Jahr
1998
Seiten
18
Katalognummer
V14555
ISBN (eBook)
9783638199209
ISBN (Buch)
9783656911593
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Steven, Spielberg, Duell, Spannung
Arbeit zitieren
Markus Schardt (Autor), 1998, Steven Spielbergs "Duell". Wie wird Spannung erzeugt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14555

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